18-01-2024 Immer noch alles doof

Der erste Monat im neuen Jahr ist schon mehr als zur Hälfte vor­bei und immer noch ist alles doof. Also das meiste jedenfalls.

Letz­ten Frei­tag hab ich mich mor­gens nach drau­ßen gequält (nach dem impf­krank ging es mir noch nicht wirk­lich wie­der gut) und bei der Augen­arzt­pra­xis die Ver­ord­nung für die neue Brille geholt. Für die jähr­li­che Unter­su­chung wegen der Dia­be­tes, die echt drin­gend fäl­lig ist, war ich aber schon zu spät, da müs­sen die Pupil­len gewei­tet wer­den und das braucht eben seine Zeit.

Am Sams­tag­abend, kurz vor Schluss, kam die Nach­richt vom Opti­ker, dass die Brille abhol­be­reit sei. Da war ich dann aber nicht mehr bereit. Also ein wei­te­res Wochen­ende mit fal­schen Wer­ten und schlech­tem Gucken.

Dazwi­schen dann ein­mal nicht doof: am Sonn­tag waren Toch­ter und Enkel hier. Nur für ein­ein­halb Stun­den, aber wenigs­tens mal wie­der umar­men und kuscheln und quatschen.

Am Mon­tag hab ich die Brille geholt. Ich sagte, dass beide Bügel bitte ein Stück gekürzt wer­den sol­len. Er passte an, ruckelte hier und wackelte da, “sitzt sie gut?”, “schüt­teln Sie mal den Kopf”, “sieht ja gut aus”. Ah ja. Kann ich nicht sagen, ich hab sie grade mal 2 Minu­ten auf der Nase. Spoi­ler: nein, sie saß nicht. Sie rutschte, nach unten und zur lin­ken Seite. Und der rechte Bügel war län­ger als der linke. Das hab ich aber natür­lich erst gemerkt, nach­dem ich damit unter­wegs war und ein­ge­kauft hatte und dann hatte ich ein­fach kei­nen Nerv mehr, noch­mal zurück zu gehen. Viel­leicht muss ich mich ja erst wie­der dran gewöh­nen.
Das Gute: ich bekomme fast das ganze Geld zurück durch die KK-Verordnung.

Am Diens­tag ein net­ter, aber auch anstren­gen­der Ter­min mit Frau R. vom Hilfe-Dings. Es ging um die Ziele, die wir im neuen Jahr errei­chen wol­len (und die die Behörde wis­sen will, die das ganze ja zahlt). Den Antrag auf Erwerbs­un­fä­hig­keits­rente, den ich seit 2 Jah­ren stel­len will, spa­ren wir uns: in einem Jahr geh ich sowieso offi­zi­ell in Rente. Über eine wei­tere Gruppe beim Hil­fe­dings denke ich nach; die Krea­tiv­gruppe könnte ich mir vor­stel­len, aber die ist am Mon­tag­mor­gen um 10 und ich müsste um 8 Uhr auf­ste­hen, um in Gesell­schaft zu stri­cken oder zu malen und ich bin nicht sicher, ob es das bringt. Schwim­men würde ich gerne wie­der.
Soweit alles gut. Dann kam der Punkt Gesund­heit und Arzt­be­su­che und Frau R. so: “Sie woll­ten sich doch eine neue Zahn­arzt­pra­xis suchen” und ich so: “Nö, wollte ich nicht”. Und dann hab ich ihr meine schlimms­ten Erleb­nisse mit Zahnärzt*innen erzählt und war danach, ich sag mal so: sehr durch den Wind. Zuhause hab ich mich für eine kleine Siesta aufs Sofa gelegt und drei Stun­den geschla­fen. Von wegen sehr durch den Wind.

Spä­ter hab ich gese­hen, dass mich jemand mit unbe­kann­ter Num­mer ange­ru­fen hat, als ich grade in der S-Bahn nach Hause saß. Google hat mir ver­ra­ten, dass es jemand aus der Kli­nik war. Super. Und ich hatte noch gebe­ten, dass sie mir den Ter­min für das Vor­ge­spräch vor­her sagen, damit ich mich drauf ein­stel­len kann und irgendwo bin, wo ich tele­fo­nie­ren kann. Das gibt lei­der einen Punkt Abzug.
Bis­her haben sie sich noch nicht wie­der gemel­det und mit mei­nem “Ich spring jetzt mal ins kalte Was­ser und rufe selbst da an” Anruf heute war ich eine Stunde zu spät dran. Ob ich mor­gen noch­mal den Mut auf­bringe, wird sich zeigen.

Mitt­wochs­gruppe: der Licht­blick der Woche.
Auf­re­gende Aus­sich­ten: es gibt drei Inter­es­sen­tin­nen für die Gruppe. Wir sind durch­aus offen für mehr und neue Frauen, aber mit den dreien wären wir dann acht (plus die bei­den Betreue­rin­nen) und das ist viel, auch wenn eine von uns bis­he­ri­gen nur sel­ten da ist. Wir haben ange­regt, die Tref­fen dann um eine halbe Stunde zu ver­län­gern, damit genug Raum und Zeit für alle bleibt. Wir wer­den sehen.
Schöne Aus­sicht: nächste Woche gehen wir zusam­men ins Minia­tur Wun­der­land und das wird groß­ar­tig.
Zu Hause für eine kleine Siesta aufs Sofa gelegt und fast drei Stun­den gepennt. Ah ja.

