13-04-2021 Negativ

Es gibt Zei­ten, in denen kann ich nicht schrei­ben. Nicht, weil es nichts zu schrei­ben gäbe – eher weil es zu viel gibt und ich es nicht sor­tiert bekomme, auch nicht durchs Schrei­ben. So eine Zeit ist jetzt grade. Es muss ein­fach war­ten, bis der rich­tige Moment da ist.


Aber die Chro­nis­tin­nen­pflicht möchte fest­hal­ten, was es so gab in der letz­ten Woche. Nämlich:

  • eine sehr gute, hilf­rei­che und herz-warme The­ra­pie­stunde mit einem unge­plan­ten Thema
  • eine schwie­rige Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit, über die ich (noch) nicht schrei­ben kann - s.o.
  • einen zehn­ten Enkel­ge­burts­tag mit end­los viel Liebe
  • den ers­ten - wie erwar­tet nega­ti­ven - Coro­na­test, um mal zu wis­sen, wie das so ist und geht
  • und über allem viel April­wet­ter von Schnee­stür­men bis schöns­tem Sonnenschein

Ich ver­su­che wei­ter­hin, Geduld zu haben mit mir. Es wird für alles eine Zeit kommen.

04-04-2021 Sonntag oder so

Immer öfter muss ich nach­gu­cken, wel­cher Wochen­tag eigent­lich ist. Ohne Ter­mine ver­schwim­men sie, es gibt keine spe­zi­fi­schen Merk­male mehr. Ich mag das nicht, es ver­stärkt den Ein­druck der Ori­en­tie­rungs- und der Bedeutungslosigkeit.


Ges­tern hab ich aus Neu­gierde mal nach dem Fati­gue Syn­drom (ME/CFS) gegoo­gelt und einen Selbst­test gemacht. Die sind immer mit Vor­sicht zu genie­ßen, aber bei einem hab ich von den 20 Fra­gen 17 mit “Ja” beant­wor­tet und das gibt mir schon irgend­wie zu den­ken.
Jetzt müsste ich eigent­lich mit mei­ner Haus­ärz­tin dar­über spre­chen, aber mit der jet­zi­gen kann ich das gleich ver­ges­sen. Bei ihr fehlt mir ein­fach das Ver­trauen, dass sie mich ernst nimmt. Dann muss ich also ran an die Suche nach einer neuen Pra­xis. (Wie ich das hasse.)

Und wenn ich dann schon­mal dabei bin, kann ich ja auch gleich noch eine neue Zahn­ärz­tin suchen. Ges­tern abend ist näm­lich beim Biss ins Brot die zweite Hälfte einer mei­ner Zahn­rui­nen abge­bro­chen. Es ist ganz hin­ten, so dass es zum Glück nicht zu sehen ist (und mit MNS sowieso nicht - der ein­zige Grund, wes­halb ich die Din­ger liebe) und der Zahn war eh kaputt und tot und tut darum nicht weh, aber es steht jetzt so ein klei­ner spit­zer Rest raus und wo der auf die Innen­seite der Wange trifft, bil­dete sich in kur­zer Zeit eine Blase, die mäch­tig nervt. Die Zunge ist natür­lich die ganze Zeit irgendwo da zugange.
Die so ange­nehm schweig­same ZÄ, die ich letz­tes Jahr über Frau R. vom Hil­fe­dings gefun­den hatte, ist im Herbst - nach der lan­gen Coro­na­pause - lei­der in den Ruhe­stand gegan­gen und ich hab keine Ahnung, wie die Nach­fol­ge­rin­nen sind. Meine pani­sche Angst vor ZÄ schlägt wie­der Pur­zel­bäume vor Glück. (Wie ich das hasse.)


