26-09-2021 Das Beste hoffen, das Schlimmste befürchten (#btw2021)

Eigent­lich weiß ich es ja und stelle es doch immer wie­der mit Erstau­nen fest: nach einer lan­gen Pause braucht es ganz schön viel Über­win­dung (und Dis­zi­plin), das Schrei­ben wie­der zur Nor­ma­li­tät wer­den zu las­sen. Aller­dings nicht, weil mir das For­mu­lie­ren mei­ner Gedan­ken schwer fal­len würde, son­dern weil ich jedes Mal das Gefühl bei­seite schie­ben muss, dass es doch sicher sowieso nie­man­den inter­es­siert, was ich zu sagen habe. Dabei schreib ich doch zu aller­erst für mich. Viel­leicht sollte ich mir das mal mer­ken. Oder aufschreiben.


Die ver­gan­gene Woche war voll und ich ent­spre­chend müde, aber dafür sind wie­der wich­tige Dinge erle­digt.
Der Sperr­müll aus mei­ner Woh­nung ist tat­säch­lich weg *juhuuu* und die Kam­mer wie­der ordent­lich. Den Mus­kel­ka­ter nach der Auf­räum­ak­tion hab ich schon ver­ges­sen. Dass jetzt hin­ter mir im Arbeits­zim­mer eine große leere Flä­che ist, fühlt sich noch unge­wohnt, aber ver­dammt gut an.
Dann läuft zu Ende Okto­ber die jähr­li­che Bewil­li­gung für das Hil­fe­Dings aus und muss darum jetzt neu bean­tragt wer­den. Meine Bezugs­frau schreibt das ganze Ding immer behör­den­ge­recht vor, aber am Ende ent­scheide doch ich, was da drin steht und was viel­leicht lie­ber nicht, weil es zu per­sön­lich ist. Die­ses Jahr war es ziem­lich knapp von der Zeit, aber ich hab es doch recht­zei­tig am Don­ners­tag geschafft, die 13 Sei­ten zu bear­bei­ten und die Kor­rek­tur­fas­sung an Frau R. zurück zu schi­cken.
Das ist gar nicht so ein­fach: sich quasi von außen anzu­gu­cken und zu beschrei­ben, was im ver­gan­ge­nen Jahr alles pas­siert ist, wo ich Fort­schritte erzielt hab und wo ich wei­ter Unter­stüt­zung brau­che. Es tut aber irgend­wie auch gut, denn da gab es ja Fortschritte.


Und dann war da noch eine uner­war­tet gute Mitt­wochs­gruppe, denn eine Frau aus der Ange­hö­ri­gen­gruppe war (zum drit­ten Mal) da und brachte ein Thema mit in die Runde. Grade an die­sem Mor­gen hatte ich noch gedacht, dass genau das mir fehlt: ein roter Faden oder ein bestimm­tes Thema, über das wir uns aus­tau­schen - auch mit pro­fes­sio­nel­ler Beglei­tung und Mode­ra­tion. Kaf­fee­kränz­chen mit spon­ta­nen Gesprä­chen sind ja nett und unsere bei­den Lei­te­rin­nen sind prima Frauen, die ich beide sehr mag, aber mir ist da oft zu wenig Lei­tung. Das hab ich dann auch gesagt: dass ich mir auf Dauer mehr wün­sche. Nun gibt es für nächste Woche ein Thema, das aber beim genaue­ren Hin­gu­cken auch wie­der eher so lari­fari ist (“bringt mit, was euch gefällt - Papier, Far­ben, Mate­rial - und wir gestal­ten gemein­sam etwas dar­aus”).
Wenigs­tens steht aber fest, dass die Ange­hö­ri­gen­grup­pen­frau regel­mä­ßig ein­mal im Monat kommt, das find ich sehr gut. Sie ist dabei sowas wie eine Ver­mitt­le­rin: wir sagen, wie es uns als Betrof­fene zu bestimm­ten The­men geht, sie bringt die Sicht der Ange­hö­ri­gen dazu und trägt unsere dann wie­der zurück in ihre Gruppe. Auf diese Weise fin­det - so die Inten­sion und Hoff­nung - eine Annä­he­rung statt, die allen Betei­lig­ten hilft.

Ganz geheim ist bis­her noch, dass es dem­nächst viel­leicht eine Foto­gruppe beim Hil­fe­Dings geben soll. Ich hab unter der Hand gro­ßes Inter­esse ange­mel­det. Das wäre sooooo toll! Ich foto­gra­fiere ja schon lange gerne, fange aber jetzt erst an, bewußt Motive zu suchen, die mal ein wenig anders sind als die immer glei­chen Land­schaf­ten - und da feh­len mir ein­fach noch viele Kennt­nisse, Tipps und Tricks. Ich würde mich super gerne über sowas aus­tau­schen und auch zusam­men mit einer Hand­voll Men­schen unter­wegs sein dafür. (Hört, hört! :-))
Gedrückte Dau­men für das Zustan­de­kom­men der Gruppe sind herz­lich willkommen!


Jetzt hab ich mich wun­der­bar eine Weile davon abge­lenkt, dass heute Bun­des­tags­wahl ist und in weni­gen Stun­den fest steht, ob die­ser uner­träg­li­che Hans­wurst aus NRW neuer Kanz­ler wird und unser Land mit Voll­dampf und dümm­li­chen Grin­sen an die Wand fährt oder ob wir mit der blass­grauen, aal­glat­ten Alter­na­tive leben müs­sen und die gan­zen Steu­er­skan­dale mit Sicher­heit nie auf­ge­klärt wer­den und sich auch sonst nicht wirk­lich viel ändert, weil die alten wei­ßen Män­ner immer noch in der Über­zahl sind. Pest oder Cho­lera: wel­che Tür wäh­len wir?
Den­noch hoffe ich im Stil­len, wenigs­tens noch für diese eine letzte Stunde, dass es genug ver­nünf­tige Men­schen in Deutsch­land gibt und die Grü­nen wenigs­tens eine Regie­rungs­be­tei­li­gung bekom­men. Eine grün-rot-rote Koali­tion wird wohl Uto­pie blei­ben, zumin­dest bis die gan­zen Alt­wäh­ler aus­ge­stor­ben sind. Hof­fent­lich machen es die Kin­der und Enkel bes­ser.
Aber ganz ehr­lich: ich hab ne Scheiß­angst, wie das hier wei­ter geht.


P.S. Noch ist nicht ganz klar, ob die alte Pest­cho­lera­suppe in der Cho­ler­a­pest­va­ri­ante auf­ge­wärmt wird oder ob die Grü­nen doch irgendwo mit­mi­schen dür­fen. Es sind zu die­sem Zeit­punkt (22:00 Uhr) noch nicht alle Brief­wahl­stim­men aus­ge­zählt.
Fest steht aller­dings, dass ich dank des Ret­weets der taz heute den Tweet mit so ziem­lich den meis­ten Likes hatte. 🙂

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