03-04-2022 Therapiearbeit

Wie war das noch: wenn in der The­ra­pie die Trä­nen flie­ßen und / oder du hin­ter­her kom­plett alle bist, war es eine gute Sit­zung? Tja, dann war die Sit­zung letz­ten Don­ners­tag eine von der rich­tig guten Sorte. Mit von tief unten aus­ge­gra­be­nen Erin­ne­run­gen, Zwei­feln, Fra­gen, Gedan­ken und eben mit Trä­nen, weil: manch­mal darf Eine auch Mit­leid mit sich selbst haben für alles, was ihr pas­siert ist und wegen allem, was ihr gefehlt hat und noch immer fehlt.

Ich hatte erzählt von dem, was ich im vor­letz­ten Bei­trag geschrie­ben hatte. Dass da nie Sicher­heit war in mei­nem Leben und nie­mand, der sie mir gege­ben hätte. Und dass ich einen Zusam­men­hang sehe mit mei­ner Schwie­rig­keit, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und sie danach auch umzu­set­zen. Denn wie soll ich mich auf etwas fest­le­gen, wenn es doch keine Sicher­heit gibt, dass es dann auch rich­tig und gut wird? Und da ist ja auch nie jemand, der mich bestär­ken oder bestä­ti­gen könnte, der mir Sicher­heit geben könnte, auf den ich mich ver­las­sen könnte. Immer muss ich mich auf mein eige­nes Gefühl ver­las­sen - aber was ist denn, wenn das gar nicht stimmt? Wie soll ich mir ver­trauen, wenn ich mir des­sen nicht sicher bin?

Und dann blitzte vor mei­nen Augen ein Bild auf: von rich­tig gutem Essen, das es viel­leicht ein­mal im Monat gab frü­her, und ich sitze am Tisch und freue mich und fange grade an zu genie­ßen, da kommt jemand und nimmt mir den Tel­ler weg, obwohl ich noch lange nicht fer­tig und erst recht nicht satt bin und die­ses Bild steht eigent­lich für alles in mei­ner Kindheit.

Essen, Liebe, Gebor­gen­heit, Sicher­heit, Unter­stüt­zung … Von allem, was ein Kind zum Groß­wer­den braucht, gab es immer nur eine Ahnung, grade mal so viel, dass ich merkte, was mir fehlte.
Wie soll Eine sich denn sicher sein und ver­trauen, die nie bekam, was sie brauchte? 

***

Frau K., die im Rah­men ihres Prak­ti­kums beim Hil­fe­Dings immer wie­der mal in unse­rer Mitt­wochs­gruppe war, brachte zu ihrem letz­ten Mal Geschenke mit. Unter ande­rem gab es selbst gebas­telte Glückskekse mit von ihr selbst geschrie­be­nen Sprü­chen, von denen Jede sich einen aus­su­chen konnte. In mei­nem stand das:

Hoff­nung ist
an und für sich
immer Gabe und Auf­gabe zugleich

Ich bin nicht sicher, ob ich die Gabe wirk­lich habe, aber wenn ich nicht auf­ge­ben will, bleibt es (meine) Auf­gabe, wei­ter­hin Hoff­nung zu haben: dass mein Leben noch ein­mal bes­ser wird. Dass ich schaffe, was ich mir vor­nehme. Dass ich mir mei­ner selbst sicher sein und mei­nem Gefühl ver­trauen kann. Irgend­wann vielleicht.

***

Letz­tens kam so ein Gedanke in mei­nen Kopf:
Was, wenn ich auf die Frage “Und, was machst du so den gan­zen Tag?” nur noch ant­wor­ten würde mit “Alles, was mir gut tut”? Werde ich das je mit Über­zeu­gung sagen können?

2 Kommentare

  1. Danke für all diese Gedan­ken und dass du sie teilst. Auch deine Tränen.

    (Was du über die feh­lende Sicher­heit schreibst: Genau sol­che Gedan­ken, oder jeden­falls so ähn­li­che, hatte ich letzte Nacht in Bezug auf meine Kind­heit. Viel­leicht aus­ge­löst durch das neue Buch von Milena. Die Mut­ter der Prot­ago­nis­tin hat mich an meine erin­nert. Und wenn ich jetzt deins lese, eben auch an deine Ursprungsfamilie.)

    Du Liebe, diese Gabe und Auf­gabe wün­sche ich uns: Dass sie werde, dass sie gelinge. <3

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