Aber dann schickt das Lieb­lings­kind am frü­hen Abend eine Nach­richt, ob ich ihr was Klei­nes an der Web­seite machen könnte und ich bin glück­lich, dass ich damit wenigs­tens eine knappe Stunde mal wie­der sinn­voll beschäf­tigt und von allem ande­ren abg­lenkt bin.
Falls jemand Inter­esse an einer (bis jetzt noch) klei­nen Aus­wahl an Hin­ter­grund­fo­tos für Handy oder Tablet hat, kann ja ein­fach mal gucken gehen. Im Lauf der Zeit kom­men da sicher noch mehr dazu.


Im Land gilt grade Aus­gangs­sperre ab 21 Uhr und es ist fast gespens­tisch ruhig drau­ßen. Wie mit­ten in der Nacht, nur eben viel frü­her. Ob das Virus die freie Zeit wohl nutzt und irgend­wel­che Serien auf Net­flix guckt?

03-04-2021 Ich geb mir Mühe

Halb­wegs geschla­fen für ein paar Stun­den. Geträumt, dass da komi­sche kleine Vie­cher an mei­ner Wand sind, die bei Berüh­rung wach­sen und zu Fle­der­mäu­sen wer­den; jemand wollte sie raus brin­gen und tat sie dazu in sein Auto, wo sie sich rasant ver­mehr­ten und die­ser Jemand des­halb einen Unfall hatte. Ich hörte den ent­setz­li­chen Auf­prall, traute mich nicht zu gucken. Kurz auf­ge­wacht, umge­dreht, wei­ter geschla­fen und geträumt, dass ich im alten Job davon erzählte und dass der Jemand ein frü­he­rer Kol­lege sei.
Ja, das ist meine spe­zi­elle Fähig­keit: über meh­rere Schlaf­pha­sen hin­weg zusam­men­hän­gende Romane zu träu­men. Klingt bes­ser, als es ist.


Zum Früh­stück Twit­ter auf, zwei­d­rei Mel­dun­gen zu der x-ten “Demo” von Leerdenker*innen und dem über­aus wohl­wol­len­den Ver­hal­ten der dor­ti­gen Poli­zei gele­sen, kurz das Kot­zen bekom­men und dann beschlos­sen, mich heute nicht auf­zu­re­gen. Twit­ter zu.


Statt des­sen Haus­ar­beit: Abwasch, Wäsche, Bad, staub­saugen. Mecha­nisch ein­fach tun, nicht nach­den­ken, das ist auch mal gut.
Danach kam die Sonne raus und ich musste drin­gend noch­mal 187 Fotos von den wun­der­schö­nen Tul­pen machen, die ich am Mitt­woch zum Glück vom Ein­kauf mit­ge­bracht hatte und die mich jetzt bei jedem Blick für wenigs­tens den einen Moment freuen.

Ich geb mir ja Mühe.

(Mit der beschei­de­nen Han­dy­ka­mera foto­gra­fiert, dafür sind sie ganz okay.)

01-04-2021 April, April

Zehn Stun­den Schlaf. Nach einem Tag ohne heute wie­der mit Kopf­schmer­zen auf­ge­wacht, dazu seit Anfang der Woche eine erst ver­stopfte, jetzt lau­fende Nase. Ich glaube, ich schrieb das schon ein­mal: noch nie hatte ich so oft Schnup­fen wie seit die­sem Jahr mit der Pan­de­mie. Es reicht aber nie für rich­tig krank und mit Fie­ber ins Bett oder so, es düm­pelt nur vor sich hin und brennt in der Nase und nervt. Aber ich bin sowieso schlecht gelaunt, da macht das auch nichts mehr aus.


Ich wünschte, das alles (also die #aktu­el­le­Si­tua­tion) wäre ein rie­sen­groß ange­leg­ter April­scherz und irgend­je­mand käme und würde das auf­lö­sen. Aber das würde bedeu­ten, dass die Regie­run­gen auf der gan­zen Welt groß­ar­tig zusam­men arbei­ten könn­ten und das alleine wäre ja schon ein Witz.


