Hallo November!

Ich mag die­sen Monat, wenn sich die Natur lang­sam in sich selbst zurück zieht und die Men­schen auch, wenn es lei­ser wird drau­ßen und sanf­ter, wenn der Nebel die grel­len Far­ben des Som­mers bedeckt und die Luft nicht nur mor­gens wür­zig riecht. Wenn es kalt wird und karg und ich es mir gemüt­lich mache mit Kuschel­de­cke und Ker­zen­licht und wenn der Duft nach Apfel­ku­chen durch die warme Woh­nung zieht. Ich mag die Zeit der Ruhe und Besin­nung, die nichts mit Weih­nach­ten zu tun hat, son­dern mit Wer­den, Sein und Ver­ge­hen, mit dem Bewußt­sein, dass wir end­lich sind und der Frage wie wir damit umgehen.

Spä­tes­tens im Februar wird es mir mäch­tig auf die Ner­ven gehen, weil es viel zu lange dau­ert mit dem grauen nas­sen Zeug da drau­ßen, aber den Anfang im Novem­ber find ich rich­tig schön.

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Wer jetzt kein Haus hat, baut sich kei­nes mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange blei­ben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schrei­ben
und wird in den Alleen hin und her
unru­hig wan­dern, wenn die Blät­ter treiben.

R.M.Rilke, “Herbst­tag”

Jahrestag

Am Ende eines lan­gen, wun­der­schö­nen Tages in der wie­der auf­ge­räum­ten Woh­nung sit­zen, die Ruhe und das letzte Stück von der Geburts­tags­torte genie­ßen und auf 66 Jahre zurück bli­cken. Fest­stel­len, dass es doch irgend­wie in Ord­nung ist, wo und wie ich jetzt bin.

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Es war ein lan­ges, vol­les Jahr, oft schwer, aber auch mit vie­len guten Momen­ten, mit viel Hin und Her und Auf und Ab, einem sehr lan­gen Unten und noch ein­mal gro­ßer Trauer. Es gab wie­der ein­mal Neues zu ler­nen und umzu­set­zen und es gab - wie üblich nach Ver­än­de­run­gen - Altes, das neu ein­sor­tiert wer­den wollte. Das gelang nicht immer gut, aber es gelingt immer öfter.

So wie letz­tes Jahr in Malente der Gedanke “Ich will nicht mehr lei­den - ich will leben” auf­tauchte, ist es seit kur­zem dies: “Ich bin noch nicht fer­tig, ich habe noch etwas vor in die­sem Leben”. Nicht sofort, nicht alles auf ein­mal, immer in mei­nem eige­nen ruhi­gen Tempo. Es sind keine gro­ßen Pläne, aber es gibt sie noch und sie tau­gen gut als Grund, auf mich zu achten.

Auf ein wei­te­res Jahr also. Möge es noch lange nicht das letzte sein und mich noch ein­mal wei­ter brin­gen. Ich freu mich drauf.

Weil es so schön war

Am Diens­tag­mor­gen um halb neun schrieb meine Bezugs­frau vom Hil­fe­Dings eine Nach­richt, dass sie krank geschrie­ben sei und die Rede­stunde darum aus­fal­len muss. Was mir für sie natür­lich leid tut, für mich aber ehr­li­cher­weise gar nicht; ich stellte also den Wecker aus, drehte mich im Bett noch­mal um und schlief aus.
Den freien Tag nutzte ich dann zum Schrei­ben, weil da grade dank der zur Ver­gan­gen­heit geöff­ne­ten Tür sehr viele Gedan­ken ver­ar­bei­tet wer­den müs­sen und das geht am bes­ten, wenn ich sie münd­lich oder schrift­lich sortiere.

Die Toch­ter, mit der ich am Abend über eine Stunde tele­fo­nierte, trug noch­mal eini­ges zum Thema bei, was die Rich­tung mei­ner Sicht etwas ver­än­dert: weg von die­ser boden­lo­sen Trauer und hin zu “ich darf auch wütend sein und Men­schen rich­tig doof fin­den”. Denn eins war und ist defi­ni­tiv immer so: ich stehe soli­da­risch auf der Seite der Toch­ter und wenn es erst im Nach­hin­ein ist.