Heute nach­mit­tag war ich dann wie­der in der Augen­arzt­pra­xis (es ist der ein­zige Nach­mit­tag in der Woche, an dem sie offen haben), wurde dort aber belehrt, dass diese Sprech­stunde nur und abso­lut nur für berufs­tä­tige Men­schen sei und es sei denen ja nicht zuzu­mu­ten, dass ihnen jemand die Zeit weg­nimmt, die nicht berufs­tä­tig ist und ich möge doch mor­gen um neun wie­der kom­men. Als ich leise irgend­wie murrte, dass ich dann halt gucken müsste, wie ich das hin­be­komme, aber es sei schon okay und ich ver­stünde das ja, wollte die gute Frau eine Aus­nahme machen - “ABER WIRKLICH NUR GANZ GANZ AUSNAHMSWEISE WEIL EIGENTLICH GEHT DAS JA NICHT!!!!” - auf die ich dann aller­dings ver­zich­tet hab. Sie sah aus, als würde sie mir das auch noch in 10 Jah­ren vor­hal­ten und als wäre ich ihr was schul­dig und da hatte ich wirk­lich keine Lust drauf. Dann muss ich eben am Mon­tag­mor­gen hin. Nein, die Nacht­eule freut sich nicht, aber sie wird das selbst­ver­ständ­lich hin­krie­gen.
ABER VIELLEICHT SCHREIBT IHR DAS MAL AUF EURE WEBSEITE, VERDAMMT! Muss eins doch wis­sen, sowas.

Danach wie­der zu Fiel­mann, denn die Brille sitzt ja immer noch nicht. Ich hab jetzt einen wei­te­ren Satz, den sich in die­sem Fall die Optiker*innen spa­ren kön­nen. “Also für mich sieht das grade aus.” Ja toll, Sebas­tian-Kevin, aber es geht nicht darum, dass es für dich grade aus­sieht, son­dern darum, dass es sich für mich rich­tig anfühlt! Wir sind nicht grade und sym­me­trisch, nie­mand ist das, wieso geht ihr davon aus, dass es passt, nur weil das Ding grade im Gesicht sitzt?
Auf mein Drän­gen hat Sebas­tian-Kevin dann den rech­ten Bügel ange­passt und irgend­was gemacht, damit die Brille nicht mehr sofort auf der Nase Rutsch­bahn spielt. Ergeb­nis nach einer hal­ben Stunde: jetzt rutscht sie zwar nicht mehr so doll, aber dafür kippt sie zur ande­ren Seite. Ich bin die ganze Zeit damit beschäf­tigt, sie hin und her und rauf und run­ter zu schie­ben und es nervt so sehr! Aber immer­hin gewöhne ich mich lang­sam wie­der an die neue Stärke.

Zur Abrun­dung der Misere hab ich immer noch mehr­mals am Tag diese blö­den Stö­run­gen im Fuß und auch das nervt ein­fach nur.

Um irgend­was Gutes zu haben heute, hab ich mir im Asia­re­stau­rant Essen bestellt und das war so lecker, aber auch so viel und jetzt ist mir irgend­wie schlecht. Ich sag doch: immer noch alles doof. Also fast alles. 

***

Von dem, was da drau­ßen in der Welt grade abgeht, schreibe ich nicht, das macht alles nur noch hun­dert­mal so schlimm. Nur einen Satz will ich hier fest­hal­ten, der war ges­tern mein Satz des Tages, weil er kurz und knapp alles sagt.

Die SPD steht da und wun­dert sich.

Quelle: Vanessa Giese auf ihrem Blog “Drau­ßen nur Kännchen”

13-01-2024 Ein Fuß nach dem anderen

Immer wie­der bli­cke ich zurück in die Ver­gan­gen­heit und denke “ach guck, damals ging das noch viel leich­ter” oder “da tat das noch nicht weh, wie schön das war” und natür­lich “das ist doch noch gar nicht lange her” und dann merke ich, dass doch schon Jahre ver­gan­gen sind und ich weiß gar nicht wie und womit. Ich mach doch kaum noch was, wie kann die Zeit so ver­flie­gen, wenn sich auf der ande­ren Seite so viele Tage end­los hinziehen? 

Gefühlt kann ich jedes Jahr weni­ger tun, schaf­fen, errei­chen. Die Kraft lässt so furcht­bar und deut­lich nach, dau­ernd will ich mich hin­set­zen und aus­ru­hen oder noch lie­ber schla­fen. Nein, eigent­lich will nicht ich das, son­dern mein Kör­per. Ich im Kopf würde so gerne raus gehen und die Natur erle­ben oder end­lich mit der Kamera alle Hot­spots aus­tes­ten, die ich auf mei­ner Karte mar­kiert hab. Ich möchte Sachen er-schaf­fen, schöne Web­sei­ten bas­teln, bunte Socken stri­cken, Blu­men­sa­men wild in die Gegend streuen. Oder Kat­zen strei­cheln und trös­ten im Tier­heim. Wie soll ich das machen mit einem Kör­per, der nach 10 Minu­ten staub­saugen oder 500 Metern Fuß­weg nach einer Pause ruft? Mit einem müden Kopf, der sich nur kurz kon­zen­trie­ren kann und dann die Augen zufal­len lässt?

Aber da sind Dinge zu tun, die nimmt mir nie­mand ab, die muss ich selbst erle­di­gen.
Also gab es einen Besuch beim Opti­ker und gibt es Anfang nächs­ter Woche eine neue Brille, die ich ein­fach gegen die nicht pas­sende tau­schen konnte und für die ich von der Kran­ken­kasse einen gro­ßen Teil des Gel­des zurück bekomme.
Und es gibt eine Ein­wei­sung der Haus­ärz­tin, die ich end­lich an die Psy­cho­kli­nik geschickt habe, die sich bereits am nächs­ten Tag zurück gemel­det hat mit der Ankün­di­gung eines Vor­ge­sprächs per Tele­fon inner­halb der nächs­ten zwei Wochen.
Es gab auch am ver­gan­ge­nen Mon­tag­mor­gen wie­der ein­mal eine Imp­fung gegen Corona, die pünkt­lich 12 Stun­den spä­ter die bekann­ten Neben­wir­kun­gen (Fie­ber, Glie­der­schmer­zen, Schnup­fen, Hus­ten) ent­wi­ckelte und mich für 3 Tage ins Bett zwang, wovon ich die Hälfte schla­fend ver­brachte und über­haupt nichts mehr weiß.
Lei­der gibt es auch Zahn­schmer­zen (no com­ment, please!) und seit ges­tern einen sehr selt­sam ein­ge­klemm­ten Nerv irgendwo (ver­mute ich jeden­falls), der immer wie­der aus hei­te­rem Him­mel sowas wie ein elek­tri­sches Signal an immer die glei­che Stelle an mei­ner rech­ten Fuß­sohle schickt. Sehr unan­ge­nehm und auch schmerz­haft, etwas ähn­li­ches hab ich noch nie erlebt. Die Frage ist, ob ich damit zum Neu­ro­lo­gen oder zum Ortho­pä­den gehen sollte - also, falls ich mich über­haupt ent­schlie­ßen sollte, einen Arzt auf­zu­su­chen des­we­gen oder doch lie­ber ein­fach abwarte, dass es von selbst weg geht.

