05-05-2022 Freier Donnerstag

Um kurz nach eins heute Nacht, wäh­rend ich grade gemüt­lich noch eine Seri­en­folge auf Net­flix guckte, ver­ab­schie­dete sich das Inter­net und ver­wei­gerte hart­nä­ckig den Dienst. Ich nahm das als Zei­chen, mal etwas frü­her ins Bett zu gehen und konnte tat­säch­lich auch gut und schnell ein­schla­fen. Träume: siehe die letz­ten bei­den Nächte.

Und dann hab ich aus­ge­nutzt, dass heute schon wie­der nichts auf dem Plan stand und hab mich nach dem kur­zen Klo-Wach gegen halb acht gemüt­lich wie­der in mein Bett geku­schelt und nach dem zwei­ten gegen elf auch noch­mal und am Ende geschla­fen bis zwan­zig nach zwölf. 

Als hätte er es geahnt, klin­gelte 5 Minu­ten, nach­dem ich auf­ge­stan­den (aber noch nicht ange­zo­gen) war, mein Lieb­lings­pa­ket­bote von Her­mes - ich konnte mich grade noch in Leg­gins und Shirt schmei­ßen - und brachte die bestell­ten vier Som­mer­s­hirts, die *juhu* tat­säch­lich alle gefal­len und pas­sen und so hab ich jetzt end­lich wie­der mehr als zwei Shirts zum Anzie­hen für wenn ich raus gehe. Ich bin ja nun­mal kein modi­scher Mensch und Kla­mot­ten sind mir rela­tiv egal, darum trag ich die weni­gen so lange, bis sie echt aus­ein­an­der fal­len, weil sie halt dau­ernd gewa­schen werden.

Danach kam der beste Teil des Tages: Bal­kon­tür auf, Kaf­fee und auf­ge­ba­ckene Crois­sants, bar­fuß, Vogel­ge­zwit­scher, das Inter­net war wie­der da und ich hatte bewußt frei, so wie ich es mir ges­tern vor­ge­nom­men hab. 

Der Unter­schied zu “ich hab so viel zu tun, aber keine Kraft für nichts und mach darum auch nichts” bzw. “ich hab nichts zu tun, dabei müsste ich doch eigent­lich, aber mir fehlt die Moti­va­tion” ist der, dass ich mir an den als “frei” erklär­ten Tagen wirk­lich erlaube, nur das zu tun, wozu ich Lust habe. An sol­chen Tagen geht es mir gut, bin ich im Rei­nen, kann es genie­ßen - und bin trotz­dem oft nicht unbe­dingt unpro­duk­tiv.
Ich lerne also dar­aus: wenn ich mich unter Druck setze, schaff ich sel­ten was, wenn ich aber gut zu mir bin und es lau­fen lasse, gelingt mir viel mehr und es geht mir bes­ser. Da mal drü­ber nachdenken.

***

Heute Abend sind das erste Mal in die­sem Jahr meh­rere Tische vor dem Hip­ster­re­stau­rant schräg gegen­über und auch in der Bur­ger­kneipe besetzt; dazu saß vor­hin an der Ecke vor dem Kla­mot­ten­la­den eine fröh­li­che Runde und 3 der jun­gen Leute aus der Metal-WG gegen­über hat­ten Stühle vor die Tür gestellt. Alles zusam­men ergab das für eine ganze Weile einen rela­tiv lau­ten Stimm- und Klang­tep­pich und auch jetzt ist immer wie­der lau­tes Reden und Lachen zu hören.
Die Men­schen sit­zen wie­der drau­ßen und ich bekomme eine Vor­ah­nung, wie es wer­den könnte über den Som­mer. Viel­leicht wird es nicht so schlimm wie im letz­ten Jahr: weil es wie­der normal(er) ist, in Knei­pen und Restau­rants zu gehen und darum nicht mehr so exzes­siv genutzt wer­den muss. Und weil man wie­der rei­sen kann, was letz­tes Jahr ja nicht ein­fach mög­lich war. Viel­leicht ent­zerrt sich die­ses Jahr alles ein biß­chen. Ich kann es nur hof­fen - auch wenn das Pro­jekt #Lärm­schutz lang­sam wächst.

Kei­mende Rank­pflanze, ver­mut­lich Prunkwinde

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Nach über 2 Jah­ren Pan­de­mie spüre auch ich ganz lang­sam wie­der das Bedürf­nis nach “Nor­ma­li­tät”. Nicht nach Leicht­sinn und mas­ken­lo­sem Ein­kauf, aber danach, dass mich mehr oder sogar viele Men­schen auf einem Hau­fen nicht mehr so stö­ren. Ich hab auch mal wie­der Lust, irgendwo drau­ßen zu essen, abends durch son­nen­warme Stra­ßen zu schlen­dern, am Was­ser zu sit­zen - egal, wer da sonst noch so ist. Die Vor­sicht ver­bie­tet mir das alles noch, aber die Sehn­sucht danach macht sich leise bemerk­bar.
Das Ver­rückte ist, dass ich noch nie so oft eine Warn­mel­dung in der Corona App hatte wie in den letz­ten paar Wochen. Mal grün, mal rot, aber schon fast durch­gän­gig. Darum bleibt meine Maske selbst­ver­ständ­lich auf, wo immer ich mit Frem­den in Kon­takt oder Reich­weite bin. Die stört mich auch gar nicht wei­ter, daran hab ich mich total gewöhnt. Es ist vor allem das Bedürf­nis, keine Angst mehr zu haben. Nicht immer vol­ler Anspan­nung in Bus & Bahn zu sit­zen oder ande­ren Men­schen aus­zu­wei­chen. Ich möchte gerne wie­der ent­spannt irgendwo sein, in eine Kneipe gehen oder ins Kon­zert, durch Ikea lat­schen und da auch einen Kaf­fee trin­ken … Sowas eben. 

Es wird nicht wie­der nor­mal wie frü­her, dazu hat sich in zu vie­len Berei­chen der Gesell­schaft zuviel ver­än­dert, aber wir kön­nen eine neue Nor­ma­li­tät bauen, in der wir geschützt mit­ein­an­der leben kön­nen. Das wäre wirk­lich schön, auch und grade für so Einsiedler*innen und HSP wie mich. Ich hoffe weiter.

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