Ins­ge­samt bleibt mein Gefühl gut. Es ist das erste Mal, dass ich aktiv mit dem Thema umgehe und das macht natür­lich was mit mir. Ich halte nicht nur ein­fach aus wie sonst immer, son­dern bestimme und ent­scheide selbst. So soll es bleiben.

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Ges­tern dann eine schwere Mitt­wochs­runde, aber mit einem lachen­den Ende. Weil das Leben nicht nur aus Trä­nen, son­dern auch aus Glück und Grün­den zur Dank­bar­keit besteht. Und weil es so ver­dammt gut ist, diese Men­schen zu haben.

Und weil es am Mon­tag so schön war (oh, irony!), bin ich nach der Gruppe wie­der zum Sport gegan­gen. Die Auf­wärm­phase am Ergo­me­ter hab ich nach 3 Minu­ten abge­bro­chen, weil mein Puls da schon auf 130 war, aber dafür waren die bei­den Geräte frei, auf die ich beim letz­ten Mal nicht mehr kam. Das letzte ist eins, das sich “Lower Back” nennt: man sitzt auf einem Sitz, stellt die Füße auf eine Stütze, beugt sich nach vorne und drückt dann mit dem obe­ren Rücken eine Rolle nach oben/ hin­ten, die mit Gewich­ten ver­bun­den ist. Bei der Bewe­gung zurück muss man dar­auf ach­ten, dass die Gewichte nicht kom­plett abge­setzt wer­den. Wie üblich mache ich 3 Durch­gänge á 10 Bewe­gungs­ab­läufe. Dass dabei noch­mal völ­lig neue Mus­kel­grup­pen ange­spro­chen wer­den, wurde mir heute mor­gen beim Auf­ste­hen bewußt. Schmerz­haft bewußt, sozusagen.

Trotz­dem: ich bleibe dabei. Ich muss nicht, aber ich hab es mir ver­spro­chen. Dass ich danach einen der Trai­ner aus mei­ner Pro­be­stunde traf und er meinte, dass er es rich­tig gut fin­det, dass ich da war, hilft dabei. Und dass ich, zurück in der Umkleide nach dem Trai­ning, die Toch­ter und ihre Freun­din traf, die zu ihrer Sport­ein­heit kamen, war zusätz­lich gut für die Seele. Der heu­tige Gam­mel­tag ist wie­derum gut für den Körper. 

Jetzt grade kann ich sagen: es wird. Und das ist immer­hin mehr als ein Hoffen.

Versprechen gehalten

Es ist schon inter­es­sant, wie viele Gegen­ar­gu­mente mir ein­fal­len, wenn ich etwas tun soll, wozu ich wirk­lich so gar keine Lust hab. Na gut, ich hab sie nicht wirk­lich gezählt, aber sie hat­ten schon große Über­zeu­gungs­kraft, als ich sie mir heute mor­gen beim Früh­stück über­legt hab.

Ich hab es trotz­dem gemacht. Zeug zusam­men gesucht, nach Altona zum Hil­fe­Dings gefah­ren, mit lie­ben Men­schen zusam­men geses­sen und Einem von uns gedacht, der mit­ten aus allem, was er noch vor hatte, viel zu früh sich auf die Socken gemacht hat und mich anschlie­ßend eine Stunde im Sport­stu­dio gequält. Ganz so, wie ich es geplant hatte: weil ich es mir ver­spro­chen hab.

Lei­der muss ich sagen: es war gut.

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Und auch sonst geht es mir grade ziem­lich gut. Ich fühl mich wach, hab Ener­gie und bin sehr zuhause in mir, obwohl (oder weil??) die Aktion “lass mal eben die Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart holen und abwar­ten, was pas­siert” ganz schön viel auf­wir­belt. Ich hab immer noch etwas Sorge, dass dahin­ter ein Loch lau­ert, aber viel­leicht ist es jetzt grade auch ein­fach gut und richtig.

An mein jüngeres Ich (Schreibanregung 2)

Wenn du in der Zeit zurück­rei­sen und dei­nem jün­ge­ren Ich einen Rat geben könn­test: Wel­cher wäre das?

Ver­trau dei­nem Bauch­ge­fühl - es hat immer Recht!

