08-02-2023 Was Neues wagen

Also, ja, ich werde mich bewer­ben auf das Ehren­amt, von dem ich im letz­ten Bei­trag erzählt hab. Ich bin auf­ge­regt und gespannt und muss auch immer wie­der mal blöde Sätze von Igor abweh­ren, aber ich will das tun, es fühlt sich rich­tig an. Und wenn es genau die­sen Job nicht mehr geben sollte, hab ich noch zwei andere gefun­den, die auch pas­sen würden.

Auch ich hab frü­her gedacht, wenn jemand in den Ruhe­stand ging, wie gut er:sie es jetzt hat und immer tun kann, was er:sie will. Da wußte ich noch nicht, wie ver­dammt anstren­gend es sein kann, so viele Tage sinn­voll fül­len zu müs­sen. Jeden Mor­gen auf’s Neue etwas zu fin­den, was am Abend irgend­wie gut war oder zufrie­den gemacht hat. Hob­bies sind toll, aber kön­nen auch schnell lang­wei­lig wer­den, wenn es nur noch das gibt. Sich selbst wei­ter zu bil­den braucht auch Dis­zi­plin, nicht nur Inter­esse. Und sich immer wie­der zu moti­vie­ren mit einem Hund am Bein ist sowieso noch­mal eine extra Num­mer. Mit dem Ehren­amt gibt es wie­der einen Impuls von außen. Ich hoffe sehr, dass es wirk­lich hilft.

Die Inten­sion dahin­ter geht auch in Rich­tung “soziale Kon­takte”. Ich will - in Maßen - wie­der unter Men­schen. Neue Men­schen ken­nen ler­nen, gerne auch mal wie­der “nor­male”, also sol­che ohne patho­lo­gi­sche psy­chi­sche Han­di­caps, ihr wißt schon, was ich meine. Sowas soll es ja da drau­ßen auch noch geben, hab ich gehört. 😀 

Es dür­fen jetzt also bitte gerne ein paar Dau­men gedrückt wer­den - und kom­men­tie­ren dürft ihr auch 😉

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Pas­send zur Stim­mung bzw. zu einem gro­ßen Teil mit­ver­ant­wort­lich ist die Sonne, die seit 2 Tagen alles hell und freund­lich macht und so unfass­bar gut tut. Ich glaube, ich hab noch nie einen Win­ter als so schreck­lich grau emp­fun­den.
Ges­tern bin ich nach dem Ter­min mit mei­ner Bezugs­frau nicht direkt nach Hause gera­delt, son­dern war noch über eine Stunde im Park am Wei­her, saß auf Bän­ken rum, beob­ach­tete das ziem­lich komi­sche soziale Leben der Enten und Gänse, hielt mein Gesicht in die Sonne und war sehr glück­lich. Heute bin ich von der Mitt­wochs­gruppe nur die Bus­stre­cke gefah­ren und den Rest nach Hause gelau­fen, hab die kalte Luft und das helle Licht genos­sen, auf dass es eine Weile reicht.

05-02-2023 Wie es so ist

Hier so gar nicht zu schrei­ben ist auch keine Lösung. Der Kopf ist ja so oder so über­voll mit Gedan­ken, den gan­zen wachen Tag und in den Träu­men. Also.

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Ver­mut­lich habe ich dank einer Bemer­kung mei­ner Bezugs­frau vom Hilfe-Dings raus­ge­fun­den, warum ich in den letz­ten Mona­ten so abgrund­tief erschöpft war. Als ich vor etwa 3 Wochen mal wie­der davon sprach, fragte sie nach den Medi­ka­men­ten, weil sich da doch was ver­än­dert habe und siehe da: bei bei­den Medis gegen den zu hohen Cho­le­ste­rin­spie­gel steht (neben tau­send ande­ren Sachen, die ich eigent­lich gar nicht so genau wis­sen will) als Neben­wir­kung u.a. Müdig­keit bzw. Kraft­lo­sig­keit. Nach­dem ich das las, hab ich beide Medi­ka­mente pro­be­weise abge­setzt und merkte schon eine Woche spä­ter, dass sich was ver­än­dert hat. Ich bin nach wie vor schnell müde, aber nicht mehr ganz so erschöpft. Das fühlte sich wirk­lich an, als sei die Kraft kom­plett auf­ge­braucht und nicht mehr auf­zu­la­den. Der kleinste Weg kos­tete Über­win­dung, eine Stunde nach dem Auf­ste­hen wollte ich am liebs­ten wie­der ins Bett und der Gedanke an Rad­fah­ren und damit auch an Raus­ge­hen war nicht vor­han­den. Lang­sam kommt die Ener­gie jetzt zurück.
Das ist natür­lich doof, weil ich ja trotz­dem was machen muss gegen das Cho­le­ste­rin, aber wenn ich abwä­gen sollte, 2 Jahre län­ger leben zu kön­nen, aber eben mit der tota­len Kraft­lo­sig­keit, dann ist es das echt nicht wert. Ich muss also zur Haus­ärz­tin und mit ihr klä­ren, wie es wei­ter geht. Dann kann ich auch gleich mit ihr über die Reha reden und ob sie mich damit unterstützt.