Nacht­spei­cher­hei­zung und April­wet­ter pas­sen übri­gens nicht zusam­men und Wet­ter-Apps lie­gen sel­ten rich­tig in ihren Voraussagen.

Trotz­dem: das Licht ist anders, wenn die Sonne auf fri­sches Früh­lings­grün trifft. Wei­cher irgend­wie, und freund­li­cher. Dank der zwei som­mer­li­chen Tage explo­diert die Natur da drau­ßen grade und es beru­higt mich unge­mein, dass die sich nicht raus­brin­gen lässt und ein­fach ihren eige­nen Regeln folgt. Wenigs­tens eins, das wei­ter funk­tio­niert - mehr oder weni­ger eben, je nach­dem, ob Men­schen invol­viert sind.


Und dann noch das: Gedan­ken an Lili, meine See­len­katze, mein Miepje, die heute vor 28 Jah­ren auf die Welt kam und nach wie vor schmerz­lich ver­misst wird.

30-03-2021 Mütend und wüde

Das ist die neue Wort­krea­tion (gele­sen auf Twit­ter), die per­fekt zusam­men bringt, wie sich wohl grade ein gro­ßer Teil der Bevöl­ke­rung fühlt: zum einen wahn­sin­nig wütend über “die da oben”, die auch nach einem Jahr Pan­de­mie immer noch keine Stra­te­gie haben, aber immer wie­der über­rascht sind, dass die Vor­aus­sa­gen der Wis­sen­schaft­le­rin­nen wirk­lich zutref­fen und zum ande­ren ein­fach nur noch müde. Mütend eben - oder auch wüde, je nach­dem, wel­ches Gefühl grade etwas stär­ker ist.


Ich schlafe hunds­mi­se­ra­bel. Träume wir­res Zeug, das über­haupt kei­nen Sinn ergibt. Und ich wache seit län­ge­rem so gut wie jeden Tag mit Kopf­schmer­zen auf. Ich ver­mute, dass ich ein­fach so ver­dreht liege, dass Wir­bel­säule und Schul­ter- und Nacken­mus­ku­la­tur ein Eigen­le­ben ent­wi­ckeln. Keine Ahnung, was die da mit­ein­an­der trei­ben, aber es tut scheiß­weh.
Über mein Hilfe-Dings darf ich noch­mal eine Spende bean­tra­gen und es wird wohl doch nicht der Ergo­me­ter (den kann ich not­falls irgend­wie alleine finan­zie­ren), son­dern eine rich­tig gute neue Matratze. So geht das auf Dauer nicht weiter.


Ansons­ten und auch wegen der bei­den oben beschrie­be­nen Situa­tio­nen pas­siert hier grade nicht viel. Das ist schwer aus­zu­hal­ten und führt leicht in Boden­wel­len, aber ich kann es nicht ändern. Muss ich eben durch.

März, der 351ste

Ich bin ein­fach nur noch müde.
Stell­ver­tre­tend für meine Gedan­ken hier ein Thread von einem anderen.

Ich weiß nicht, wie lange sowas bestehen bleibt, ich ver­link es trotz­dem: alter­na­tiv gibt es den gan­zen Text hier in der threadreaderapp.

24-03-2021 Therapiestunde, die fünftletzte

Einen für meine Ver­hält­nisse frü­hen Ter­min zu haben, ist schwie­rig genug. Die Nacht davor aber nur vier Stun­den zu schla­fen, ist ein­fach mistig.