Und natür­lich gibt es wei­tere Punkte auf der abzu­ar­bei­ten­den Liste, die sich schein­bar von alleine ver­län­gert und ein­fach nie auf­hört. Eins nach dem ande­ren, immer ist was zu tun, zu über­win­den, zu erle­di­gen, zu regeln. Und es dau­ert ewig, weil ich keine Kraft habe, mehr als eine Sache auf ein­mal zu tun.
Ich weiß: Schritt für Schritt und ein Fuß nach dem ande­ren, anders geht es nicht, auch wenn es mir nicht gefällt. Ich weiß es doch.

06-01-2024 Aushalten, durchhalten

Kleine Licht­bli­cke im trü­ben Tag.
Seit ges­tern hat es viele Zen­ti­me­ter geschneit und es ist kalt genug, so dass der Schnee lie­gen bleibt. Die Dächer, die Bäume, mein Bal­kon, die Fahr­rä­der unten vorm Haus: alles ist weiß und dick mit Schnee bedeckt. Ich mag das ja sehr. Falls mor­gen wirk­lich wie ange­kün­digt die Sonne raus kom­men sollte, könnte ich ja viel­leicht mal über einen klei­nen Spa­zier­gang nach­den­ken. (Immer alle Optio­nen offen hal­ten, nie fest­le­gen! Ganz wichtig.)

Am Mit­tag guckte ich den Schnee drau­ßen an, guckte in Kühl- und Küchen­schrank und stellte fest, dass von den Fei­er­tags­ein­käu­fen noch genug da ist und ich nicht raus muss. Ein gutes Gefühl. Und es schont noch dazu die neuen Win­ter­schuhe, das ist doch auch was.

Und viel­leicht kann ich heute Abend wie­der ein “Okay” in mei­ner Stim­mungs-App ein­tra­gen. Viel­leicht sollte ich mir sowieso an der App ein Bei­spiel neh­men. Selbst in einer Reihe von 5 mit “schlecht” bewer­te­ten Tagen sieht sie die posi­tive Seite: “Deine Stim­mungs­sta­bi­li­tät liegt bei 100 und ist damit bes­ser als dein Gesamt­durch­schnitt.” Wenn das nicht zählt …?

Trotz­dem: wenn ich die neue Brille habe, mach ich drei Kreuze und ein paar Luft­sprünge in Gedan­ken. Bis dahin gilt es, wei­ter aus und durch zu hal­ten. Immer­hin sind die Ele­fan­ten­nach­barn heute lei­ser, ich hab gute Musik und leckere heiße Suppe dazu.

04-01-2024 jammerklagallesdoof

Bis jetzt zeigt sich das neue Jahr von kei­ner guten Seite. Der Neu­jahrs-Mon­tag war nicht nur drau­ßen grau und trüb. Die Nacht über wurde ich immer wie­der von Knal­le­rei geweckt und hab mich am spä­ten Vor­mit­tag regel­recht aus dem Bett gequält (mit Wecker: als Ein­stim­mung dar­auf, dass es jetzt mit den Ter­mi­nen wie­der los geht); ich war ent­spre­chend fer­tig den gan­zen Tag. Die fal­schen Werte bei der Not­fall­brille machen noch müder und dass ich nicht rich­tig gucken kann, nervt mich total. Selbst den Tat­ort konnte ich nicht gemüt­lich auf dem Sofa sehen, weil die Brille nicht für die Ent­fer­nung reicht. Zum Glück gibt es die Media­thek für den Com­pu­ter, aber da sitz ich ja eh schon den gan­zen Tag. Der Magen hat auch rum­ge­zickt und zur Krö­nung hab ich mir abends irgend­was im lin­ken Ober­arm gezerrt, was höl­lisch weh tat und erst heute, nach drei Tagen, halb­wegs bes­ser wird. Ein Tag so rich­tig für die Tonne.

Das Tref­fen mit Frau R. vom Hilfe-Dings am Diens­tag tat dann gut, weil ich den gan­zen Mist ein­mal abla­den konnte. Die Mitt­wochs­gruppe ges­tern tat genauso gut, weil sie mich von mir abge­lenkt hat und wir nicht nur ein gutes Gespräch hat­ten, son­dern auch lachen konn­ten und lachen ist immer gut und befrei­end. An bei­den Tagen bin ich dann aller­dings nach dem nach Hause kom­men hun­de­müde ins Bett gefal­len und wurde auch nach zwei Stun­den Schlaf nicht wie­der rich­tig wach. 

(Ich wüßte wirk­lich gerne, woher diese abgrund­tiefe Müdig­keit kommt, die mich nicht mehr los lässt. Manch­mal über­lege ich: nach der zwei­ten Corona Imp­fung war ich ein paar Tage rich­tig krank mit allen Sym­pto­men - ob davon was geblie­ben ist? Es ist ja nicht nur die Müdig­keit, son­dern auch die man­gelnde Kon­zen­tra­tion, die Wort­fin­dungs­stö­rung, der immer wie­der auf­tre­tende “brain fog”, wenn auch lange nicht so aus­ge­prägt wie bei ME/CFS-Betrof­fe­nen.)

