04-02-2024 Für die Chronik

Eigent­lich hab ich keine Lust zu schrei­ben, aber in der letz­ten Woche hat sich so viel getan, dass ich das hier mal fest­hal­ten sollte.

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Die Brille
Am Frei­tag, 26.01. war ich wie­der bei Fiel­mann. Das vierte Mal wegen der neuen Brille. Die vierte Mitarbeiter*in, die sich daran ver­sucht. Ich weiß nicht, was sie gemacht hat (außer neue Nasen­nup­sis ein­zu­set­zen), aber das ist mir auch egal, denn sie hat schein­bar das rich­tige getan: end­lich ist das fremde Gefühl weg! Sie rutscht immer noch immer wie­der ein Stück die Nase run­ter, aber sie fühlt sich wie­der an wie zu mir pas­send. Was für eine unfass­bare Erleich­te­rung. Und wie schnell sich meine Stim­mung erholt hat ohne diese per­ma­nente Stö­rung. Ich bin so unend­lich froh.

Dia­be­tes
Am Frei­tag war auch der vier­tel­jähr­li­che Ter­min bei der Dia­be­tes­ärz­tin und wie schon beim letz­ten Mal gab es die - noch - freund­li­che Ermah­nung, dass sich meine BZ-Werte ganz ganz drin­gend ändern müs­sen. Die sind auch dafür ver­ant­wort­lich, dass ich so müde und kraft­los bin. Auf der Waage war ein Kilo weni­ger zu sehen als letz­ten Okto­ber, aber das reicht noch ewig nicht. Wenigs­tens sind die Augen oB und die ande­ren Werte in Ord­nung.
Ich ver­stehe, dass sie mir sagen muss, dass das so nicht gut ist und ich was machen muss, aber das hilft mir halt lei­der nicht - ich kann es des­we­gen trotz­dem nicht. Theo­re­tisch weiß ich ja alles, aber wie setz ich das um in mei­nem All­tag? Wie schaff ich es, kei­nen Hun­ger mehr zu haben? Wie werde ich meine Angst los, dass ich nicht genug Nah­rung bekomme, obwohl ich gleich­zei­tig weiß, dass es mit Sicher­heit reicht und ich nie im Leben ver­hun­gern kann? Ich brau­che Hilfe dabei. Und das führt direkt zum nächs­ten Punkt:

Die Kli­nik
Am Mitt­woch, 31.01., fiel die Gruppe aus, weil der Aus­flug ins Wun­der­land letzte Woche als Dop­pel­ter­min galt. Ich hatte also frei und hab wie immer an sol­chen Tagen lange gepennt. Als mich gegen Mit­tag der Anruf von der Kli­nik weckte, hab ich mir erlaubt, nicht draun zu gehen, son­dern erst spä­ter zurück zu rufen. Ja, ich darf sowas.
Die gute Nach­richt: wenn ich spon­tan sei, könnte ich Mitte Februar kom­men. Die schlechte Nach­richt: es gibt keine Ein­zel­zim­mer für Akutpatient*innen. Es steht zwar auf der Web­seite, aber der Chef hat es (am Don­ners­tag) auf Nach­frage noch­mal bestä­tigt. Nope, keine Extras für das gemeine Fuß­volk, das auf Kran­ken­kas­sen­kos­ten kommt. Sowas ist dann nur gegen Auf­preis erhält­lich - oder eben als Reha, aber das will die RV ja nicht. Tja. Dann sitz ich hier eben wie­der alleine muss ich eben wei­ter suchen.
Gut, dass ich nicht auf den Rück­ruf mit der Nach­richt gewar­tet, son­dern selbst ange­ru­fen hab, wäh­rend ich wie immer zu früh bei der The­ra­pie war. So konnte ich das wenigs­tens gleich tei­len und abladen.

Erkennt­nis aus der The­ra­pie
Ich jam­mer­klagte, dass ich gerne mal wie­der ein hal­bes Jahr | 3 Monate | okay, viel­leicht 6 Wochen ja, schon gut, aber wenigs­tens eine Weile? mal keine neuen Pro­bleme und Her­aus­for­de­run­gen haben würde. Die The­ra­peu­tin dar­auf­hin: “Das wird nicht pas­sie­ren, so ist das Leben nicht.” Aber sie zeigte mir auch noch­mal deut­lich auf, dass ich inzwi­schen durch­aus in der Lage bin, für mich zu sor­gen und mich eben nicht vom Leben über­rol­len lasse. Manch­mal kommt zwar alles auf ein­mal, aber das heißt ja nicht, dass ich auch alles auf ein­mal erle­di­gen oder klä­ren muss.
Deut­lich zu spü­ren ist für mich, dass vie­les, was mich noch vor 1 oder 2 Jah­ren tief ins Loch gewor­fen hätte, heute kein Weck­ruf für Igor mehr ist. Da hat sich die ganze Arbeit doch gelohnt.
Das erste Mal seit Juni 2021 - dem ers­ten Gespräch nach dem offi­zi­el­len Ende der The­ra­pie - hab ich den Abstand zwi­schen den Ter­mi­nen auf sechs statt wie sonst vier Wochen erwei­tert. Es bleibt immer noch das Thema mit der Ess­stö­rung übrig, aber viel­leicht brau­che ich dafür einen ande­ren Ort. Viel­leicht kann ich mit der Depres­sion jetzt alleine umgehen.

Der Graue Vogel
Da es nun nichts mit der Kli­nik wird und die Suche nach einer ande­ren - mit Ein­zel­zim­mer! - eine Weile dau­ern kann, steht als nächs­tes die Augen-OP an. Nächs­ten Don­ners­tag (08.03.) hab ich das Vor­ge­spräch dazu, wo ich dann alles erfahre zum Ablauf und wir die Ter­mine für die OPs aus­ma­chen. Ich hab Schiss davor, aber ich hoffe den­noch, dass es mög­lichst schnell geschieht und ich es dann hin­ter mir habe. Und so lange halte ich die rut­schende Brille jetzt auch noch aus, danach gibt es eh eine neue.

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Nach der lan­gen schlech­ten Phase geht es jetzt viel­leicht wie­der berg­auf. Die Dinge sor­tie­ren sich, die Tage wer­den wie­der hel­ler und die Stim­mung auch. Wei­ter geht es, Schritt für Schritt mit Pau­sen zum Luft holen. Auf­ge­ben ist immer noch keine Lösung.

