14-03-2021 Sonntag

(Puh, ist das stau­big hier.)

Nein, so rich­tig viel bes­ser ist es nicht gewor­den seit letz­ter Woche. Eigent­lich eher das Gegen­teil: im Moment bin ich die meiste Zeit von irgend­was genervt *) und dann bin ich genervt davon, dass ich genervt bin und so schlechte Laune habe und nicht raus komme aus der Stim­mung und mich erst recht von allem und allen zurück ziehe, was aber ja auch über­haupt nicht hilft.

*) Weil das Wet­ter so furcht­bar ist. Weil, wenn es doch mal gut ist, halb Ham­burg an den schö­nen Plät­zen unter­wegs ist. Weil von denen kaum jemand MNS trägt. Weil die Ober­nach­barn so laut sind. Weil die Web­seite nicht so wird, wie ich sie vor Augen habe. Weil mein PC nicht mehr in der Lage ist, zwei große Pro­gramme neben­ein­an­der aus­zu­füh­ren und nur noch hängt und hängt und hängt. Weil ich kein Geld für einen neuen hab. Weil ich end­lich Kla­mot­ten bestel­len will und dann sind die Jeans aus­ver­kauft. Weil ich es nicht schaffe, an meine Lis­ten zu gehen. Weil ich mich bei ande­ren über Dinge ärgere, die eigent­lich meine eige­nen sind und ich es inner­lich nicht getrennt kriege. Weil ich es als letzte erfahre, dass ich einen neuen Groß­nef­fen habe. Weil ich keine pas­sende Musik finde, um meine Laune zu ver­bes­sern. Weil der Kör­per ein­fach nicht mehr mit­macht. Weil das Jam­mern dar­über nichts ändert. Weil ich immer und ewig alleine bin.


Nach den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit Depres­sion und sozia­ler Stö­rung hätte ich nicht gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber: mir feh­len Men­schen. Sol­che zum Anfas­sen, also in mei­nem Off­line-Leben. Ver­traute Men­schen zum Reden, Lachen, was unter­neh­men, ein­fach zusam­men sein.
Ich bin froh und dank­bar für meine Online-Men­schen, ohne die ich vie­les nicht geschafft hätte, aber bis auf ganz wenige Aus­nah­men sind diese Kon­takte locker, spo­ra­disch, wenig kom­mu­ni­ka­tiv, oft ein­sei­tig. Das reicht ein­fach nicht. Vor allem nicht in sol­chen Zei­ten wie jetzt grade, wenn ich eher zurück­hal­tend bin und nicht viel schrei­ben mag. Dann sitze ich ein­sam vor mei­ner Twit­ter-Time­line und weiß gar nicht, was ich da soll. Es sieht mich ja nie­mand, es weiß nie­mand, wie es mir geht, es fragt auch nie­mand — und anders­rum ist es ja genauso.

Mit Schre­cken wurde mir vor­hin bewußt, dass ich schon lange - also nicht erst seit Corona - immer nur die glei­che Hand­voll Men­schen regel­mä­ßig sehe. Abge­se­hen von den “Neben­fi­gu­ren” wie Ver­käu­fe­rIn­nen in den Super­märk­ten, Nach­ba­rIn­nen und Ärz­tIn­nen sind das nur die Toch­ter mit Anhang, die The­ra­peu­tin und die Hil­fe­be­glei­tung. Keine gleich­alt­ri­gen, gleich­ge­sinn­ten Freun­dIn­nen und schon gar kei­nen Part­ner. Da ist nichts, nie­mand, nada, niente. Und manch­mal macht mich das unend­lich traurig.

Die The­ra­peu­tin erin­nerte mich in der letz­ten Stunde daran, dass ich mal davon sprach, mir einen neuen Chor zu suchen. Wie doof, dass wir grade das Coro­na­din­gens haben. Das ist wirk­lich die blö­deste Zeit, sich ein­sam zu füh­len. Viel­leicht sollte ich mir wie­der einen Hams­ter zulegen.

07-03-2021 Ein langer Prozess

Ich hab sie nicht gezählt, die Ver­su­che, hier etwas zu schrei­ben in den letz­ten 2einhalb Wochen. Eine Hand­voll oder mehr mögen es gewe­sen sein; ein jeder endete damit, dass ich die Bei­träge unge­schrie­ben gelöscht habe. Meine Hände lagen vor der Tas­ta­tur auf dem Schreib­tisch, unfä­hig, eine Ver­bin­dung zum Kopf herzustellen.

