Jetzt ist er da, der Punkt, an dem ich mir eingestehen muss, dass es so nicht mehr weiter geht mit meiner körperlichen Verfassung. Und auch, dass alles, was ich bisher an Gründen gegen sportliche Aktivität gebracht und damit das Vorhaben immer weiter geschoben habe, nur faule Ausreden waren.
Vor vier Wochen hat die Mittwochsgruppe vom Hilfe-Dings einen Ausflug in den Wilhelmsburger Inselpark gemacht. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, mal wieder raus zu kommen, zu fotografieren, in Ruhe zu gehen und mit den anderen zusammen zu sein. Das hat auch alles geklappt und war wirklich schön - nur gehen konnte ich nicht mehr als höchstens 50m ohne Pause. Mein Rücken stand in Flammen, ich war nur noch Schmerz. Dazu plage ich mich wieder seit Wochen mit dem Piriformissyndrom rum.
Am kommenden Mittwoch ist wieder ein Ausflug geplant (diesmal zum Wasserpark Kalte Hofe) und Stand jetzt muss ich ihn absagen. Ich kann will die Gruppe nicht schon wieder permanent zu Pausen zwingen, auch wenn sie sagen, dass es nicht schlimm ist und ich ja nicht die Einzige mit Problemen bin. Aber es fühlt sich einfach blöd an. Alternativ könnte ich höchstens mit hin fahren, dann dort irgendwo auf einer Bank sitzen und warten, bis die anderen vom Rundgang zurück sind und wir noch einen Kaffee zusammen trinken. Das Wetter würde mit machen, ich könnte die Kamera mit nehmen, allein sein kann ich auch - aber die Vorstellung ist einfach doof.
Aber das ganze bringt mich auch zu der einzig vernünftigen Erkenntnis, dass es so eben absolut nicht weiter geht. Wenn ich jetzt nichts mache, sitze ich bald nur noch zuhause bzw. muss einen Rollator besorgen, um wenigstens mal ein paar Meter gehen zu können.
Im Frühjahr hatte ich die Einführungsrunde bei SportSpaß. Danach war ich fest entschlossen, das durchzuziehen und machte einen Termin, um einen Trainingsplan zu erarbeiten. Den hab ich erstmal wieder abgesagt, weil ich 6 Physioeinheiten auf Rezept bekam, dann wurde es heiß, dann fiel ich ins depressive Loch. Jetzt kommt langsam die Wohnungsgeschichte in Gang, der Spendenantrag für Kleiderschrank und Schreibtisch ist weg, die Möbel ausgesucht, aber ich kann ja keinen Termin für den Sport machen, solange ich nicht weiß, wann die Möbel kommen und aufgebaut werden, sonst muss ich den nachher womöglich wieder absagen und ------
Bullshit. Alles Ausreden. Nur nichts tun müssen, nur nicht vom Fleck bewegen.
Dabei weiß ich doch ganz genau, wie gut mir das Krafttraining letztes Jahr in Malente getan hat. Wie aufrecht ich ging, wieviel mehr Energie und Selbstgefühl ich hatte. Wie die Schmerzen langsam weniger wurden und die Muskeln mehr. Warum tu ich es dann nicht einfach???
Es ist keine Frage der Logistik oder des Spaßes, sondern des Wollens und ja, auch der Überwindung. Damit tu ich mich ja immer schwer. Aber: ich will wieder laufen können. Ich will durch die Stadt gehen und fotografieren, ich will in die Natur, ich will morgens ohne Schmerzen aufstehen. Mein Kopf, mein Geist ist noch lange nicht am Ende, aber ich brauche auch den Körper dazu - und die Abwesenheit von Schmerz.
Darum mache ich mir jetzt hier ein Versprechen: ich werde übermorgen nach meinem Termin beim Hilfe-Dings (denn da bin ich sowieso in Altona) zu SportSpaß gehen, den Mitgliedsbeitrag zahlen und die Trainingsstunde verabreden. Und die Möbellieferung wird sich dann eben danach richten, nicht umgekehrt.
Keine Ausreden mehr.