23-01-2024 Zurück zu doof

Das war ein kur­zer Blitz, der da ges­tern mein Leben erhellt hat. Die Vor­stel­lung, ohne Brille leben zu kön­nen, ist immer noch groß­ar­tig und 99% sicher werd ich die OP machen las­sen, aber das ändert halt lei­der nichts an der momen­ta­nen Lage und die ist in Bezug auf die Brille wei­ter­hin beschis­sen. Ich will das nicht, will nicht dau­er­ge­nervt sein, ver­su­che mich abzu­len­ken, an schöne Dinge zu den­ken - es hilft nicht oder nur kurz. Da ist ein­fach per­ma­nent das Gefühl, dass etwas in mei­nem Gesicht ist, was da nicht hin­ge­hört. Es geht soweit, dass die Haut völ­lig über­reizt ist und regel­recht weh tut.

Ich war darum heute nach­mit­tag wie­der bei Fiel­mann, dies­mal bei einer ande­ren jun­gen Opti­ke­rin. Sie hörte mir auf­merk­sam zu, als ich ver­suchte, das Stör­ge­fühl zu beschrei­ben, griff mir an den Kopf um zu spü­ren, wie die Brille da hin­ten sitzt und schraubte dann irgend­was an den Bügeln rum. Tja. Lei­der nicht anders als vor­her.
Am bes­ten schlaf ich ein­fach durch, bis … ja, bis wann? Was mach ich, wenn die Kli­nik zuerst einen Platz für mich hat und die Brille bis dahin immer noch falsch ist? Dann sitz ich da sechs Wochen oder mehr und bin genervt. Soll ich also lie­ber hof­fen, dass ich nicht oder erst spät auf­ge­nom­men werde, so dass ich die OP vor­her machen las­sen kann? Eigent­lich will ich ja end­lich anfan­gen, an dem blö­den Ess-Thema zu arbei­ten, aber jetzt grade wün­sche ich mir tat­säch­lich die zweite Vari­ante. Erst die Augen, dann das Essen.

Alles doof.

(Nein, nur fast alles. Die Mitt­wochs­gruppe geht mor­gen ins Minia­tur Wun­der­land - da ist im Januar immer freier Ein­tritt für alle, die es sich nicht leis­ten kön­nen - und dar­auf freu ich mich sehr. Und viel­leicht lenkt es mich ja auch mal ein paar Stun­den von allem Doo­fen ab.)

22-01-2024 Ein Lichtblick?

Viel­leicht kommt da ganz aus Ver­se­hen etwas wirk­lich Gutes auf mich zu.

Heute mor­gen war ich end­lich bei der Augen­ärz­tin für die jähr­li­che Unter­su­chung, die ich wegen der Dia­be­tes machen las­sen muss. Das ist eine län­gere Pro­ze­dur, weil die Pupil­len mit Hilfe von Trop­fen erst weit gestellt wer­den müs­sen und das dau­ert halt eine Weile.
Als ich irgend­wann auf­ge­ru­fen wurde und durch den Flur ins Sprech­zim­mer ging, stand genau die Arzt­hel­fe­rin bei der Ärz­tin, die ich gut kenne, weil sie Nach­ba­rin mei­ner Toch­ter ist und ihre Toch­ter die beste Freun­din vom Enkel. Wir begrüß­ten uns mit einer Umar­mung und frag­ten gegen­sei­tig nach dem Befin­den; auf den fra­gen­den Blick der Ärz­tin erzählte ich die­ser von unse­rer Ver­bin­dung. Ob sie dar­auf­hin noch etwas freund­li­cher war als sowieso schon? Wenn ich an all die Fach­men­schen denke, mit denen ich in den letz­ten Wochen zu tun hatte, war sie jeden­falls defi­ni­tiv die herz­lichste und fröh­lichste. Was für einen Unter­schied das macht und wie anders und ange­nom­men ich mich heute fühlte.

Sie fragte dann kurz, ob es noch einen ande­ren Grund gäbe, wes­halb ich da sei (außer der jähr­li­chen Unter­su­chung) und ob sie etwas für mich tun könnte. Ich meinte nur, ich hätte mit der Brille ein Pro­blem, aber dabei könnte sie mir lei­der nicht hel­fen. Dar­auf­hin schaute sie in meine Pati­en­ten­akte, guckte sich die Werte der ers­ten Mes­sung heute mor­gen genau an und eröff­nete mir dann, dass meine Lin­sen wohl leicht ein­ge­trübt seien (also irgend­was in Rich­tung Grauer Star) und dass man das so ope­rie­ren könnte, dass ich danach nur noch - je nach­dem, wel­che Lin­sen man als Ersatz ein­setzt - eine Brille für die weite Ferne oder zum lesen bräuchte. Und dann kam die beste Nach­richt: das müsste ich nicht selbst zah­len, das über­nimmt bis auf einen klei­nen Eigen­an­teil die Kasse, weil es eben wegen des Grauen Stars wäre.

Was für eine Vor­stel­lung: nie wie­der eine Brille im All­tag, nur zum Lesen! Am Mor­gen die Augen öff­nen und sehen kön­nen! Unter der Dusche sehen, beim Schwim­men sehen, keine Druck­stel­len mehr im Gesicht und hin­ter den Ohren, keine schmie­ri­gen Bril­len­glä­ser, kein Beschla­gen im Win­ter und über der Maske! Und das alles auf Rezept. Unfassbar.

Ich hab gesagt, dass ich das erst­mal sacken las­sen muss. Zudem muss es ter­min­lich unter Umstän­den mit der Kli­nik koor­di­niert wer­den. Wenn ich da noch ein hal­bes Jahr auf einen Platz war­ten muss, könn­ten die Augen vor­her gemacht wer­den. Ich weiß im Moment auch noch nichts über den Ablauf, das muss ich noch erfra­gen. Wenn erst eins und spä­ter das andere Auge gemacht wird, wie guck ich dann in der Zwi­schen­zeit? Wie lange wird sich das hin­zie­hen, bis beide Augen wie­der heil sind? Das muss ich alles noch raus­fin­den, aber ich glaube, ich will das machen las­sen. Es wäre wirk­lich eine große Erleichterung.

Das Ver­rückte ist - darum das “aus Ver­se­hen” vom Anfang - wenn ich nicht über die Brille geschimpft hätte, hätte die Augen­ärz­tin das nicht vor­ge­schla­gen, weil es eigent­lich noch nicht sein müsste. (So hab ich es jeden­falls verstanden.)

Ein Licht­blick, eine gute Aus­sicht, das erste Mal seit län­ge­rem. Hof­fent­lich ist es wirk­lich einer.