Drei Minu­ten vor dem Ende des Films, den ich ges­tern Nacht noch guckte, brach das Inter­net zusam­men. Damit ent­fiel dann auch mein “Ich geh jetzt wirk­lich gleich ins Bett”-Ritual, bei dem ich noch einen Moment Musik höre und eines die­ser klei­nen Spiel­chen dad­del, bei dem eins nicht nach­den­ken muss und schön müde wird.
Und so lag ich dann im Bett und konnte nicht ein­schla­fen. Da gehen dann die Augen von alleine auf, alles krib­belt und juckt, der eigene Herz­schlag dröhnt im Ohr und die gute Frau von der Medi­ta­ti­ons­app nervt ein­fach nur. Das ein­zige, was dann funk­tio­niert: auf­ste­hen, anzie­hen, Laven­del­tee kochen und mit dem und was zu lesen aufs Sofa. So lange, bis die Augen doch zufal­len. Vor allem aber: nicht unge­dul­dig wer­den, nicht zwingen.


Heute also die fünft­letzte The­ra­pie­stunde, nach 4 Wochen Pause wegen Urlaub. Das war ganz schön lang dies­mal. Ich weiß jetzt schon, dass ich die The­ra­peu­tin und das alles ver­dammt ver­mis­sen werde, auch wenn ich dies­mal recht zuver­sicht­lich bin, dass ich mit den wei­te­ren Auf­ga­ben alleine klar kom­men kann.
Viel­leicht setz ich mich dann ein­fach ein­mal in der Woche für 50 Minu­ten auf einen Stuhl und erzähl mir selbst was. Ihre Ant­wor­ten hab ich ja nach der lan­gen Zeit so ziem­lich im Kopf. Doch, das scheint mir eine gute Idee zu sein. Ihren Vor­schlag, nach­dem ich den Gedan­ken aus­sprach, ich könnte mich ja vor den Spie­gel set­zen, hab ich aber abge­lehnt. Das muss ja nun nicht echt sein, dass ich mich so lange angucke.


Wir spra­chen über meine Erin­ne­rung, dass ich in mei­ner Kin­der- und Jugend­zeit immer hin­tenan ste­hen musste, weil die Schwes­tern immer wich­ti­ger waren. Und über meine Wut, weil sie sich mit Krank­hei­ten und ande­ren Befind­lich­kei­ten Auf­merk­sam­keit geholt haben und ich das Gefühl hatte, das nicht zu dür­fen bzw. dass ich mich nicht traute. Mein Dilemma war, dass man in der Fami­lie am meis­ten Beach­tung bekam, wenn man krank war oder was ange­stellt hatte. Ich war aber sel­ten krank und Mist gebaut hab ich erst spä­ter. Der Satz mei­ner Mut­ter “Wie gut, dass du mir nicht auch noch Pro­bleme machst”, tat sein Übri­ges, mich still zu (ver)halten. Und wenn ich dann wirk­lich mal was wollte, drängte sich jemand anders dazwi­schen und nahm mir die Auf­merk­sam­keit weg.
Das beglei­tet mich auch heute noch. Ich traue mich sel­ten, in der Öffent­lich­keit was zu sagen, denn ich gehe i.d.R. davon aus, dass die Mei­nung ande­rer rich­ti­ger und wich­ti­ger ist - auch wenn ich innen mir drin weiß, dass ich recht habe mit dem, was ich denke. Ich kann es aber nicht nach außen ver­tre­ten. In Dis­kus­sio­nen bin ich unsi­cher, ver­gesse alle Argu­mente, kann mich nicht behaup­ten. Ich ver­zichte lie­ber, als mich auf eine Aus­ein­an­der­set­zung ein­zu­las­sen. Und ich sage nicht, wenn ich etwas brau­che, weil ich es ja sowieso nicht bekomme. Ich bin wütend, wenn mir jemand etwas nimmt, aber ich wehre mich nicht. Ich leide still, ich “beläs­tige” andere nicht, wenn es mir nicht gut geht. Ich lebe lie­ber jah­re­lang mit Ein­schrän­kun­gen, als jeman­den um Hilfe zu bit­ten. Weil mir das nicht zusteht.

