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Kategorie: Gedanken

Another Me

Another Me

Mein anderes Ich reist an fremde Orte, lernt Cello spielen, vertraut auf Bauchgefühle und hält sich nicht an überholte Regeln. Es lächelt still vergnügt und ist sich seines Seins wohl bewusst.

… während dieses Ich zweifelt und hadert und Angst hat vor jedem Schritt und dabei trauert, weil das andere Ich zwar spürbar ist, aber so unendlich weit entfernt scheint.

Eigentlich wollte ich nur diesen kurzen Gedanken hier lassen, den ich gestern beim Sonne-und-Farben-tanken im Park hatte. Jetzt, beim Schreiben, wird mir bewußt, dass es mich in meiner Erinnerung schon immer als zwei Ichs gibt: eine, die ich bin und eine, die ich sein könnte und gerne wäre. Und wieder einmal zerreißt es mich innerlich.

Warum habe ich nie an mich glauben können? Warum war ich es mir selbst nie wert, meine Träume zu verwirklichen? Warum habe ich so oft in meinem Leben nur reagiert, statt zu agieren?

Jeden Verlust, jeden Fehlschlag, jeden Vertrauensbruch, jedes Hintenan-gestellt-werden… habe ich hingenommen in dem Gefühl, es stünde mir nicht anders zu. So habe ich es gelernt, meine ganze Kindheit und Jugend durch.
Du willst etwas? Keine Zeit, kein Geld, erst kommen die anderen. Dir wurde was genommen? Stell dich nicht so an. Deine beste Freundin hat sich eine andere gesucht? Dann hast du wohl nicht genügt. Dein Freund hat dich verlassen? Das kann nur an dir gelegen haben. Du willst gar nicht Musik studieren, wie wir es seit Jahren für dich geplant haben? Das ist ein Privileg, respektiere das gefälligst! Du hast einen anderen Traum? Vergiss es, das schaffst du eh nie!

Wie kann ich jetzt noch lernen, mir zu glauben? Wie kann ich jetzt noch mein anderes Ich werden?

Tage nach Nächten mit Träumen

Tage nach Nächten mit Träumen

Tage nach Nächten mit Träumen vom Ex sind schwer auszuhalten, wei sie mir jedes Mal bewußt machen, was in meinem Leben so sehr fehlt.

Aber immerhin bin ich der Beweis dafür, dass ein Mensch auch ohne Liebe *) leben kann. Ist ja auch was. / Ironie off.

 


*) Partnerschaftliche Liebe, nicht die von Kindern, Schwestern, Freund*innen. Die ist wichtig, aber nicht zu vergleichen, wie wir ja alle wissen.

Trost

Trost

Seit Jahren jongliere ich schon mit Worten und Ausreden und Erklärungen rum, warum ich diese vielen zusätzlichen Kilos auf mich drauf gepackt habe. „Es war das einzige, was ich kontrollieren konnte.“ – „Es war ein Schutzwall um meine Gefühle, um mich.“ – „Es hielt die Menschen von mir fern.“ Usw. usw.
Und dann gerate ich heute auf zufälligen (?) Wegen an die Leseprobe eines Buches *) und *bäm* da steht es und trifft mich wie ein Hammer:

»Du meinst also, das Beste, was du vom Leben bekommen kannst, ist kalte Gemüsesuppe?«
Als sie weiterspricht, bebt ihre Stimme. »Es ist der einzig wirkliche Trost, den ich habe, und ich werde nicht auf ihn verzichten.«

Es geht um Trost, einfach immer. Früher und jetzt – letztendlich läuft es immer auf Trost hinaus. Ja, auch Anerekennung, Liebe, Unterstützung, Partnerschaft… fehlt mir, aber das allumfassende Gefühl, das meinen Mangel am besten beschreibt, ist der Wunsch nach Trost.

Ich möchte getröstet werden: für alles, was ich erleben musste, ohne es zu verstehen. Für alles, was ich entbehren musste. Für all die Momente, in denen ich alleine gelassen wurde, zureckstecken musste, übersehen und überhört wurde. Für jeden Moment, in dem ich physisch und psychisch verletzt wurde.
Ich möchte getröstet werden. Gehalten, umsorgt, geliebt. Ich brauche keine guten Ratschläge, es reicht, wenn jemand mich hält und mir sagt, dass alles gut wird.

Dass die Erdnussflips und Sahnetorten mich nicht trösten, auch wenn der Geschmack eine Erinnerung daran auslöst, wie sich Trost womöglich anfühlen könnte, ist mir bewußt. Aber es ist im Moment (scheinbar) der einzige Trost, den ich habe. Außer, ich lerne, mich selbst zu trösten.

