16-01-2021 Nicht-Tage

Es sind so Nicht-Tage grade.
Ich gehe zu spät ins Bett, ich schlafe so lange ich will und kann, stehe irgend­wann auf, es ist eigent­lich egal, es war­tet ja nichts auf mich. Drau­ßen ein stum­mes Ein­heits­grau, von drin­nen bli­cke ich auf ein schma­les Stück Haus gegen­über mit weni­gen erleuch­te­ten Fens­tern und hab noch nicht­mal eine Ahnung, wer da eigent­lich lebt. Es pas­siert nichts, ich fühle mich wie abge­schot­tet von allem, ver­spüre aber auch kei­nen Impuls, daran etwas zu ändern. Die Tage und Nächte flie­ßen ein­fach inein­an­der und ver­schwin­den, ohne eine Spur zu hinterlassen.


Am Mitt­woch ist meine (ange­hei­ra­tete und wie­der geschie­dene) Tante gestor­ben, mit Mitte 80 nach einem Schlag­an­fall. Sie selbst kannte ich kaum, nur mit mei­nem Cou­sin hatte ich frü­her mal eine Weile engen Kon­takt. Heute ist die Trau­er­feier für sie und bei dem Gedan­ken daran frage ich mich, wer eigent­lich zu mei­ner Beer­di­gung kom­men würde außer mei­ner Toch­ter und ein oder zwei Schwes­tern, wenn ich jetzt ster­ben würde. Da ist ja nie­mand und das nicht wegen Corona, son­dern weil ich “in echt” ein­fach keine Kon­takte mehr in Ham­burg habe. Dann muss ich doch auch nicht über­le­gen, wel­che Musik gespielt wer­den soll, wenn ich unter die Erde komm, das ist doch dann eigent­lich auch völ­lig egal. Jeden­falls, solange es keine Flö­ten­mu­sik ist. Viel­leicht sollte ich aber auch ein­fach neue Freund:innen finden.

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