Mir fällt “Karls­son vom Dach” dabei ein. Meine schlimmste Hass­fi­gur aus der Kind­heit. Einer, der sich mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit alles nimmt, was er will, ein­fach so. Der keine Rück­sicht auf andere nimmt. Der ande­ren die Schuld an sei­nen Unar­ten gibt.
Ich war umge­ben von sol­chen Karls­sons. Ich war wütend dar­über, aber ich konnte mich nicht weh­ren, konnte nicht ein­ste­hen für mich. Ein Gefühl der Ohn­macht, das noch wüten­der machte.
Wut war aber immer ver­bo­ten, darum ließ sich die­ses Gefühl auch nicht auf­lö­sen oder ver­än­dern, es gab kei­nen Ersatz dafür. Die Wut blieb in mir ste­cken und setzte sich als dicker Klum­pen im Magen fest.
Das ist bis heute so. Wut darf nicht sein, denn sie ist schlecht. Und wenn ich wütend bin, bin auch ich als Gan­zes schlecht. Erst ganz all­mäh­lich gestehe ich sie mir zu — und nur dadurch kann ich irgend­wann damit hof­fent­lich umge­hen.
Denn Wut bedeu­tet: da stimmt was nicht. Da läuft was schief, da ist eine Unge­rech­tig­keit, da drän­gelt sich jemand vor - nein, da lasse ich zu, dass sich jemand vor­drän­gelt. Manch­mal ist es auch “nur” die Erin­ne­rung an eine frü­here Ver­let­zung; das ist das schwie­rigste im Moment, das dann zu erken­nen und das Frü­her von dem Heute zu tren­nen. Aber ich merke: je bes­ser ich den alten Stim­men aus der Ver­gan­gen­heit etwas ent­ge­gen set­zen kann, desto bes­ser kann ich das aus­ein­an­der hal­ten und ein­sor­tie­ren. Weil ich mich heute ernst nehme. Weil ich mir zuge­stehe, eine Stimme zu haben. Weil nie­mand mehr über mich bestim­men kann.


Ich bin weit gekom­men im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr, aber ver­dammt, die letz­ten vier The­ra­pie­stun­den könn­ten echt knapp werden.

22-03-2021 Meh

Kalt, grau, unge­müt­lich. Die Tage sind wie Kau­gummi: schon nach den ers­ten paar Mal kauen zäh und ohne wirk­li­chen Geschmack.
Ich könnte an Web­sei­ten rum­bas­teln, hab aber keine Moti­va­tion und keine Lust. Ich könnte auch gemüt­lich auf dem Sofa hocken und lesen, aber dabei schlaf ich bloß ein und dann bin ich nachts wach, das ist auch keine Lösung. Ich könnte Pläne machen, Fotos bear­bei­ten, Lis­ten schrei­ben, dies und jenes tun oder alles auch las­sen, weil es kei­nen Unter­schied macht.

Mir fehlt … ja, was denn? (Doch, ich weiß schon, was. Ist aber völ­lig uto­pisch.) Und würde sich an mei­ner Unmo­ti­va­tion dann wirk­lich etwas ändern?

Ach, blöd.


Nach­ge­reicht (aus mal wie­der aktu­el­lem Anlass): ein ver­zwei­fel­ter Rant.

