09-07-2020

Im Traum wieder mal bei der Arbeit (= alter Job). Aber es verändert sich tatsächlich etwas in mir, denn diesmal hab ich der Chefin ganz in Ruhe erklärt, warum das alles so gekommen ist mit dem Burnout und der Depression und sie hat sogar nachgefragt. Ich bin dann mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen – und aufgewacht.
Vielleicht ist da auch noch eine Nachwirkung vom gestrigen Nachbardings: dass ich mich nach oben getraut hab und ziemlich ruhig geblieben bin.


Wenn die Fahrt hin und zurück viel anstrengender war als die Therapiestunde selbst, dann war es wohl eine von den richtig guten.

Und jetzt: Pizza, Sofa, TV.

08-07-2020 Mittwochsgruppe

Entweder ich hab letzte Nacht super fest geschlafen oder meine Obernachbarn lesen hier mit, jedenfalls bin ich nur 5 Minuten vor dem Wecker aufgewacht. Das tat gut.


Am Mittag dann los zur Mittwochsgruppe, mit immer noch ordentlich Hibbeln im Bauch. Immerhin haben wir uns ewig nicht gesehen und die letzten Treffen waren so, dass ich überlegt hatte, nicht mehr hin zu gehen. Nur weil meine Therapeutin der Meinung ist, dass mir Kontakte zu „echten“ Menschen gut tun würden, muss ich die Zeit nicht mit welchen verbringen, mit denen ich nichts gemeinsam hab oder die Chemie einfach so gar nicht stimmt. Das waren aber genau die, die über den Winter noch übrig waren.

Und das war meine Befürchtung für heute: dass genau die wieder da sind. Ich nehm es mal vorweg: waren sie nicht bzw. nur eine davon. Aber zum Glück waren auch drei andere Frauen da, nämlich genau die, die ich sehr gerne mag, mit denen ich was gemeinsam hab, mit denen ich gut reden kann. Und anscheinend beruht das auf Gegenseitigkeit, wenn ich die herzliche Begrüßung und die Stimmung richtig interpretiere. Mit der einen anderen Frau kann ich irgendwie klar kommen.

Die eineinhalb Stunden waren dann gefühlt schnell vorbei, aber dennoch ganz schön anstrengend. Viel Austausch, viel reden, so ungewohnt viele Menschen um mich rum, das verbraucht entsprechend viel Akku – im Moment noch mehr, als gleichzeitig aufgeladen wird. Aber ich bin ganz hoffnungsvoll, dass sich das wieder einpendelt mit der Zeit.


Danach dann schnell bei Rewe rein und meinen Gutschein in Lebensmittel umgewandelt, voll bepackt nach Hause geradelt und aufs Sofa geplumpst. Naja, so war es jedenfalls geplant.
Leider haben die Obernachbarn die Ruhe von heute morgen am Nachmittag dann wieder wett gemacht mit ca. 2 Stunden Getrappel und Getrampel und Gerenne, weil zwei Mütter und ein Vater nicht in der Lage sind, mit zwei kleinen Kindern mal eine Weile nach draußen zu gehen, damit die sich da austoben können, aber immerhin bin ich heute relativ ruhig geblieben, als ich oben Bescheid gesagt hab, dass ich jetzt echt die Nase voll hab von dem Lärm und ich hoffe sehr, dass jetzt wieder für ein paar Wochen Ruhe ist.


Am Morgen gelesen: Elisabeth Rank mit einem sehr schönen Text. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was und wieviel ich zitieren soll, ich mag einfach so so gerne, wie sie schreibt. Lest es, hier und dann weiter bei ihr.

Als ich mit S. vor dem Café sitze, stellen wir im Gespräch fest, über wie viel es immer noch entsetzt zu sein gilt und sich zu empören. Man wird so müde davon, aber noch träger wird alles, wenn wir damit aufhören. Wenn wir es nicht mehr besser machen wollen als die vor und neben uns. Ich bemerke in den kleinen Momenten immer wieder die Schieflagen, über die großen kann man sich gebührend laut auslassen, knifflig wird es dort, wo wir mit Gefühlen argumentieren und mit einer Erfahrungswelt, die zum Beispiel Männer häufig nicht nachvollziehen können, weil sie bestimmte Dinge einfach nie erlebt oder nicht einmal gesehen haben. An der Stelle muss man sich immer wieder selbst überwinden und hintragen zu dem Punkt, an dem man trotzdem etwas sagt, nachfragt, erforscht, was passiert, wenn man anspricht, was man evtl. nicht mit siebenhundert Fakten belegen, aber dennoch mit einem unguten Gefühl bezeugen kann. Denn so, glaube ich, funktioniert die Annäherung an etwas, das sich ändern muss, und an das Ziel dieser Änderung.