Lass dich nicht klein machen. Hör nicht auf Men­schen, die nicht dein, son­dern ihr eige­nes Wohl im Auge haben. Hab keine Angst vor Kon­fron­ta­tion. Du kannst jeder­zeit gehen, wenn etwas nicht stimmt, aber kämpfe, wenn es passt! Gib nicht auf, wenn du etwas wirk­lich willst. Sprich aus, was du willst und brauchst - warte nicht, bis deine Andeu­tun­gen ver­stan­den wer­den. Nimm dich nicht zurück, stelle nie­man­den über dich (aber auch nicht unter dich). Erfülle nicht die Erwar­tun­gen ande­rer, son­dern tu, was für dich rich­tig ist.

Du bist gut, genau _so_, wie du bist. Nie­mand ist per­fekt, jede:r macht Feh­ler; das ist nicht schlimm, denn dadurch ler­nen wir. Geh dei­nen Weg, pro­bier dich aus, es ist dein Recht. Werde, wie DU sein willst, nicht wie jemand dich haben will. Sei immer Du, bis zuletzt.

Hab keine Angst. Ver­trau dir.

Dialog am Morgen

“Hallo Mus­keln.”
“Hallo Kater!”

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Der Ein­füh­rungs­ter­min ist vor­bei, der Trai­nings­plan geschrie­ben, ab jetzt muss darf ich mich alleine quä­len. Eine kom­plette Runde (an 10 Gerä­ten) dau­ert in ruhi­gem Tempo unge­fähr eine Stunde, das ist natür­lich mach­bar und wenn ich ein­mal ange­fan­gen hab, geht es ja auch.
Der Mitt­woch als regel­mä­ßi­ger, fes­ter Ter­min ist gesetzt, ein zwei­ter wird hof­fent­lich dazu kommen. 

Ich hasse Sport immer noch, aber irgend­wie tut es eben auch gut. Also, ver­mut­lich irgend­wann, wenn der Kater wie­der ver­schwun­den ist. Die Vor­stel­lung, ab jetzt bis zum Ende mei­nes Lebens zwei­mal die Woche ins Stu­dio zu gehen, damit ich nicht wie­der auf den jet­zi­gen Zustand zurück falle, ist aller­dings ziem­lich gru­se­lig. Viel­leicht rei­chen ja so zwei, drei Jahre?

Dann mal los

Ich hab mein Ver­spre­chen gehal­ten und hab mich heute bei Sport­Spaß ange­mel­det. Am 13.10. hab ich einen 90-minü­ti­gen Ter­min, bei dem der Trai­nings­plan für mich und mit mir erstellt wird, damit ich danach alleine arbei­ten kann, wann immer und so oft ich will.

Ich werde es has­sen am Anfang und mich quä­len und ich werde mir sehr oft Aus­re­den über­le­gen, aber ich werde mich zwin­gen, hin­zu­ge­hen. Fes­ter Ter­min wird der Mitt­woch nach der Gruppe, weil ich da ja sowieso in Altona bin. Das macht es leich­ter, weil ich eben nicht nur zum Sport gehe. Ein zwei­ter Ter­min könnte Mon­tag oder Frei­tag sein, aber der wäre dann extra und ich muss sehen, wie das ist. Mehr nehme ich mir im Moment noch nicht vor - ich bin froh, wenn ich das schaffe. Aber selbst, wenn ich nur ein­mal in der Woche hin gehe, ist das schon ein­mal mehr als jetzt. Die Haupt­sa­che ist, jetzt anzu­fan­gen und es über­haupt zu tun. Damit ich irgend­wann wie­der auf­recht gehen kann.

Und außer­dem wird es hier eine neue Kate­go­rie “Sport” geben. Dass ich das mal schrei­ben würde, hätte ich nicht gedacht …

Keine Ausreden mehr

Jetzt ist er da, der Punkt, an dem ich mir ein­ge­ste­hen muss, dass es so nicht mehr wei­ter geht mit mei­ner kör­per­li­chen Ver­fas­sung. Und auch, dass alles, was ich bis­her an Grün­den gegen sport­li­che Akti­vi­tät gebracht und damit das Vor­ha­ben immer wei­ter gescho­ben habe, nur faule Aus­re­den waren.

