Hilfebedürftig, Teil 3 - Update

Nach dem Schwim­men war das zweite Pro­jekt bei OdW die Reit­the­ra­pie. Ich hatte mich so gefreut, dass ich keine wie auch immer gear­te­ten Vor­aus­set­zun­gen erfül­len muss, son­dern ein­fach hin­ge­hen darf. Ein­fach so, weil es zum Ange­bot gehört. Weil es jede*r in Anspruch neh­men darf, die*der will. 

Dies­mal hab ich es wenigs­tens aus­pro­biert, bevor ich es wie­der abge­sagt hab. Dies­mal war es wenigs­tens nicht die Angst, die im Weg stand, son­dern nur meine blö­den Füße mit den scheiß­ver­damm­ten chro­ni­schen Ent­zün­dun­gen. Naja, doch, viel­leicht auch ein klei­nes biß­chen ich.

Der Hof im Nor­den von Ham­burg ist ein klei­nes Idyll mit Als­ter-Quell­was­ser und Plumps­klo, vier lamm­from­men The­ra­pie­pfer­den in einem offe­nen Stall, drei Kat­zen und einem Gehege mit Hüh­nern und Enten. Die The­ra­peu­tin eine junge Frau, sym­pa­thisch und offen, ein­fach nett - und gut in dem, was sie da tut, soweit ich es beur­tei­len kann.
Beim zwei­ten Mal waren viele Men­schen da, zu viele für mich, aber das war wohl eher die Aus­nahme. Dass ich die Maske fest auf hatte und es anstren­gend war, merkte ich erst später. 

Reit­the­ra­pie besteht dar­aus, Boden­ar­beit mit dem Pferd zu machen. Dem Tier nur durch Kör­per­spra­che zu zei­gen, was es machen soll. Kein Druck, kein Zwang, auch kein Reden oder Anschauen, son­dern nur mit auf­rech­ter, kla­rer Hal­tung. “Hor­se­m­anship” nennt sich das und ist eine groß­ar­tige Sache.
Aber: das ganze fin­det auf dem Sand­platz statt und bedeu­tet, viele viele Run­den zu dre­hen mit dem Pferd. Gehen, ste­hen blei­ben, wei­ter gehen, hin und zurück, Runde um Runde auf dem unebe­nen Boden. Zu viele Run­den für meine Füße. Für eine halbe Stunde (oder spä­ter mehr) Gutes zwei Tage lang Schmer­zen zu haben gleicht sich nicht aus. 

Viel­leicht bin ich aber auch ein Stück weg­ge­lau­fen vor dem, was das in mir aus­lö­sen könnte. Schon in der ers­ten Stunde stand ich irgend­wann da und kämpfte mit den Trä­nen. Weil sie etwas wollte, was ich schon so lange nicht mehr kann, nicht mehr mache: auf­recht ste­hen. Mich groß machen, über­zeugt von mir sein. Das tat weh, außen wie innen. Weil ich nicht mehr groß bin, weil die Depres­sion und Igor und ich selbst mich klein machen, immer wie­der, immer aufs Neue.
(Das Pferd fand es übri­gens über­zeu­gend genug und ging tat­säch­lich rück­wärts, so wie es sollte. Aber das ist ja auch Leute mit so Psy­cho­zeug gewohnt.)

Was mir in den zwei Stun­den dort auch bewußt wurde: ich bin keine Mache­rin, keine Füh­re­rin. Ich bin nicht die, die Ansa­gen macht und die ande­ren kom­men mit. Ich mag Auto­ri­tät nicht, ich rebel­liere dage­gen. Einem Tier zu sagen, wo es lang geht, war noch nie meins. Meine Hün­din hat der dama­lige Freund erzo­gen, auf mich hat sie nicht wirk­lich gehört. Ich bin Kat­zen­mensch, ich mag es, wenn sie machen was sie wol­len und mit mir in gleich­be­rech­tig­ter Gemein­schaft leben. Viel­leicht wäre mir das mit den Pfer­den irgend­wann in die Quere gekommen.

Also fällt auch die­ses eigent­lich unglaub­lich schöne Pro­jekt für mich aus. Nun heißt es also, einen drit­ten Ver­such in wie­der einer ande­ren Gruppe zu star­ten, auf dass dann end­lich mal was dabei ist, von dem ich etwas habe. Hof­fent­lich kommt mir da nicht wie­der die Angst in die Quere…

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