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Kategorie: Alltag

Langsames Ankommen

Langsames Ankommen

Seit gut einer Woche bin ich nun wieder zuhause. Der Trennungsschmerz wird ganz langsam – nein, nicht weniger, nur etwas aushaltbarer. Es hilft sehr, die Handvoll Menschen und vor allem den Einen weiterhin lesen zu können und nicht ganz loslassen zu müssen.

Dennoch sind so viele Gedanken mit ihnen verknüpft und jedes Mal ist die Erinnerung ganz nah: wenn ich Fahrrad fahre oder Paprika esse, wenn ich Bilder von der Ostsee sehe, mein neues (nicht schwarzes!) T-Shirt trage oder Möwen auf Sachen sitzen.
Dann wünsche ich mich zurück in diese Gemeinschaft, in der wir zusammen unbeschwert und fröhlich sein konnten, weil wir unsere dunklen Seiten genauso miteinander trugen. Dann möchte ich wieder am runden Tisch sitzen und schweigend frühstücken oder abends über alles und nichts reden. Dann sehne ich mich nach der Nähe und den Umarmungen, die ich so lange vermisst habe.

Aber es ist auch gut, zuhause zu sein. Es gilt jetzt, das Gelernte zu vertiefen, im Alltag zu erproben und in mein Leben zu integrieren. Ich kann mir das nicht wieder entgleiten lassen: das bin ich mir schuldig, dafür habe ich zu hart darum gekämpft. Das bin ich auch den Menschen schuldig, die mich so sehr begleitet haben in den 10 Wochen. Dass wir uns gegenseitig zur Seite stehen auf diesem Weg: das ist der große Schatz, den ich in Malente gefunden habe. Den geb ich nicht mehr her.

Auf geht’s.

Entscheidung, die

Entscheidung, die

Entscheidung, die
Definition: die Wahl einer Handlung aus mindestens zwei vorhandenen potenziellen Handlungsalternativen unter Beachtung der übergeordneten Ziele.

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Entscheidungen treffen: eine meiner schwersten Übungen, im Kleinen wie im Großen.

Was ziehe ich an? Was esse ich? Wann mach ich was? Dusche ich jetzt oder später? Gehe ich erst einkaufen oder mach ich erst den Haushalt? Mache ich den Themenbaustein der Weiterbildung weiter oder melde ich mich krank?

Manchmal verbringe ich eine halbe Ewigkeit damit, so eine Entscheidung zu treffen. Manchmal stecke ich den Kopf in den Sand und hoffe, dass der Kelch (das Problem) an mir vorüberzieht (das passiert natürlich so gut wie nie). Oft hab ich ein schlechtes Gewissen (mir gegenüber) oder das Gefühl, ich müsste mich weiter rechtfertigen (anderen gegenüber), wenn ich mich dann doch entschieden habe. Oft zweifel ich noch lange nach der Entscheidung, ob ich mich wirklich richtig entschieden habe.

Ich hasse es, mich für eine einzige Option entscheiden zu müssen. Wählen zu müssen. In die Zukunft blicken zu müssen. Den Ansprüchen an mich selbst gerecht werden zu müssen. „Entweder – oder“ ist eine miserable Option, ich will eine Verbindung.

Das Babier-Paradoxon (nach Bertrand Russell, Philosoph, Mathematiker und Logiker):

Man kann einen Barbier als einen definieren, der all jene und nur jene rasiert, die sich nicht selbst rasieren.

Stellt sich die Frage: Rasiert der Barbier sich selbst? Bei dem Versuch die Frage zu beantworten ergibt sich ein Widerspruch. Rasiert der Mann sich selbst, ist er kein Barbier mehr, weil ein Barbier jemand ist, der nur andere rasiert, nicht aber sich selbst. Rasiert er sich nicht selbst, gehört er zu all jenen Männer, die sich nicht selbst rasieren und müsste damit sein eigener Kunde sein. Erkennen Sie das Problem? Widerstrebt es Ihnen dieses zu akzeptieren?

Es widerstrebt uns, Widersprüche zu akzeptieren. Wir wollen die einfache Lösung. Automatisch verspüren wir den Wunsch, die Widersprüchlichkeit zu reduzieren. Doch was dabei vergessen wird ist, dass beide Optionen nebeneinander existieren können. Mit dem Blick auf das menschliche Wesen wird immer wieder darüber gestritten, ob der Mensch gut oder böse ist. Statt sich nun für eins zu entscheiden, lautet die komplementäre Antwort: Der Mensch ist gut und böse. Es ist eine Ergänzung beider Gegensätze.