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Wie so viele andere um mich herum, on- und off­line, bin auch ich genervt von die­sem Win­ter, der hier in Ham­burg kein Win­ter ist und sich den­noch in sei­nem tris­ten Grau ins End­lose zieht. Es gibt kaum Licht; dass es jeden Tag ein paar Minu­ten län­ger hell ist, scheint ein­fach unter­zu­ge­hen. Dazu kommt bei mir hier die Aus­sicht auf die häss­li­che Bau­stelle gegen­über, die von der blät­ter­lo­sen Pla­tane nicht ver­deckt wird. Da ist ein­fach nichts Schö­nes für das Auge und kaum was für’s Gemüt.
Die letz­ten bei­den Mitt­wochs­grup­pen hab ich auch ver­passt, weil es mir ein­mal nicht gut ging (da war der Ter­min mit der Bezugs­frau einen Tag vor­her zur zwar sehr effek­ti­ven, aber auch wahn­sin­nig anstren­gen­den The­ra­pie­stunde gewor­den und ich war echt fer­tig) und danach das Wet­ter zu beschis­sen zum Rad fah­ren war, gleich­zei­tig aber Bus&Bahn bestreikt wur­den. Zwei Wochen kaum soziale Kon­takte, das fehlt mir inzwi­schen doch sehr.
Wenigs­tens ist mir wie­der ein­ge­fal­len, dass ich doch den gan­zen Som­mer über in mei­nen Fotos Far­ben gesam­melt hatte, damit der Win­ter über­lebt wer­den kann. Seit­dem durch­forste ich meine Ord­ner nach noch nicht gezeig­ten Fotos und da kommt noch­mal ganz ordent­lich was zusam­men, was schon beim Bear­bei­ten ein wenig Freude macht. Aber es ist trotz­dem nur ein klei­ner Moment Sonne und Licht und ersetzt das echte Raus­ge­hen in die Natur keineswegs.

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Ent­ge­gen mei­ner bzw. Igors Erwar­tung hab ich tat­säch­lich im Januar fast jeden Tag “ver­dich­tet”. Die meis­ten Texte hab ich bei Twit­ter gepos­tet (und natür­lich lokal gespei­chert), aber da gehen sie doch irgend­wie unter. Öffent­lich zei­gen will ich sie aber, ich weiß nur noch nicht so rich­tig, in wel­cher Form. Ver­mut­lich werde ich sie hier ver­lin­ken, weil sie irgend­wie zum Tage­buch gehö­ren, aber gleich­zei­tig auch auf der Lyrik­seite, weil es ja eben doch Gedichte sind. Mal gucken.
Und viel­leicht wird auch bald das Logo fer­tig, das ich für alle drei Sei­ten nut­zen will - wenn ich mich dann mal ent­schei­den kann und der Bauch end­lich zu 100% “ja” sagen mag.

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Ges­tern Abend hab ich nach Mög­lich­kei­ten für ehren­amt­li­che Arbeit in HH gesucht und tat­säch­lich was gefun­den, was für mich in Frage kommt. Also, was mir und mei­nen Fähig­kei­ten und Bedürf­nis­sen eigent­lich total ent­spricht und ich sollte eigent­lich ganz drin­gend da hin­schrei­ben und mich vor­stel­len, aber ich hab natür­lich sofort tota­len Schiss, dass die mich ent­we­der total doof fin­den oder ich dem Anspruch nicht gerecht werde. Aber wenn ich mich da nicht melde, dann bin ich wirk­lich total doof. Ich weiß es doch auch nicht.

Con­tent Manager:in Word­Press / Web­seite pfle­gen (all gen­ders)
Wir sind ein klei­nes, fei­nes Team, das von Ham­burg aus die Ein­sätze von Medi­cal Vol­un­teers e.V. koor­di­niert. Für die Pflege unse­rer Home­page suchen wir ab sofort ehren­amt­li­che Unter­stüt­zung für unser Team. Du soll­test dafür gute Kennt­nisse in Word­Press und sehr gutes Deutsch und Eng­lisch in Wort und Schrift mit­brin­gen. Ebenso soll­test Du in der Lage sein, selbst­stän­dig, prä­zise und struk­tu­riert zu arbei­ten.
Der wöchent­li­cher Zeit­auf­wand liegt bei ca 3h/Woche. Du kannst diese Tätig­keit bei uns im Büro in HH-Hohe­luft (unweit der U Bahn-Sta­tion Hohe­luft­brü­cke) oder in remote ausüben.

Es wäre wirk­lich abso­lut ideal. Mein Eng­lisch ist zwar nur gut und nicht sehr gut, aber ansons­ten erfülle ich wirk­lich alle Anfor­de­run­gen. Ich kenne sogar das WP Theme, das sie ver­wen­den, weil ich damit die Seite für das Rei­se­por­tal erstellt habe, das ich vor ein paar Jah­ren mit einem Freund auf­bauen wollte. Und auch das Team und was die so machen, finde ich sym­pa­thisch. Ich sollte mich trauen. Schon blöd, dass da grade wie­der­mal so ein dum­mer klei­ner schwar­zer Hund auf mei­nen Schul­tern rumliegt.

(Sagt nichts! Ich weiß, was ihr sagen wollt und dass ihr Recht habt. Ich muss es den­noch selbst entscheiden.)

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Mein Tages­ge­dicht von ges­tern, nachts geschrieben.

#VerseMyDay 4.2.2023

Im Kopf, da
sitzt Einer und
redet auf dich ein
das kannst du nicht
das schaffst du nicht
das wagst du nicht
du wirst scheitern
du wirst alles falsch machen
du wirst aufgeben
du bist zu blöd
du bist zu faul
du bist zu klein
und irgendwann
da glaubst du das
da redest du nicht mehr dagegen
da wirst du still
da kannst du nichts
da schaffst du nichts
da wagst du nichts
da bist du nichts.

