09-12-2020 Die Stimme in mir

In den letz­ten 12 Tagen hatte ich nur einen Tele­fon­ter­min und war nur ein­mal zum Wochen­ein­kauf drau­ßen und ganz ehr­lich: daran könnte ich mich wirk­lich gewöh­nen.
Ande­rer­seits fehlt mir ein Spa­zier­gang am Was­ser oder im Wald, auch wenn ich nicht weit komme. Mal wie­der an die Luft, das wär schon gut. Vom Meer fang ich ja gar nicht erst an, das wird sicher noch dau­ern. Aber eigent­lich bin ich ganz okay.

Eigent­lich aber auch nicht. Weil das hier nicht ist, was ich wollte. Weil so vie­les wie immer nur halb ist. Nicht kom­plett schlecht, aber nie wirk­lich gut. Irgend­wie wühl ich mich durch, aber rich­tig fühlt sich das nicht an.

Und diese Stimme in mei­nem Kopf, diese Kri­ti­ke­rin oder wer immer das ist, die redet unun­ter­bro­chen. Stell dich doch nicht so an, ist doch alles gar nicht so schlimm, sagt sie. Guck dich doch mal um, dir gehts doch rich­tig gut im Ver­gleich mit ande­ren. Deine Löcher sind nur noch klein, das ist ja mehr ein Stol­pern als ein Fal­len, damit kommst du doch klar, dafür brauchst du doch eigent­lich gar keine The­ra­pie mehr. Und das Fami­li­en­ding, meine Güte, dann ver­zeih ihnen doch, du änderst sie sowieso nicht und du warst ja auch nicht unbe­dingt die tollste Schwes­ter. Reicht doch, dass du deine Toch­ter hast und über­haupt könn­test du dei­nen Enkel viel öfter anru­fen, wenn ihr euch schon nicht sehen könnt, aber erzähl doch nicht, dass du nie­man­den hast, der für dich da ist. Und nicht­mal arbei­ten musst du noch und kriegst trotz­dem jeden Monat dein Geld, was beschwerst du dich denn? Kannst rum­hän­gen, wie du willst, bist nie­man­dem was schul­dig und trotz­dem unzu­frie­den, also echt jetzt mal! Dass du scheisse ein­schläfst und dum­mes Zeug träumst und dann wie gerä­dert auf­wachst, stört doch auch nur dich, dabei musst du ja nicht­mal was leis­ten wie andere Leute, die mit ihren psy­chi­schen Krank­hei­ten immer arbei­ten gehen. Sei doch froh, dass dein Kör­per immer noch mit­macht und nichts Schlim­me­res hat, mit dem biß­chen Dia­be­tes und den paar ollen Kno­chen musst du echt nicht so rum­jam­mern. Ja, okay, toll ist dein Leben nicht mehr so rich­tig, aber was hast du denn erwar­tet? Einen Rosen­gar­ten auf dem Pony­hof, sowas gibt es nicht. Jeden­falls schon gar nicht für dich, da musst du dich schon mehr anstrengen.

Und dann bin ich halt wie­der still und mach den Scheiss irgend­wie weiter. 

(Manch­mal denke ich: ich hab Angst davor, dass es mir wie­der gut geht bzw. dass die Depres­sion ver­schwin­det. Weil ich dann keine Ent­schul­di­gung mehr habe für alles, was ich nicht auf die Reihe kriege.)

2 Kommentare

  1. Hilft es, wenn ich sage, dass ich das auch kenne und ‚habe‘? Viel­leicht müss­ten wir uns die­sen Stim­men mal stel­len? (Also, äh, ich …) Bloß wie? Sie lügen näm­lich. Weil sich Leid nicht mes­sen und ver­glei­chen lässt.

    ((( )))

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