http://mevme.com/lizblog/everything-you-say-has-water-under-it/

07-07-2020 Hibbelig

Besten Dank an meine reizenden Obernachbarn: das mit dem Wecken klappt ja wieder hervorragend. Nur mit der Uhrzeit muss bei Euch da was falsch angekommen sein. Ich hatte eigentlich zehn Uhr gemeint, nicht halb acht. Und auch den Klingelton mit dem Vogelgezwitscher hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Können wir das morgen vielleicht nochmal versuchen? Mit etwas weniger Geschrei und Getrampel? Danke, das wär toll.


Aber wenn ich dann schon wach war, konnte ich ja auch aufstehen und heute erledigen, was ich der Tochter versprochen hatte.

Nur so richtig fündig bin ich immer noch nicht geworden. Im Prinzip suche ich nach einer kostenfreien oder günstigen Lösung für ihre Kundenverwaltung; gerne mit Kalender / Terminplanung, Aufgaben, Rechnungsversand und wenn sie dann noch Mails verschicken könnte vom gleichen Ort, wäre das sehr effizient. Immerhin hab ich schon gelernt, dass sich das „CRM“ nennt: Customer-Relationship-Management. Bloß sind die ganzen Systeme, die es da gibt, entweder zu teuer, zu unübersichtlich, zu unflexibel oder nur auf Englisch. Und das eine, das den Anforderungen eigentlich entspricht, ist so umfangreich, dass ich Monate brauchen werde, um es auf das Miniunternehmen der Tochter runter zu schrauben. Das ist grad echt frustrierend.


Andererseits hat mich die Beschäftigung damit schön abgelenkt von dem, was da im Inneren schon wieder rumort. Nach 5 Monaten Pause wird sich morgen die Mittwochsgruppe vom Hilfe-Dings nämlich wieder treffen. Und ich hibbel rum wie beim ersten Mal.
Werden von den netten Frauen welche da sein oder hock ich wieder mit denen alleine, die ich nicht besonders mag? Haben die neuen Leiterinnen sich ein neues Konzept überlegt und werden damit alle einverstanden sein? Hoffentlich wird es kein Bastel-Kaffee-Klön-Kränzchen mit Malefiz und Weihnachtsliedern.
Ich würde mir sehr wünschen, dass wir auch mal über „ernsthafte“ Themen reden, die uns wirklich betreffen. Immerhin haben wir alle einen ähnlichen Grund, warum wir diese Hilfe erhalten. Ich brauch keine Therapiegruppe – obwohl: doch, eigentlich wäre das schön, aber die Leiterinnen sind dafür nicht ausgebildet – aber ein Austausch über uns, über Alltags- oder spezielle Probleme wäre nicht schlecht. Mal zu fragen, wie die anderen was machen, wie es denen geht, vielleicht hat eine einen Tipp, den eine andere brauchen kann. Sowas eben. Aber ob das geht mit all den Frauen dort? Ob die Wünsche übereinstimmen? Und wieviele Kompromisse bin ich bereit, einzugehen?

Und überhaupt: nach so langer Zeit fast alleine wieder mit halbwegs fremden Menschen zusammen sein! Wo ich Menschen doch eigentlich gar nicht mag …

06-07-2020 Nichts getan – oder vielleicht doch?

Eine Nacht, die so kuschelig gemütlich und voll mit netten Träumen ist wie meine letzte, muss nicht zwingend enden, nur weil ein Wecker klingelt, der nur gestellt wurde, um einen selbst ausgedachten Rythmus einzuhalten. Finde ich.