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Thema der nächs­ten Therapiestunde(n), als Folge des oben erwähn­ten Ter­mins beim Hilfe-Dings: Wut und Trauer und was das eine mit dem ande­ren zu tun hat und warum ich mir bei­des nicht erlaube. Und irgend­wann dem­nächst will ich hier mal die Geschichte auf­schrei­ben, wie ich wäh­rend einer Ima­gi­na­tion mein inne­res Kind gefun­den hab. Nach der Klei­nen muss ich näm­lich drin­gend gucken, da ist noch lange nicht alles abgearbeitet.

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Reicht für heute.

09-01-2023 All I wanna do is bicycle

Ähm, die Über­schrift ist natür­lich ein Scherz.
Ehr­lich gesagt hasse ich die­ses Rad, das so auf­fäl­lig hin­ter mir rum­steht, immer noch sehr. Und seit dem Herbst lass ich auch das Trai­ning ziem­lich schlei­fen: wenn ich es ein­mal in der Woche da rauf schaffe und dann nicht schon nach 15 Minu­ten ent­nervt auf­gebe, ist es ein Wun­der. Das Schwim­men mit dem Hilfe-Ding pau­siert auch bis zum Früh­ling, weil es ein­fach arsch­kalt ist (wegen der aktu­el­len Ener­gie­knapp­heit wurde die Tem­pe­ra­tur redu­ziert; es heißt um ein Grad, gefühlt aber um min­des­tens 5 Grad).

So geht das aber nicht, wenn sich das Gewicht nach unten bewe­gen soll. Nur alleine am Ess­ver­hal­ten zu arbei­ten, reicht nicht - und da bin ich noch lange nicht soweit, dass alles gut wäre.

Heute hab ich es end­lich mal wie­der geschafft aufs Rad. Kopf­hö­rer auf­ge­setzt, meine Play­list mit den schnel­len 80er Songs ange­stellt und die Augen zuge­macht. Gegen Ende dachte ich nur noch “das schaffst du, komm, noch ein Stück, bis der Song zu Ende ist” und dann waren es sogar 21:30 Minu­ten und 9 km. 

Als ich danach unter der wohl ver­dien­ten Dusche stand, war ich in Gedan­ken plötz­lich wie­der in Malente in der Kli­nik - und da war sie, die Idee: was wäre, wenn ich eine Reha *) bean­tra­gen würde? Dies­mal aber nicht wegen der Depres­sion, son­dern wegen Adi­po­si­tas und den Ursa­chen und Aus­wir­kun­gen. Meine Ärz­tin­nen wür­den mich sicher unter­stüt­zen.
Sechs bis zehn Wochen lang vol­les Pro­gramm: Ernäh­rungs­be­ra­tung, Sport, Phy­sio und The­ra­pie. Kon­zen­trie­ren auf die The­men Gewicht und Essen und end­lich mal nach­hal­tig etwas ändern. Das Rad mit­neh­men, die Kamera dazu, in der Natur sein und ver­sorgt wer­den. Zehn Kilo leich­ter nach Hause kom­men und hof­fent­lich wei­ter machen kön­nen.
Hach, das wär was. 

*) Als Reha des­halb, weil ich nur da ein Ein­zel­zim­mer bekomme - im Akut­be­reich gibt es die ja nur mit psy­chi­schem Zusam­men­bruch, das muss ich nicht noch­mal haben.

Und viel­leicht sollte ich die Depres­sion doch als Unter­punkt mit auf­neh­men, denn natür­lich kom­men sofort wie­der alle Gedan­ken: das darfst du nicht, so krank bist du nicht, das schaffst du doch auch alleine, dafür musst du nie­man­dem den Platz weg neh­men, du musst dich nur mehr anstren­gen und es wirk­lich wol­len, aber das kannst du ja eh nicht und darum hast du so ein Pro­gramm erst recht nicht ver­dient.
Jaja, sagt nichts, ich weiß es selbst.

(Kann mal irgend­was nicht anstren­gend sein, bitte?)

02-01-2023 Schreibübungen

Wenn der schwarze Hund sich an mich klam­mert und über mich legt, mich irgend­wann voll­stän­dig bedeckt, dann dreht sich in mir alles auf die andere Seite. Es ist, als würde ein Schal­ter umge­legt. Dann ist alles dun­kel, falsch, hoff­nungs­los. Dann zählt nichts mehr von dem, was ich am Tag vor­her noch als rich­tig emp­fun­den habe. Ich strenge mich auch nicht mehr an, wie­der zurück zu gelan­gen, weil es ja doch sinn­los ist. Und das schlimmste dabei ist: ich glaube mir. Ich halte das für die Wahr­heit. Irgendwo in einem hin­ters­ten Win­kel mei­nes Seins weiß ich zwar, dass es die Depres­sion ist, die mir das alles ein­re­det, aber die­ses Wis­sen ist nicht mehr fass­bar für mich.
Wenn es so weit gekom­men ist, kann ich nur noch still hal­ten und abwar­ten, bis die Dun­kel­heit sich ver­zieht - oder der rich­tige Mensch im rich­ti­gen Moment durch sie durch bis zu mir gelangt, so wie die Toch­ter am letz­ten Sonn­tag.
Heute ist es zwar noch grau und ich bin sehr müde, aber mein Den­ken geht wie­der in die rich­tige Rich­tung. Ich bin wie­der da.

Es hat zum Glück dies­mal nicht lange gedau­ert, aber diese Epi­sode zeigt mir deut­lich, dass die Krank­heit nicht vor­bei ist und ich sie auch nicht immer im Griff habe. Die ein­zel­nen Epi­so­den sind sehr unter­schied­lich in ihrer Form und Aus­wir­kung und manch­mal ist eben auch eine fiese, hin­ter­häl­tige, bös­ar­tige Vari­ante dabei. Igor ist eben doch kein Kuscheltier.