Heute wollte ich eigent­lich nach­mit­tags zu Fiel­mann wegen der neuen Brille. Tja, eigent­lich. Inzwi­schen muss man sich näm­lich einen Ter­min holen für grö­ßere Sachen und davon gab es lei­der erst wie­der nächs­ten Mon­tag wel­che. Da muss ich zwar mor­gens zur Haus­ärz­tin und mir meine 5. Coro­na­imp­fung abho­len (hof­fent­lich ohne Neben­wir­kung!), aber ich hab mir dann mal hoff­nungs­voll einen Ter­min am Nach­mit­tag gebucht. Das bedeu­tet aber auch, dass ich noch eine ganze Weile län­ger mit der fal­schen Brille leben muss und das freut mich über­haupt nicht. Wie schon oben geschrie­ben: das Ding nervt, macht schwin­de­lig, der Wech­sel von nah zu fern ist anstren­gend und dass ich in der Ferne alles unscharf sehe, auch. Warum ver­dammt musste ich auch unbe­dingt das Spann­gummi grade machen wol­len? Immer die­ser Zwang, alles ordent­lich und gleich­mä­ßig aus­zu­rich­ten, obwohl ich es unterm Bett ja über­haupt nicht sehe! So ätzend.

***

Was noch total ätzend ist: die Ele­fan­ten­ober­nach­barn sind seit ges­tern aus dem Urlaub zurück. Das Kind hat aber noch Ferien und schreit und tobt wie nix gutes durch die Bude und die Mut­ter sitzt see­len­ru­hig dane­ben und sagt nichts. Ich hab so oft freund­lich und manch­mal auch nicht mehr freund­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ser Lärm uner­träg­lich ist (bei mir unten wackeln die Wände, jeder Rumms geht dank dün­nem Holz­fuß­bo­den direkt in mei­nen Kopf), aber es ist ihnen kom­plett egal. Irgend­wann mal meinte der Typ ja sogar, ich solle doch aus­zie­hen, wenn es mir zuviel wäre.
Aber ich darf ja nichts sagen, weil es ist ja ein Kind und das wird ja wohl noch spie­len dür­fen und Kin­der sind halt laut, da muss man eben mit leben. Ich will denen nichts Böses tun, aber ich kann nicht mehr. Ich werde mor­gens in aller Frühe vom Tram­peln geweckt und mache abens um 9 drei Kreuze, wenn das Gör ins Bett geht und die Eltern auch end­lich leise sind.
Für die ande­ren Nach­barn im Haus gelte ich schon als komi­sche Mecker­tante, die lie­ben das süße, auf­ge­weckte Kind und ver­ste­hen gar nicht, was ich habe, aber von denen wohnt ja auch kei­ner unter ihnen.

Die ver­gan­ge­nen zwei Wochen ohne sie waren der Him­mel auf Erden, jetzt ist alles wie vor­her und hört nicht auf. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, außer immer wie­der um Ein­sicht und Rück­sicht zu bit­ten, was aber nur noch sel­ten hilft und wenn, dann nur für sehr kurze Zeit. Den Ver­mie­ter anzu­spre­chen ist keine Option, der will mit nichts was zu tun haben und wird sagen, wir sol­len das unter­ein­an­der klä­ren. Die Nach­barn zu zwin­gen, einen däm­men­den Tep­pich aus­zu­le­gen in ihrer Woh­nung, geht eben­falls nicht, denn das arme Kind hat eine Haus­staub­all­er­gie. (Darum muss übri­gens auch jeden Tag am bes­ten gleich früh mor­gens mit ordent­lich Schwung gesaugt wer­den, wobei der Staub­sauger gerne gegen jede Ecke don­nert, aber das stört ja auch nie­man­den, das kommt schon­mal vor, man will ja auch schnell fer­tig wer­den damit.)
Ich bin am Ende mit mei­ner Geduld und Kraft. Irgend­was muss sich ändern.

***

Und Früh­ling, Früh­ling wär auch ziem­lich gut. Oder wenigs­tens kein Regen mehr und ein biß­chen mehr Licht und viel­leicht mal ein Stück blauer Him­mel. *jam­mer­klag­al­les­doof*

31-12-2023 Anstrengend mit Lichtblicken: der Jahresrückblick in Fragen

15 Fragen für einen persönlichen Jahresrückblick

(Dis­clai­mer: Die Fra­gen sind teil­weise durch die bekann­ten Fra­ge­bö­gen von Max Frisch und Mar­cel Proust inspiriert.)

1 Wofür bist du dankbar?

Für die Unter­stüt­zung und Beglei­tung eini­ger Men­schen auf mei­nem immer noch dor­ni­gen Weg. Ohne Euch würde die Option des Auf­ge­bens so man­ches Mal in den Bereich des Mög­li­chen rücken. Von Her­zen Danke für Euch. 

Für alles, was das Leben erträg­lich macht: Musik, Lite­ra­tur in vie­ler­lei Form, Natur, das Meer. Schrei­ben, lesen, sehen und wei­ter­hin auf eige­nen Füßen gehen zu kön­nen. Immer wie­der etwas Neues zu ler­nen und Altes hin­ter mir zu las­sen. Dass die Hoff­nung nicht vergeht.

Aber auch dafür, dass ich trotz der immer hef­ti­ger wer­den­den Ten­denz der aktu­el­len Poli­tik nach ganz weit rechts immer noch Geld zum Leben zur Ver­fü­gung gestellt bekomme. Über die mate­ri­elle Qua­li­tät die­ses Lebens und das Anse­hen von uns Bürgergeldbezieher:innen reden wir bes­ser nicht, aber ich habe ein Dach über mei­nem Kopf und mein Schne­cken­haus ist geheizt. Ich bin kran­ken­ver­si­chert, mein ASP wird auch bezahlt und mit gewis­sen Ein­schrän­kun­gen habe ich immer noch genug zu essen im Kühl­schrank. Wer weiß, wie lange das noch so sein wird ange­sichts der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Entwicklung.

2 Was war in diesem Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

Schla­fen.

Haha, ja, schon gut.
Eigent­lich wie immer: Musik hören, lesen (soziale Medien, Blogs und so), schrei­ben, foto­gra­fie­ren, Filme und Serien gucken, Fotos bear­bei­ten, an Web­sei­ten rum­wer­keln. Irgend­wie finde ich doch meis­tens was, was ich gerne mache, auch wenn ich inzwi­schen sehr oft sehr müde dabei werde.