Was mich neben all dem Lau­ten an mei­nen Ober­nach­barn noch so immens stört, ist, dass sie mir unge­fragt ihr hal­bes Leben auf­drü­cken. Sie zwin­gen mich mit ihrer Rück­sichts­lo­sig­keit, mit­zu­er­le­ben, was sie grade machen.
Ich muss ihre Musik mit hören, die ich furcht­bar finde. Ich weiß, dass sie gleich essen wer­den, weil alles auf den Tisch geknallt wird und die Stühle über den Fuss­bo­den gezo­gen wer­den. Ich kriege mit, wenn sie sau­ber machen, weil der Staub­sauger mit Kara­cho in jede Ecke und an jede Wand stößt. Ich erlebe jeden Wut­an­fall vom Kind mit und die gebrüllte Reak­tion dar­auf. Ich weiß auch, wenn das Kind krank ist, weil es dann meis­tens irgend­wann in der Nacht mit Geschrei auf­wacht - und ich weiß, dass er davon genervt ist, weil er dann rum­me­ckert. Nachts. In der glei­chen Laut­stärke, in der er das Kind tags­über anmotzt. Ich weiß, wann sie abends auf­räumt, weil sie dann von Zim­mer zu Zim­mer rennt (und anschei­nend ihre Schuhe auch drin­nen an behält). Ich höre und rie­che, wenn sie Besuch haben und auf dem Bal­kon zum Rau­chen hocken. Ich weiß, dass er es ist, der unten zum Haus rein kommt, weil er mit allem, was er in der Hand hat, gegen die Wand don­nert (es ist sehr eng dort, weil ihr alter, nicht mehr benutzte Kin­der­wa­gen da immer noch steht) und alle Türen unten und oben zu schmeißt. Ich weiß sogar, wann er auf dem Klo war, weil er danach den Klo­de­ckel ein­fach fal­len lässt.

Ich will das alles aber nicht wis­sen. Es inter­es­siert mich nicht. Es ist mir sogar scheiß­egal. Es sind keine Freunde, sie woh­nen nur im glei­chen Haus. Und selbst von Freun­den würde ich ganz vie­les gar nicht wis­sen wol­len. Aber ich kann dem nicht ent­kom­men, weil es ihnen scheiß­egal ist, ob und wer sie ertra­gen muss.

Warum es mich noch nervt: weil ich weiß, dass es anders sein kann. In den 35 Jah­ren, die ich hier lebe, hatte ich einige Ober­nach­barn. Nie, wirk­lich nie war jemand so laut, so rück­sichts­los wie diese.
Oder hatte ich bis­her ein­fach nur rie­si­ges Glück?

20-03-2021 Frühlingsanfang, kalendarisch

Sams­tag­mor­gen. Gegen halb acht das erste Mal auf­ge­wacht (wovon oder bes­ser von wem muss ich nicht schrei­ben, oder?). Umge­dreht, wei­ter geschla­fen, 2 Stun­den spä­ter wie­der wach und es ist immer noch Sams­tag und es liegt immer noch das ganze Wochen­ende vor mir, das irgend­wie gefüllt wer­den will.
Was, wenn ich dem Tag ein­fach die Tür vor der Nase zuknall und ein Schild “Ruhe!!” dran hänge?


Die letzte Woche war auf und ab, von hier bis da, wie so oft. Am Anfang noch gut dosierte Beschäf­ti­gung mit der Web­seite für den Schwie­ger­freund, die jetzt so aus­sieht, wie ich es mir im Kopf vor­ge­stellt hab. Sonn­tag bis Mitt­woch je ca. 2 bis 3 Stun­den Arbeit: das gibt dem Tag Struk­tur und Sinn. Dazu Tele­fo­nate mit der Toch­ter, die das Herz wär­men. Keine Zeit zum Grü­beln. Ich blühe auf, werde wach und zuver­sicht­lich.
Am Don­ners­tag gebe ich mir frei und ver­gam­mel den Tag (nach dem Wochen­ein­kauf) bewußt mit schö­nen Din­gen. Der Frei­tag star­tet müde, lust­los, mit Schmer­zen in Kopf und Gelen­ken und wird auch nicht bes­ser. Aber wenn ich jetzt so zurück schaue, dann sind irgend­wie doof tat­säch­lich nur die bei­den letz­ten Tage gewe­sen, obwohl sie sich wie eine Woche anfüh­len und viel­leicht ist es doch gar nicht so schlimm.


Heute ist Früh­lings­an­fang, wenigs­tens kalen­da­risch. Noch ist kaum etwas zu mer­ken, das übli­che Grau in Grau herrscht vor, gepaart mit nächt­li­chen Minus­tem­pe­ra­tu­ren. Bunt ist da drau­ßen noch nichts, aber ich merke doch deut­lich, dass es län­ger hell ist und die Sonne - so sie es durch die Wol­ken schafft - wei­ter über das Haus gegen­über scheint. Der Seele tut es gut, wenigs­tens das.