21-01-2024 Die Brille, der Anruf, das Tief

Das Tief geht wei­ter. Von den 20 Tagen im Januar haben 11 in mei­ner Stim­mungs-App ein “schlecht” als Bewer­tung bekom­men (das ist die vor­letzte Stufe auf der Skala). So eine lange miese Phase gab es noch nie in den gut 7 Jah­ren, die ich die App jetzt nutze.

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Die neue Brille ist ein Desas­ter. Die Stärke geht eigent­lich, aber da sie nie rich­tig sitzt, seh ich auch nicht rich­tig scharf, son­dern hab oft eine ganz leichte Ver­schie­bung, die dann Dop­pel­bil­der macht. Es sind nur Mil­li­me­ter­bruch­teile, aber ich bemerke sie, weil ich dau­ernd ver­su­che, scharf zu stel­len.
Noch viel schlim­mer aber ist die­ses Gefühl, einen Fremd­kör­per im Gesicht zu haben. Ich hatte meine alte Brille ca. 18 Jahre, ich hab sie - obwohl ich sie auch immer wie­der hoch­schie­ben musste - nicht gespürt, sie war ein­fach da. Wie Schmuck, den man immer trägt, der zu einem dazu gehört, der sei­nen fes­ten Platz am Kör­per hat. Die neue Brille fühlt sich immer ein win­zi­ges Stück dane­ben an. Es gibt zwar einen Ort, wo es okay ist, aber ers­tens auch nur okay und zwei­tens rutscht sie von da sofort weg. Sie klemmt falsch hin­ter den Ohren, die Bügel sind viel zu lang. Wenn ich den Kopf nach links drehe, schiebt sie sich nach rechts. Wenn ich nach unten gucke, rutscht sie run­ter. Wenn ich eine Gri­masse mache, die Augen zukneife, die Nase rümpfe, ver­schiebt sie sich. Wenn ich sie ganz nach oben klemme, drückt sie - und bleibt da ja nicht. Und bei allem hab ich per­ma­nent die­ses fal­sche Gefühl.
Wie kann ich denn sowas einer Opti­ke­rin klar machen? Ver­ste­hen die das?

Komi­scher­weise hatte ich die­ses Gefühl nicht bei der zu schwa­chen Über­gangs­brille. Ich weiß nicht, ob es (auch) damit zu tun hatte, dass sie ein klei­nes biß­chen leich­ter war wegen der schwä­che­ren Glä­ser, aber ich kann mir eigent­lich nicht vor­stel­len, dass das so viel aus­macht.
Heute hab ich noch­mal meine alte Brille raus­ge­holt zum Ver­gleich und gese­hen, dass sie kom­plett andere Bügel hat. Sie sind viel kür­zer und gra­der als die von der neuen. Ob es das ist? Ob sich daran was machen lässt? Das uralte Gestell ist natür­lich völ­lig ver­schram­melt und abge­blät­tert, aber ich wün­sche es mir sehn­lichst zurück. Ich weiß nicht, ob ich mich an das neue gewöh­nen kann. Und manch­mal bin ich kurz davor, es in die Ecke zu don­nern, aber da ist ja jetzt alles aus Kunst­stoff, das geht ja noch nicht­mal kaputt.

Jeden­falls macht das alles wahn­sin­nig schlechte Laune. Ich bin stän­dig gereizt und genervt und stehe kurz vor der Explo­sion. Ich hab nur Angst davor, dass es an der völ­lig fal­schen Stelle raus­bricht. Viel­leicht sollte ich mich schon jetzt vor­sichts­hal­ber bei allen Men­schen mei­ner Umge­bung ent­schul­di­gen.
Ich ver­such es trotz­dem noch­mal mor­gen bei Fielmann.

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Und dann war da noch der befürch­tete und ersehnte Anruf. Genau, DER Anruf von der Kli­nik. Am Frei­tag, mor­gens um 9 Uhr. Ich hatte keine Ter­mine und lag natür­lich noch im Bett. Zu mei­nem gro­ßen Glück war ich aber kurz vor­her auf dem Klo und noch nicht wie­der ein­ge­schla­fen, als das Tele­fon klin­gelte. Auf dem Dis­play stand nur “Pri­vate Num­mer” und ich hab einen Moment über­legt, gar nicht ran zu gehen. Weil ich aber ja auf den Anruf war­tete, hab ich mich über­wun­den und saß dann also nackt im Bett, wäh­rend mich die Ober­ärz­tin der Kli­nik über meine Ess­stö­rung aus­fragte. Ich hasse sol­che Situa­tio­nen zutiefst. Warum ver­dammt kann man da kei­nen Ter­min aus­ma­chen? Das muss denen doch auch klar sein, dass das für Men­schen mit psy­chi­schen Pro­ble­men (und genug ande­ren auch) Stress bedeu­tet! Und dann meinte die Ärz­tin auch noch vor­wurfs­voll, sie hätte mich nie erreicht! Sie hat genau EINMAL ange­ru­fen! Was erwar­ten die? Dass ich nach der Ankün­di­gung, es könne bis zu zwei Wochen dau­ern, nur noch zuhause starr sitze, bis der Anruf kommt?
(Ob ich es schaffe, das den zustän­di­gen Men­schen in der Kli­nik noch­mal direkt zu sagen? Vor­aus­ge­setzt, ich kann über­haupt hin.)

Das Gespräch selbst war selt­sam und zum gro­ßen Teil unan­ge­nehm. Natür­lich wegen mei­ner Lage (nackt im Bett), auch weil ich total unaus­ge­schla­fen war und um die Uhr­zeit sowieso nicht gut reden kann, schon gar nicht über schwie­rige The­men. Die Ärz­tin selbst emp­fand ich als unfreund­lich, schnip­pisch irgend­wie, unge­dul­dig. Ihre Fra­gen gin­gen immer hin und her zwi­schen sach­lich (wie­viel wie­gen Sie? Wie sehen Ihre Mahl­zei­ten aus? Was früh­stü­cken Sie? Kommt es zum Erbre­chen? Sind Sie sui­zi­dal?) und psy­chisch (was sind Ihre Trig­ger? Was erhof­fen Sie sich? Und noch drei­mal: was sind Ihre Trig­ger?). Als ich das mit dem Trig­ger nicht sofort beant­wor­ten konnte und auch nicht sagen, warum ich in mei­ner bis­he­ri­gen The­ra­pie das Thema noch nie bear­bei­tet habe, wurde sie kurz ange­bun­den und meinte sowas wie “ich stell Ihnen mal lie­ber Fra­gen, so wird das nichts”, hat mich dann aber beim ant­wor­ten immer wie­der unter­bro­chen und einige Male nur stur ihre Frage wie­der­holt. Am Ende des Gesprächs sagte sie: “eine Mit­ar­bei­te­rin wird sich dann bei Ihnen mel­den”. Auf meine Rück­frage, ob ich das als Zusage ver­ste­hen könnte, sagte sie den glei­chen Satz noch­mal. Eine Ant­wort war das nicht, ich bin genauso schlau wie vor­her und darf also wei­ter warten.

