Regengrau

Als wäre dem Sommer plötzlich bewußt geworden, dass er noch zu früh dran war, zieht er sich zurück, nimmt so einige Grad Wärme mit und überläßt dem Regengrau das Feld. Der Vorteil ist, dass ich wieder schlafen kann, ohne zu schwitzen wie blöd.
Dann eben Fenster zu, die Wollsocken wieder rausgekramt – und dem Bedürfnis, den Tag mit Buch im kuscheligen Bett zu verbringen doch widerstanden.


Wie jeden Dienstag traf ich mich am Mittag mit Frau R. vom Hilfe-Dings, heute das erste Mal seit März aber nicht coronamäßig draußen im Park, sondern – dank des Regens – wieder in den Räumen dort.
Später kam dann die Nachricht von einer anderen Mitarbeiterin, dass die Mittwochsgruppe ab nächster Woche wieder statt findet. Stimmt ja, da war ja noch eine Entscheidung zu treffen.

Als erstes hör ich Igor, den kleinen Schisshasen. „Aber das ist doch so anstrengend, dann hast du drei Tage pro Woche Aktion und musst dich erholen und hast überhaupt keine Zeit mehr für dich. Das schaffst du doch nie. Und überhaupt: bestimmt sind alle netten Frauen weg und nur noch die doofen übrig, die du nicht leiden kannst und dann kommst du aus der Nummer nicht mehr raus und was dann?“
Dagegen die Stimme der Therapeutin: „Sie müssen wieder raus gehen, Kontakte finden und pflegen, das tut Ihnen doch gut! Denken Sie an gestern, wie schön das war, mit jemandem zu reden!“
Und ich sitz dazwischen und will beides und alles und gar nichts. Und sage dann doch zu in der Hoffnung, dass das irgendwie gut wird.


Und jetzt Kartoffelsuppe gegen das Regengrau.

5 Kommentare

  1. Habe heute mit meiner schlauen Frau über Angst gesprochen. Ähnlich wie bei dir mit der Entscheidung. Nur auf einen anderen Lebensbereich bezogen. Sie hat es mit dem Schein-Riesen aus Jim Knopf assoziiert. Je weiter man von dem, wovor man Angst hat desto größer scheint auch die Gefahr. Aber je näher man an das Eigentliche, was einem Angst macht heran kommt, desto mehr merkt man, dass das, wovor wir Angst hatten vielleicht doch nur Schein war und der Riese in Wirklichkeit eigentlich nicht größer als wir selbst sind. Kennst du den Schein-Riesen bzw die Geschichte darüber?

    Es ist sehr mutig von dir, wie du entschieden hast. Freue mich auf deinen Bericht, wie es dir am Ende damit ergehen wird! Danke 🙂

    1. Den Riesen kannte ich nicht bzw. erinnere ihn nicht mehr, aber ja, das ergibt ziemlich viel Sinn. Ein guter Vergleich. Ich hoffe, dass er dir weiter hilft!

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