14-11-2020 Dauermüde

Schon wie­der fast eine Woche nur gedacht, aber nicht geschrie­ben. Wie war das mit dem Tagebuchbloggen?

Pas­send dazu, was ich neu­lich fand:

Wie es mir geht
Das ist leich­ter geseufzt
als beschrie­ben.

(Mascha Kaléko, aus “Sei klug und halte dich an Wun­der - Gedan­ken über das Leben”)


Der Satz, den ich in die­sem Jahr am häu­figs­ten geschrie­ben habe, ist ver­mut­lich die­ser: “Ich bin müde”.
Ob sich das ändert, wenn die noch anste­hen­den Auf­ga­ben und Ter­mine erle­digt sind? Oder kommt dann wie­der irgend­was Neues dazu, was ich mir jetzt noch gar nicht vor­stel­len kann?
Die “all­ge­meine Situa­tion” macht es ja nicht bes­ser und die wird noch lange anhal­ten ver­mut­lich. Inzwi­schen ver­su­che ich mich dar­auf ein­zu­stel­len, dass wir min­des­tens ein Jahr oder mehr mit MNS, Abstand und Vor­sicht drau­ßen unter­wegs sein wer­den - sofern wir über­haupt drau­ßen sein kön­nen und wol­len. Der Gegen­satz zwi­schen mei­nem rela­tiv abge­schot­te­ten Drin­nen-Sein und dem zwi­schen­durch Raus-Müs­sen und dabei wie­der direkt wahr­neh­men, was da ist, ist anstren­gend. Die Angst vor dem Virus und das Miss­trauen frem­den Men­schen gegen­über ebenso.
Theo­re­tisch hätte ich nichts gegen eine wochen­lange Qua­ran­täne ein­zu­wen­den, aber dann muss natür­lich jemand für mich ein­kau­fen und das wird ver­mut­lich meine Toch­ter sein und das heißt, dass sie raus muss, was ich auch nicht gut fände.
Tja, dann muss ich wohl doch end­lich die Bewer­bung für die Psy­cho­kli­nik abschicken …


Was sonst noch war diese Woche:
Das Diens­tagstref­fen mit Frau R. vom Hil­fe­Dings kurz­fris­tig abge­sagt, weil mir bei der Aus­sicht auf die bevor­ste­hen­den Ter­mine schon wie­der alles zu viel ist. Nach­mit­tags nur eben zur Phy­sio und zum Wochen­ein­kauf in den Super­markt.
Am Mitt­woch 4 Stun­den Arbeit an der Web­seite eines Bekann­ten und mich dabei wie­der­mal über mich selbst geär­gert, weil ich immer viel zu diplo­ma­tisch bin, nur um ja nie­man­dem auf die Füße zu tre­ten und dann rumeier mit Wor­ten und am Ende nie­mals das raus­kommt, was mich zufrie­den machen würde. Noch so ein The­ra­pie­thema -
- und genau das war es auch am Don­ners­tag. Mit über­ra­schend pro­vo­ka­ti­ven Bemer­kun­gen und Fra­gen von Frau S., die aber immer mir ent­spre­chend sind und mich wei­ter brin­gen im Thema (oder zumin­dest zum Nach­den­ken) — und zu einem sehr vehe­men­ten, aus dem Bauch her­aus geant­wor­te­ten “Nein” auf die Frage “… und wenn Sie ihr ein­fach ver­zei­hen?”. Da war­tet noch viel Arbeit.
Am Frei­tag wär ich gerne ein­fach im Bett geblie­ben, aber am Nach­mit­tag ist da noch ein Phy­sio­ter­min und auch wenn es nervt, weiß ich ja, dass es gut tut. Da gab es dann einen Moment, da hätte ich fast los­ge­heult: ich sollte mit einem Fuß am Rand von einem ca. 25 cm hohen Hocker ste­hen, dann etwas ins Knie gehen, so dass der andere Fuß mit der Spitze auf den Boden kommt. Das ganze Gewicht liegt dabei auf dem ste­hen­den Bein. Mit dem rech­ten Bein war es kein Pro­blem, aber beim lin­ken blo­ckierte der Kopf und sen­dete leuch­tend rote Alarm­si­gnale. Es wollte mich par­tout nicht alleine tra­gen und dann noch gebeugt wer­den, keine Chance. Tja, auch hier war­tet noch Arbeit.
Am Abend war ich dann nur noch müde. So sehr, dass ich zwei­mal vor der Glotze ein­schlief und dar­auf­hin vor Mit­ter­nacht (!!!) ins Bett ging. Kaum lag der Kopf auf dem Kis­sen, fing er an zu den­ken und die nötige Mail an den Bekann­ten mit der Web­seite zu for­mu­lie­ren. Die Träume waren sehr merk­wür­dig, vol­ler Kon­flikte mit Schwes­tern und frü­he­ren Lehrer_innen, die ich nicht auf­lö­sen konnte.


Heute saß ich dann 3 Stun­den an der besag­ten Mail, hab for­mu­liert und umfor­mu­liert, gescho­ben, gelöscht, geschrie­ben, ver­wor­fen .… bis ich irgend­wann auf­stand, um mir einen fri­schen Kaf­fee zu kochen und mir selbst ver­ord­nete, end­lich ein­fach klar und deut­lich zu schrei­ben und nicht diplo­ma­tisch und eierig. “Sag, was du willst, sonst ver­steht dich nie­mand.” Und siehe da, es funk­tio­nierte. Er hat schlicht und ein­fach akzep­tiert, was ich geschrie­ben hab. Ohne Drum­rum, ohne Feil­schen, ohne alles. Uff.

(Komm mir jetzt bloß nie­mand mit dem blö­den Spruch “Siehste, geht doch”!)


Und jetzt bin ich leer. Und müde.

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