Auf Twitter geht’s wieder rund, weil dumme Politiker (nicht gegendert) aus dem Wirtschaftsbereich meinen, dass zu wenig eingekauft wird, weil die aktuell immer noch zu tragenden Mund-Nasen-Schutze „den Spaß am Shoppen nehmen“. Die Idioten „ich lass mir doch meine Freiheit nicht nehmen und vorschreiben was ich zu tun hab“ feiern das natürlich und rotzen ihren Müll unter jeden Kommentar.
Jaja, ich sollte es besser wissen. Dann wächst eben meine Blockliste, was soll’s.


Ich bin zur Zeit nicht wirklich produktiv, aber dann denk ich inzwischen öfter, dass das doch auch okay ist und ich nichts schaffen muss, was irgendeinen Mehrwert für irgendwen hat, solange es mir dabei gut geht. Ich hab keinen bezahlten Job, ich muss nichts liefern, ich muss – nein, ich darf nach mir gucken, was ich kann und was nicht und was ich möchte oder nicht. Ich tu niemandem weh, wenn ich so lebe.

Und: was heißt „produktiv“ überhaupt? Warum ist es so schrecklich wichtig, am Ende des Tages sagen zu können „ich hab was geschafft“? Und wer definiert, was dazu zählt und was nicht? Wenn ich keine Liste abarbeite, die versprochenen Dinge für die Tochter erledige, meinen Haushalt mache etc., dann heißt das in unserer Gesellschaft (und ja, oft genug noch immer auch in meinem Denken), dass ich nichts tue. Aber das ist eigentlich Quark, weil dieses Nichts, das ich tue, ja auch Tun ist. Lesen, Nachdenken, bloggen, Blumen auf dem Balkon zupfen, mich versorgen, mit der liebsten Freundin schreiben … all das tue ich und es tut mir gut. Nur das zählt wirklich. Der Maßstab bin nur ich selbst in diesen Dingen.


Was ich heute u.a. gelesen habe: Das Mikroabenteuer der Freundin in groß und in Farbe, bei dem auch ganz wunderbare brumselige Kühe vorkommen.

05-07-2020

Gestern Nacht noch Netflix geguckt und rumgedaddelt, irgendwann sehr müde ins Bett – und wach. Hellwach. Dabei aber immer noch hundemüde. Ein Zustand, den ich verabscheue. Aber es hilft dann meistens nichts anderes, als wieder aufzustehen, mich anzuziehen und mit dem Tablet aufs Sofa. Lesen, spielen, richtig müde werden.
Gegen halb fünf war es dann endlich soweit und dann klappte es auch irgendwie mit dem Schlafen – vor allem, nachdem der Lütte von oben nach dem Frühstück endlich raus durfte und damit das Getrampel über mir aufhörte. Entsprechend bin ich erst gegen 2 am Nachmittag aufgestanden und muss in den nächsten Tagen versuchen, den Rythmus wieder wenigstens auf mein Normal zu bringen.
Nein, schön geht anders. Aber andererseits: es zwingt mich ja nix und niemand.

Wenn die Nacht so blöd war, dann geht halt auch den Tag über nicht wirklich viel. Haken wir das also ab unter „ist eben so“.


Und dann seh ich im Vorübergehen eine Todesnachricht mit einem aus alten Zeiten vertrauen Namen *) und mir wird wieder klar, wie alt ich bin und dass solche Nachrichten nun näher kommen.

(Matthias Kaul, Schlagzeuger und Komponist, Ehemann von Astrid Schmeling, meiner Flötendozentin am Konservatorium, lebensfroher, liebenswerter und unfassbar kreativer Mensch. Ich bin traurig.)

04-07-2020 Erdbeermarmelade und Twitteraufreger

Relativ gut geschlafen, vielleicht ein kleines bißchen kühl nur mit Bettbezug ohne Decke, aber lieber so als schwitzen. Im Traum konnte ich fliegen und hab riesige Wellen in Portugal fotografiert, das war schön.


Auch schön ist, dass ich die Erdbeeren gestern noch verarbeitet hab und es darum heute leckere Marmelade aufs Frühstücksbrötchen gab. Noch besser ist, dass es die morgen auch wieder gibt und übermorgen und so lange, bis die 3einhalb Gläser leer sind und inzwischen wird es sicher noch mehr Erdbeeren zu kleinem Preis geben. Und dann kommen ja noch Johannisbeeren und Kirschen und Pflaumen und ich liebe den Sommer, weil ich dann Marmelade kochen kann mit ganz ohne Zucker, hab ich das eigentlich mal erwähnt?


