25-07-2020 Kleine Schritte

Vom Traum(a)mann zu träu­men ist nie ein guter Start in den Tag. Auch nach all den Jah­ren Jahr­zehn­ten macht es mich immer noch traurig.

Trotz­dem auf und in den Tag. Es hilft ja nichts.


Und dann: Wie herr­lich es ist, rich­tig duschen zu kön­nen, merkst du erst so rich­tig nach 10 Tagen Kat­zen­wä­sche am Wasch­be­cken in der Küche. Ein wenig unsi­cher bin ich noch auf den Bei­nen und die Ant­wort auf die Frage “wie komm ich da nur wie­der raus?” braucht etwas Über­le­gung und Geschick (rück­wärts!), aber das rundum sau­bere Gefühl ist ein­fach gut.


Das Knie ist nach dem Auf­ste­hen noch eine ganze Zeit steif, aber im Laufe des Tages wird es bes­ser. Inzwi­schen kann ich in der Woh­nung ohne Krü­cken lau­fen, das Knie beu­gen und das Bein etwas belas­ten. Trotz­dem ist es nicht gut, ich fühle mich ein­ge­schränkt, denke mit Sorge daran, wie es mit dem Fahr­rad wohl wird und wann ich wohl wie­der fah­ren kann.

Mir fällt die Decke auf den Kopf, ich will hier raus, end­lich mal was ande­res sehen als immer nur das Haus gegen­über und meine Woh­nung. Ich wollte zu Plan­ten & Blo­men, nach Nien­dorf, an die Elbe. Ich wollte tes­ten, ob ich mit dem Rad zur The­ra­pie komme. Und die Mitt­wochs­gruppe fehlt mir - grade haben wir uns das zweite Mal gese­hen, da hört es wie­der auf. Das alles tut mir nicht gut.
(Und dann krieg ich auch noch Fotos von der Toch­ter, die mit Sohn und Freun­dIn­nen an der Ost­see ist. Ich will das auch!!)


Ges­tern, als ich das erste Mal wie­der fast nor­mal hier in der Woh­nung lief, dachte ich gleich wie­der, dass ich das mit dem Schmer­zens­geld dann auch las­sen kann, wenn es jetzt doch vor­bei geht. Weil es ja doch viel Auf­wand ist und ich in sowas extrem schlecht bin. Heute sieht es wie­der anders aus und der Wunsch nach irgend­ei­ner Ent­schä­di­gung ist doch da. Aber ob ich das schaffe? Tele­fo­nie­ren mit frem­den Men­schen, zum Ortho­pä­den, mei­nen Anspruch durch­set­zen …? Das sind alles Dinge, die mich seit immer schon über­for­dern. Ich ver­zichte lie­ber auf mein Recht, als dafür ein­zu­ste­hen. Ich kann sowas nicht.

Wie sehr ich mir in sol­chen Momen­ten wün­sche, anders zu sein. Ein ande­res Leben zu leben.
(Ich weiß, dass diese Gedan­ken müßig sind. Sie sind trotz­dem da.)


Da war letz­tens so eine Frage auf Twit­ter: “Was wür­dest du dei­nem 16-jäh­ri­gen Ich aus der heu­ti­gen Sicht sagen?”
“Lauf. Lauf, so schnell du kannst”, wäre meine Ant­wort heute.

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