Ein gutes, volles Jahr

Eigent­lich wollte ich die­ses Mal einen aus­führ­li­chen Jah­res­rück­blick schrei­ben, so rich­tig für jeden Monat und mit Fotos und so. Auch über die Wochen in Malente und die The­ra­pien wollte ich schrei­ben, bevor alles aus dem Gedächt­nis ver­schwun­den ist. Und über­haupt schrei­ben, öfter. Die Zeit wäre auch da gewe­sen, weil ich seit inzwi­schen 10 Tagen ter­min­frei habe und nur zuhause bin. Und dann fehlte die Lust, die Ener­gie, die Moti­va­tion. Seit dem Som­mer war ich (für meine Ver­hält­nisse) durch­gän­gig so aktiv, dass ich mich nur noch nach Ruhe und Nichts­tun sehnte - und das hab ich mir dann auch gegönnt. Spät (sehr spät) ins Bett, lange schla­fen, lange früh­stü­cken, lesen, rum­gam­meln, schla­fen, essen, gam­meln und am nächs­ten Tag von vorne. Das war echt so nötig. Jetzt ist nur die Frage, wie ich wie­der in den nor­ma­len Rhyth­mus finde …

Aber bevor hier nun gar kein Rück­blick kommt, kram ich wie­der die bekann­ten Fra­gen raus und schreib wenigs­tens ein biß­chen was. Für das andere hab ich ja noch Zeit.


15 Fragen für einen persönlichen Jahresrückblick

(Dis­clai­mer: Die Fra­gen sind teil­weise durch die bekann­ten Fra­ge­bö­gen von Max Frisch und Mar­cel Proust inspiriert.)

  1. Wofür bist du dankbar?

Für Malente. Dass es die­ses Jahr geklappt hat, dass ich zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort war, wun­der­bare Men­schen getrof­fen und uner­mess­lich viel gelernt habe, das ich anwen­den kann. Es war ein­fach perfekt.

Dank­bar bin ich auch immer wie­der für die ande­ren Men­schen in mei­nem Umfeld, die mich stär­ken und stüt­zen und denen ich etwas bedeute (ja, das zu erken­nen und anzu­neh­men hab ich auch die­ses Jahr gelernt). Sie sind mein sozia­les Netz, auf das ich mich ver­las­sen kann.

Außer­dem bin ich mei­ner The­ra­peu­tin dank­bar, die mich seit 2018 mit unend­lich viel Geduld und Herz­wärme über alle Berge und durch alle Täler beglei­tet hat. Auch wenn ich die meiste Arbeit geleis­tet hab, hat sie mir doch den Raum gege­ben, in dem ich den­ken, for­mu­lie­ren, erken­nen, wei­nen, lachen, wütend sein, ler­nen und wach­sen konnte. Mit ihr zusam­men hab ich die Sicher­heit gefun­den, dass ich ab jetzt ohne sie wei­ter gehen kann.

  1. Was war in die­sem Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

For­mu­lare aus­fül­len.
Haha, nein, natür­lich nicht. Es musste trotz­dem sein für alles mög­li­che. Unter ande­rem weil ich ab mor­gen Rent­ne­rin bin, was sich finan­zi­ell lei­der nicht bemerk­bar macht, aber wenigs­tens bin ich nicht mehr vom Job­cen­ter abhängig.

  1. Was war dein größ­ter Fehler?

Nicht alles war gut, aber rich­tig falsch war nichts.

  1. Wann warst du glücklich?

Wenn es schöne Begeg­nun­gen mit den Men­schen von Frage 1 gab - und wenn ich danach wie­der allein war.
Als ich gemerkt habe, wie die Erkennt­nisse aus acht Jah­ren ambu­lan­ter The­ra­pie und denen in Malente zu wir­ken anfin­gen und ich immer auf­rech­ter, kla­rer und ruhi­ger wurde.
Drau­ßen in der Natur.
Als ich mein gedruck­tes Gedicht­buch aus­ge­packt hab.

  1. Warum hast du das nicht öfter gemacht?

Das mit dem Drau­ßen hätte ich wirk­lich öfter machen sol­len, auch wenn der olle Kör­per “och nö” sagte. Alles andere war, wie es war und hält an.

  1. Was hat sich verändert?

Alles. Ich.
Igor ist jetzt ein stol­zer Assistenzhund.

  1. Wor­auf bist du stolz?

Auf mich.

  1. Wer waren in die­sem Jahr die 3 wich­tigs­ten Men­schen für dich?

Die Toch­ter, Freun­din D. und die The­ra­peu­tin. Direkt dahin­ter alle aus Frage 1.

  1. Wis­sen diese Men­schen das?

Ja.

  1. Mit wem hät­test du gern mehr Zeit verbracht?

Mit Freun­din B. und der Katze. Mit den Therapeut:innen in Malente.

  1. Und mit wem weniger?

Mit Behör­den und For­mu­la­ren. Ich hasse es, das ändert sich nicht.

  1. Was hast du zum ers­ten Mal gemacht?

Ich war Anfang Februar seit min­des­tens 20 Jah­ren das erste Mal wie­der auf einer Demo und kurz danach gleich noch­mal.
Außer­dem hab ich große Män­ner ange­brüllt *ggg*, Sport gut gefun­den, mich selbst als schön gese­hen und einen Teil mei­ner Gedichte ver­öf­fent­licht dru­cken lassen.

  1. Magst du dein Leben?

Es gibt noch Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten, aber ja, meis­tens schon.

  1. Was sind die drei wich­tigs­ten Dinge, die du in die­sem Jahr gelernt hast?

Woher meine Wut kommt und dass ich sie selbst regu­lie­ren kann. Dass ich nicht mehr hilf­los aus­hal­ten muss.
Dass Sport gut tun kann.
Dass ich für mich an ers­ter Stelle ste­hen darf. Ich nehme des­halb nie­mand ande­rem etwas weg.

  1. Mit wel­chem Satz lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

Ich darf jetzt ern­ten, was ich in den Jah­ren vor­her mit har­ter Arbeit gesät habe.

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