Da waren ein­fach zu viele Gefühle, die nicht sor­tiert wer­den konn­ten. Zu viele Gedan­ken, die ich nicht in Wor­ten und Sät­zen fest­hal­ten mochte, weil ich ahnte, dass da etwas ganz ande­res dahin­ter steht.
Lange Gesprä­che mit den bei­den Bezugs­frauen hal­fen, mir über eini­ges klar zu wer­den, aber bis das vom Wis­sen ins Füh­len geht, dau­ert es auch immer eine Weile.

Wie ich vor eini­ger Zeit schon ein­mal schrieb: dass ich der Stimme jetzt etwas ent­ge­gen hal­ten kann, bedeu­tet nicht, dass sie auf ein­mal und für immer schweigt. Bis dahin ist es noch ein lan­ger Pro­zess aus ver­su­chen und schei­tern, wie­der ver­su­chen, ana­ly­sie­ren, pas­sende Schub­la­den und neue Wege finden …

Und manch­mal brau­che ich dann eine Pause von allem. Das darf so sein.

18-02-2021 Umwege sind die besten Wege

(Nach­ge­tra­gen am 21.02.2021)
Solange Igor noch nicht aus dem Schne­cken­haus und die Worte noch nicht aus dem Kopf in die Tas­ta­tur wol­len, kön­nen ja auch die Fotos vom letz­ten “Umweg” den Platz einnehmen.

Die Sonne scheint und lockt, als ich nach der The­ra­pie zum Bus gehe, also nehm ich den ande­ren als den übli­chen und fahre nicht direkt nach Hause, son­dern über Altona zum Fisch­markt an die Elbe. Ich hab eine Tages­karte, ich kann über­all hin. Und das beste daran: ich kann damit auch jeder­zeit mal eben ein Stück die Fähre neh­men. Nicht nur, dass der Kopf dabei ordent­lich durch­ge­pus­tet wird, es ist auch immer ein klei­nes biß­chen ein Sicht­wech­sel. Wie in den The­ra­pie­stun­den: mal von einer ande­ren Seite zu gucken, ermög­licht es, gewohnte Dinge neu und anders zu sehen.

17-02-2021 Aushalten, durchhalten, weiter gehen

Ich schlafe lange, es treibt mich nicht aus dem Bett in den Tag. Ich stehe den­noch irgend­wann auf, bin dann wach, aber ohne Ener­gie. Ein­mal kurz den Flur gesaugt und ich bin aus der Puste. Eine Maschine Wäsche gewa­schen und auf­ge­hängt und wie­der zurück aufs Sofa. Der Wochen­ein­kauf ein Mara­thon, den ich mög­lichst lange raus­schiebe.
Keine Kraft - keine Bewe­gung - keine Kraft. Ein Teu­fels­kreis, der immer in die fal­sche Rich­tung geht.

Der Mensch braucht eine Bestim­mung, eine Auf­gabe, eine Daseins-Berech­ti­gung, irgend­ei­nen Grund, am Leben zu sein. Lange Zeit bestand meine Auf­gabe darin, gesund zu wer­den, gut zu mir zu sein, neue Lebens­mus­ter zu weben. Inzwi­schen geht es mir wesent­lich bes­ser als vor 10 Jah­ren, zu Beginn der Depres­sion.
Den­noch fehlt eine Per­spek­tive. Wann bin ich fer­tig mit der Auf­gabe? Gibt es dann eine neue und wel­che und woher nehme ich die Ener­gie dafür?

Als ich noch im Berufs­le­ben stand, war es ver­gleichs­weise ein­fach: ich bin auf­ge­stan­den und zur Arbeit gegan­gen, weil es das war, was ich tat und wofür ich Geld bekam. Abge­se­hen von den Chefs war das meis­tens gut und hat mich aus­ge­füllt, mir Spaß gemacht. Über den Rest drum­herum hab ich mir nicht viele Gedan­ken gemacht (zumin­dest, was mich anging). Ein, zwei Hob­bies, viel Musik, ab und zu eine Reise, die Fami­lie. Es war nicht pri­ckelnd und mit Sicher­heit nicht, was ich mir immer erträumt hatte, aber irgend­wie okay für lange Zeit.