Nach dem Frühstück war dann auch die Wäsche bereit zum Aufhängen und meine Vernunft brüllte mir ins Ohr, dass das Staubsaugen nur 10 Minuten dauert und das Bad ja auch ganz schnell geputzt ist und jedenfalls ist es hier wieder sauber sauberer als vorher und ich bin zufrieden. Vom Boden kann immer noch nicht gegessen werden, aber ich meine, wer will denn schon vom Boden essen?


Und dann musste ich mich auf Twitter noch kurz aufregen und wiedermal wundern, obwohl ich es doch besser weiß, weil sich das alles sicher nicht mehr ändern wird in der Zeit, in der ich es noch mitkriegen werde, weil Männer *) sich so unglaublich langsam bewegen und schon gar nicht, wenn es um ihre Vormachtsstellung geht und darum, den kleinen dummen Frauen zu zeigen, wer hier immer noch das Sagen hat.

*) Jaja, nicht alle Männer, schon klar.

Da hat so ein Typ, irgendwas um die 30, angeblich im Zuge einer Podcast-Recherche, sich mal mit der Anti-Baby-Pille beschäftigt und fragt daraufhin, ob sich eigentlich schonmal jemand den Beipackzettel durchgelesen hätte und warum Frauen so selbstverständlich so einen Mist nehmen würden.
Abgesehen davon, dass es erstens tausend Gründe gibt, warum Frauen die Pille nehmen und unzuverlässige, faule, egoistische Männer nur einer davon sind, dass zweitens diese Frauen natürlich (hoffe ich wenigstens) Bescheid wissen über die Nebenwirkungen und drittens die ganze Verhütungsgeschichte bis hin zu (gewollt oder nicht) Schwangerschaft etc. auch 2020 noch hauptsächlich Frauensache ist, regt mich einfach auf, dass ein Typ sich selbst so dafür feiert, dass er was über ein Frauenthema herausgefunden hat und meint, er wäre der erste und einzige und die Offenbarung schlechthin und alle müssten ihm dankbar sein, obwohl wir schon seit 100 Jahren darüber reden und sie einfach nur hätten zuhören müssen. Und wenn ihnen das gesagt wird, kommt immer „Hey, ich bin doch hier der Gute! Ich spreche doch für euch!“ Klar, Dude, weil wir das ja nicht können. Und zu blöd zum Lesen sind wir auch.

Das erinnert mich wieder an diese Sache neulich von den „Komikern“ Joko und Klaas, die ihre 15 Minuten Sendezeit großzügig den Frauen überlassen haben, um mal zu zeigen, wie absolut scheisse Frauen im Internet und im realen Leben behandelt werden. Als ob wir nicht seit Ewigkeiten Tag für Tag darüber reden und schreiben. Aber erst wenn so zwei Typen es sagen, wird es wahr und gehört. „Echt, so krass ist das? Hätt ich nicht gedacht. Wie gut, dass J&K das mal deutlich gesagt haben!“ Ja, besten Dank auch für nichts.
Ich bin so müde. Ich bin es so leid. Und wundern sollte es mich eigentlich nicht mehr.


Noch was Schönes zum Ende, weil es das braucht.

Schreiben, so viel steht fest, ist eine wirklich abgefahrene Sache. Ich freue mich jedenfalls, irgendwann wieder Geschichten zu schreiben, das wird sehr unterhaltsam – also zumindest für mich. 

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2020/07/04/wie-in-einem-buch/

Ich gehe davon aus, dass es dann auch für uns Leser:innen unterhaltsam wird, denn das ist bei Herrn Buddenbohms Geschichten ja immer so. Ich freu mich jedenfalls darauf und in der Zwischenzeit täglich über seinen Blog.

03-07-2020

Wenn ich es wirklich schaffe, hier (so ziemlich) jeden Tag zu schreiben, muss ich irgendwas mit den Beitragstiteln überlegen. Heute zum Beispiel könnte ich eigentlich schon wieder „müde“ drüber schreiben, aber das wird ja irgendwann langweilig.