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Der Titel die­ses Bei­trags hat zwei Bedeu­tun­gen.
Einer­seits ist jeder Ein­trag hier immer wie­der auch eine Übung: mich im Schrei­ben zu fin­den und zu begrei­fen, dran zu blei­ben an der geis­ti­gen Arbeit, genau die Wör­ter und Sätze zu fin­den, die aus­drü­cken, was ich fühle und am Ende damit auch gese­hen zu wer­den.
Ande­rer­seits bezieht er sich auf etwas, das ich ges­tern bei Bee gefun­den habe und was sie “Verse My Day” nennt. Es erin­nert an die in ver­schie­de­nen Vari­an­ten ver­brei­tete Acht­sam­keits­übung mit den 3 guten Din­gen des Tages, wird aber noch erwei­tert um “schreibe jeden Tag ein Gedicht”. Es geht nicht um groß­ar­tige Lite­ra­tur oder Lyrik, son­dern mehr darum, “sich einen Moment Auf­merk­sam­keit zu gön­nen und wirk­lich wahr zu neh­men, was der Tag gebracht hat”, wie sie mir schrieb.
Mehr dazu fin­det ihr in die­sem Post auf Patreon oder auf ihrem Insta­gra­m­ac­count.

Ich möchte das gerne aus­pro­bie­ren, eben quasi als Schreib­übung, ich muss nur noch eine geeig­nete Form fin­den, wie und wo ich die Tages­ge­dichte aufschreibe.

Dies ist jeden­falls das Gedicht für heute, den 02.01.2023:

Still
stehen bleiben
aushalten
bis die Dunkelheit
ihre Macht verliert.

01-01-2023 Gekentert

Vor­ges­tern, das war wirk­lich der Tief­punkt. Als hätte ich seit Wochen in einem klei­nen Boot auf dem Meer geses­sen und immer und immer wie­der gegen den auf­zie­hen­den Sturm gekämpft und dann konnte ich nicht mehr und bin geken­tert. Das Boot lag über mir, ich im kal­ten rauen Was­ser, kein Licht mehr zu sehen, kein Aus­weg. Ich war nah dran, ein­fach auf­zu­ge­ben.
In so einem Moment kom­men natür­lich die gan­zen depres­si­ven Gedan­ken und Gefühle. Alles ist nur falsch und schlecht, ich bin falsch und schlecht, das ganze Leben ist so, war schon immer so und wird sich auch nie mehr ändern. Die abso­lute Hoff­nungs­lo­sig­keit und gleich­zei­tig eine rie­sige Wut auf alles.

Und dann rief die Toch­ter an am Nach­mit­tag. Sie, die mich ein­fach am bes­ten kennt, hat es gespürt. Und sie tat, was als ein­zi­ges half: sie fragte, sie erzählte so lange, bis ich ant­wor­ten konnte und hörte dann zu. Sie hat das Boot nicht für mich umge­dreht, aber sie reichte mir meine Ruder, die ich ver­lo­ren hatte, so dass ich mich fest­hal­ten konnte.

Heute, zwei Tage und ein Jah­res­wech­sel danach, bin ich noch immer erschöpft - nicht nur vom Ken­tern, son­dern von allem, was über­haupt erst dazu geführt hat -, aber ich halte mich am Ruder fest, so gut es geht. Ver­su­che, nicht unter­zu­ge­hen, bis ich das Boot wie­der auf die rich­tige Seite dre­hen kann. Und danach heißt es, zurück zu bli­cken und raus­zu­fin­den, was mich da aufs offene Meer getrie­ben hat - und mir vor allem zuzu­ge­ste­hen, dass mich da etwas so gründ­lich umge­wor­fen hat. Ich hab eine Vor­stel­lung davon, aber das ist ein neues Thema, nicht mehr für heute.

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Inter­es­sant und span­nend finde ich, dass Freun­din D. in dem Text vom Frei­tag ganz viel Trauer spürte, wäh­rend ich haupt­säch­lich wütend war. Da kom­men in mir wie­der ein­mal Fra­gen auf: zum einen, wie wir etwas lesen, wie­viel unse­rer eige­nen Gefühle und Stim­mun­gen uns beein­flußt und inter­pre­tie­ren lässt - zum ande­ren aber auch, wie­viel wir beim Schrei­ben über­haupt hin­ein­le­gen und aus­drü­cken. Habe ich z.B. meine Wut nur gefühlt, aber so gut unter­drückt, dass sie nach aus­sen kaum noch spür­bar war? Mach ich das auch mit ande­ren Gefüh­len? Machen wir das so und nicht nur beim schrei­ben?
Da mal drü­ber nach­den­ken (wie die Her­ren Kem­pow­ski und Bud­den­bohm zu sagen pflegen).

30-12-2022 Ist gut jetzt

Das kann jetzt bitte alles mal aufhören. 

Die­ser Win­ter, der kei­ner ist. Ein paar Tage war es schön kna­ckig kalt, wie es sich gehört, bevor sich die graue Tris­tesse wie­der für Wochen fest­ge­setzt hat. Ich mag es nicht mehr sehen, es zieht mich run­ter bis ins Loch. Letz­ten Diens­tag kam mal kurz die Sonne raus, da war ich dann ein­ein­halb Stun­den mit der Kamera im Klein­gar­ten. Das tat gut, auch wenn zur Zeit die Kie­ler Straße extrem laut zu hören ist, weil die kah­len Bäume das Geräusch nicht mehr abhal­ten.
Lei­der war das Licht so dif­fus und schnell weg, dass die Fotos fast alle unscharf wur­den - viel­leicht hab ich auch zu sehr gezit­tert, keine Ahnung. Ist aber eigent­lich auch egal, weil meine Fotos eh alle lang­wei­lig sind und ich von den Pflan­zen und Blu­men nicht weg komme und davon gibt es grade ja auch keine und viel­leicht sollte ich auf mei­nem Insta­gra­m­ac­count mal gründ­lich auf­räu­men. Die ers­ten Fotos dort sind schon gelöscht. Das ist doch sowieso alles nur Beschäftigungstherapie.