Die ganze Zeit wäh­rend des Gesprächs hatte ich das Gefühl, ich wäre nicht gestört genug, müsste aber gleich­zei­tig viel reflek­tier­ter sein. Spä­ter kam mir dann ein Satz in den Sinn, den ich hätte sagen sol­len: “Wenn ich das alles wüßte, würde ich nicht in die Kli­nik wol­len.“
Jeden­falls würde es mich nicht wun­dern, wenn ich es ver­kackt habe und eine Absage bekomme. Ich kann es über­haupt nicht ein­schät­zen. Das hebt die Stim­mung übri­gens auch kein Stück - im Gegenteil.

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Und ich dachte am Ende des letz­ten Jah­res noch, was soll sich denn groß ändern, nur weil da eine andere Zahl steht im Datum. Dass es in die blöde Rich­tung gehen wird, hätte ich jeden­falls nicht erwar­tet. Das darf sich dann jetzt lang­sam mal wie­der ändern.

18-01-2024 Immer noch alles doof

Der erste Monat im neuen Jahr ist schon mehr als zur Hälfte vor­bei und immer noch ist alles doof. Also das meiste jedenfalls.

Letz­ten Frei­tag hab ich mich mor­gens nach drau­ßen gequält (nach dem impf­krank ging es mir noch nicht wirk­lich wie­der gut) und bei der Augen­arzt­pra­xis die Ver­ord­nung für die neue Brille geholt. Für die jähr­li­che Unter­su­chung wegen der Dia­be­tes, die echt drin­gend fäl­lig ist, war ich aber schon zu spät, da müs­sen die Pupil­len gewei­tet wer­den und das braucht eben seine Zeit.

Am Sams­tag­abend, kurz vor Schluss, kam die Nach­richt vom Opti­ker, dass die Brille abhol­be­reit sei. Da war ich dann aber nicht mehr bereit. Also ein wei­te­res Wochen­ende mit fal­schen Wer­ten und schlech­tem Gucken.

Dazwi­schen dann ein­mal nicht doof: am Sonn­tag waren Toch­ter und Enkel hier. Nur für ein­ein­halb Stun­den, aber wenigs­tens mal wie­der umar­men und kuscheln und quatschen.

Am Mon­tag hab ich die Brille geholt. Ich sagte, dass beide Bügel bitte ein Stück gekürzt wer­den sol­len. Er passte an, ruckelte hier und wackelte da, “sitzt sie gut?”, “schüt­teln Sie mal den Kopf”, “sieht ja gut aus”. Ah ja. Kann ich nicht sagen, ich hab sie grade mal 2 Minu­ten auf der Nase. Spoi­ler: nein, sie saß nicht. Sie rutschte, nach unten und zur lin­ken Seite. Und der rechte Bügel war län­ger als der linke. Das hab ich aber natür­lich erst gemerkt, nach­dem ich damit unter­wegs war und ein­ge­kauft hatte und dann hatte ich ein­fach kei­nen Nerv mehr, noch­mal zurück zu gehen. Viel­leicht muss ich mich ja erst wie­der dran gewöh­nen.
Das Gute: ich bekomme fast das ganze Geld zurück durch die KK-Verordnung.

Am Diens­tag ein net­ter, aber auch anstren­gen­der Ter­min mit Frau R. vom Hilfe-Dings. Es ging um die Ziele, die wir im neuen Jahr errei­chen wol­len (und die die Behörde wis­sen will, die das ganze ja zahlt). Den Antrag auf Erwerbs­un­fä­hig­keits­rente, den ich seit 2 Jah­ren stel­len will, spa­ren wir uns: in einem Jahr geh ich sowieso offi­zi­ell in Rente. Über eine wei­tere Gruppe beim Hil­fe­dings denke ich nach; die Krea­tiv­gruppe könnte ich mir vor­stel­len, aber die ist am Mon­tag­mor­gen um 10 und ich müsste um 8 Uhr auf­ste­hen, um in Gesell­schaft zu stri­cken oder zu malen und ich bin nicht sicher, ob es das bringt. Schwim­men würde ich gerne wie­der.
Soweit alles gut. Dann kam der Punkt Gesund­heit und Arzt­be­su­che und Frau R. so: “Sie woll­ten sich doch eine neue Zahn­arzt­pra­xis suchen” und ich so: “Nö, wollte ich nicht”. Und dann hab ich ihr meine schlimms­ten Erleb­nisse mit Zahnärzt*innen erzählt und war danach, ich sag mal so: sehr durch den Wind. Zuhause hab ich mich für eine kleine Siesta aufs Sofa gelegt und drei Stun­den geschla­fen. Von wegen sehr durch den Wind.

Spä­ter hab ich gese­hen, dass mich jemand mit unbe­kann­ter Num­mer ange­ru­fen hat, als ich grade in der S-Bahn nach Hause saß. Google hat mir ver­ra­ten, dass es jemand aus der Kli­nik war. Super. Und ich hatte noch gebe­ten, dass sie mir den Ter­min für das Vor­ge­spräch vor­her sagen, damit ich mich drauf ein­stel­len kann und irgendwo bin, wo ich tele­fo­nie­ren kann. Das gibt lei­der einen Punkt Abzug.
Bis­her haben sie sich noch nicht wie­der gemel­det und mit mei­nem “Ich spring jetzt mal ins kalte Was­ser und rufe selbst da an” Anruf heute war ich eine Stunde zu spät dran. Ob ich mor­gen noch­mal den Mut auf­bringe, wird sich zeigen.