Gut geschlafen, aber – wie gesagt – müde bin ich immer noch.
Wenigstens hab ich den Wocheneinkauf hinter mich gebracht; das dringend nötige Staubsaugen hab ich dann aber auf morgen verschoben, alle möglichen Stellen im Körper protestierten vehement. In der Küche warten jetzt noch 1,5 Pfund Erdbeeren darauf, geschnibbelt und zu Marmelade verkocht zu werden.


Lidl hat anscheinend dem Coronavirus Hausverbot erteilt, anders kann ich mir nicht erklären, warum die Mitarbeiter:innen durch die Bank alle ohne MNS rumlaufen (während sich die Kund:innen übrigens alle daran halten – heute sogar alle vollständig, also auch über die Nase).
Ich merke, wie ich abstumpfe. Dass es mir immer öfter egal ist, wie verantwortungslos und dumm die Leute sich verhalten. Dann sollen sie sich doch gegenseitig anstecken, es kümmert mich nicht mehr. An mir liegt es nicht: ich trage den Schutz, ich halte Abstand, ich bleibe zuhause, ich nehme das Ding ernst. Ich schütze damit auch die Idioten, die das alles nicht tun. Aber ich hab kein Mitleid mit ihnen und allmählich kann ich auch nicht mehr wütend sein.

Ich dachte allerdings auch, dass die 5. Phase sich anders anfühlt. Besser, produktiver irgendwie. Mit mehr Aussicht auf das, was „das neue Normal“ genannt wird überall. Es wäre schön gewesen, hätte sich auch im Bewußtsein der Allgemeinheit – der „da oben“ und den „normalen“ – zum Positiven verändert. Aber es sind eben doch nur Menschen und die meisten sind sich selbst am nächsten. Nein, ich erwarte nicht mehr viel.

02-07-2020 Müde

Zu spät ins Bett. Wilde Träume, unruhiger Schlaf, 15 Minuten vor dem Wecker aufgewacht.


Donnerstag ist Therapietag. Keine anderen Termine an Donnerstagen, nur kurz bei Aldi rein auf dem Rückweg, normalerweise gibt es da zwei Croissants (eins für gleich, eins für das Frühstück am Freitag) und wenn noch was Frisches gebraucht wird. Heute gab es weder noch, schade eigentlich.


Therapietage sind ganz oft müde Tage, hauptsächlich danach. Nicht nur psychisch und im Kopf, sondern tatsächlich auch körperlich. Manchmal steh ich dort vom Stuhl auf nach den 50 Minuten und wiege plötzlich 5 Tonnen. Der Körper ist schwer, als hätte ich die ganze Zeit Sport gemacht und nicht einfach nur in meinem Innersten gewühlt, diverse Vergangenheitsgeschichten ausgegraben und unzählige Steine umgedreht dafür. Ähm, warte mal …
Und so schlurfe ich heute vom Schreibtisch zum Sofa in die Küche zum Onlinelieferdienst zur Tür zum Sofa. Müde.


Nach der heutigen hab ich jetzt noch 25 Stunden übrig. Urlaub und Feiertage eingerechnet wird die Therapie also voraussichtlich Anfang 2021 zu Ende gehen. Wir überlegten heute, die letzten 10 Stunden nur noch alle 2 Wochen zu machen, um mich langsam zu entwöhnen.
Danach gibt es noch eine Möglichkeit für Gespräche, das muss ich Frau S. aber nochmal genau fragen (die Info passte nicht mehr in meinen Kopf).

Es sind noch lange nicht alle Themen bearbeitet, aber im Rückblick sehe ich, dass sich schon viel verändert hat in den letzten zwei Jahren. Darauf bin ich stolz. Und wenn ich es mal nicht sein kann, hat Frau S. meine Erlaubnis, stellvertretend für mich stolz zu sein.


Eine Idee, an der noch weiter zu denken ist: gezielt nach Kliniken für Essstörung zu suchen. Mir auch in diesem Bereich Hilfe zu holen. Weil ich es wert bin?

01-07-2020 Lazy rainy wednesday

Eine blöde Nacht war das. Gefühlt stundenlang der gleiche Traum, der sich sogar über jedes kurze Aufwachen hinweg fortsetzte. Leider auch die Kopfschmerzen, weil ich vermutlich wiedermal krumm und schief im Bett lag. Zum Glück vergeht das meistens schnell nach dem Aufstehen.