Vor vier Wochen hat die Mitt­wochs­gruppe vom Hilfe-Dings einen Aus­flug in den Wil­helms­bur­ger Insel­park gemacht. Ich hatte mich so sehr dar­auf gefreut, mal wie­der raus zu kom­men, zu foto­gra­fie­ren, in Ruhe zu gehen und mit den ande­ren zusam­men zu sein. Das hat auch alles geklappt und war wirk­lich schön - nur gehen konnte ich nicht mehr als höchs­tens 50m ohne Pause. Mein Rücken stand in Flam­men, ich war nur noch Schmerz. Dazu plage ich mich wie­der seit Wochen mit dem Piri­f­or­mis­syn­drom rum.
Am kom­men­den Mitt­woch ist wie­der ein Aus­flug geplant (dies­mal zum Was­ser­park Kalte Hofe) und Stand jetzt muss ich ihn absa­gen. Ich kann will die Gruppe nicht schon wie­der per­ma­nent zu Pau­sen zwin­gen, auch wenn sie sagen, dass es nicht schlimm ist und ich ja nicht die Ein­zige mit Pro­ble­men bin. Aber es fühlt sich ein­fach blöd an. Alter­na­tiv könnte ich höchs­tens mit hin fah­ren, dann dort irgendwo auf einer Bank sit­zen und war­ten, bis die ande­ren vom Rund­gang zurück sind und wir noch einen Kaf­fee zusam­men trin­ken. Das Wet­ter würde mit machen, ich könnte die Kamera mit neh­men, allein sein kann ich auch - aber die Vor­stel­lung ist ein­fach doof.

Aber das ganze bringt mich auch zu der ein­zig ver­nünf­ti­gen Erkennt­nis, dass es so eben abso­lut nicht wei­ter geht. Wenn ich jetzt nichts mache, sitze ich bald nur noch zuhause bzw. muss einen Rol­la­tor besor­gen, um wenigs­tens mal ein paar Meter gehen zu können.

Im Früh­jahr hatte ich die Ein­füh­rungs­runde bei Sport­Spaß. Danach war ich fest ent­schlos­sen, das durch­zu­zie­hen und machte einen Ter­min, um einen Trai­nings­plan zu erar­bei­ten. Den hab ich erst­mal wie­der abge­sagt, weil ich 6 Phy­sio­ein­hei­ten auf Rezept bekam, dann wurde es heiß, dann fiel ich ins depres­sive Loch. Jetzt kommt lang­sam die Woh­nungs­ge­schichte in Gang, der Spen­den­an­trag für Klei­der­schrank und Schreib­tisch ist weg, die Möbel aus­ge­sucht, aber ich kann ja kei­nen Ter­min für den Sport machen, solange ich nicht weiß, wann die Möbel kom­men und auf­ge­baut wer­den, sonst muss ich den nach­her womög­lich wie­der absa­gen und ------ 

Bull­shit. Alles Aus­re­den. Nur nichts tun müs­sen, nur nicht vom Fleck bewegen.

Dabei weiß ich doch ganz genau, wie gut mir das Kraft­trai­ning letz­tes Jahr in Malente getan hat. Wie auf­recht ich ging, wie­viel mehr Ener­gie und Selbst­ge­fühl ich hatte. Wie die Schmer­zen lang­sam weni­ger wur­den und die Mus­keln mehr. Warum tu ich es dann nicht ein­fach???
Es ist keine Frage der Logis­tik oder des Spa­ßes, son­dern des Wol­lens und ja, auch der Über­win­dung. Damit tu ich mich ja immer schwer. Aber: ich will wie­der lau­fen kön­nen. Ich will durch die Stadt gehen und foto­gra­fie­ren, ich will in die Natur, ich will mor­gens ohne Schmer­zen auf­ste­hen. Mein Kopf, mein Geist ist noch lange nicht am Ende, aber ich brau­che auch den Kör­per dazu - und die Abwe­sen­heit von Schmerz.

Darum mache ich mir jetzt hier ein Ver­spre­chen: ich werde über­mor­gen nach mei­nem Ter­min beim Hilfe-Dings (denn da bin ich sowieso in Altona) zu Sport­Spaß gehen, den Mit­glieds­bei­trag zah­len und die Trai­nings­stunde ver­ab­re­den. Und die Möbel­lie­fe­rung wird sich dann eben danach rich­ten, nicht umgekehrt.

Keine Aus­re­den mehr.

Schreibanregung (01)

Wie ich vor kur­zem ent­deckt habe, hat Jet­pack *) seit eini­ger Zeit seit min­des­tens 3 Jah­ren einen Block für täg­li­che Schreib­an­re­gun­gen. Viel­leicht ist das etwas, das mich wirk­lich end­lich dazu bringt, wie­der mehr zu schrei­ben und auch mal über andere The­men und nicht nur über alles, was blöd läuft in mei­nem Leben? Bei den Gedich­ten hat das damals ja gut geklappt.

