Wortbilder

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Take Five

Aus einem vorbeifahrenden Auto klingen ein paar Takte Musik. Ein leichtfüßiges Saxophon, das sich charmant über alle Regeln hinweg setzt… so wie sie, die junge Frau an seiner Seite, aus deren Augen die pure Lebenslust blitzt und die wie der Wind durch die alten Florentiner Gassen wirbelt.

Durch den überraschend einsetzenden Schauer laufen sie Hand in Hand über die Piazza, retten sich lachend unter die Markise eines der zahllosen Strassencafés und lassen sich auf die eisernen Stühle fallen. „Due caffè, per favore!“ ruft sie dem Kellner in perfektem italienisch zu und nimmt sogleich ihren unentwegt perlenden Strom von Erzählungen wieder auf.
Er schaut sie an, still lächelnd. Wie er sie vermisst hat! So vertraut ist noch immer jede Geste, jedes Lachen. Wie schön sie geworden ist und wie erwachsen, hier in diesem einst fremden Land, in dem jedes Wort und jeder Ton nach „amore“, nach Liebe klingt.

War es nicht erst gestern, dass er dieses zauberhafte Wesen an sein stolzes Vaterherz drückte?

 


 

Nur ein Traum?

Aus dem Untergrund strömen Menschen die Treppe hinauf, klappen Schirme auf wie Taschenmesser, um sich vor dem plötzlich eingesetzten Regen zu schützen. Sie stürzen sich in den Verkehr, hasten aneinander vorbei und um sie herum.

Regungslos steht sie dort auf dem Fußweg, frierend in ihrem dünnen Sommerkleid, ihr roter Schirm leuchtet inmitten der grauen Masse. Ihr Gesicht ist ausdruckslos. Tränen strömen an den Wangen herunter, sie macht keine Bewegung, um sie aufzuhalten. Sie kann ihn kaum noch erkennen, er ist bereits mit der davon eilenden Menschenmenge verschmolzen. Die Worte pochen noch in ihren Ohren: “Leb wohl, meine Herzensschöne.” Keine Erklärung, nichts.

War es doch nur ein Traum?

 


 

Letzter Tanz

Jetzt wär mir nach einem letzten Glas, einer Zigarette und einem letzten Tanz zum letzten Blues, den der Mann am Flügel aus seinen Tasten holt. Ineinander versunken, den Kopf auf der Schulter liegend, leise Bewegung ohne Ziel und Zeit. Draußen drehen die Strassenkehrer bereits ihre Runden und erneuern wie jeden Tag die Illusion, dass die Nacht gar nicht stattgefunden hat. Ganz hinten am Ende des Himmels lässt sich erahnen, dass in wenigen Stunden das grelle Licht alle Sünden des zu lauten Lebens erbarmungslos preis geben wird…. bis man sich nach Einsetzen der Dämmerung – manchesmal auch schon früher – wieder am Tresen der alten Pianobar begegnet und auf einen weiteren überstandenen Tag anstößt.

Komm, tanz mit mir. Nur einmal noch.

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