Heute ist klar, dass ich kei­nen fes­ten, bezahl­ten Job mehr aus­üben werde. Dafür bin ich zu alt und zu krank, ich habe das akzep­tiert. Aber mir fehlt die Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der ich jeden Mor­gen auf­ge­stan­den bin, weil ich etwas zu erle­di­gen hatte.
Es ist nett, nichts mehr zu müs­sen, nie­man­dens Erwar­tun­gen zu erfül­len, meis­tens nur noch zu tun, was ich will. Aber es ist ver­dammt anstren­gend, jeden Tag aus sich selbst her­aus einen Grund zum wei­ter­ge­hen zu fin­den, wenn die Ener­gie nicht da ist.

Manch­mal über­lege ich, was ich ehren­amt­lich gerne machen würde. Kat­zen im Tier­heim füt­tern und lie­ben. Bei der Essens­aus­gabe für Obdach­lose, Arme, Geflüch­tete hel­fen. Die Paten­schaft für eine junge depres­sive Frau über­neh­men. Mich zur Gene­sungs­be­glei­te­rin aus­bil­den las­sen. Socken für Früh­chen stri­cken.
Es gäbe so viele Mög­lich­kei­ten, so viele Stel­len, an denen ich mich ver­mut­lich wohl füh­len würde und meine Fähig­kei­ten von Nut­zen sein könn­ten. Und dann stelle ich wie­der fest, dass meine Ener­gie grade mal dazu reicht, mei­nen Flur zu sau­gen. Dass ich von mehr als zwei Ter­mi­nen pro Woche über­for­dert bin. Dass mich ein wun­der­schö­nes Tref­fen mit mei­nem Her­zens­kind mal eben für ein paar Tage aus den Socken haut. Wie könnte ich denn so Ver­pflich­tun­gen eingehen?

Wo ist meine Auf­gabe, meine Bestim­mung, meine Daseins­be­rech­ti­gung? *)

*) Nach­trag am 18.02.2021
Erst im Nach­hin­ein, durch eine Bemer­kung von D., wurde mir klar, dass ich das Wort “Daseins­be­rech­ti­gung” aus alter Gewohn­heit benutzt habe, obwohl es inzwi­schen nicht mehr zutrifft. Denn ich weiß ja seit eini­ger Zeit, dass nie­mand mir die­ses Recht geben und schon gar nicht neh­men kann, genauso wie nie­mand das Recht hat, mich auf­grund von irgend­was (Leis­tung, Aus­se­hen, Fähig­kei­ten, Net­tig­keit …) zu beur­tei­len oder zu bewer­ten. Ich weiß, dass ich genug bin - für mich. Und nie­mand ande­res zählt in die­sem Punkt.
Dass ich mir etwas wün­sche, wofür sich das Auf­ste­hen und Wei­ter­ma­chen lohnt, bleibt unab­hän­gig davon bestehen.

15-02-2021 Ernüchterung

Und dann lieg ich am Mor­gen nach dem Tag, der so vol­ler Glück war, ewig lang im Bett und alles ist weg und es gibt ein­fach kei­nen Grund, über­haupt auf­zu­ste­hen. Was erwar­tet mich denn außer der Anstren­gung, jeden Tag aufs Neue aus­zu­hal­ten und durch­zu­hal­ten und nur aus mir selbst her­aus die Moti­va­tion auf­zu­brin­gen, genau so noch die nächs­ten 10 oder 20 Jahre wei­ter zu machen?

Sol­che High­lights rei­chen nicht, so wun­der­voll sie auch sind. Zudem kann ich mei­ner Toch­ter nicht auf­bür­den, mein ein­zi­ges Glück, mein Lebens­in­halt zu sein. Das wollte ich frü­her nicht, das will ich noch immer nicht.

Immer wie­der ist das Leben ein­fach eine Qual. Ich weiß nicht, wo das hin führt.

14-02-2021 Voller Liebe

Heute Nacht mal wie­der ein Traum vom Ex. Ich wurde davon wach, dass ich laut gespro­chen hab. “Geh raus aus mei­nem Leben” sagte ich ihm und ich wäre wirk­lich froh, wenn ich die­ses Kapi­tel in echt dann auch end­lich mal abschlie­ßen könnte.