Aber da heute nicht wirklich was auf der Liste stand, hab ich es ruhig angehen lassen. Lange auf Twitter, in Zeitungen und Blogs gestöbert, mich treiben lassen von hier nach da, Links gefolgt, schöne Musik (s.u.) gefunden … Ich brauche solche Tage, sie füllen den Akku auf.


Einer der besagten Links führte zu einem ZEIT-Artikel vom Februar 2019 über introvertierte Menschen im Job, der aber nicht nur da zutrifft, sondern überhaupt im Leben.

„Wissenschaftler gehen davon aus, dass es zwischen 36 bis 50 Prozent der Menschen so geht wie mir: Sie sind introvertiert. Extroversion (oder wissenschaftlich: Extraversion) und Introversion sind die beiden Pole eines mittlerweile recht gut erforschten Persönlichkeitsmerkmals. Der Psychologe Carl Gustav Jung schrieb, Introvertierte seien von der inneren Welt der Gedanken und Gefühle angezogen, Extrovertierte von der äußeren Welt der Menschen und der Aktivität. Introvertierte versuchen, das Leben zu verstehen, Extrovertierte stürzen sich hinein. Introvertierte schöpfen ihre Energie aus dem Alleinsein, während Extrovertierte am besten unter Menschen auftanken können. Dabei gilt: Intro- und Extraversion sind ein Spektrum. Es gibt die Extreme an beiden Enden – und dazwischen ganz viele Nuancen.“

Zufälligerweise begegnete mir einige Stunden später ein anderer Beitrag zu Introvertiertheit und dort wiederum gibt es einen Test, um heraus zu finden, ob man:frau introvertiert ist. Was soll ich sagen: 19 von 20 Punkten sind ziemlich eindeutig, oder?
Nur falls sich jemand wundert, dass ich so oft an meine Grenze komme, wenn ich mit Menschen zu tun habe.

Letzte Woche im Bus zur Therapie hab ich mich wieder daran erinnert, dass ich für solche mich stressende Situationen doch eine super gute Ressource habe, die ich nur konsequent anwenden muss: meinen inneren sicheren Ort. Den hab ich mir im Laufe der Jahre so gut eingerichtet, dass er mir viel Schutz gibt, wenn wiedermal zu viele fremde Menschen um mich herum sind, denen ich nicht ausweichen kann. Ich muss nur rechtzeitig daran denken.


Gestern Nacht noch las ich auf Twitter einen Beitrag, der mich ziemlich geärgert hat. Mindestens genauso sehr ärgert es mich, dass ich nichts dazu geschrieben habe. Ich sollte es tun und trau mich nicht, auch wenn es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Twitterin positiv reagiert. Und jetzt grade beim Schreiben merke ich, dass es mir deshalb schwer fällt, weil ich sie – naja, „mag“ ist vielleicht übertrieben, so gut kennen wir uns nicht, aber ich hab zumindest eine positive Einstellung zu ihr (wir folgen uns gegenseitig). Wäre das irgendein mir unbekannter, womöglich auch noch blöder Jemand, hätte ich kein Problem oder kein so großes, was dagegen zu sagen. Aber Menschen, die ich kenne, kann ich nur ganz schwer kritisieren. Dann zittert meine Stimme, ich kriege schlecht Luft, selbst wenn ich schreibe statt zu reden, hab ich Schiss vor der Reaktion. Hab Schiss davor, als blöd abgetan zu werden, als „ach, was willst DU denn“ und „stell dich doch nicht so an“, „nimm doch nicht alles persönlich“, „da musst du doch drüber stehen“, „das bildest du dir nur ein“ und — huch, was da plötzlich für Sätze in meinem Kopf sind, nur weil ich etwas als falsch oder schlecht durchdacht empfinde, was eine andere gesagt hat. Ich habe – in meinen Augen – nie das Recht, meine eigene Meinung zu vertreten, wenn ich alleine damit bin (oder denke, dass ich es bin). Ich habe nicht die Stellung dafür, weil ich in der Hierarchie immer unten stehe.

Es scheint so, als hätte ich grade das Therapiethema für morgen gefunden. Uff.