Diese scheiss Träume brauch ich auch nicht. Die, die so inten­siv sind, so kon­fus und so anstren­gend. Die, aus denen ich auf­wa­che und mich völ­lig ver­dreht und aus­ge­laugt fühle. Die, die mir noch Stun­den hin­ter­her hän­gen im Wach-Sein. Und die, aus denen ich gefühlt die ganze Nacht über alle paar Minu­ten auf­wa­che und beim nächs­ten ober­fläch­li­chen Schlaf wie­der rein­falle und die glei­che Szene immer und immer und immer wie­der träume.
Ich schlafe viel zu lang, weil ich von die­sen Träu­men so end­los müde bin. Ich stehe auf und lege mich nach drei bis vier Stun­den wie­der hin, weil ich so furcht­bar müde bin. Ich fange an, etwas zu tun von dem, was ich mir vor­ge­nom­men hab und nach spä­tes­tens einer Stunde am Rech­ner fal­len mir die Augen zu.
So komm ich auf kei­nen grü­nen Zweig. Das macht ein­fach alles kei­nen Spaß.

Und diese blö­den Fei­er­tage könn­ten jetzt bitte auch end­lich vor­bei sein. Grade eben ist Weih­nach­ten mit all sei­ner (schein-) hei­li­gen Glück­se­lig­keit über­stan­den, da böl­lert es drau­ßen schon los und meine HS hüpft im Kreis, dabei ist heute erst der 30ste und ich könnte sowieso kot­zen und um mich schla­gen ange­sichts der “Frei­heit!” brül­len­den tum­ben Masse ver­blö­de­ter Leute, die nur ihr eige­nes Ver­gnü­gen im Kopf haben und sonst ein­fach rein gar nichts.

Und ich, ich kann grade auch weg. Und komm mir jetzt bitte nie­mand mit Sprü­chen ála “ach was, das stimmt doch nicht, du bist so wert­voll und toll und du kannst so viel und machst so viel und das geht bestimmt bald vor­bei und bla­bla­bla”, weil das ein­fach rein gar nichts ändert an mei­nen Gefüh­len und Gedan­ken, weil ich es nicht fühle und es nichts bringt, wenn jemand ande­res das für mich fühlt. Ich will auch kein Mit­leid und Mit­ge­fühl und was­wei­ßich, das hilft genauso wenig. Das Leben mit einem schwar­zen Hund in der Ecke (oder mit Angst­stö­rung, Manie, Psy­chose, Bor­der­line .….) ist ein scheiss Leben und nicht zu ver­glei­chen mit dem von Men­schen ohne sol­che Krank­hei­ten, das ist Fakt, das lässt sich nicht schön reden und es wird nicht bes­ser mit mehr Mit­leid.
(Darum hab ich so oft die Kom­men­tare hier aus­ge­stellt, damit das gar nicht erst kom­men kann.)

Ich mag nicht mehr, ich geh jetzt mit Igor ins Schne­cken­haus. Weckt mich, wenn es drau­ßen wär­mer ist.

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P.S. Wenn ich grade schon dabei bin: die Nach­barn über mir, die kön­nen gerne auch gleich wie­der gehen. Zwei Wochen war es still da oben, sooo herr­lich, so ent­span­nend. Seit fünf Minu­ten sind sie aus dem Urlaub zurück und tram­peln wie­der, nein: immer noch wie vor­her. DONG DONG DONG DONG DONG macht es auf mei­nem Kopf. Nein, ich hab sie wirk­lich nicht ver­misst.
Auf die Zahn­schmer­zen, die seit ein paar Tagen schlechte Laune machen, kann ich auch ver­zich­ten. Ich wußte ja, dass mir die gebro­chene Krone irgend­wann um die Ohren fliegt, aber eine neue Zahn­ärz­tin wollte ich auch nicht suchen, weil ich da eh nicht hin gehen will und ach was solls, eigent­lich kann mein alter, fet­ter, schmer­zen­der, unnüt­zer Kör­per auch ganz ent­sorgt werden. 

Ich schaff das nicht. Ist ja so toll, dass ich nach der lan­gen The­ra­pie­ar­beit end­lich alleine aus dem Loch krab­beln kann, aber was nützt mir das? Mein Leben ändert sich nicht. Ich kann trotz­dem nicht wie­der arbei­ten, hab darum kein Geld, kann die gan­zen kaput­ten Sachen nicht erset­zen, meine Woh­nung nicht reno­vie­ren, mir nichts Schö­nes gön­nen. Ich hocke in die­ser Bruch­bude und kann wie immer nur aus­hal­ten, weil ich für eine Ände­rung keine Mit­tel und keine Kraft habe. Klar könnte ich mich freuen, dass hier keine Kata­stro­phen pas­sie­ren, dass meine nahen Men­schen am Leben sind, dass ich nicht unter der Brü­cke sit­zen muss, dass meine chro­ni­schen Krank­hei­ten nicht dra­ma­tisch sind. Aber ich würde mich auch gerne mal freuen über etwas, das ist und nicht immer nur über etwas, das nicht ist. Die gan­zen Ent­schei­dun­gen, die ich in mei­nem Leben getrof­fen oder auch nicht getrof­fen habe: für’n Arsch. Was für ein erbärm­li­ches Dasein und am Ende völ­lig nutz­los. Doch, ja, die Toch­ter ist wirk­lich ein wun­der­ba­rer Mensch gewor­den und der Enkel ebenso, aber beide haben es so schwer in ihrem Leben mit den Han­di­caps. Wie hätte aus mir (und in Ver­bin­dung mit ihrem ver­korks­ten Vater) denn auch ein unkom­pli­zier­tes Kind kom­men können.