3 Was war dein größter Fehler?

Dass ich ges­tern, am letz­ten Sams­tag des Jah­res, unbe­dingt das Spann­gummi am Bett­la­ken grade machen wollte und mir das blöde Ding so auf die Brille geknallt ist, dass das eine Glas zer­split­terte und ich darum um 5 Uhr abends noch in die Stadt fah­ren musste, damit ich jetzt mit einer Ersatz-Not-Brille hier sitze, die nicht mei­nen eigent­li­chen Wer­ten ent­spricht und darum müde Augen und Kopf­schmer­zen macht. Aber lie­ber nur halb gucken mit einer hei­len Brille als gar nicht mit einer kaput­ten. Trotz­dem: das Geld hätte ich gerne für andere Not­fälle gespart.

4 Wann warst du glücklich?

Am Meer. Wenn ich mit mei­ner Fami­lie (Toch­ter, Enkel, Toch­ter­freund) zusam­men war. Als Freun­din D. mich im Som­mer besucht hat. Wenn es drau­ßen warm, son­nig und trotz­dem ruhig war. Beim Fin­den von neuer Musik.

5 Warum hast du das nicht öfter gemacht?

Weil das meiste davon nicht nur von mir abhängt. Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich im Süden am Meer leben, in ruhi­ger Umge­bung mit mei­ner Fami­lie und Freund:innen in der Nähe. Nur das mit der Musik würde blei­ben, wie es ist.
(Wenn ich keine Träume mehr habe, bringt mich unter die Erde, denn dann ist es vorbei.)

6 Was hat sich verändert?

Die Depres­sion ist klei­ner gewor­den. Sie ist nicht weg, drängt sich aber nicht mehr dau­ernd in den Vor­der­grund. Ich kann mich mehr auf das Außen ein­las­sen, auf das, was um mich herum statt fin­det, auf andere Men­schen, Ideen. Das macht mein Leben nicht leich­ter, aber anders. 

7 Worauf bist du stolz?

Dass ich das selbst geschafft habe. Dass ich mich immer wie­der auf mache, los gehe, pro­biere und an mir arbeite. Dass ich eben nicht auf­gebe und immer noch jeden Tag aufstehe.

8 Wer waren in diesem Jahr die 3 wichtigsten Menschen für dich?

Die Toch­ter, Freun­din D., die See­len­frauen.
Außer­dem sagt meine Stim­mungs App, dass der Mitt­woch die­ses Jahr der beste Tag war und auf­merk­same Leser:innen wis­sen, dass da meine Gruppe beim Hilfe-Dings statt findet.

9 Wissen diese Menschen das?

Ja.

10 Mit wem hättest du gern mehr Zeit verbracht?

Mit D., nach­dem wir uns in den zwei­ein­halb Tagen so gut anein­an­der gewöhnt hat­ten 😉
Nicht mit, aber am Meer und in der Natur. Das muss noch viel mehr wer­den, weil es ein­fach gut tut.

11 Und mit wem weniger?

Mit all den rück­sichts­lo­sen, lau­ten, ego­is­ti­schen Men­schen da draußen.

12 Was hast du zum ersten Mal gemacht?

Nicht zum ers­ten Mal, aber sehr sel­ten: jeman­dem gesagt, wenn mich etwas sehr gestört oder ver­letzt hat und das Ganze dann durch offene Gesprä­che gelöst. Das ist für mich immer noch keine Nor­ma­li­tät und braucht sehr viel Überwindung.

13 Magst du dein Leben?

Nein, aber ich geb mir Mühe und nicht auf.

14 Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du in diesem Jahr gelernt hast?

Einen sehr lange schmer­zen­den Teil der Ver­gan­gen­heit los zu las­sen. Dass ich sagen kann, wenn mich etwas stört und eine Freund­schaft des­halb nicht vor­bei ist. Dass ich Hilfe anneh­men darf. 

15 Mit welchem Satz lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

Das geht noch bes­ser, oder? (Ich bin so müde.)

***

Mein Zitat des Tages, heute von Herrn Bud­den­bohm:

“Es ist kein Natur­ge­setz, dass man stän­dig mit zupa­cken­der Ener­gie Lust auf seine Zeit haben muss, wenn sie sich doch ein­fach nicht anstän­dig entwickelt.”

2023-12-24 Es ist kompliziert

Es ist Sonn­tag: grauer kal­ter ver­reg­ne­ter Sonn­tag. Aber es ist auch Hei­lig­abend und ich bin wie immer allein und ent­ge­gen mei­ner Hoff­nung aus den letz­ten Jah­ren macht es mich immer noch trau­rig. So sehr ich ver­su­che, in die­ser Zeit, in der gefühlt alle Men­schen um mich herum on- und off­line von kaum was ande­rem reden, meine Gefühle zu schüt­zen und einen trot­zi­gen Pan­zer um mich zu errich­ten - es gelingt nur unzu­rei­chend. Es ist und bleibt bei allem Bemü­hen die Zeit, in der mir mein Allein-Sein am deut­lichs­ten und schmerz­haf­tes­ten bewußt wird. Das Wis­sen, dass es so vie­len ande­ren auch so geht oder dass viele über­haupt kein Weih­nach­ten fei­ern aus ver­schie­de­nen Grün­den, macht es nicht wirk­lich leich­ter.
Ich lese seit Wochen in mei­nen sozia­len Medien von den Vor­be­rei­tun­gen der Leute, um diese Tage beson­ders und beson­ders schön zu machen. Da ist auch viel von Stress und Hek­tik zu lesen und dass eigent­lich alles zu viel ist und natür­lich bin ich froh, dass ich das nicht habe. Aber ich habe auch keine Chance, es mal anders zu machen, weil da ja nie­mand ist, mit und für die ich es ver­su­chen könnte.
Wäh­rend ich lau­ter ver­nünf­tige Gründe im Kopf habe, warum Weih­nach­ten sowieso blöd ist und nichts bedeu­tet und ich ja auch diese Heu­che­lei ver­ur­teile, sehne ich mich immer noch nach Bul­lerbü. Es ist wirk­lich ver­dammt kom­pli­ziert. Und zum Glück bald wie­der vor­bei. (In allem auch immer das Posi­tive sehen.)