Mitt­wochs­gruppe: der Licht­blick der Woche.
Auf­re­gende Aus­sich­ten: es gibt drei Inter­es­sen­tin­nen für die Gruppe. Wir sind durch­aus offen für mehr und neue Frauen, aber mit den dreien wären wir dann acht (plus die bei­den Betreue­rin­nen) und das ist viel, auch wenn eine von uns bis­he­ri­gen nur sel­ten da ist. Wir haben ange­regt, die Tref­fen dann um eine halbe Stunde zu ver­län­gern, damit genug Raum und Zeit für alle bleibt. Wir wer­den sehen.
Schöne Aus­sicht: nächste Woche gehen wir zusam­men ins Minia­tur Wun­der­land und das wird groß­ar­tig.
Zu Hause für eine kleine Siesta aufs Sofa gelegt und fast drei Stun­den gepennt. Ah ja.

Heute nach­mit­tag war ich dann wie­der in der Augen­arzt­pra­xis (es ist der ein­zige Nach­mit­tag in der Woche, an dem sie offen haben), wurde dort aber belehrt, dass diese Sprech­stunde nur und abso­lut nur für berufs­tä­tige Men­schen sei und es sei denen ja nicht zuzu­mu­ten, dass ihnen jemand die Zeit weg­nimmt, die nicht berufs­tä­tig ist und ich möge doch mor­gen um neun wie­der kom­men. Als ich leise irgend­wie murrte, dass ich dann halt gucken müsste, wie ich das hin­be­komme, aber es sei schon okay und ich ver­stünde das ja, wollte die gute Frau eine Aus­nahme machen - “ABER WIRKLICH NUR GANZ GANZ AUSNAHMSWEISE WEIL EIGENTLICH GEHT DAS JA NICHT!!!!” - auf die ich dann aller­dings ver­zich­tet hab. Sie sah aus, als würde sie mir das auch noch in 10 Jah­ren vor­hal­ten und als wäre ich ihr was schul­dig und da hatte ich wirk­lich keine Lust drauf. Dann muss ich eben am Mon­tag­mor­gen hin. Nein, die Nacht­eule freut sich nicht, aber sie wird das selbst­ver­ständ­lich hin­krie­gen.
ABER VIELLEICHT SCHREIBT IHR DAS MAL AUF EURE WEBSEITE, VERDAMMT! Muss eins doch wis­sen, sowas.

Danach wie­der zu Fiel­mann, denn die Brille sitzt ja immer noch nicht. Ich hab jetzt einen wei­te­ren Satz, den sich in die­sem Fall die Optiker*innen spa­ren kön­nen. “Also für mich sieht das grade aus.” Ja toll, Sebas­tian-Kevin, aber es geht nicht darum, dass es für dich grade aus­sieht, son­dern darum, dass es sich für mich rich­tig anfühlt! Wir sind nicht grade und sym­me­trisch, nie­mand ist das, wieso geht ihr davon aus, dass es passt, nur weil das Ding grade im Gesicht sitzt?
Auf mein Drän­gen hat Sebas­tian-Kevin dann den rech­ten Bügel ange­passt und irgend­was gemacht, damit die Brille nicht mehr sofort auf der Nase Rutsch­bahn spielt. Ergeb­nis nach einer hal­ben Stunde: jetzt rutscht sie zwar nicht mehr so doll, aber dafür kippt sie zur ande­ren Seite. Ich bin die ganze Zeit damit beschäf­tigt, sie hin und her und rauf und run­ter zu schie­ben und es nervt so sehr! Aber immer­hin gewöhne ich mich lang­sam wie­der an die neue Stärke.

Zur Abrun­dung der Misere hab ich immer noch mehr­mals am Tag diese blö­den Stö­run­gen im Fuß und auch das nervt ein­fach nur.

Um irgend­was Gutes zu haben heute, hab ich mir im Asia­re­stau­rant Essen bestellt und das war so lecker, aber auch so viel und jetzt ist mir irgend­wie schlecht. Ich sag doch: immer noch alles doof. Also fast alles. 

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Von dem, was da drau­ßen in der Welt grade abgeht, schreibe ich nicht, das macht alles nur noch hun­dert­mal so schlimm. Nur einen Satz will ich hier fest­hal­ten, der war ges­tern mein Satz des Tages, weil er kurz und knapp alles sagt.

Die SPD steht da und wun­dert sich.

Quelle: Vanessa Giese auf ihrem Blog “Drau­ßen nur Kännchen”

13-01-2024 Ein Fuß nach dem anderen

Immer wie­der bli­cke ich zurück in die Ver­gan­gen­heit und denke “ach guck, damals ging das noch viel leich­ter” oder “da tat das noch nicht weh, wie schön das war” und natür­lich “das ist doch noch gar nicht lange her” und dann merke ich, dass doch schon Jahre ver­gan­gen sind und ich weiß gar nicht wie und womit. Ich mach doch kaum noch was, wie kann die Zeit so ver­flie­gen, wenn sich auf der ande­ren Seite so viele Tage end­los hinziehen? 

Gefühlt kann ich jedes Jahr weni­ger tun, schaf­fen, errei­chen. Die Kraft lässt so furcht­bar und deut­lich nach, dau­ernd will ich mich hin­set­zen und aus­ru­hen oder noch lie­ber schla­fen. Nein, eigent­lich will nicht ich das, son­dern mein Kör­per. Ich im Kopf würde so gerne raus gehen und die Natur erle­ben oder end­lich mit der Kamera alle Hot­spots aus­tes­ten, die ich auf mei­ner Karte mar­kiert hab. Ich möchte Sachen er-schaf­fen, schöne Web­sei­ten bas­teln, bunte Socken stri­cken, Blu­men­sa­men wild in die Gegend streuen. Oder Kat­zen strei­cheln und trös­ten im Tier­heim. Wie soll ich das machen mit einem Kör­per, der nach 10 Minu­ten staub­saugen oder 500 Metern Fuß­weg nach einer Pause ruft? Mit einem müden Kopf, der sich nur kurz kon­zen­trie­ren kann und dann die Augen zufal­len lässt?

