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Kategorie: Gedanken

Langsames Ankommen

Langsames Ankommen

Seit gut einer Woche bin ich nun wieder zuhause. Der Trennungsschmerz wird ganz langsam – nein, nicht weniger, nur etwas aushaltbarer. Es hilft sehr, die Handvoll Menschen und vor allem den Einen weiterhin lesen zu können und nicht ganz loslassen zu müssen.

Dennoch sind so viele Gedanken mit ihnen verknüpft und jedes Mal ist die Erinnerung ganz nah: wenn ich Fahrrad fahre oder Paprika esse, wenn ich Bilder von der Ostsee sehe, mein neues (nicht schwarzes!) T-Shirt trage oder Möwen auf Sachen sitzen.
Dann wünsche ich mich zurück in diese Gemeinschaft, in der wir zusammen unbeschwert und fröhlich sein konnten, weil wir unsere dunklen Seiten genauso miteinander trugen. Dann möchte ich wieder am runden Tisch sitzen und schweigend frühstücken oder abends über alles und nichts reden. Dann sehne ich mich nach der Nähe und den Umarmungen, die ich so lange vermisst habe.

Aber es ist auch gut, zuhause zu sein. Es gilt jetzt, das Gelernte zu vertiefen, im Alltag zu erproben und in mein Leben zu integrieren. Ich kann mir das nicht wieder entgleiten lassen: das bin ich mir schuldig, dafür habe ich zu hart darum gekämpft. Das bin ich auch den Menschen schuldig, die mich so sehr begleitet haben in den 10 Wochen. Dass wir uns gegenseitig zur Seite stehen auf diesem Weg: das ist der große Schatz, den ich in Malente gefunden habe. Den geb ich nicht mehr her.

Auf geht’s.

PMR Malenter Art

PMR Malenter Art

Wenn das Signalwort kommt,
aktivieren Sie bitte Ihren verkümmerten Herzmuskel.

Anspannen — jetzt.

Wie hätte ich ahnen können,
dass da mit Dir Einer sein wird,
der mir gut tut
der mich sieht
der mich gar mag?
Ich wollte das nicht.
Ich hatte ganz andere Themen.

Und halten —

Aber es tut gut
gesehen zu werden
gemocht zu werden
getragen zu werden für ein Stück Weg.

halten —-

Und es tut gut
zu sehen
zu mögen
zu tragen für ein Stück Weg.

halten —

Ich möchte behalten, was da ist.
Ich möchte mehr von dem, was da ist.
Ich möchte mitnehmen, was da ist.
Du nicht.
Du nicht?

Und lösen —-

Siehst du noch?
Magst du noch?
Trägst du noch, gemeinsam mit mir, was da ist?
Oder entfernst du dich bereits?

Nachspüren —

So schnell
so vertraut.
Bin ich zu nah?
Will ich zuviel?
Was willst Du?

Und los lassen —

Ich lasse dich
los.

Ich vermisse dich.

Malente in Sicht

Malente in Sicht

Heute kam endlich der erlösende Anruf: nächsten Donnerstag kann ich in die Klinik nach Malente.

Das Warten hat ein Ende, die Aufregung kann beginnen. Was brauch ich noch, was muss mit, wie kriege ich mein Gepäck transportiert und wie werde ich die Angst los? Was wird dort geschehen, schaffe ich es, an meinem Thema zu arbeiten, werde ich vorwärts kommen, wie sehr wird es weh tun? Und die vielen anderen Menschen da, wie halte ich das aus? Will ich das überhaupt wirklich??

Unnütz, sich Gedanken zu machen vorher, das weiß ich doch. Trotzdem: das Gedankenkarussell lässt sich schwer stoppen, wenn es einmal in Gang gesetzt wurde.

Der Sisyphos-Traum

Der Sisyphos-Traum

Vor ein paar Nächten war er wieder da, der Traum, den ich so oft in immer ähnlicher Form träume:

Ich sitze in einem Auto, neben mir eine Freundin, und fahre zur Schule, weil die Tochter irgendetwas braucht. Ich habe mein Ziel immer vor Augen, weiß genau, wo ich hin muss, aber die Straße verändert sich dauernd. Mal ist meine Fahrspur weg, im nächsten Moment ist sie voller Kurven, dann gerate ich in eine Sackgasse und muss wenden, einmal fahre ich direkt auf eine Wiese, wo es nicht weiter geht und zuletzt ist der Weg voll mit Geröll, Felsen und spitzen Steinen und noch dazu so steil, dass ich das Gaspedal bereits bis unten durchgedrückt habe und trotzdem in weniger als Schrittgeschwindigkeit voran komme – selbst Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, überholen mich. Ich aber bleibe im Auto sitzen und verfolge beharrlich meinen Weg; etwas anderes kommt mir gar nicht in den Sinn.

So bin ich auch im Leben unterwegs. Ich bestimme nicht selbst, wo es lang geht. Ich nehme jede Störung von außen als gegeben hin und versuche mich anzupassen. Ich verfolge ein mir aufgelegtes Ziel ohne nachzufragen, ob es Sinn hat. Ich bleibe im Auto sitzen, obwohl ich nicht vorwärts komme.

Aber auch wenn ich mich irgendwann einmal freiwillig ins Auto gesetzt habe, darf ich jederzeit überprüfen, ob es noch das passende Verkehrsmittel ist. Ich darf aussteigen und einfach mal eine Pause machen. Ich darf zurückschauen, nachdenken, entspannen, neu überlegen. Und wenn etwas keinen Sinne mehr hat, darf ich es auch sein lassen.

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