In die­sem Sinn: frohe Jah­res­end­zeit, ihr Lie­ben. Gute Bes­se­rung allen Kran­ken, fried­li­che Fei­er­tage den Fei­ern­den oder ein­fach ent­spannte freie Tage den ande­ren. Habt es gut und denkt dran: ab jetzt wird es wie­der heller.

10-12-2023 Soziale Überdosis

Wie hab ich das frü­her aus­ge­hal­ten, regel­mä­ßig mit so vie­len Men­schen zusam­men zu sein, zu reden, mit ihnen zu arbei­ten, mich auf sie zu kon­zen­trie­ren? Ob in dem einen oder dem ande­ren Job: jeden Tag gab es Kon­takt mit Schüler:innen, Kolleg:innen oder Kund:innen. mal inten­siv und mal neben­bei. Dazu die schul­po­li­ti­sche Arbeit und dann noch Freund:innen, die dann aber oft genug hin­tenan stan­den, weil alles andere doch zuviel war. Aber es gab sie, all diese sozia­len Inter­ak­tio­nen, ohne Nach­zu­den­ken, sie waren ein­fach da. Selbst spä­ter in den Fort­bil­dun­gen, schon mit der Depres­sion: es war nicht mehr so ein­fach, aber es funk­tio­nierte. Ich funk­tio­nierte. Das ist heute unvor­stell­bar geworden. 

Die ver­gan­gene Woche war über­voll mit Aktion und Men­schen. Am Diens­tag das Ein­zel­ge­spräch mit mei­ner Bezugs­frau im Hil­fe­Dings (zum Glück ange­sichts des Kalen­ders als Tele­fo­nat und nicht live), spä­ter am Nach­mit­tag das monat­li­che The­ra­pie­ge­spräch. Am Mitt­woch wie üblich die Gruppe (die für mich sehr anstren­gend war wegen eines bestimm­ten The­mas, das sich wei­ter­hin durch mei­nen Kopf dreht), danach wühlte ich mich im Ein­kaufs­zen­trum auf der Suche nach Win­ter­schu­hen durch Men­schen­mas­sen (lei­der ver­geb­lich). Als Krö­nung dann am Don­ners­tag die Weih­nachts­feier beim Hil­fe­Dings mit ca. 50 Men­schen. Die ver­teil­ten sich zwar ganz gut in dem gro­ßen Auf­ent­halts­be­reich und auf kleine 4er Tische, aber sie waren da und man sprach mit­ein­an­der und hörte sich und es war sehr unru­hig und voll und ich war ein­fach froh, als ich abends zu Hause war. Dazwi­schen saß ich von Ter­min zu Ter­min in Bahn&Bus, die oft wegen Ver­spä­tun­gen und Aus­fäl­len voll mit generv­ten Men­schen waren. Ges­tern musste ich dann noch den Wochen­ein­kauf erle­di­gen und jetzt ist mir schwin­de­lig und ich bin unend­lich müde und eigent­lich wär mir jetzt nach einer Woche allein im Schne­cken­haus. Nicht mehr reden, auch nicht schrei­ben, ein­fach zurück zie­hen und unsicht­bar sein.

Wie hab ich das frü­her geschafft? Wie­viel mehr Ener­gie hatte ich da nur zur Ver­fü­gung? Ich fühle mich wie eine aus­ge­lau­fene Bat­te­rie, die ein­fach nie mehr voll auf­ge­füllt wer­den kann. Selbst nach Erho­lungs­zei­ten bleibt sie bei 50% ste­hen, mehr geht nicht mehr.
Sind das die Aus­sich­ten für den Rest mei­nes Lebens?

30-11-2023 Dies & Das

Am Diens­tag fiel der erste Schnee in Ham­burg. Am Vor­mit­tag noch so lang­sam, man konnte die Flo­cken zäh­len, wäh­rend sie sanft durch die Luft schweb­ten, aber immer­hin Schnee. Wäh­rend ich spä­ter mit Frau R. zusam­men beim Hilfe-Dings in Altona saß, wurde es immer mehr und immer dich­ter. Große, wei­che Flo­cken wir­bel­ten durch die Luft, wun­der­schön. Ich mag das ja sehr. 

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Für den Heim­weg nahm ich aus­nahms­weise den 113er Bus, weil der grade kam. Er war schon beim Ein­stei­gen rap­pel­voll. Ich schaute mich suchend um, da stand ein jun­ger Mann von sei­nem Platz auf und fragte, ob ich wohl gerne sit­zen möchte. Ich ant­wor­tete: “Das würde ich wirk­lich sehr gerne, vie­len Dank. Das war jetzt übri­gens die Pre­miere, Sie sind der Erste, der mich das fragt.” Dann rutschte es mir raus: “Scheiße, jetzt bin ich offi­zi­ell alt” und dann lach­ten wir beide herz­haft, das war sehr nett.
Es sind die klei­nen Sze­nen, die einen Tag zu einem guten machen.

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Blöd nur, dass die Win­ter­stie­fel, die ich bestellt hatte, nicht pass­ten - die könnte ich gut brau­chen grade. Da muss ich wohl doch ana­log ein­kau­fen gehen.

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Ges­tern eine sehr schöne Mitt­wochs­gruppe mit vie­len musi­ka­li­schen Erin­ne­run­gen und viel Lachen. Anschlie­ßen traf ich mich mit Freun­din I. und wir saßen erzäh­lend für fast drei Stun­den im Café. Am Abend war ich müde und leer gere­det, aber in der schö­nen Ver­sion. Gerne wie­der demnächst.

