17-09-2021 “Richtige” Arbeit

(Ein­fach wie­der schrei­ben. Über was, ist nicht so wich­tig, nur wie­der in den Ryth­mus finden.)


Ganz okay geschla­fen, wild geträumt. Auf­ge­wacht, weil es zu warm wurde, dann aber die Hin­ter­hof­spiel­platz­kids und den Schlag­boh­rer auf der ewi­gen Bau­stelle erfolg­reich ver­drängt und noch eine gute Stunde wei­ter geschla­fen. Das neue Bett ist aber auch zu gemüt­lich, manch­mal mag ich gar nicht aufstehen.


Nach­dem die Toch­ter Anfang der Woche etwas panisch anrief und von der Aus­stel­lung erzählte, die nun doch am Sams­tag statt fin­det und dass sie dafür noch so furcht­bar viel machen müs­sen und ob ich die Web­seite für den Schwie­ger­freund nun doch fer­tig­stel­len und ver­öf­fent­li­chen könnte, hab ich in den letz­ten bei­den Tagen also end­lich mal wie­der das gemacht, was ich als “rich­tige Arbeit” bezeichne - und das tut wirk­lich gut und ver­schafft am Abend eine Befrie­di­gung, die ich so nur dabei erlebe. Ich gucke mir die fer­tige Seite an und weiß: das hab ich gemacht. Das hab ich gut gemacht.

Und dabei geht es über­haupt nicht um Geld, denn ich ver­diene nichts daran. Naja, gut, viel­leicht wird es doch irgend­wann noch was mit dem gro­ßen Tat­too als Gemein­schafts­ar­beit von den Bei­den, aber dafür mach ich es nicht. Natür­lich freu ich mich, wenn die Kin­der zufrie­den sind und sie und viel­leicht auch andere Men­schen meine Arbeit aner­ken­nen. Aber in ers­ter Linie geht es darum, dass ich etwas mache, von dem ich über­zeugt bin. Bei dem ich weiß, dass ich es kann und das ein­fach gar nicht in Frage stelle. Bei dem ich mich - zumin­dest meis­tens - gar nicht ver­glei­che. Ich weiß, dass es da drau­ßen tau­sende Webdesigner:innen gibt, die wesent­lich bes­ser sind als ich, aber komi­scher­weise ist mir das egal: ich mach trotz­dem, was und wie ich es kann.

Obwohl ich in jedem mei­ner Berufe immer ich und immer mit gan­zem Herz dabei war und bin, stelle ich mich in die­sem Punkt nicht in Frage. Da ist keine sol­che Unsi­cher­heit wie bei allem ande­ren, was ich tue, ob es einen Wert hat — ob ich einen Wert habe. Meine gelernte Arbeit hat ihn ganz selbst­ver­ständ­lich. Und so wenig ich davon über­zeugt bin, dass meine Stimme im nor­ma­len All­tag ein Gewicht hat, umso ein­deu­ti­ger und bestimm­ter bin ich, wenn es z.B. um Fra­gen der Gestal­tung geht oder ob ein Bild zum Text passt und wel­che Schrift­art sich eignet. 

Woher kommt es nur, dass ich so einen Unter­schied mache? Warum sind meine Gedichte, in denen auch viel Arbeit steckt, nichts wert - eine Web­seite, für die ich nicht ein­mal Geld bekomme, aber schon? Ich bin mit Kunst, Lite­ra­tur und Musik groß gewor­den, das waren aner­kannte Berufe und Tätig­kei­ten: das kann der Grund nicht sein. Warum glaube ich bei der einen Sache an mich, bei so vie­len ande­ren aber über­haupt nicht? Gibt es in mei­ner Ver­gan­gen­heit einen oder meh­rere Men­schen, die mir das Ver­trauen in mich so gründ­lich aus­ge­re­det haben?

Ich muss diese blö­den alten Kis­ten auf­ma­chen und Licht ins Dunkle bringen.

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