Aber da sind Dinge zu tun, die nimmt mir nie­mand ab, die muss ich selbst erle­di­gen.
Also gab es einen Besuch beim Opti­ker und gibt es Anfang nächs­ter Woche eine neue Brille, die ich ein­fach gegen die nicht pas­sende tau­schen konnte und für die ich von der Kran­ken­kasse einen gro­ßen Teil des Gel­des zurück bekomme.
Und es gibt eine Ein­wei­sung der Haus­ärz­tin, die ich end­lich an die Psy­cho­kli­nik geschickt habe, die sich bereits am nächs­ten Tag zurück gemel­det hat mit der Ankün­di­gung eines Vor­ge­sprächs per Tele­fon inner­halb der nächs­ten zwei Wochen.
Es gab auch am ver­gan­ge­nen Mon­tag­mor­gen wie­der ein­mal eine Imp­fung gegen Corona, die pünkt­lich 12 Stun­den spä­ter die bekann­ten Neben­wir­kun­gen (Fie­ber, Glie­der­schmer­zen, Schnup­fen, Hus­ten) ent­wi­ckelte und mich für 3 Tage ins Bett zwang, wovon ich die Hälfte schla­fend ver­brachte und über­haupt nichts mehr weiß.
Lei­der gibt es auch Zahn­schmer­zen (no com­ment, please!) und seit ges­tern einen sehr selt­sam ein­ge­klemm­ten Nerv irgendwo (ver­mute ich jeden­falls), der immer wie­der aus hei­te­rem Him­mel sowas wie ein elek­tri­sches Signal an immer die glei­che Stelle an mei­ner rech­ten Fuß­sohle schickt. Sehr unan­ge­nehm und auch schmerz­haft, etwas ähn­li­ches hab ich noch nie erlebt. Die Frage ist, ob ich damit zum Neu­ro­lo­gen oder zum Ortho­pä­den gehen sollte - also, falls ich mich über­haupt ent­schlie­ßen sollte, einen Arzt auf­zu­su­chen des­we­gen oder doch lie­ber ein­fach abwarte, dass es von selbst weg geht.

Und natür­lich gibt es wei­tere Punkte auf der abzu­ar­bei­ten­den Liste, die sich schein­bar von alleine ver­län­gert und ein­fach nie auf­hört. Eins nach dem ande­ren, immer ist was zu tun, zu über­win­den, zu erle­di­gen, zu regeln. Und es dau­ert ewig, weil ich keine Kraft habe, mehr als eine Sache auf ein­mal zu tun.
Ich weiß: Schritt für Schritt und ein Fuß nach dem ande­ren, anders geht es nicht, auch wenn es mir nicht gefällt. Ich weiß es doch.

06-01-2024 Aushalten, durchhalten

Kleine Licht­bli­cke im trü­ben Tag.
Seit ges­tern hat es viele Zen­ti­me­ter geschneit und es ist kalt genug, so dass der Schnee lie­gen bleibt. Die Dächer, die Bäume, mein Bal­kon, die Fahr­rä­der unten vorm Haus: alles ist weiß und dick mit Schnee bedeckt. Ich mag das ja sehr. Falls mor­gen wirk­lich wie ange­kün­digt die Sonne raus kom­men sollte, könnte ich ja viel­leicht mal über einen klei­nen Spa­zier­gang nach­den­ken. (Immer alle Optio­nen offen hal­ten, nie fest­le­gen! Ganz wichtig.)

Am Mit­tag guckte ich den Schnee drau­ßen an, guckte in Kühl- und Küchen­schrank und stellte fest, dass von den Fei­er­tags­ein­käu­fen noch genug da ist und ich nicht raus muss. Ein gutes Gefühl. Und es schont noch dazu die neuen Win­ter­schuhe, das ist doch auch was.

Und viel­leicht kann ich heute Abend wie­der ein “Okay” in mei­ner Stim­mungs-App ein­tra­gen. Viel­leicht sollte ich mir sowieso an der App ein Bei­spiel neh­men. Selbst in einer Reihe von 5 mit “schlecht” bewer­te­ten Tagen sieht sie die posi­tive Seite: “Deine Stim­mungs­sta­bi­li­tät liegt bei 100 und ist damit bes­ser als dein Gesamt­durch­schnitt.” Wenn das nicht zählt …?

Trotz­dem: wenn ich die neue Brille habe, mach ich drei Kreuze und ein paar Luft­sprünge in Gedan­ken. Bis dahin gilt es, wei­ter aus und durch zu hal­ten. Immer­hin sind die Ele­fan­ten­nach­barn heute lei­ser, ich hab gute Musik und leckere heiße Suppe dazu.

04-01-2024 jammerklagallesdoof

Bis jetzt zeigt sich das neue Jahr von kei­ner guten Seite. Der Neu­jahrs-Mon­tag war nicht nur drau­ßen grau und trüb. Die Nacht über wurde ich immer wie­der von Knal­le­rei geweckt und hab mich am spä­ten Vor­mit­tag regel­recht aus dem Bett gequält (mit Wecker: als Ein­stim­mung dar­auf, dass es jetzt mit den Ter­mi­nen wie­der los geht); ich war ent­spre­chend fer­tig den gan­zen Tag. Die fal­schen Werte bei der Not­fall­brille machen noch müder und dass ich nicht rich­tig gucken kann, nervt mich total. Selbst den Tat­ort konnte ich nicht gemüt­lich auf dem Sofa sehen, weil die Brille nicht für die Ent­fer­nung reicht. Zum Glück gibt es die Media­thek für den Com­pu­ter, aber da sitz ich ja eh schon den gan­zen Tag. Der Magen hat auch rum­ge­zickt und zur Krö­nung hab ich mir abends irgend­was im lin­ken Ober­arm gezerrt, was höl­lisch weh tat und erst heute, nach drei Tagen, halb­wegs bes­ser wird. Ein Tag so rich­tig für die Tonne.

Das Tref­fen mit Frau R. vom Hilfe-Dings am Diens­tag tat dann gut, weil ich den gan­zen Mist ein­mal abla­den konnte. Die Mitt­wochs­gruppe ges­tern tat genauso gut, weil sie mich von mir abge­lenkt hat und wir nicht nur ein gutes Gespräch hat­ten, son­dern auch lachen konn­ten und lachen ist immer gut und befrei­end. An bei­den Tagen bin ich dann aller­dings nach dem nach Hause kom­men hun­de­müde ins Bett gefal­len und wurde auch nach zwei Stun­den Schlaf nicht wie­der rich­tig wach. 

(Ich wüßte wirk­lich gerne, woher diese abgrund­tiefe Müdig­keit kommt, die mich nicht mehr los lässt. Manch­mal über­lege ich: nach der zwei­ten Corona Imp­fung war ich ein paar Tage rich­tig krank mit allen Sym­pto­men - ob davon was geblie­ben ist? Es ist ja nicht nur die Müdig­keit, son­dern auch die man­gelnde Kon­zen­tra­tion, die Wort­fin­dungs­stö­rung, der immer wie­der auf­tre­tende “brain fog”, wenn auch lange nicht so aus­ge­prägt wie bei ME/CFS-Betrof­fe­nen.)