Musik. Ich brauch noch was Schönes.

30-06-2020 Regengrau

Als wäre dem Sommer plötzlich bewußt geworden, dass er noch zu früh dran war, zieht er sich zurück, nimmt so einige Grad Wärme mit und überläßt dem Regengrau das Feld. Der Vorteil ist, dass ich wieder schlafen kann, ohne zu schwitzen wie blöd.
Dann eben Fenster zu, die Wollsocken wieder rausgekramt – und dem Bedürfnis, den Tag mit Buch im kuscheligen Bett zu verbringen doch widerstanden.


Wie jeden Dienstag traf ich mich am Mittag mit Frau R. vom Hilfe-Dings, heute das erste Mal seit März aber nicht coronamäßig draußen im Park, sondern – dank des Regens – wieder in den Räumen dort.
Später kam dann die Nachricht von einer anderen Mitarbeiterin, dass die Mittwochsgruppe ab nächster Woche wieder statt findet. Stimmt ja, da war ja noch eine Entscheidung zu treffen.

Als erstes hör ich Igor, den kleinen Schisshasen. „Aber das ist doch so anstrengend, dann hast du drei Tage pro Woche Aktion und musst dich erholen und hast überhaupt keine Zeit mehr für dich. Das schaffst du doch nie. Und überhaupt: bestimmt sind alle netten Frauen weg und nur noch die doofen übrig, die du nicht leiden kannst und dann kommst du aus der Nummer nicht mehr raus und was dann?“
Dagegen die Stimme der Therapeutin: „Sie müssen wieder raus gehen, Kontakte finden und pflegen, das tut Ihnen doch gut! Denken Sie an gestern, wie schön das war, mit jemandem zu reden!“
Und ich sitz dazwischen und will beides und alles und gar nichts. Und sage dann doch zu in der Hoffnung, dass das irgendwie gut wird.


Und jetzt Kartoffelsuppe gegen das Regengrau.

29-06-2020 Tag 2

Die Nacht war sehr entspannt mit angenehmen Temperaturen und noch angenehmeren Träumen. Das gibt es selten genug, das kann ich umso mehr schätzen. Und heute war es mir wichtig, ausgeruht und mit aufgeladener Batterie in den Tag zu gehen, denn im Kalender stand der Eintrag „Arbeitsfrühstück“.

Ein Treffen mit der Tochter und ihrer besten Freundin, die seit Anfang des Jahres auch ihre rechte Hand ist für alles, was die Organisation angeht. Wir wollten uns zu dritt mal ein paar Gedanken über Marketing machen, auf dass die Tochter nach der Coronapause wieder mehr zu tun bekommt. Außerdem bin ich auf der Suche nach Tools zur Kundenverwaltung und so, damit da mal ein bißchen Ordnung rein kommt in das bis jetzt herrschende kreative Chaos.
Die Beiden waren dann gut 5 Stunden hier bei mir und wir haben zwar auch viel erzählt und gequatscht und so, waren aber doch produktiv und hatten am Ende ein gutes Ergebnis.

Und ich merke, wie gut mir das tut: zu reden mit Menschen, die ich mag und liebe, so richtig mit Angucken und so. Zu planen, brainstormen, rumdenken, entwickeln. Mein Wissen einzubringen in eine Sache, die mir am Herzen liegt. Zu arbeiten in dem Bereich, den ich gelernt habe und in dem ich gut bin. Für ein paar Stunden zu vergessen, dass es da eine Krankheit gibt, die mich sonst so oft in Beschlag nimmt.
Ich bin heute Abend müde, aber – nein: und glücklich. Und hab für die nächste Zeit einiges zu tun.


Als ich die Kommentare zu meiner gestrigen Frage zu der Kategorie las, wurde mir klar, dass es zum einen schon seit immer eine gibt – den „Alltag“ – und dass es zum anderen gar keine neue Ordnung braucht, denn die Häufigkeit meiner Beiträge hat nichts mit einer bestimmten Schublade zu tun. Ich bin schon vorher nicht besonders genau mit den Kategorien umgegangen, das muss sich nicht ändern. Oder es wird sich finden im Laufe des Schreibens. Ist ja immerhin mein Blog und damit meine kreative Freiheit 😉

28-06-2020 Weil ich es will.