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Das ist die Anre­gung von heute:

Täg­li­che Schreibanregung
Was war die längste Reise, die du je gemacht hast?

Ganz wört­lich gese­hen war die längste meine vierte Reise nach Por­tu­gal, vom 24. Okto­ber bis zum 08. Novem­ber 2007, zusam­men mit einer Freun­din, die ich online ken­nen gelernt und das erste Mal live auf dem Flug­ha­fen in Lis­sa­bon gese­hen habe.
Damals arbei­tete ich noch in der Feri­en­haus­ver­mitt­lung und hatte gute Kon­takte zu Vermieter:innen in ver­schie­de­nen Län­dern, u.a. eben auch in Por­tu­gal. Dar­über konnte ich uns ein schö­nes, gro­ßes Appar­te­ment in Cas­cais mie­ten, ganz ruhig auf dem Berg gele­gen und nur 15 Minu­ten Fuß­weg vom Meer ent­fernt. Wir haben uns vom ers­ten Moment an super ver­stan­den, viele Aus­flüge gemacht - meh­rere Male nach Lis­sa­bon, das nur 20 Minu­ten mit der Bahn ent­fernt ist, mit der Fähre nach Cacil­has und zur Sta­tue des Cristo Rei, zum Torre de Belém und mit dem Bus nach Sin­tra, mit­ten zwi­schen den Schul­kin­dern auf ihrem Weg nach Hause - und wirk­lich jeden ein­zel­nen Tag genossen.

(Ich pack hier noch ein paar Fotos rein, aber das dau­ert einen Moment.)

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Ins­ge­samt war ich 6 mal in Por­tu­gal: an der West Algarve - ein­mal mit einer Fahrt ent­lang der West­küste von Faro über Alb­ufeira, Lagos und Sétu­bal bis Lis­sa­bon -, in und bei Lis­sa­bon und an der Ost Algarve. Einige Male zu zweit, andere Male allein. Oft habe ich Men­schen getrof­fen, die ich über die Arbeit kannte und die mir, da sie dort leb­ten, Ein­bli­cke gaben, die ich als nor­male Tou­ris­tin nicht hätte haben kön­nen. Und gleich bei der ers­ten Reise habe ich mein Herz an die­ses wun­der­bare Land ver­lo­ren. Nichts, was ich sonst gese­hen und erlebt habe, so schön es auch war, hat mich so tief berührt wie das Da-Sein in Por­tu­gal. Immer war da ein Gefühl von Nach-Hause-Kom­men, als hätte ich frü­her schon dort gelebt. Es war mein ganz gro­ßer Traum, dort­hin zu zie­hen, zu arbei­ten, zu leben, zu sein. Es blieb beim Traum, aber es bleibt auch in mei­ner Seele und mei­nem Her­zen. Ich bin unend­lich dank­bar, dass ich die­ses Stück Hei­mat gefun­den habe und wei­ter in mir tra­gen kann.

***

Die andere große Reise teile ich mit vie­len ande­ren Men­schen: die zu mir selbst. Sie ist in die­sem Blog nachzulesen.


*) Das Plugin für Word­Press, das zwar umstrit­ten, aber ver­mut­lich doch bei den meis­ten Seitenbetreiber*innen instal­liert ist, weil es halt ein paar nette Fea­tures auf ein­mal bietet. 

Radikale Akzeptanz

Hand­lungs­ein­lei­ten­des “So”.
Hand­lungs­ab­schlie­ßen­des “Es ist, wie es ist”.