Was für ein Scheiss, das alles.

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(Keine Sorge, ich bin nicht sui­zid­ge­fähr­det, auch wenn das hier viel­leicht so klingt. Ich hab nur grade so der­art gründ­lich die Schnauze voll von mei­nem beschis­se­nen Leben, dass ich nir­gends was Gutes sehen kann bzw. das wenige ein­fach nicht reicht.)

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P.P.S. Ich sollte mor­gen lie­ber kei­nen Jah­res­rück­blick schrei­ben wie sonst. Mit so einer Stim­mung kann der nur mise­ra­bel ausfallen.

24-12-2022 Lasset das Zagen, verbannet die Klage

Viel­leicht mach ich es nächs­tes Jahr anders. Viel­leicht mach ich mir irgend­wann mal mein eige­nes Weih­nach­ten, nur für mich, weil man­che Tra­di­tion ja doch schön ist. Viel­leicht auch nicht.
Und wer weiß denn schon, was nächs­tes Jahr ist.

Das schrieb ich letz­tes Jahr am 24.12.2021 und tat­säch­lich ist es dies­mal anders. 

Vor­letzte Woche hatte ich mir ja spon­tan ein Bund Tan­nen­zweige gekauft; ein Teil davon kam in eine Vase, den ande­ren Teil hab ich klei­ner geschnit­ten, auf einen Tel­ler gelegt und 5 Ker­zen dazwi­schen gestellt. Meine Weih­nachts­kis­ten vom Zwi­schen­bo­den zu holen und Deko auf den Zwei­gen zu ver­tei­len, brachte viele sen­ti­men­tale Erin­ne­run­gen und ein biß­chen was wie Stim­mung. Warum auch nicht? Scheixx auf Kir­che und ihre Mär­chen, aber die Geschichte von Wärme, Licht und Hoff­nung, die sich darin ver­steckt, ist ja nicht schlecht. Jeden­falls sieht es schön aus und riecht gut und Ker­zen und Lich­ter­ket­ten sind in die­ser düs­te­ren Jah­res­zeit sowieso willkommen.

Diese Deko-Aktion half dabei, mich lang­sam an Weih­nach­ten zu gewöh­nen. Man kann es ja nicht aus­blen­den - wenn man nicht auf eine ein­same Insel aus­wan­dert, wird man unwei­ger­lich an jeder Ecke damit kon­fron­tiert. Viel­leicht ist das ja eine gute Stra­te­gie zur Abhär­tung, wenn ich es ganz lang­sam und fein dosiert an mich ran lasse.

Das erste Mal seit so lan­ger Zeit hab ich jetzt das Gefühl, dass diese Tage zumin­dest in die­sem Jahr kein rie­si­ges Pro­blem sind. Die­ser kurze Moment der Trau­rig­keit vor­hin am Anfang des Weih­nachts­ora­to­ri­ums (das für mich immer zu die­sem Tag gehört und sowieso zu Her­zen geht, weil es sooo schön ist): ich ver­sinke nicht mehr darin. Als ich am Mit­tag kurze Weih­nachts­nach­rich­ten an ein paar liebe Men­schen und auch an die Schwes­tern schickte, war mir schon sehr bewußt, dass ich wie immer alleine hier sitze. Nein, schön ist das nicht, ich hätte es ver­dammt gerne anders. Aber viel­leicht ist das heute ein ers­ter Schritt, zukünf­tig bes­ser zurecht zu kom­men. Viel­leicht ist nächs­tes Jahr noch anders.

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Eine andere Ver­sion vom WO hab ich heute gefun­den, die gefällt mir rich­tig gut. Sie ist nicht so schwüls­tig und hat ein gutes Tempo.

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Und den Rest des Jah­res schaff ich jetzt auch noch.

16-12-2022 Jahresendfeier beim HilfeDings

Letzte Nacht waren es im Traum keine Hunde, son­dern alle meine Kat­zen, die die Mäuse fres­sen woll­ten und die Mäuse waren von mini­k­lein bis rat­ten­groß und Mons­ter­spin­nen gab es auch, aber all das macht diese Träume so über­haupt nicht bes­ser. Da hilft dann nur, dass ich mich zwinge, wach zu wer­den und zu blei­ben.
Was treibt mich da nur immer um, dass ich es auf diese Weise ver­ar­bei­ten muss? Ist es die Angst vor Über­for­de­rung, vor dem Ver­sa­gen? Davor, mein Leben nicht unter Kon­trolle zu haben? 

Ich geb mir doch alle Mühe. Ich über­winde mich, gehe in neue Situa­tio­nen, achte dabei auf meine Gren­zen, ziehe mich zurück, wenn es zuviel wird. Wird mein Inne­res das auch irgend­wann begrei­fen und mich mit sol­chen wir­ren Träu­men in Ruhe lassen?