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Heute hab ich hier zuhause meine Woll­de­pots auf­ge­räumt. So viele ange­fan­gene und nie zu Ende gebrachte Strick­sa­chen lie­gen da in Schub­la­den und Tüten. Das große Schul­ter­tuch, das ich 2013 in der Cur­ti­us­kli­nik aus wun­der­schö­ner wei­cher Wolle stri­cken wollte, musste ich lei­der mit allen noch nicht ver­ar­bei­te­ten Knäu­eln ent­sor­gen, da hat­ten sich doch die Mot­ten ein­ge­nis­tet. Dafür gibt es noch reich­lich bunte Wolle (und eine bereits fer­tige Socke), die noch gut und heil ist.
Lei­der stri­cke ich ungerne alleine - in Gesell­schaft, so wie damals in Bad B. und in Malente auch, macht es ein­fach so viel mehr Spaß. Aber viel­leicht sollte ich die Reste jetzt doch mal ver­stri­cken, auch um meine Hände am Abend zu beschäf­ti­gen und die Gedan­ken vom Essen abzulenken. 

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Und jetzt (nach­mit­tags um kurz vor fünf) muss ich noch aufs Rad, dazu hatte ich bis jetzt näm­lich keine Lust. Aber wenn ich so anfange schon am Anfang, dann komm ich wie­der nicht weit. Also los.

(P.S.: Geschafft.)

28-11-2023 Und es hat Klick gemacht

Es ist wie bei einem Puz­zle: alle Teile lie­gen aus­ge­brei­tet auf dem Tisch, du sor­tierst ein biß­chen nach Far­ben und Mus­tern und manch­mal erge­ben sich da schon so kleine Ein­zel­bil­der, aber eigent­lich ist alles noch sehr vage. Dann schiebst du sol­che Teile mal hier­hin und mal dahin und mit viel Glück stellt sich viel­leicht her­aus, dass zwei sol­cher Frag­mente, die du nie zusam­men gese­hen hät­test, doch genau inein­an­der pas­sen. Und plötz­lich macht es “klick” und es ergibt einen Sinn und das ganze Bild wird sicht­bar, das dar­aus ent­ste­hen soll.

So ging es mir heute mal wie­der in mei­nem Ein­zel­ge­spräch beim Hilfe-Dings. Wir spra­chen über die neue Mor­gen-Rou­tine und ich erzählte, dass ich alles sehr hasse und mich furcht­bar über­win­den muss und beim reden erin­nerte ich mich daran, wie es war, als ich vor 12 Jah­ren mit dem Rau­chen auf­ge­hört hab. Wie schlimm die erste Zeit war, bis ich den größ­ten Jie­per über­wun­den hatte und nicht mehr dau­ernd an Ziga­ret­ten dachte. Was mir damals unglaub­lich gehol­fen hatte beim Durch­hal­ten, war neben dem Gedan­ken an den Enkel, für den ich das haupt­säch­lich gemacht hab, dass sich rela­tiv schnell doch Erfolge ein­stell­ten. Der Hus­ten wurde weni­ger, ich bekam wie­der Luft, konnte bes­ser rie­chen und hatte vor allem so viel mehr Geld zur Ver­fü­gung.
Sol­che Erfolge feh­len mir im Moment beim Sport noch. Ich sitze da ein­fach auf dem Rad und strample stur vor mich hin und ich merke kei­nen Unter­schied. Bin nicht fit­ter, wiege kein Gramm weni­ger, fühle mich nicht bes­ser. Aber was hab ich denn erwar­tet nach grade mal ein­ein­halb Wochen?
Ich war schon wie­der in Gedan­ken mei­len- oder viel­mehr kilo­weit vor­aus. Ich hatte schon wie­der nur das Ziel im Blick, anstatt mir klar zu machen, dass es am Anfang eine womög­lich lange Durst­stre­cke geben wird, in der ich stur ein­fach machen muss. In der es nur darum geht, mich an etwas zu gewöh­nen - so wie ich mir damals das Rau­chen abge­wöhnt habe. Seit ich den Ergo­me­ter hier ste­hen habe, hatte ich meh­rere Pha­sen, in denen ich mehr oder weni­ger regel­mä­ßig drauf saß, aber ich hab keine davon wirk­lich lange durch­ge­hal­ten. Da konnte sich kein Erfolg ein­stel­len. In Malente hab ich in 12 Wochen 8 Kilo abge­nom­men, aber da hab ich auch kon­se­quent und regel­mä­ßig geackert (und zusätz­lich Aqua­gym­nas­tik gemacht) und es hat eine ganze Weile gedau­ert, bis die ers­ten Pfunde fie­len. Was hab ich also erwartet?

Immer wie­der ver­liere ich den Blick auf das Ganze. Sehe nur den ein­zel­nen Tag, den ein­zel­nen Schritt und wie müh­sam es ist. Dabei ver­gesse ich oft, wie lange ich etwas schon - oder erst! - mache, wie­viele kleine Mini­schritte ich schon geschafft habe und dass Ver­än­de­run­gen Zeit brau­chen. Ich will am liebs­ten alles auf ein­mal und wenn das nicht geht (weil das nun­mal fast nie geht), dann will ich es gar nicht mehr, dann geb ich auf.
(Neben­bei: das ist auch der Grund, warum ich so schlecht Kom­pro­misse und Alter­na­ti­ven finde.)

Also dann. Durch­hal­ten ist ange­sagt. Die Rou­tine wirk­lich Rou­tine wer­den las­sen und sie nicht bewer­ten dabei. Nur machen und nicht auf­ge­ben. Nicht aufgeben.

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(Wenn das so wei­ter geht, muss ich hier eine neue Kate­go­rie “Sport” anle­gen. Uhh.)

26-11-2023 Neue Routinen etablieren

Dass ich mich irgend­wie kör­per­lich betä­ti­gen muss, wenn ich wie­der fit­ter wer­den und abneh­men will, steht außer Frage. Dass ich alles, was mit Sport zu tun hat, mit jeder Faser und jedem Mus­kel mei­nes Kör­pers hasse, ist eben­falls Tat­sa­che. Irgendwo dazwi­schen muss ich also wohl einen Kom­pro­miss finden.