Heute wollte ich eigent­lich nach­mit­tags zu Fiel­mann wegen der neuen Brille. Tja, eigent­lich. Inzwi­schen muss man sich näm­lich einen Ter­min holen für grö­ßere Sachen und davon gab es lei­der erst wie­der nächs­ten Mon­tag wel­che. Da muss ich zwar mor­gens zur Haus­ärz­tin und mir meine 5. Coro­na­imp­fung abho­len (hof­fent­lich ohne Neben­wir­kung!), aber ich hab mir dann mal hoff­nungs­voll einen Ter­min am Nach­mit­tag gebucht. Das bedeu­tet aber auch, dass ich noch eine ganze Weile län­ger mit der fal­schen Brille leben muss und das freut mich über­haupt nicht. Wie schon oben geschrie­ben: das Ding nervt, macht schwin­de­lig, der Wech­sel von nah zu fern ist anstren­gend und dass ich in der Ferne alles unscharf sehe, auch. Warum ver­dammt musste ich auch unbe­dingt das Spann­gummi grade machen wol­len? Immer die­ser Zwang, alles ordent­lich und gleich­mä­ßig aus­zu­rich­ten, obwohl ich es unterm Bett ja über­haupt nicht sehe! So ätzend.

***

Was noch total ätzend ist: die Ele­fan­ten­ober­nach­barn sind seit ges­tern aus dem Urlaub zurück. Das Kind hat aber noch Ferien und schreit und tobt wie nix gutes durch die Bude und die Mut­ter sitzt see­len­ru­hig dane­ben und sagt nichts. Ich hab so oft freund­lich und manch­mal auch nicht mehr freund­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ser Lärm uner­träg­lich ist (bei mir unten wackeln die Wände, jeder Rumms geht dank dün­nem Holz­fuß­bo­den direkt in mei­nen Kopf), aber es ist ihnen kom­plett egal. Irgend­wann mal meinte der Typ ja sogar, ich solle doch aus­zie­hen, wenn es mir zuviel wäre.
Aber ich darf ja nichts sagen, weil es ist ja ein Kind und das wird ja wohl noch spie­len dür­fen und Kin­der sind halt laut, da muss man eben mit leben. Ich will denen nichts Böses tun, aber ich kann nicht mehr. Ich werde mor­gens in aller Frühe vom Tram­peln geweckt und mache abens um 9 drei Kreuze, wenn das Gör ins Bett geht und die Eltern auch end­lich leise sind.
Für die ande­ren Nach­barn im Haus gelte ich schon als komi­sche Mecker­tante, die lie­ben das süße, auf­ge­weckte Kind und ver­ste­hen gar nicht, was ich habe, aber von denen wohnt ja auch kei­ner unter ihnen.

Die ver­gan­ge­nen zwei Wochen ohne sie waren der Him­mel auf Erden, jetzt ist alles wie vor­her und hört nicht auf. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, außer immer wie­der um Ein­sicht und Rück­sicht zu bit­ten, was aber nur noch sel­ten hilft und wenn, dann nur für sehr kurze Zeit. Den Ver­mie­ter anzu­spre­chen ist keine Option, der will mit nichts was zu tun haben und wird sagen, wir sol­len das unter­ein­an­der klä­ren. Die Nach­barn zu zwin­gen, einen däm­men­den Tep­pich aus­zu­le­gen in ihrer Woh­nung, geht eben­falls nicht, denn das arme Kind hat eine Haus­staub­all­er­gie. (Darum muss übri­gens auch jeden Tag am bes­ten gleich früh mor­gens mit ordent­lich Schwung gesaugt wer­den, wobei der Staub­sauger gerne gegen jede Ecke don­nert, aber das stört ja auch nie­man­den, das kommt schon­mal vor, man will ja auch schnell fer­tig wer­den damit.)
Ich bin am Ende mit mei­ner Geduld und Kraft. Irgend­was muss sich ändern.

***

Und Früh­ling, Früh­ling wär auch ziem­lich gut. Oder wenigs­tens kein Regen mehr und ein biß­chen mehr Licht und viel­leicht mal ein Stück blauer Him­mel. *jam­mer­klag­al­les­doof*

31-12-2023 Anstrengend mit Lichtblicken: der Jahresrückblick in Fragen

15 Fragen für einen persönlichen Jahresrückblick

(Dis­clai­mer: Die Fra­gen sind teil­weise durch die bekann­ten Fra­ge­bö­gen von Max Frisch und Mar­cel Proust inspiriert.)

1 Wofür bist du dankbar?

Für die Unter­stüt­zung und Beglei­tung eini­ger Men­schen auf mei­nem immer noch dor­ni­gen Weg. Ohne Euch würde die Option des Auf­ge­bens so man­ches Mal in den Bereich des Mög­li­chen rücken. Von Her­zen Danke für Euch. 

Für alles, was das Leben erträg­lich macht: Musik, Lite­ra­tur in vie­ler­lei Form, Natur, das Meer. Schrei­ben, lesen, sehen und wei­ter­hin auf eige­nen Füßen gehen zu kön­nen. Immer wie­der etwas Neues zu ler­nen und Altes hin­ter mir zu las­sen. Dass die Hoff­nung nicht vergeht.

Aber auch dafür, dass ich trotz der immer hef­ti­ger wer­den­den Ten­denz der aktu­el­len Poli­tik nach ganz weit rechts immer noch Geld zum Leben zur Ver­fü­gung gestellt bekomme. Über die mate­ri­elle Qua­li­tät die­ses Lebens und das Anse­hen von uns Bürgergeldbezieher:innen reden wir bes­ser nicht, aber ich habe ein Dach über mei­nem Kopf und mein Schne­cken­haus ist geheizt. Ich bin kran­ken­ver­si­chert, mein ASP wird auch bezahlt und mit gewis­sen Ein­schrän­kun­gen habe ich immer noch genug zu essen im Kühl­schrank. Wer weiß, wie lange das noch so sein wird ange­sichts der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Entwicklung.

2 Was war in diesem Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

Schla­fen.

Haha, ja, schon gut.
Eigent­lich wie immer: Musik hören, lesen (soziale Medien, Blogs und so), schrei­ben, foto­gra­fie­ren, Filme und Serien gucken, Fotos bear­bei­ten, an Web­sei­ten rum­wer­keln. Irgend­wie finde ich doch meis­tens was, was ich gerne mache, auch wenn ich inzwi­schen sehr oft sehr müde dabei werde.