Denn was im Trost enthalten ist, ist Zuversicht. Dass ich es schaffen werde, dass ich wieder ins Leben komme, dass ich meine Ängste überwinden kann, dass ich irgendwann mal essen kann, weil ich einfach nur Hunger habe.

Solange ich aber dem Essen die Schuld an meinem Übel gebe, solange ich bei jedem Bissen entweder ein schlechtes Gewissen habe oder ihn trotzig in mich reinstopfe, tröste ich mich nicht, sondern verlagere das eigentliche Problem weiter und bin noch dazu schlecht zu mir. Damit bleibe ich im alten Muster, weit entfernt von Trost und Zuversicht.

Und da sind wir wieder: bei den alten Mustern (Wegen, Gedanken), die so hartnäckig ums Überleben kämpfen. Es spielt keine Rolle, dass ich mir selbst damit schade. Sie sind gewohnt und damit einfacher.
Der erste – alte – Gedanke, der kommt, ist dieser: habe ich überhaupt ein Recht auf Trost? Habe ich wirklich so sehr gelitten, dass ich getröstet werden muss? Haben die anderen nicht viel mehr gelitten als ich? Die kommen doch auch damit klar, warum kann ich das nicht?
Aber das ist ein anderes Kapitel.

 


*) Geneen Roth: Essen ist nicht das Problem

Alles so schwarz hier

Alles so schwarz hier

Ich habe gestern mal wieder Fotos ausgesucht, mit denen ich meine Beiträge hier bebildern könnte, wenn ich wollte. Irgendwann fiel mir auf, dass ich unbewußt nur dunkle, traurige, einsame und nachdenkliche Motive gewählt habe.

Schreibe ich wirklich so wenig bunt und fröhlich, obwohl es das in meinem Alltag doch genauso gibt wie die andere Seite?

Ich sollte mehr von diesen hellen Schätzen aufbewahren und sie nicht einfach davonziehen lassen. Zu einer anderen Zeit könnte ich sie brauchen.

„Stop apologizing for being you“

„Stop apologizing for being you“

„Hör auf, dich dafür zu entschuldigen, dass du du bist.“

Dieser Satz begegnete mir heute auf Twitter und traf sofort einen Nerv.

So einfach kann es sein. Und das meine ich diesmal nicht ironisch. Im Gegenteil.
Warum sollte ich mich denn auch entschuldigen und vor allem: wofür? Dass ich unsicher bin, hochsensibel auf Stimmungen reagiere, blaue Augen habe, mit Fressanfällen meine innere Leere zugestopft habe, unsäglich müde bin? Dass ich nicht so gelitten habe unter unserer Kindheit wie meine anderen Schwestern, sondern anders? Dass ich nicht mehr funktioniere für diese Gesellschaft, sondern nach meinen eigenen Regeln und Bedürfnissen leben und arbeiten möchte, weil ich sonst auch für mich nicht mehr funktioniere? Dass ich so bin, wie ich (geworden) bin?

Wenn ich mich den Tag über beobachte, fällt mir auf, dass es kaum eine Situation gibt, in der ich mich nicht dafür entschuldige resp. rechtfertige,

  • wer ich bin
  • wie ich bin
  • was ich mache
  • warum ich etwas mache
  • dass ich nicht anders bin
  • dass ich etwas nicht getan habe
  • dass ich nicht besser bin
  • ….

Ich bin so daran gewöhnt, mich nicht in Ordnung zu finden, dass die innere Entschuldigung / Rechtfertigung automatisch und oft unbemerkt geschieht. Dabei gelten die Regeln der Bewertung nur für mich, niemals für andere. Nur ich mache etwas falsch, nur ich liebe zuviel, nur ich kann das alles nicht, nur ich bin so blöd.
Es braucht dazu noch nicht einmal ein Gegenüber, das mich in irgendeiner Art in Frage stellen oder bewerten würde: ich kann das ganz allein.

Und natürlich schaue ich schon mein Leben lang danach, was andere von mir erwarten (könnten), um nur ja nicht falsch zu sein, abgelehnt zu werden, missachtet zu werden. Gleichzeitig aber rebelliere ich gegen dieses Verhalten, weil ich ja irgendwo in mir weiß, dass es falsch ist und dumm und unnütz. Dieses Wissen und die Reaktion der Mitmenschen auf diesen Widerspruch bestätigt mich in meiner Annahme, dass ich falsch bin und blöd und nicht wert, geliebt zu werden.

Dieser Teufelskreis hat mich einsam und müde gemacht.

Ich möchte mich nicht mehr dafür entschuldigen, dass ich so bin. Ich möchte mich so gerne anerkennen, wie ich bin.