Auf Twit­ter bin ich dabei, mir um mei­ner men­ta­len Gesund­heit wil­len eine Corona-freie Liste zusam­men zu stel­len und das ist wirk­lich rich­tig schwer gewor­den. Eigent­lich kann ich da nur noch Accounts rein packen, die sowieso nur Lyrik, Kunst oder Foto­gra­fie als Thema haben - bei prak­tisch allen ande­ren ist die #aktu­el­le­Si­tua­tion durch­gän­gig oder wenigs­tens immer wie­der dabei, sei es als eige­ner Tweet oder als Ret­weet.
Klar, ich könnte Twit­ter auch ein­fach zu las­sen, aber ich stö­ber da eben gerne beim ers­ten Kaf­fee rum, lese Nach­rich­ten, hole mir Anre­ge­un­gen und infor­miere mich grund­sätz­lich. Twit­ter ist für mich, was für andere die Tages­zei­tung ist - und ich brau­che das, ich will meine Augen nicht zuma­chen, ich will wis­sen, was in der Welt los ist. Nur manch­mal wird das alles zuviel und damit meine ich gar nicht das Geme­cker, son­dern grund­sätz­lich die Anzahl und Dichte der Mel­dun­gen. Manch­mal fühle ich mich über­schwemmt davon, dann muss ich eine Grenze zie­hen. Und dann wär es schön, mehr Accounts zu lesen wie den von Antje, die die Mei­sen filmt oder von Nick Sie­ben, der vom WG-Leben mit sei­ner Bade­zim­mer­spinne erzählt. Nun ja, bis die Pan­de­mie vor­bei ist, hab ich die Liste dann sicher auch gut gefüllt.


Spät hab ich es gemerkt, aber immer­hin: ich kann Musik auf Spo­tify ja auch im Web­brow­ser hören! So gut. Mein PC ver­kraf­tet es näm­lich nicht mehr, wenn er neben ande­ren Pro­gram­men auch noch Spo­tify aus­füh­ren soll; beson­ders bei der Kom­bi­na­tion mit Pho­to­shop hängt er sich nach ein paar Minu­ten kom­plett auf. Dabei hör ich doch so gerne Musik beim arbei­ten - aber jetzt! Ha.


Außer Musik kann frau auf Spo­tify z.B. auch Pod­casts hören, wobei ich da ja lei­der oft ein­schlafe. Wenn aller­dings meine Lieb­lings­toch­ter im Gespräch mit Einem *) ist, dann hör ich natür­lich von Anfang bis Ende zu 😉
(Übri­gens muss ich sie berich­ti­gen: ich stand mit ihr zusam­men vor dem Schau­fens­ter vom Tat­too­la­den nebenan und stellte mir ins­ge­heim vor, wie sowas wohl auf mir aus­se­hen würde …)

*) Soge­nannte Coa­ches sind mir i.d.R. suspekt, da macht die­ser keine Aus­nahme. Kommt mit Sicher­heit davon, dass die gan­zen Sprü­che (“Du musst ein­fach nur dies oder das machen, dann wird alles gut und du wirst von alleine schlank und beliebt und erfolg­reich und einen Part­ner fin­den und mir die Taschen voll Geld machen”) mich als depres­si­ven Men­schen eher run­ter zie­hen als moti­vie­ren. Mich nervt zudem das per­ma­nente posi­tiv den­ken (“WOW! Wie toll! Das ist ja groooß­ar­tig!”), aber wenn es mei­ner Toch­ter gut geht damit, dann freu ich mich für sie. Und passe wei­ter­hin auf, dass sie nicht an die fal­schen Leute gerät. Das ist mein Job als Mut­ter, egal wie alt das Kind ist.