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Drei Jahre beim Hil­fe­Dings hat es gebraucht, bis ich so weit war, an einer grö­ße­ren Ver­an­stal­tung teil­zu­neh­men. Ges­tern hab ich mich getraut und war bei der Weih­nachts­feier. Gleich zwei Hür­den waren zu über­win­den: viele unbe­kannte Men­schen zu tref­fen und mich dann noch die­ser spe­zi­el­len Stim­mung aus­zu­set­zen. Von der Mitt­wochs­gruppe konnte nur eine andere dabei sein und aus­ge­rech­net die hat sich ver­spä­tet, so dass ich am Anfang (aller­dings sehr bewußt) alleine am Rand saß.
Die erste halbe Stunde war so laut, voll und chao­tisch und dann stellte noch jemand Musik an und ich war wirk­lich ganz kurz davor, ein­fach wie­der zu gehen. Aber da waren auch die Mitarbeiter:innen, die ich inzwi­schen kenne und die mich so herz­lich begrüß­ten und mit denen ich reden konnte und irgend­wann kam dann auch C., die sich zu mir setzte und an der ich mich wie vor­her aus­ge­macht ein wenig fest­hal­ten konnte. Also tief durch­at­men, alles unwich­tige aus­blen­den, den Focus auf mein direk­tes Umfeld aus­rich­ten. Als dann das Essen kam und alle damit an den Tischen saßen, wurde es nach und nach ruhi­ger und ent­spann­ter - und schließ­lich war ich tat­säch­lich bis fast zum Schluss da.
Es war schon schön, so dazwi­schen zu sit­zen und mich ein biß­chen zuge­hö­rig zu füh­len. Aber auch Small­talk braucht Ener­gie, weil das Aus­hal­ten der Situa­tion anstren­gend ist. Zum Glück ist das nächste grö­ßere Fest erst wie­der im Som­mer. Aber ich war dies­mal da und darum ging es. 

(Nach­ge­tra­gen am 24.12., weil ich ver­ges­sen hatte, den Bei­trag fer­tig zu schrei­ben. Daran sehe ich, wie­viel Kraft es brauchte.)

13-12-2022 Blöde Tage, die gut werden

Aus dem Chat heute Abend mit Freun­din D.:

Ich: Kann man eigent­lich auch zwei­mal an einem Tag sies­ten? Ich schlaf hier gleich ein …
D.: Aber ja.
Ich: Gut. *fällt um*

Aber bevor ich wirk­lich umfalle, schreib ich hier noch eben. Um mich immer wie­der dran zu erin­nern, dass Tage, die blöd anfan­gen, eine Menge Poten­tial haben, doch noch rich­tig gut zu wer­den. So einer war das näm­lich heute.

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Ange­fan­gen hat der Tag damit, dass ich wie­der ein­mal einen die­ser Scheixx­träume hatte, in dem eine unüber­schau­bare Menge (Tau­send! Min­des­tens!) Mäuse um mich herum wuseln und ich sie ein­fach nicht unter Kon­trolle bekomme. Die­ses Mal waren auch noch Hunde dabei, die die Mäuse auf­fres­sen woll­ten. Dau­ernd musste ich ein Mäu­se­teil aus einem Hun­demaul holen, nur damit das dumme Vieh dann abhaut und von dem nächs­ten gebis­sen wird. Ein heil­lo­ses Durch­ein­an­der, aus dem mich zum Glück irgend­wann der Druck auf die Blase erlöste.

Zum Früh­stück kam dann eine Benach­rich­ti­gung vom Job­cen­ter: der geän­derte Bescheid ist da, nach­dem nun end­lich die Hei­zungs­ab­rech­nung mit einer Gut­schrift gekom­men war. Ich weiß aber nie, ob das JC berück­sich­tigt, dass die Rech­nung auf 11 Mona­ten Abschlags­zah­lung basiert, ich aber alle 12 Monate bezahle, weil ich immer ver­gesse, den einen Monat aus­zu­set­zen. Das heißt, ich muss nach­rech­nen, ob sie mir nicht zuviel abzie­hen. Dazu noch die Nach­richt, dass mir das Gut­ha­ben aus der Neben­kos­ten­ab­rech­nung abge­zo­gen wird und hier bin ich 95% sicher, dass das bereits im Som­mer ver­rech­net wurde. Bei­des sind Sachen, die mit Zah­len zu tun haben und plus und minus und schon alleine beim Gedan­ken daran raucht mein Kopf und ich hab keine Ahnung von nichts mehr. Zah­len und ich, das passt nicht, das macht kom­plet­tes Chaos. Aber es geht um Geld und da ist ein­fach jeder Cent wich­tig, wenn es so knapp ist. Ich muss jeman­den fin­den, der:die das für mich rech­net.
Igor mag sowas übri­gens noch weni­ger als ich.

Um 13 Uhr hatte ich Ter­min mit mei­ner Bezugs­frau vom Hil­fe­Dings. Wegen der Eises­kälte drau­ßen wollte ich mit Bahn & Bus fah­ren, ich brauchte aber eine neue Monats­karte, die ich mit Sozi­al­ra­batt güns­ti­ger bekomme, wofür ich aber einen Antrag aus­fül­len und aus­dru­cken muss und mei­nen H4-Bescheid als Nach­weis natür­lich auch. Im Prin­zip kein Pro­blem, aber heute meinte mein PC mal wie­der, dass es hier kei­nen Dru­cker gibt und willst du das PDF dann viel­leicht als PDF aus­dru­cken? Scheixx­ding, blö­des.
Aber wozu hab ich denn ein Fahr­rad und Hand­schuhe und wie gut, dass ich letz­tes Jahr end­lich die neue Jacke gekauft hab! Kalt war’s trotz­dem und Kon­di­tion hab ich auch keine, aber irgend­wie war es gut, auf dem Rad zu sit­zen und dass all das Blöde dann weg ging und der Tag ab da so viel bes­ser wurde.