Das lässt sich auch auf die persönliche Ebene übertragen. Bei Fragen wie:

  • Freiheit oder Sicherheit?
  • Ordnung oder Chaos?
  • Nähe oder Distanz?
  • Vertrauen oder Kontrolle?

Was wir im Grunde wollen, ist das Beste von beiden Optionen. Daher braucht es einen Kompromiss. Ein Weg, um mit Widersprüchen umzugehen, besteht also darin einen Kompromiss zu finden. Heruntergebrochen auf eine einfache Formel: Finden Sie eine Lösung, die beide Ansprüche teilweise befriedigt.

  • Verabschieden Sie sich vom Entweder-Oder-Denken. Statt beide Optionen als unvereinbar zu begreifen, versuchen Sie diese als zwei Teile eines Ganzen zu sehen. Sie müssen nicht das eine für das andere aufgeben, sondern nach einem Weg suchen, beide Seiten miteinander zu verbinden.
  • Entscheiden Sie über die Gewichtung. Was ist Ihnen wirklich wichtig? Das hängt von Ihrer Situation ab und kann sich jederzeit ändern. Hier geht es vor allem darum, herauszufinden, welche Mischung die richtige ist. Was fühlt sich gut an. Dabei kann beispielsweise das Bedürfnis nach Freiheit und mal jenes nach Sicherheit überwiegen.
  • Suchen Sie nicht nach dem richtigen Weg. Der Begriff „richtig“ suggeriert, dass es einen allgemeingültigen Weg oder eine allgemeingültige Entscheidung gäbe. Doch für die meisten Situationen trifft das nicht zu. „Richtig“ ist deswegen immer im Kontext von „für mich richtig“ zu sehen. Behalten Sie das im Hinterkopf, fällt es Ihnen leichter sich von Erwartungen zu lösen.

Quelle

Im konkreten Fall, jetzt grade: „Schwänze“ ich den Kurs oder „quäle“ ich mich durch? Könnte ich beide Seiten miteinander verbinden? Was ist mir wirklich wichtig? Was ist für mich richtig?

Nächste Schritte

Nächste Schritte

Die Entscheidung ist getroffen, die Verträge unterschrieben: ein weiteres Mal werde ich für ein halbes Jahr in den Lern-Modus wechseln. Das Institut am Michel ist das gleiche wie im letzten Jahr, der Lernstoff spannend und schon etwas vertraut – ich freu mich drauf.

Ja, ich freu mich, auch wenn (oder gerade weil?) es bedeutet, dass ich die Disziplin wieder ins Haus lassen muss. Morgens im Dunkeln aufstehen, abends rechtzeitig ins Bett, um genug Schlaf zu bekommen, regelmäßige Mahlzeiten, ein großes Pensum an von außen auferlegter Arbeit bewältigen.
Es bedeutet auch, fremde Menschen in einer überfüllten, überheizten U-Bahn zu ertragen, den halben Tag unter Kopfhörern zu verbringen, neue Menschen kennen zu lernen und an mich ran zu lassen.
Beim ersten Mal hat es gut funktioniert – wird es das wieder? Darf ich darauf hoffen? Darf ich so viel Glück haben?

Darf ich so viel Glück haben? Steht mir das zu?

Ein anderer, wichtiger Schritt: ich hole mir Unterstützung für diese eine, so furchtbar ungeliebte Arbeit, die eben getan werden muss. Denn es hilft niemandem und am wenigsten mir, wenn ich regelmäßig Heulkrämpfe und Prokrastinierungsanfälle kriege und die Arbeit auf diese Weise auch nicht schaffe. Wenn ich an dieser Stelle nicht schnell einen Schnitt mache, bin ich irgendwann wieder da, wo ich vor fast fünf Jahren zusammen gebrochen auseinander gefallen bin.

Immer wieder muss ich das vor mir selbst rechtfertigen und akzeptieren: ich kann nur noch arbeiten, was ich kann. Ich habe Fähigkeiten und ich kann Neues lernen, aber nicht in allen Bereichen. Ich habe, wie jeder andere Mensch auch, Grenzen. Deswegen bin ich nicht unwert oder unfähig – oder?

Darf ich meine Grenzen setzen und Arbeit ablehnen? Steht mir das zu?

Eigentlich

Eigentlich

Eigentlich geht es mir ja ganz gut dieser Tage. Die Grundstimmung ist freundlich, zeitweise sogar sonnig. Das Leben ist in Ordnung.

Aber immer noch möchte ich mich immer wieder nach dem Aufstehen am liebsten gleich wieder hinlegen und schlafen. Immer noch fühle ich mich immer wieder so unendlich müde.

Siegt da der Körper über den Geist? Oder will mir meine Psyche irgendwas sagen?
Ich geh mal drüber nachdenken schlafen.

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