Und wenn ich schon beim Loben bin: Wor­d­Press hat in der neu­es­ten Ver­sion end­lich gelernt, dass einer mei­ner am meis­ten genutz­ten Blö­cke nach dem Absatz das Trenn­zei­chen ist und es mir in die ent­spre­chende Gruppe gepackt, so dass ich nicht mehr jedes ver­dammte Mal danach suchen muss. Das wurde auch Zeit.

16-03-2021 Energieverbrauch und alte Glaubenssätze

Ver­gan­ge­nen Sams­tag saß ich in einer von vie­len Pau­sen zwi­schen put­zen, staub­saugen und haus­hal­ten und dachte: das ver­steht auch nur jemand, der_die selbst davon betrof­fen ist. Dass so eine eigent­lich banale Tätig­keit mich kör­per­lich und men­tal so erschöpft, weil ich alleine für die Pla­nung und das Vor­neh­men und den Impuls, wirk­lich los­zu­le­gen, schon unge­fähr 20% der Ener­gie brau­che, die ich für die ganze Auf­gabe ins­ge­samt zur Ver­fü­gung habe.

Und auch wenn ich das “60 ist das neue 100” schon viel bes­ser akzep­tie­ren kann als vor zwei Jah­ren, bin ich oft so über­haupt nicht glück­lich dar­über. Natür­lich kann ich mir immer wie­der sagen, dass ich ja Zeit hab und kei­nen Druck und dass nur mein eige­nes Tempo zählt, aber es führt mir eben auch immer die Gren­zen vor Augen, die mir die Krank­heit setzt.
Und dann wird mir auch klar, dass Igor schon sehr lange Zeit vor der offi­zi­ell gestell­ten Dia­gnose zu mei­nem Beglei­ter wurde, denn das mit dem Ener­gie­ver­brauch kenne ich schon seit mei­ner Kindheit.


Wäh­rend der letz­ten Schne­cken­hau­s­epi­sode rückte ein neuer alter Glau­bens­satz der inne­ren Stimme in den Vor­der­grund, der mich grade viel beschäf­tigt, auch im Hin­blick auf die Energie.

“Jam­mern ist nicht erlaubt. Schon gar nicht, wenn sich etwas sowieso nicht ändern lässt oder wenn es gar nicht schlimm ist und es ande­ren viel schlech­ter geht. Erst recht ist jam­mern abso­lut unmög­lich, wenn du nicht gleich­zei­tig bereit bist, die Sache zu ändern, die dir Beschwer­den macht.”

Je län­ger ich die Sätze wir­ken lasse und drü­ber nach­denke, desto mehr fällt mir ein, was sie für Aus­wir­kun­gen hat­ten und noch haben. Zum Bei­spiel, dass es mir so schwer fällt, um Hilfe zu bit­ten. Dass ich so sel­ten sage, wenn ich Schmer­zen habe oder krank bin. Dass ich alles im wahrs­ten Sinn in mich rein gefres­sen habe.
Wenn ich noch ein biß­chen in den Ver­gan­gen­heits­kis­ten wühle, taucht mit Sicher­heit noch mehr auf. Ganz aktu­ell ist es natür­lich die Pan­de­mie­si­tua­tion und dass ich inzwi­schen auch nur noch genervt und erschöpft bin. Aber ich bin ja pri­vi­le­giert im Ver­gleich mit ande­ren, also darf ich auch nicht jam­mern. Oder doch?

Jam­mern heißt, mich zu zei­gen. Eine ver­letz­li­che Seite offen zu legen. Schwach und hilf­los zu sein und es zuzu­ge­ben. Im ers­ten Moment sind das alles nega­tiv besetzte Eigen­schaf­ten — aber sind sie das wirk­lich? Theo­re­tisch weiß ich, dass es da auch eine gute Seite gibt, aber die muss noch ins Füh­len wan­dern. Da gibt’s noch viel zu tun.

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