13-12-2020 Unmaßgebliche Gedanken zur #aktuellenSituation

Schwie­rige Nächte. Zu spät, zu kurz, zu unru­hig. Immer öfter kommt das Thema Corona in den Träu­men vor.
Die Tage sind okay. “Nicht schlecht” ist zwar nicht gleich “gut”, aber ich ver­su­che, mit Selbst­für­sorge, Arbeit und ein paar direk­ten und vir­tu­el­len Kon­tak­ten Fall­gru­ben zu ver­mei­den und das Level zu hal­ten. Solange ich das Drau­ßen igno­riere, klappt das auch. Das geht nur lei­der nicht immer.


Nun also doch wie­der in das zurück, was hier­zu­lande “Lock­down” genannt wird. Natür­lich erst ab Mitt­woch, damit in den ver­blie­be­nen zwei Tagen noch schnell mas­sen­weise Geschenke ein­ge­kauft wer­den kön­nen. Weih­nach­ten muss ja schließ­lich sein, ist es doch das liebste Fest von allen - sogar vor allem von denen, denen sonst alles mit Kir­che, Glau­ben und Nächs­ten­liebe am Aller­wer­tes­ten vor­bei geht. Gefei­ert wer­den muss auch unbe­dingt im Kreis der Fami­lie, womit aber natür­lich nur die bio­lo­gi­sche gemeint ist, nicht etwa eine selbst gewählte oder nicht ordent­lich ver­hei­ra­tete.
Wie mich das alles nur noch ankotzt. Jedes Jahr das glei­che schein­hei­lige Getue, aber dies­mal ist es noch deut­li­cher als sonst.


Ich ver­stehe wirk­lich, dass viele Men­schen keine Lust mehr haben auf Pan­de­mie, Qua­ran­täne, Shut­down und alles. Das dau­ert nun schon so lange und kein Ende ist in Sicht. Es tut mir von Her­zen weh zu sehen, wie viele Exis­ten­zen kaputt gehen, weil nicht gear­bei­tet wer­den darf. Ich seh es ja bei der Toch­ter, die mit aller Kraft ver­sucht, posi­tiv zu blei­ben und oft nur noch bit­ter lachen kann. Ich ver­stehe auf irgend­eine Art sogar den Bekann­ten, der sich fragt, warum er all die Maß­nah­men in Kauf neh­men muss, wenn doch über 80% der Toten alt sind und es ihn darum doch gar nicht betrifft und er trotz­dem nach 16 Jah­ren Selb­stän­dig­keit und har­ter Arbeit plötz­lich ohne Ein­kom­men da steht und dann noch nicht­mal sei­nen Vater zu des­sen ach­zigs­ten Geburts­tag besu­chen darf, weil der in einem ande­ren Bun­des­land wohnt. Ich stimme mit ihm nicht über­ein, aber ich kann seine Wut ver­ste­hen. Und ich bedauere zutiefst alle, die jetzt noch viel mehr arbei­ten und leis­ten müs­sen als sie sowieso immer schon tun und die auch jetzt nicht die Aner­ken­nung, Unter­stür­zung und Ent­loh­nung bekom­men, die sie ver­dient haben. Corona macht sicht­bar, an wel­chen Stel­len die Poli­tik und die Gesell­schaft in den letz­ten Jahr(zehnt)en so rich­tig ver­sagt hat.
Es käme für mich nie­mals in Frage, mich gegen die ver­ord­ne­ten Maß­nah­men zu stel­len, zumal die wirk­lich leicht ein­zu­hal­ten sind. Aber ich ver­stehe alle, die mit der Kraft am Ende sind. Und ver­su­che mich dies­mal nicht dafür zu schä­men, dass ich mit dem zwar weni­gen, aber siche­ren Geld auf dem Konto und ohne Job und zu betreu­ende Ange­hö­rige sehr pri­vi­le­giert bin. Ja, im Ver­hält­nis geht es mir fast gut, könnte man sagen. Also, was die äuße­ren Sei­ten der #aktu­el­len­Si­tua­tion angeht.

Innen drin hab ich Angst. Davor, was das mit uns allen macht. Was sich gesell­schaft­lich ver­än­dert, wie sich Men­schen in ihrem Den­ken und Füh­len ver­än­dern. Davor, dass die Welt noch Ich-bezo­ge­ner, rück­sichts­lo­ser, här­ter wird. Dass so viele Schwa­che, Arme, Kranke … abge­hängt und aus­ge­grenzt wer­den. Ich dachte nicht, dass ich so eine immense Ver­än­de­rung noch erle­ben würde und sie macht mir Angst: für mich selbst, aber auch für mei­nen Enkel, der damit noch viel län­ger zurecht kom­men muss. Ich hatte gehofft, dass wir - meine Genera­tion - ihm eine bes­sere Welt über­rei­chen könnten.

Nein, ich werde nie und ich wei­gere mich auch zu ver­ste­hen, wie mensch nur an sich selbst und das eigene Wohl den­ken kann. Wie mensch leben kann auf Kos­ten ande­rer und ohne auch nur einen Gedan­ken an diese zu ver­schwen­den. Ich muss als Ein­zelne nicht die Ver­ant­wor­tung für alle und alles über­neh­men. Ich kann nicht machen, dass es allen gut geht. Aber ich kann dafür Sorge tra­gen, dass ich es nicht schlech­ter mache.
Wenn Jede:r danach leben würde, wäre die Welt viel­leicht ein Stück bes­ser. Aber das ist wohl utopisch.

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