11-10-2020 Vor und zurück

Wie gut, dass ich am Donnerstag nach der Therapie ganz ohne Absicht mehr eingekauft habe als geplant und alle Vorräte locker bis nächste Woche reichen. So war dieser Punkt wenigstens schon abgehakt. Was da aber immer noch und vor allem schon wieder viel zu lange auf der Liste stand, war die lästige Putzerei.

Ich hasse sie. Putzen ist regelrecht Strafe, schon immer. Vielleicht, weil wir zuhause schon als kleine Kinder dazu eingeteilt wurden und gezwungen waren, unsere Aufgaben immer alleine und bis zum bitteren Ende zu machen? Es gab keine Hilfe, keine Entschuldigungen, kein Erbarmen. Alle mussten, ihrem Alter entsprechend, etwas machen, aber es war immer nur lästige Pflicht, es hat nie auch nur im geringsten sowas wie Spaß gemacht.


Was ich aber trotzdem mag, wie vermutlich die meisten Menschen, das ist, wenn meine Wohnung sauber und ordentlich ist. Gerade in einer depressiven Phase ist das besonders wichtig. Wenn es in mir drin schon düster & chaotisch ist, dann bitte nicht auch noch um mich herum.
Aber: In einer depressiven Phase ist es auch extrem schwer, Energie für etwas aufzubringen, das ich auch in guten Zeiten abgrundtief hasse. Darum war ich gestern nachmittag stolz auf mich. Weil ich mich aufgerafft habe und nicht nur gesaugt, sondern auch einiges geputzt habe. Und weil das auch ein Schritt aus dem momentanen Loch heraus war, wenigstens ein kleiner.


Dafür gab es dann heute mal wieder den üblichen Ärger mit der Elefantenfamilie von oben. Ich fühle mich im Recht mit meiner Bitte, nicht neben dem üblichen täglichen Lärm auch noch am Sonntag zwei Stunden durchgängiges Poltern von zwei Kindern ertragen zu müssen und stehe am Ende doch da als die meckernde Alte – was mir eigentlich egal sein könnte, aber nicht ist. Weit schlimmer wiegt aber die Befürchtung, dass sowieso alles Meckern und Bitten und Appellieren nichts helfen wird, weil sie es einfach nicht verstehen. Ja, und dann bin ich manchmal eben auch nicht mehr unbedingt super diplomatisch, wie man:frau an den WA-Nachrichten sehen kann.

Hallo xxx, hier ist eure – inzwischen mal wieder reichlich genervte – Unternachbarin. Dann versuch ich es mal auf diesem Weg: 2 Stunden ununterbrochenes Gepolter sind wirklich mehr als genug, bitte hört damit auf, jetzt.
(Es nervt übrigens nicht nur dann, wenn ich was sage. Und ich seh eigentlich auch nicht ein, dass ich immer erst was sagen muss, anstatt dass ihr das mal dauerhaft ändert. Ich glaube, man nennt das „Rücksicht“.)
Gruß, Ulrike

Hallo Ulrike, wir haben heute mal Besuch von Familie dir wir kaum sehen. Es sind einfach zwei Kinder und wir haben schon mehrmals sie darauf hingewiesen ruhiger zu spielen. Ich verstehe dass es nervig sein kann, aber 2 std einmal die Woche finde ich nicht rücksichtslos!!! Wäre dass Wetter schöner gewesen wären wir sicher nicht zuhause, natürlich nur den Kinder zu liebe. Wir sind über der Woche kaum zuhause! [Name des Sohns] ist bis 16 in der Kita und kommt Teil weise erst um 17-18 nach Hause. Ich erst spät Abend, von daher kann ja nicht eine dauerhafte Belästigung bestehen. Ich bitte dich etwas Rücksicht zu haben und uns nicht ständig beschuldigen dass wir deine Privatsphäre stören oder nicht respektieren.

Ich hab es schon so oft gesagt: es sind nicht nur die 2 Stunden in der Woche. Ich wache von euch auf morgens früh. Ich höre jeden Schritt, von euch allen. Jedes Türenknallen, wenn ihr den Klodeckel fallen lasst, die Stühle durch die Küche schiebt, du die Treppe runter rennst … Schön, dass es ein paar Stunden am Tag ruhig ist – aber das gleicht ihr durch den Lärm in der restlichen Zeit aus.

Ein Vorschlag zur Güte: legt Teppich dorthin, wo [Name des Sohns] spielt und gewöhnt euch an, nicht so hart aufzutreten, wenn ihr durch die Wohnung rennt. Damit wäre schon sehr viel gewonnen.
Ich nehme so viel Rücksicht, wie aushaltbar ist, indem ich eure Lautstärke in der Regel akzeptiere, aber es gibt Grenzen. Es wäre einfach schön, wenn ihr die selbst merken würdet und nicht immer erst dann was passiert, wenn ich was sage.

(Und ich will euch echt nicht in eure Erziehung reinreden, aber knapp 4-jährige Kinder „darauf hinzuweisen“, dass sie etwas ruhiger sein sollen, reicht vielleicht nicht aus – vor allem, wenn die Reaktion nur die ist, dass euer Sohn euch anbrüllt. Ihr seid die Erwachsenen: wenn ihr ihm nicht beibringt, wo die Grenzen sind, wer soll es dann tun?)

Und dann denk ich: was, wenn ich umziehe, weil ich diesen Lärm nicht mehr ertrage und dann noch schlimmere Nachbarn habe? Diese hier sind zwar laut, aber abgesehen davon wenigstens nett. Eine Wohnung kann ich besichtigen, die Umgebung auch, aber die Nachbarn nicht. Womöglich komm ich vom Regen in die Traufe, dann hilft mir das auch nichts. Dann kann ich auch hier bleiben und hoffen, dass die Elefantis irgendwann ausziehen und leisere nachkommen.

Ich weiß es doch auch nicht.


Und dann fallen mir wieder die Flüchtlinge ein, die in dem Camp auf Lesbos absaufen und sich über meine Lusxusprobleme vermutlich freuen würden. Dann geht es zwar weder denen noch mir wirklich besser, aber es relativiert mal wieder ein bißchen.

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