Malente (schon) Tag 5

Als die Mit­ar­bei­te­rin aus Malente anrief, dass ich kom­men kann, hatte ich noch 5 Tage Zeit zur Vor­be­rei­tung: das schien mir so wenig, aber die Zeit ver­ging dann doch sehr lang­sam - jetzt bin ich schon seit 5 Tagen hier und hab das Gefühl, dass sie rennt. Dabei hab ich außer den Auf­nah­me­ge­sprä­chen noch nichts gemacht, keine The­ra­pie, kein Sport (ich darf nicht vor der offi­zi­el­len Ein­wei­sung alleine in die Mucki­bude), keine Ent­span­nungs­übung. Ich hoffe, dass ich mor­gen einen gut gefüll­ten Plan für die Woche bekomme.

Was ich getan hab heute: um halb sie­ben auf­ge­stan­den, geduscht und zum Früh­stück run­ter gegan­gen. Danach kurz an den See, wie­der ins Zim­mer und Kamera und Was­ser­fla­sche ein­ge­packt, um ein­ein­halb Stun­den mit dem Rad rum zu fah­ren. Aller­dings war es so heiß und schwül, dass ich nur noch “nach Hause” unter die kühle Dusche wollte. Ein paar ganz okaye Fotos konnte ich aber machen, vor allem von dem Viecher­zeug, das sich am Mor­gen auf dem Dach vor mei­nem Zim­mer und spä­ter auf dem See tum­melte.
Nach dem Mit­tag­essen und einer klei­nen Siesta gab es um halb drei den sonn­täg­li­chen Kaf­fee und Kuchen, den ich mir natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen konnte. Der ist näm­lich auch auf dem Weg zum uHu durch­aus erlaubt, solange es bei einem Stück bleibt.
Zwei Mit­pa­ti­en­tin­nen saßen mit am Tisch und irgend­wann waren wir so in Gesprä­che ver­tieft, dass wir nicht mehr merk­ten, wie die Zeit ver­ging und auf ein­mal die ande­ren zum Abend­brot in den Spei­se­raum ström­ten. Also blie­ben wir ein­fach sit­zen bis nach dem Essen und rede­ten wei­ter. Das war sehr schön, sehr ent­spannt, sehr ernst­haft teilweise.

Was mich beson­ders freute, war, als die Eine meinte: “Ich sitze dir gerne gegen­über, du strahlst so eine Ruhe aus.” Und es stimmt. Ich spüre, dass ich unter kei­nem Druck mehr stehe, alles rich­tig machen zu wol­len, mich anzu­pas­sen und gut dar­zu­stel­len, damit ich nur ja gemocht werde von den ande­ren. Wir sind natür­lich noch dabei, uns ken­nen zu ler­nen und es wird viel erzählt aus dem eige­nen Leben, aber ich muss da nicht mit­hal­ten und schon gar nicht beson­ders wit­zig oder schlag­fer­tig sein, um einen Ein­druck zu hin­ter­las­sen. Ich weiß, wer ich bin. Wenn andere mit mir klar kom­men, freu ich mich - wenn nicht, ist es nicht mehr schlimm. Frü­her (und jetzt vor allem im Ver­gleich mit mei­ner Zeit damals in Malente kann ich das erken­nen) war es mir so wich­tig, dass sich nach­her ja die ganze The­ra­pie darum drehte. Ich war so aus­ge­hun­gert nach Kon­takt, nach Zuwen­dung und Auf­merk­sam­keit, dass ich nur noch daran den­ken konnte. Jetzt bin ich in Gesell­schaft, wenn ich Lust dazu hab oder alleine, wenn mir mehr danach ist. Ich hab nicht mehr die Befürch­tung, etwas zu ver­pas­sen, wenn ich alleine bleibe. Es gibt eine Zeit für Gesprä­che und Gemein­schaft und es gibt Zei­ten für mich und ich kann bei­des genie­ßen. So ist es zuhause ja auch, aber dass es auch mit neuen Men­schen so geht, ist für mich neu.
Ja, ich bin ruhig, ent­spannt, auf­merk­sam und acht­sam gegen­über den ande­ren, bleibe dabei aber sehr bei mir. Ich hoffe und denke, dass das die rich­tige Grund­ein­stel­lung ist, um hier inten­siv an mei­nen Sachen zu arbei­ten. Also, wenn das dann end­lich mal los geht …

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Fotos vom Tag.

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