Denn ein­ein­halb Stun­den mit Frau R. zu reden, von der Woche zu erzäh­len, Gedan­ken los zu wer­den, Erkennt­nisse zusam­men zu fas­sen und dabei zu reflek­tie­ren und sor­tie­ren, ist ein­fach so unend­lich wert­voll. Zudem wurde mir dabei noch­mal ganz deut­lich, dass sich meine Vor­ha­ben (mich mit dem Blog zu öff­nen und mir Auf­ga­ben zu suchen) wirk­lich rich­tig anfüh­len. Ich will das tun.

Auf dem Heim­weg schob ich das Rad ein Stück durch einen Park und musste dort ein­fach eine Weile mit­ten auf dem Weg ste­hen blei­ben, weil die Sonne hell schien und die letz­ten Blät­ter an den Bäu­men gol­den leuch­ten ließ und das zu sehen so unglaub­lich gut tat. End­lich mal wie­der Licht!

Danach bin ich über die Haupt­straße mei­nes Vier­tels gelau­fen, hab ein biß­chen ein­ge­kauft, wo ich sonst sel­ten hin­komme, in Schau­fens­ter und in Augen geguckt, Men­schen ange­lä­chelt, den Weih­nachts­markt gero­chen, Schmalz­ge­bäck gekauft, spon­tan doch ein Bund Tan­nen­zweige mit­ge­nom­men, rote Wan­gen bekom­men … Ein­fach schön. Ein klei­nes Glück. 

Zuhause hab ich mir erlaubt, das Weih­nachts­päck­chen vom Hil­fe­Dings auf zu machen und mich über die hüb­sche Ver­pa­ckung und die vie­len net­ten und lecke­ren Klei­nig­kei­ten zu freuen. Mor­gen kom­men die Zweige mit ein paar Ker­zen (3 oder 5? Jeden­falls keine 4!) auf einen Tel­ler und der auf den Tisch im Wohn­zim­mer: weil die­ses emo­tio­nal so belas­tete Weih­nachts­ding ja irgend­wie auch schöne Sei­ten hat und viel­leicht kann ich sie die­ses Jahr end­lich mal wie­der sehen.

*umfall*

12-12-2022 Die Komfortzone verlassen

Ent­ge­gen gesetzt zum heu­ti­gen Titel hab ich mich vor­hin vom Schwim­men abge­mel­det. Die Vor­stel­lung von dem rela­tiv küh­len Was­ser im Bad schreckt mich sehr, weil ich grade sowieso dau­ernd friere. Ich müsste mich dort also wie­der durch­ge­hend bewe­gen, aber will ich denn schon wie­der so viele Bah­nen schwim­men und mor­gen Mus­kel­ka­ter haben? Da scheuch ich mich und den Schwei­ne­hund lie­ber nach­her noch eine Weile auf den Ergo­me­ter und hoffe dar­auf, dass die­ser Mon­tags­ter­min vor allem mit wär­me­rem Wet­ter irgend­wann doch Gewohn­heit wird.

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Zwei Sachen hab ich ges­tern beschlos­sen (bis ich sie wie­der über den Hau­fen werfe, haha):
Das erste: ich werde die Kom­men­tare im Blog offen las­sen und auf Twit­ter mit­tei­len, wenn ich gebloggt habe. Jedes Mal. Und wenn es mir noch so banal vor­kommt. Wie kann ich gese­hen wer­den, wenn ich mich immer ver­ste­cke?
Das andere: ich werde meine Job-Web­seite end­lich rich­tig fer­tig machen, damit ich zei­gen kann, was ich kann und dann mal an ver­schie­de­nen Stel­len Bescheid sagen, dass ich kleine Auf­träge annehme (unent­gelt­lich oder gegen Sach­spende). Ich kann und will nicht fest in einem Job arbei­ten, aber das ein oder andere schaffe ich dann doch noch. Ich werde immer unzu­frie­de­ner, je weni­ger Auf­gabe ich hab. Ich alleine rei­che mir nicht.
Also gehe ich raus aus der Kom­fort­zone, in der ich mich nicht erklä­ren und aus­ein­an­der set­zen muss, in der ich mich nicht zei­gen muss und in der es zwar wahn­sin­nig bequem, aber eben auch so ver­dammt ein­sam und leer ist. Raus in die Öffent­lich­keit. (Ich hab Angst.)

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Gele­sen: Meike Sto­ve­r­ock über Krisen

Und das ist dann viel­leicht auch das, was Kri­sen so schwie­rig macht. Man kann ihren Wert nur rück­wärts erken­nen. Man kann den Kipp­punkt des eige­nen Lebens nicht gelas­sen auf sich zukom­men las­sen und “Ach, end­lich ist er da, ich freue mich schon drauf, stär­ker und aus­ge­gli­che­ner aus ihm her­vor­zu­ge­hen” sagen. Am Anfang fühlt es sich nur nach Zusam­men­bruch an, nach dem Ver­lust von allem, was uns Sta­bi­li­tät gibt.
Aus der Sicht unse­res Gegen­warts-Ichs ist das bedroh­lich, über­for­dernd und unge­heuer schmerz­haft. Aber der Null­punkt einer Krise ist auch ein Anfang. Vor allem, wenn man ihn mit the­ra­peu­ti­scher Unter­stüt­zung durch­lebt. Eine Krise kann zu mehr Wahr­haf­tig­keit füh­ren, zu einer Besin­nung auf sich selbst und eine Ver­wirk­li­chung von dem, was einem wich­tig ist.
Und in die­sem Poten­tial liegt etwas Positives.

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