22-03-2021 Meh

Kalt, grau, unge­müt­lich. Die Tage sind wie Kau­gummi: schon nach den ers­ten paar Mal kauen zäh und ohne wirk­li­chen Geschmack.
Ich könnte an Web­sei­ten rum­bas­teln, hab aber keine Moti­va­tion und keine Lust. Ich könnte auch gemüt­lich auf dem Sofa hocken und lesen, aber dabei schlaf ich bloß ein und dann bin ich nachts wach, das ist auch keine Lösung. Ich könnte Pläne machen, Fotos bear­bei­ten, Lis­ten schrei­ben, dies und jenes tun oder alles auch las­sen, weil es kei­nen Unter­schied macht.

Mir fehlt … ja, was denn? (Doch, ich weiß schon, was. Ist aber völ­lig uto­pisch.) Und würde sich an mei­ner Unmo­ti­va­tion dann wirk­lich etwas ändern?

Ach, blöd.


Nach­ge­reicht (aus mal wie­der aktu­el­lem Anlass): ein ver­zwei­fel­ter Rant.

Was mich neben all dem Lau­ten an mei­nen Ober­nach­barn noch so immens stört, ist, dass sie mir unge­fragt ihr hal­bes Leben auf­drü­cken. Sie zwin­gen mich mit ihrer Rück­sichts­lo­sig­keit, mit­zu­er­le­ben, was sie grade machen.
Ich muss ihre Musik mit hören, die ich furcht­bar finde. Ich weiß, dass sie gleich essen wer­den, weil alles auf den Tisch geknallt wird und die Stühle über den Fuss­bo­den gezo­gen wer­den. Ich kriege mit, wenn sie sau­ber machen, weil der Staub­sauger mit Kara­cho in jede Ecke und an jede Wand stößt. Ich erlebe jeden Wut­an­fall vom Kind mit und die gebrüllte Reak­tion dar­auf. Ich weiß auch, wenn das Kind krank ist, weil es dann meis­tens irgend­wann in der Nacht mit Geschrei auf­wacht - und ich weiß, dass er davon genervt ist, weil er dann rum­me­ckert. Nachts. In der glei­chen Laut­stärke, in der er das Kind tags­über anmotzt. Ich weiß, wann sie abends auf­räumt, weil sie dann von Zim­mer zu Zim­mer rennt (und anschei­nend ihre Schuhe auch drin­nen an behält). Ich höre und rie­che, wenn sie Besuch haben und auf dem Bal­kon zum Rau­chen hocken. Ich weiß, dass er es ist, der unten zum Haus rein kommt, weil er mit allem, was er in der Hand hat, gegen die Wand don­nert (es ist sehr eng dort, weil ihr alter, nicht mehr benutzte Kin­der­wa­gen da immer noch steht) und alle Türen unten und oben zu schmeißt. Ich weiß sogar, wann er auf dem Klo war, weil er danach den Klo­de­ckel ein­fach fal­len lässt.

Ich will das alles aber nicht wis­sen. Es inter­es­siert mich nicht. Es ist mir sogar scheiß­egal. Es sind keine Freunde, sie woh­nen nur im glei­chen Haus. Und selbst von Freun­den würde ich ganz vie­les gar nicht wis­sen wol­len. Aber ich kann dem nicht ent­kom­men, weil es ihnen scheiß­egal ist, ob und wer sie ertra­gen muss.

Warum es mich noch nervt: weil ich weiß, dass es anders sein kann. In den 35 Jah­ren, die ich hier lebe, hatte ich einige Ober­nach­barn. Nie, wirk­lich nie war jemand so laut, so rück­sichts­los wie diese.
Oder hatte ich bis­her ein­fach nur rie­si­ges Glück?

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