Update zum Entzug

Update zum Entzug

Seit 3 Wochen bin ich ohne Citalopram. Die körperlichen Nebenwirkungen sind wohl vorbei, jedenfalls ist das Schwindelgefühl weg, der Magen wieder normal und das Knistern im Kopf nur noch selten vorhanden. Vermutlich hängt das also doch eher mit der Psyche zusammen, denn es taucht immer dann noch auf, wenn ich mich besonders angespannt oder unter Druck fühle. Gleichzeitig wird der Tinnitus lauter, was ja sowieso immer schon Anzeichen für Spannung ist. In den letzten Tagen versuche ich, darauf sehr acht zu geben und immer wieder Entspannungsübungen zu machen. Ja, liebe Schultern, das könnte regelmäßiger passieren, ich weiß.

Deutlich hat sich mein psychischer Zustand verändert: alles fühlt sich klarer an als vorher. Auch wenn es abgedroschen klingt – es ist tatsächlich so, als wäre ich in Watte gepackt gewesen und hätte einen Schleier über mir gehabt und beides ist jetzt weg. Ich bin näher dran an den Emotionen, an den Gedanken, an mir. Die Tränen fließen zwar dadurch auch schneller, aber das stört mich nicht: ich bin eh ’ne sentimentale Kuh *gg*.

Ich bin wirklich froh, dass ich jetzt weg bin von dem Zeug. Es hat geholfen am Anfang, als gar nichts mehr ging, keine Frage. Rückwirkend würde ich es wieder so machen. Aber jetzt ist es gut, ab jetzt geh ICH ALLEINE weiter.

Prokrastinationslevel 98,6

Prokrastinationslevel 98,6

… und wenn ich nicht schiebe, dann laufe ich weg, spiele Verstecken oder starre Löcher ins Leere.

Blöd, dass bei soviel „Aktivität“ am Ende nichts bleibt außer dem schlechten Gewissen.

[Fortsetzung von hier]

Zu wenig Zeit

Zu wenig Zeit

Ein sonniger Sommersonntagnachmittag, die Balkontür weit offen, aus meinen Lautsprechern klingt David Fray, der Ravel spielt.

Dabei wird mir bewußt, dass, selbst wenn ich in jeder meiner verbleibenden Minuten Musik hören würde, ich nicht mehr alles hören könnte, was ich noch nicht kenne. Noch nicht eingerechnet ist dabei, dass ich Musik weit mehr als nur einmal höre, wenn sie meine Seele tief berührt.

Ich sollte viel weniger Zeit ohne Musik verbringen.

Allein

Allein

In den letzten Tagen bin ich wieder sehr im Thema Depression, sicher auch dank des Entzugs. Ich lese Beiträge auf Twitter und in Blogs, schaue Videos, suche nach Infos.

Heute ein weiterer Film über Menschen mit Depressionen und deren Geschichte. Ich verstehe so vieles, kann es nachvollziehen, fühle mit. Im Hintergrund lauern, das war klar, die Tränen.

Eine junge Frau kämpft mit / gegen ihre Angst, wieder an den Arbeitsplatz zurück zu müssen. Sie probt den Weg dorthin, um die Panik in den Griff zu bekommen. Gibt kurz vor Erreichen des Ziels auf. Ihre Chefin hat es gesehen, kommt auf die Straße um ihr zu helfen, nimmt sie in den Arm.

Das ist der Moment, in dem meine Tränen überfließen.

Ich fühle mich so alleine, allein gelassen. Es gibt keine Hand, keine Schulter, keine Stütze – keinen Menschen in meinem Leben, der einfach da ist für mich. Der nicht helfen will, sondern trösten, zuhören, lachen, weinen, reden, schweigen. Da sein. Dem ich nicht zuviel bin mit meinem Schmerz, meinem Nicht Können, meinen Selbstzweifeln. Der mich mag, nicht „trotz“ und auch nicht „weil“, sondern nur „so“. Der nicht erwartet und nicht geben will um jeden Preis.

Wie schon mein Leben lang bin ich damit allein.

Prokrastinationslevel 97 3/4

Prokrastinationslevel 97 3/4

Ich schiebe.

Schiebe auf, schiebe weg, schiebe hinter etwas, schiebe vor.
Aufgaben, Dinge, Pläne, Pflichten, Gründe:
was auch immer mir in den Weg kommt, wird geschoben.

Als letztes bleibt, mich selbst zu schieben. Wenn ich doch nur wüßte, wohin.
Wenn ich doch nur nicht alles wegschieben würde, was mir helfen würde, das Ziel zu finden.