Heute Morgen hab ich spontan und ohne langes Nachdenken die Instagram App *) vom Handy gelöscht. Wie so oft in letzter Zeit war ich vor dem Schlafengehen versackt in sinnlosen, zeitraubenden und völlig unwichtigen Videos (“Reels”), die sich so schön schnell durch und weiter scrollen lassen, ohne im Gehirn haften zu bleiben. Die vom Algorithmus bestimmt werden und meinen zukünftigen Algorithmus beeinflussen. Ein paar Mal zu lange bei lustigen Pferdefilmchen zugeguckt und am nächsten Tag hab ich nur noch Pferde in der (“zufälligen” *haha*) Auswahl. Oder eben Katastrophenvideos, an Rohkost knabbernde Stachelschweine, dumme Unfälle von dummen Menschen oder wie jemand Dreck aus den Ohren von jemandem pult. Und immer öfter weiß ich nicht, ob die echt sind oder per KI produziert. Aber ich weiß eigentlich schon immer, dass sie auf Dauer nicht gut sind, auch nicht die niedlichen Filme, auf denen Einer verschiedenen Tieren was vorsingt und sich auf seiner rosa Gitarre begleitet. Sie haben keinen Mehr- und schon gar keinen Nährwert. Sie machen nur müde und senken meine Aufmerksamkeitsspanne noch weiter runter. Schluss damit.
Der zweite Grund, die App zu löschen, ist, dass mich die politischen Nachrichten kaputt machen. Nicht umsonst hab ich mir auf Mastodon einen zweiten Account extra dafür eingerichtet, auf dem ich nur lese, wenn ich psychisch stabil genug bin. Auf Instagram poste ich nur noch selten Fotos, sondern benutze es in den letzten Monaten fast ausschließlich, um mich über Politik zu informieren. Aber so wichtig ich es für mich finde, auf dem Laufenden zu bleiben, so fertig macht es mich zeitweise. Ich kann immer schlechter ertragen, was in unserer Welt durch die HERRschaft alter weißer Männer geschieht. Ich möchte manchmal nur noch schreien und um mich schlagen, aber damit ist niemandem geholfen - am allerwenigsten mir.
Darum mach ich Pause. Beschäftige mich mit anderen Dingen, schönen Dingen. Lese Gedichte von neu entdeckten Lyrikerinnen, versuche mich selbst wieder im Schreiben, plane die Begrünung meines Balkons, gestalte meine Webseiten neu, freue mich auf ein neues Tattoo und atme.
*) Nur die App, nicht den Account. Ich kann theoretisch über den Desktop drauf zugreifen, aber das funktioniert so schlecht, dass ich es so gut wie nie mache.
***
Funfact: in der ZEIT ist ein Artikel genau zu diesem Thema, den ich grade gefunden habe, weil ich wissen wollte, ob es für dieses Suchtverhalten einen Namen gibt. Der Artikel war aber nur über ein Abo zu lesen, also hab ich jetzt ein 5-wöchiges Test-Abo der ZEIT. Damit ich weiterhin nichts verpasse. [An dieser Stelle bitte sarkastisches Lachen einfügen.]
Bei Bezahlschranken ist es oft auch möglich, Artikel über das Archiv zu lesen. Guck dazu https://archive.is/ oder https://archive.ph/ …
Gratuliere zur Applöschung. 👍🏼
Weiß ich doch, das mit dem Archiv. Aber es passte grade so. Das Abo geht 5 Wochen, danach ist wieder Schluss.
Ah, oke, sorry die Erklärbärin-in-mir. Hätt ich mir ja denken können. 🙃
Bei dir macht das nix 🙂