Und dazwi­schen?
Eine scheiss anstren­gende Zeit, so lang, dass ich nicht mehr sagen kann, ob das jetzt immer noch nur Boden­wel­len sind oder doch schon eine aus­ge­wach­sene depres­sive Epi­sode. In der ich mich frage, ob es mir bes­ser geht, weil ich ges­tern nur drei­mal geweint hab und ob es wie­der schlech­ter ist, weil ich heute gar nichts spüre. In der mein Kör­per mich nicht auf­ste­hen, grade ste­hen, irgend­was machen und erst recht nicht raus gehen lässt, obwohl ich weiß, dass das alles mir gut täte. Eine Zeit, in der statt des­sen und umso mehr die Gedan­ken sich per­ma­nent im Kopf dre­hen und mein eines Ich mit dem ande­ren strei­tet und kämpft und nie­mand gewin­nen kann.
Eine Zeit, so müh­sam und kraft­zeh­rend wie ein Tri­ath­lon, nur dass die Dis­zi­pli­nen hier Trauer, Schmerz, Wut, Scham, Angst hei­ßen. Und jedes Mal will der Weg von vorne gegan­gen wer­den, als würde ich ihn nicht bereits in- und aus­wen­dig ken­nen. Als hätte ich nicht längst schon tau­send­mal die Meis­ter­schaft gewonnen.

In so einer Zeit neh­men dann auch wie­der die alten Stim­men in mei­nem Kopf über­hand. Die, die mich be- und ver­ur­tei­len, die mir vor­schrei­ben wol­len, was rich­tig ist und was “man” tut oder nicht tun darf und wie es sein soll und was das Beste sei für mich.
Stell dich doch nicht so an. Lass die Ver­gan­gen­heit end­lich hin­ter dir und guck nach vorne. Irgend­wann muss es doch auch mal gut sein mit der Trauer. Du kannst dein Leben nun­mal nicht zurück dre­hen und von vorne anfan­gen. Hätte, hätte und wenn, dann nützt doch jetzt auch nichts mehr. Akzep­tiere end­lich, was du hast und wie es ist.

Also sor­tiere ich inner­lich aus. Trauer weg, Ver­gan­gen­heit weg, Ver­let­zun­gen weg, Sehn­süchte und Bedau­ern weg. Alles weg packen, was mich am Leben hin­dert. Und damit es sich bes­ser anfühlt, baue ich in mir einen Ort für all das, mach ihn schön, pflanze Blu­men drum herum, setze einen Zaun und suche ein Schloß, damit es wirk­lich sicher ist. (Sicher vor was, vor wem? Vor mir?)
Aber es funk­tio­niert nicht, es geht nicht weg, es lässt sich nicht tren­nen von mir. Es ist doch Teil von mir! Ich bin doch gewor­den, wer ich heute bin, weil es genau diese Ver­gan­gen­heit gab - wie soll ich sie denn ein­fach los las­sen und nicht mehr sehen wol­len? Diese gan­zen Gefühle gehö­ren doch zu mir, machen mich aus, die gehen nicht weg nur weil einige davon weh tun und trau­rig machen, die sind doch genauso real und haben ein Recht auf ihr Dasein wie die guten Gefühle. Sie von mir zu tren­nen fühlt sich an, als würde die Hälfte von mir feh­len und als würde ich eines gro­ßen Teils mei­ner Kraft beraubt. Ohne Schmer­zen zu füh­len, Trauer zu emp­fin­den, Unrecht zu sehen und Wut zu spü­ren kann ich auch nicht lie­ben und mich von Her­zen freuen und die Schön­heit der Welt sehen. Ohne das bin ich leer, nur noch funk­tio­nie­rende, ratio­nale Hülle - und so bin ich nicht.
Meine Fähig­keit zu füh­len ist meine Stärke, meine Kraft, meine Ener­gie. Und wenn das bedeu­tet, dass es immer wie­der Pha­sen gibt, in denen ich um Ver­gan­ge­nes trauere, dann ist das so. Dann tut es eben eine Zeit­lang weh. Dann weine ich eben und sitze im Dun­kel und küm­mere mich nicht um das Drau­ßen. Dann lege ich Pläne auf Eis und sorge mich nur um mich und mache das, was zum Über­le­ben reicht, damit ich danach wie­der auf­ste­hen und in klei­nen Schrit­ten in mei­nem Tempo wei­ter­ge­hen kann. Dann ist das eben so.

Wie­der geht es also um die radi­kale Akzep­tanz mei­ner selbst. Ich bin, wie ich bin. Nie­mand hat das Recht, über mich zu bestim­men und etwas zu for­dern, das ich nicht geben kann. Uralte Glau­bens­sätze, die nicht meine eige­nen sind und mich zu etwas zwin­gen, was ich nicht leis­ten kann, darf ich los las­sen und dafür meine Gefühle behal­ten und alles, was mich aus­macht. Ich bin nur mir selbst gegen­über Rechen­schaft schuldig.

Es ist, wie es ist.

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