Schrieb da neulich Einer was auf seinem Blog (und auf Twitter, wo ich es las), das war so einleuchtend, dass ich staunend davor saß und dachte: Ja. Natürlich. Einfach weil ich es will.

“Ich blogge wieder.”
“Was denn?”
“Was mir so ein- und auffällt, Alltagskram, was ich so erlebe.”
“Aber du erlebst doch nichts.”
“Macht doch nichts.”
“Und das wollen Leute lesen?”
“Keine Ahnung. Aber ich will das schreiben.”

https://larsreineke.de/14-juni-2020-abends/

Eigentlich ist das doch der einzig legitime Grund zu schreiben, zu bloggen, aus dem eigenen Leben zu erzählen: weil ich das will. (Und schon schränke ich das wieder ein, indem ich ein „eigentlich“ davor setze. Ja, so funktioniere ich.)

Vor gut 3 Jahren hab ich mal angefangen mit etwas, das ich „Wochenkisten“ nannte: weil ich dachte, dass ich das tägliche Schreiben nicht schaffen könnte, dass ich meinem Anspruch nicht genügen würde, dass ich überhaupt irgendeinem Anspruch genügen müsste. Ich hab es nach 4 Wochen sein lassen, weil … keine Ahnung, irgendwie war es das halt auch nicht.
Der Kompromiss waren die „Depression Notes„, in denen ich mir erlaubt habe, über mehr als ein Thema zu schreiben oder auch mal „einfach so“.

Und trotzdem dachte ich immer wieder darüber nach, wie schön das doch wäre, jeden Tag einfach aufzuschreiben, was ich gemacht hab oder auch nicht, was ich gedacht, gefühlt, gesehen, gehört hab, einfach so, einfach für mich und wen es vielleicht da draußen noch interessiert. Aber da ist ja dann noch dieses Thema aus der Therapie neulich, das ich doch noch vertiefen wollte. Und jener Gedanke, den ich unbedingt dringend formulieren muss zuerst. Und heute kann ich sowieso nicht, weil ich viel zu müde bin. Und morgen, nein, da hab ich ja nichts erlebt, worüber sich zu schreiben lohnen würde. Und überhaupt. Aber das ist alles eigentlich (ha!) völlig egal, weil: wenn ich schreiben will, dann schreib ich. Und wenn nicht, dann nicht. Ganz einfach.

Also.


Nach 2 Tagen übelster Hitze kam gestern abend doch noch das Gewitter nach Eimsbüttel und brachte mit dem Regen auch etwas Wind und große Erleichterung. Ich kann bei Temperaturen ab 25° nicht mehr denken, ich zerfließe innen und außen. Ich kann nur aushalten und abwarten und mich möglichst wenig bewegen, bis es vorbei ist.
Heute also angenehme um die 20°, leicht bewölkt, schöner Durchzug dank geöffneter Fenster auf beiden Seiten. Die App sagt weiterhin Regen voraus, meine Tomaten freuen sich.


Mittags kam eine Mail von meinem uralten Postfach bei Yahoo, die ich interpretierte als entweder hackt da grade jemand meinen Account oder eine Namensschwester versucht vergeblich, sich einen einzurichten und Yahoo kriegt es nicht auf die Reihe. Das war dann endlich die Gelegenheit, zu tun, was ich seit langem tun wollte: das Ding endlich leer zu räumen incl. aller E-Mails aus der Zeit von 2007 bis 2012 (seitdem nutze ich es nur noch für meinen Spielaccount auf facebook) und löschen zu lassen. Ballast abwerfen: so gut.


Und sonst gab es noch: viel Twitter und Blogs lesen, auf allen WP-Seiten die Plugins aktualisieren, nochmal kurz reingucken in ein paar von den CRM-Systemen, die ich in den letzten Tagen rausgesucht hatte für die Tochter, leckeres Essen kochen und vor allem die Ruhe genießen, die dank des Regenwetters heute war da draußen vor dem Balkon. Ja, und schreiben: weil ich es will. Fühlt sich gut an.


(Wie nenn ich das, wenn ich das hier vielleicht regelmäßig_er mache? Das Kind die Kategorie will einen Namen. Ich auch. Irgendwelche Vorschläge?)

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