3 Was war dein größter Fehler?

Dass ich ges­tern, am letz­ten Sams­tag des Jah­res, unbe­dingt das Spann­gummi am Bett­la­ken grade machen wollte und mir das blöde Ding so auf die Brille geknallt ist, dass das eine Glas zer­split­terte und ich darum um 5 Uhr abends noch in die Stadt fah­ren musste, damit ich jetzt mit einer Ersatz-Not-Brille hier sitze, die nicht mei­nen eigent­li­chen Wer­ten ent­spricht und darum müde Augen und Kopf­schmer­zen macht. Aber lie­ber nur halb gucken mit einer hei­len Brille als gar nicht mit einer kaput­ten. Trotz­dem: das Geld hätte ich gerne für andere Not­fälle gespart.

4 Wann warst du glücklich?

Am Meer. Wenn ich mit mei­ner Fami­lie (Toch­ter, Enkel, Toch­ter­freund) zusam­men war. Als Freun­din D. mich im Som­mer besucht hat. Wenn es drau­ßen warm, son­nig und trotz­dem ruhig war. Beim Fin­den von neuer Musik.

5 Warum hast du das nicht öfter gemacht?

Weil das meiste davon nicht nur von mir abhängt. Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich im Süden am Meer leben, in ruhi­ger Umge­bung mit mei­ner Fami­lie und Freund:innen in der Nähe. Nur das mit der Musik würde blei­ben, wie es ist.
(Wenn ich keine Träume mehr habe, bringt mich unter die Erde, denn dann ist es vorbei.)

6 Was hat sich verändert?

Die Depres­sion ist klei­ner gewor­den. Sie ist nicht weg, drängt sich aber nicht mehr dau­ernd in den Vor­der­grund. Ich kann mich mehr auf das Außen ein­las­sen, auf das, was um mich herum statt fin­det, auf andere Men­schen, Ideen. Das macht mein Leben nicht leich­ter, aber anders. 

7 Worauf bist du stolz?

Dass ich das selbst geschafft habe. Dass ich mich immer wie­der auf mache, los gehe, pro­biere und an mir arbeite. Dass ich eben nicht auf­gebe und immer noch jeden Tag aufstehe.

8 Wer waren in diesem Jahr die 3 wichtigsten Menschen für dich?

Die Toch­ter, Freun­din D., die See­len­frauen.
Außer­dem sagt meine Stim­mungs App, dass der Mitt­woch die­ses Jahr der beste Tag war und auf­merk­same Leser:innen wis­sen, dass da meine Gruppe beim Hilfe-Dings statt findet.

9 Wissen diese Menschen das?

Ja.

10 Mit wem hättest du gern mehr Zeit verbracht?

Mit D., nach­dem wir uns in den zwei­ein­halb Tagen so gut anein­an­der gewöhnt hat­ten 😉
Nicht mit, aber am Meer und in der Natur. Das muss noch viel mehr wer­den, weil es ein­fach gut tut.

11 Und mit wem weniger?

Mit all den rück­sichts­lo­sen, lau­ten, ego­is­ti­schen Men­schen da draußen.

12 Was hast du zum ersten Mal gemacht?

Nicht zum ers­ten Mal, aber sehr sel­ten: jeman­dem gesagt, wenn mich etwas sehr gestört oder ver­letzt hat und das Ganze dann durch offene Gesprä­che gelöst. Das ist für mich immer noch keine Nor­ma­li­tät und braucht sehr viel Überwindung.

13 Magst du dein Leben?

Nein, aber ich geb mir Mühe und nicht auf.

14 Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du in diesem Jahr gelernt hast?

Einen sehr lange schmer­zen­den Teil der Ver­gan­gen­heit los zu las­sen. Dass ich sagen kann, wenn mich etwas stört und eine Freund­schaft des­halb nicht vor­bei ist. Dass ich Hilfe anneh­men darf. 

15 Mit welchem Satz lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

Das geht noch bes­ser, oder? (Ich bin so müde.)

***

Mein Zitat des Tages, heute von Herrn Bud­den­bohm:

“Es ist kein Natur­ge­setz, dass man stän­dig mit zupa­cken­der Ener­gie Lust auf seine Zeit haben muss, wenn sie sich doch ein­fach nicht anstän­dig entwickelt.”

2023-12-24 Es ist kompliziert

Es ist Sonn­tag: grauer kal­ter ver­reg­ne­ter Sonn­tag. Aber es ist auch Hei­lig­abend und ich bin wie immer allein und ent­ge­gen mei­ner Hoff­nung aus den letz­ten Jah­ren macht es mich immer noch trau­rig. So sehr ich ver­su­che, in die­ser Zeit, in der gefühlt alle Men­schen um mich herum on- und off­line von kaum was ande­rem reden, meine Gefühle zu schüt­zen und einen trot­zi­gen Pan­zer um mich zu errich­ten - es gelingt nur unzu­rei­chend. Es ist und bleibt bei allem Bemü­hen die Zeit, in der mir mein Allein-Sein am deut­lichs­ten und schmerz­haf­tes­ten bewußt wird. Das Wis­sen, dass es so vie­len ande­ren auch so geht oder dass viele über­haupt kein Weih­nach­ten fei­ern aus ver­schie­de­nen Grün­den, macht es nicht wirk­lich leich­ter.
Ich lese seit Wochen in mei­nen sozia­len Medien von den Vor­be­rei­tun­gen der Leute, um diese Tage beson­ders und beson­ders schön zu machen. Da ist auch viel von Stress und Hek­tik zu lesen und dass eigent­lich alles zu viel ist und natür­lich bin ich froh, dass ich das nicht habe. Aber ich habe auch keine Chance, es mal anders zu machen, weil da ja nie­mand ist, mit und für die ich es ver­su­chen könnte.
Wäh­rend ich lau­ter ver­nünf­tige Gründe im Kopf habe, warum Weih­nach­ten sowieso blöd ist und nichts bedeu­tet und ich ja auch diese Heu­che­lei ver­ur­teile, sehne ich mich immer noch nach Bul­lerbü. Es ist wirk­lich ver­dammt kom­pli­ziert. Und zum Glück bald wie­der vor­bei. (In allem auch immer das Posi­tive sehen.)

In die­sem Sinn: frohe Jah­res­end­zeit, ihr Lie­ben. Gute Bes­se­rung allen Kran­ken, fried­li­che Fei­er­tage den Fei­ern­den oder ein­fach ent­spannte freie Tage den ande­ren. Habt es gut und denkt dran: ab jetzt wird es wie­der heller.

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