18-12-2021 Es wird

Lange geschla­fen, lei­der am Ende mit alt­be­kann­ten Kopf­schmer­zen vom ver­dreh­ten Lie­gen. Zum Glück sind die nach dem Auf­ste­hen meis­tens schnell weg.
Wilde Träume von Flug­zeu­gen, die doch nicht nach Grie­chen­land flie­gen wie gebucht und bezahlt, wes­halb ich dann tage­lang in einem über­füll­ten Bus fah­ren muss und Kind und Gepäck ver­lo­ren gehen. Den Rest hab ich ver­ges­sen, aber ich ahne, woher die Kopf­schmer­zen kommen.

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Über jeman­den auf Twit­ter kam ich heute zu einem Blog­bei­trag zum Thema “Social Media Kon­sum” und ich gebe zu, ich fühlte mich sehr unschön ertappt.
(Alle fol­gen­den Zitate stam­men aus dem ver­link­ten Beitrag.)

Cal New­port nennt das, was Likes und Kom­men­tar in Social Media mit uns machen, sich einen „Zucker­flash“ abho­len. Eine kurze Inter­ak­tion, die ein Glücks­ge­fühl aus­löst und eine Dopa­min-Aus­schüt­tung die uns dazu ver­lei­tet, mehr davon zu wollen.

Zum einen ist da Insta­gram, das ich seit die­sem Jahr ver­stärkt nutze. Irgend­wann im Som­mer fing ich an, meine Bil­der mit pas­sen­den und vor allem belieb­ten Hash­tags zu ver­se­hen und prompt stieg die Anzahl der Likes. Es sind immer noch nicht viele - pro Bild so 20 bis 30 Herz­chen - aber gegen­über frü­her, als mich nur die Freund*innen fan­den, schon mehr. Vor allem sind da jetzt auch fremde Men­schen dabei, von denen einige eben auch foto­gra­fie­ren, aber auf einem viel höhe­ren Level als ich. Ja, ich gebe zu, das hat mich stolz gemacht am Anfang, auch wenn ich den Ver­dacht habe, dass da ein paar Bots dabei sind und die Leute meine Fotos gar nicht selbst gese­hen haben. Trotz­dem.
Anders­rum folge ich eini­gen Fotograf*innen, die für ihre Bil­der Likes in 3- und 4-stel­li­ger Höhe haben, bei denen ich zuwei­len denke: “du kriegst kein Herz von mir, du hast schon genug”. (Haha, als würde irgend­je­mand von denen mich bemer­ken.)
Und grade ges­tern hab ich mir wie­der einen Account bei der foto­com­mu­nity ange­legt, um an einer wei­te­ren Stelle zu tes­ten, ob und wie meine Fotos ankom­men, gese­hen und bewer­tet wer­den. Natür­lich erhoffe ich mir posi­ti­ves Feed­back. Natür­lich will ich gese­hen wer­den und mir mei­nen Zucker abholen.

Zum ande­ren gibt es Twit­ter, mein vir­tu­el­les Zuhause, in dem ich mich irgend­wie zuge­hö­rig fühle. Aber es macht mich trau­rig, dass ich anschei­nend nicht ver­misst werde, wenn ich so wie in der letz­ten Zeit nicht schreibe oder like (was ich sonst viel mache). Ich hab zumin­dest nicht erfah­ren, ob es jeman­dem auf­ge­fal­len ist. Da kommt natür­lich auch schnell die Über­le­gung, wie “echt” das ganze wirk­lich ist.

Wie oft habe ich Anteil genom­men an Krebs­to­den von Men­schen, die ich über­haupt nicht kenne, um Hunde geweint, die ich nie gestrei­chelt habe, mich echauf­fiert über aus­ge­setzte Tiere und mich ent­rüs­tet über xxxxx (setzt hier etwas x-belie­bi­ges aus der Tages­presse ein). […]
Die Erkennt­nis, dass das alles nichts mit mir zu tun hat und dass ich oft Gefühle und Grund­stim­mun­gen über­nom­men habe, die ebenso nichts mit mir zu tun haben, traf mich wie ein Blitz.

Dass mich die Stim­mung auf Twit­ter beein­flußt, merke ich in beide Rich­tun­gen. Zuspruch tut mir gut, Likes freuen mich (auch hier wie­der: von bestimm­ten Per­so­nen noch mehr als von ande­ren), die klei­nen Unter­hal­tun­gen hier und da genieße ich. Aber ich werde in letz­ter Zeit auch immer generv­ter, weil der Ton sich so ver­än­dert hat. So viele eigent­lich freund­li­che, fried­li­che, warm­her­zige Men­schen sind nur noch am meckern und schimp­fen, es gibt nur noch das eine Thema (Imp­fen) und viele zei­gen deut­lich, wie sehr sie am Ende sind. Das zieht mich extrem mit run­ter, weil ich mich ver­bun­den fühle. Dabei hat - bis auf ganz wenige Aus­nah­men - das alles über­haupt nichts mit mir zu tun.
Warum also tu ich mir das an? Für die­sen kur­zen Zuckerflash?

Face­book sagt, es sei toll, mit Men­schen in Kon­takt zu blei­ben und sich zu ver­net­zen. Ich sage, ja, ist es. Aber diese losen und belang­lo­sen Plän­keleien rei­chen mir nicht. Nicht mehr. Likes auf meine Posts sind für mich mitt­ler­weile nur eine Simu­la­tion von Aner­ken­nung und Wertschätzung.

Auch wenn ich mich sehr zurück gezo­gen habe und schnell über­for­dert bin von Men­schen und Zusam­men­künf­ten, fehlt mir der direkte Kon­takt doch sehr. Noch kann ich nicht ver­zich­ten auf meine vir­tu­el­len Kreise, aber ich sollte mir immer mal wie­der vor Augen hal­ten, dass so ein schnell ange­klick­tes Herz­chen unter einem Tweet oder zu einem Foto zwar nett ist, aber im Grunde nicht viel sagt.

(Die Aus­nahme von all dem ist der Kon­takt zu Freun­din D., der zwar auch “nur” vir­tu­ell ist, sich aber im Laufe der Zeit zu etwas ganz per­sön­li­chem ent­wi­ckelt hat, das ich nicht mehr mis­sen möchte.)

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Die heu­ti­gen Glück­s­per­len:
• sowas wie Sonne am Mit­tag
• gegen den Wider­stand von Igor Bad geputzt und über­all gesaugt
• die Ele­fan­ten­ober­nach­barn haben tat­säch­lich ca. 5 Minu­ten nach mei­ner freund­li­chen Ansage ihre Musik aus gestellt (leise hätte mir ja genügt, aber aus ist natür­lich bes­ser)
• das Schrei­ben die­ses Tex­tes nicht auf nach dem Essen ver­scho­ben, weil ich sonst even­tu­ell zu faul gewe­sen wäre

(Kann ich das durch­hal­ten mit den Glück­s­per­len? Ob es sich lohnt oder sogar hilft, wenn ich mir dafür eine Kate­go­rie ein­richte? Hmm … Ach, was solls. Mein Blog, meine Regeln.)

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