Immer wie­der komme ich bei sol­chen Über­le­gun­gen zurück zu der Zeit in Malente und frage mich: was war damals so gut, was hat mir gehol­fen? In Bezug auf die Bewe­gung war das Wich­tigste, dass ich einen fes­ten Zeit- bzw. Stun­den- und Wochen­plan hatte. Diens­tags um 10 Uhr war Aqua­gym­nas­tik, Frei­tags um 13 Uhr Ergo­me­ter­gruppe, dazwi­schen zwei (wöchent­lich wech­selnde, aber fixe) Ter­mine, an denen ich alleine im Gerä­te­raum war und machen konnte, was ich wollte. Natür­lich hat mich nie­mand gezwun­gen, diese Ter­mine ein­zu­hal­ten, aber mir war auch klar, dass sie sein müs­sen und ich hab sie wahr genom­men.
Vor allem die Grup­pen waren gut, weil ich nicht alleine kämp­fen musste und weil wir uns gegen­sei­tig ange­spornt haben. Das fehlt mir hier zuhause sehr. Mein eige­ner Ehr­geiz, beim Sport bestimmte Ziele zu errei­chen, ist ver­schwin­dend klein. Was mich ret­tet, ist das dage­gen stark aus­ge­prägte Bedürf­nis nach run­den Zah­len. Ich fahre keine 9einhalb Minu­ten, son­dern quäle mich lie­ber bis zur 10. Bei 4,7 km kann ich nicht auf­hö­ren, ich fahre dann wei­ter bis 5 km. Sowas hilft, erhöht den Spaß­fak­tor aber nicht im geringsten.

Ich brau­che also - wenn ich hier schon keine Gruppe habe - einen Plan, eine Rou­tine. Etwas, wor­über ich nicht nach­denke, was ein­fach dazu gehört. Im Laufe eines Tages hab ich genau ein­mal eine Rou­tine und das ist am Mor­gen.
Ich stehe auf, geh aufs Klo, schiebe an Tagen ohne Ter­min Bröt­chen in den Ofen, dusche, setze Kaf­fee auf, stell den Com­pu­ter an, zieh meine beque­men Zuhause-Kla­mot­ten an, richte das Früh­stück, setze mich damit an den Rech­ner und früh­stü­cke, wäh­rend ich meine Social Media Kanäle nach­lese. Das mache ich jeden Mor­gen und in immer der glei­chen Rei­hen­folge. Danach fängt der indi­vi­du­elle Teil des Tages an: ent­we­der muss ich los oder ich hab “frei” und mache diver­sen Kram. Wann ich nach Ter­mi­nen nach Hause komme, ist unter­schied­lich, meis­tens bin ich danach müde und hung­rig und mag nichts mehr tun. An den ande­ren Tagen bin ich beschäf­tigt mit Zeug und denke nicht an Sport oder so. Abends mag ich nicht mehr aufs Rad.
Bei mei­ner Über­le­gung spielt auch eine Rolle, dass ich nicht schwit­zen mag und, falls es doch so ist, danach schnell und unbe­dingt unter die Dusche muss. Ich hab aber auch keine Lust, mich dau­ernd umzu­zie­hen je nach Akti­vi­tät. Mor­gens in die Kla­mot­ten, dann wie­der raus und in Sport­kla­mot­ten (die ich durch­schwit­zen kann), dann da raus und unter die Dusche, dann wie­der rein in nor­male Kla­mot­ten … das ist mir alles zu umständ­lich und irgend­wie lächer­lich.
Eigent­lich will ich gar nicht über das alles nach­den­ken. Aber wenn es schon sein muss, dann scheint mir am logischs­ten, dass ich die­ses Sport­dings in die Mor­gen­rou­tine einbaue. 

Seit letz­tem Sams­tag ist dies der Ablauf: ich stehe auf, geh aufs Klo, ziehe mir Unter­büxe, Shirt und Sport­hose (jaha, ich hab sowas!!) an, fahre den Rech­ner hoch, damit ich ein schö­nes Foto sehe, falls ich die Augen auf bekomme und setze mich dann ohne nach­zu­den­ken auf den Ergo­me­ter, wo ich z.Zt. - je nach­dem, wel­che Zahl zuerst rund wird - 5 km, 15 Minu­ten oder wenn ich rich­tig gut bin noch län­ger strample. Danach hake ich im Kalen­der ab, dass ich trai­niert habe und beru­hige mei­nen Puls dabei, dann geht es raus aus den müf­feln­den Kla­mot­ten und end­lich unter die Dusche. Der Rest ist dann wie oben beschrie­ben. An immer­hin 4 von 7 Tagen hab ich es so geschafft und damit mein selbst gesteck­tes Wochen­ziel erreicht.

Ist das jetzt gut? Ich weiß es nicht. Wenn ich mir vor­stelle, das die nächs­ten JAHRE! durch­zu­zie­hen, wird mir schwin­de­lig und ich möchte wei­nen und schreien, weil es im Zusam­men­hang mit mir ein­fach so absurd ist. Nein, es ist nicht unend­lich schwer, es ist schon irgend­wie zu machen und es dau­ert ja auch nur eine Vier­tel­stunde län­ger als sonst, aber dass das ab jetzt und für immer zu mei­nem Mor­gen­ri­tual gehö­ren soll … ich weiß nicht. Das bin ich eigent­lich nicht und es fühlt sich an wie Betrug an mir selbst. Ich bin doch in Wirk­lich­keit viel mehr so wie da oben auf dem Foto: das Fahr­rad als beque­mes Fort­be­we­gungs­mit­tel nut­zen, um an einen Platz zu kom­men, an dem ich sit­zen und die Aus­sicht genie­ßen kann. Ob ich mich wirk­lich an das andere gewöh­nen kann und werde?

(Selbst meine Waage weiß nicht, was sie davon hal­ten soll und zeigt mehr als vor­her an. Das aller­dings könnte auch an der Tüte Erd­nuss­flips lie­gen, die mir am Don­ners­tag in den Ein­kaufs­korb geflo­gen sind.)

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