Und dann kamen am Nach­mit­tag die Toch­ter mit Enkel und Freund. Nach fast acht Wochen das erste Mal wie­der sehen und in den Arm neh­men und drü­cken und nicht wie­der los las­sen. Natür­lich haben wir in der Zwi­schen­zeit viel tele­fo­niert, aber so ganz in live ist es ein­fach sooo viel besser.

Erst sind wir bei herr­lich son­ni­gem Win­ter­wet­ter raus, durch die alt-ver­trau­ten Stra­ßen Rich­tung Wei­her. Unter­wegs gab es ein Eis für die Drei und so viel reden und erzäh­len und zei­gen. Es ist unsere “Hood” seit Ewig­kei­ten, unser Zuhause, hier ist J. groß gewor­den - und jetzt zeigt sie es ihrem Sohn und dem Freund.

Lei­der war halb Eims­büt­tel auf dem zuge­fro­re­nen Wei­her und lei­der dach­ten anschei­nend alle, dass Corona sie nicht tref­fen kann, wenn sie als Fami­lien mit Kin­dern unter­wegs sind und so tru­gen ziem­lich genau 4 Men­schen einen MNS (näm­lich wir) und wir nah­men dann auch schnell Reiß­aus. Sol­len die das doch unter sich ver­tei­len. (Wir haben alle in den letz­ten 2 Wochen nie­man­den gese­hen und fühl­ten uns unter­ein­an­der sicher.)

Spä­ter saßen wir bei Kaf­fee und Kakao zusam­men, tausch­ten end­lich die Geschenke aus, die seit Weih­nach­ten hier lie­gen und rede­ten, erzähl­ten, spiel­ten und ich bin jetzt über­glück­lich, müde, auf­ge­tankt mit Liebe und erwähnte ich schon, dass ich glück­lich vor mich hin strahle?

12-02-2021 Freitag, nichts Neues.

Obwohl ich eigent­lich recht gut schlafe, bin ich heute mor­gen mit­tag mit fie­sen Kopf- und Rücken­schmer­zen auf­ge­wacht, als hätte ich die ganze Nacht völ­lig ver­krampft gele­gen. Keine Ahnung, woher das kam, denn dass die Schul­tern per­ma­nent ver­spannt sind, ist ja nichts Neues.
Der Traum (also der, der im Gedächt­nis blieb) war es sicher auch nicht, der war näm­lich see­ehr schön … 😊


Der Ter­min bei Fiel­mann ges­tern hat wun­der­bar geklappt. Die Men­schen stan­den drau­ßen in einer Reihe und war­te­ten, bis sie dran waren. Keine hat gedrän­gelt oder geme­ckert, dafür sind wir ja schon dank­bar in die­sen Tagen. Im Laden selbst 3 Optiker:innen und 3 Kund:innen, alle mit Mas­ken und Abstand, so gehts.
Und jeden­falls sitzt die Brille jetzt wie­der ordent­lich (schon fast zu) fest und rutscht auch mit der FFP2-Maske nicht von der Nase. Lei­der beschlägt sie wei­ter­hin je nach Sitz der Maske, aber solange ich mich nicht im Ver­kehr bewege, krieg ich das irgend­wie hin. Bis zum Ende der Pan­de­mie hab ich ja noch Zeit zum Üben. Also so 1, 2 Jahre oder so.

Dann noch eben zum Super­markt, jetzt sind Kühl- und Küchen­schrank wie­der gefüllt und ich muss im Prin­zip erst in einer Woche wie­der raus.


Ansons­ten pas­siert nicht viel. Ich bas­tel an Web­sei­ten-Lay­outs, lerne viel Neues dabei, lese, gucke “The Crown” auf Net­flix, ärger mich über die Poli­tik, schiebe den Blues mög­lichst bei­seite und immer mal wie­der Ver­gan­gen­heits­kis­ten von einer Stelle zur ande­ren. Nichts, wor­über sich zu schrei­ben loh­nen würde.

09-02-2021 Tagebuch, Dienstag

Ich mag ja den Kachel­mann nicht, die­sen Wet­ter­men­schen. Unan­ge­nehm, seit der Anklage damals. Egal. Jeden­falls hat der viele Jahre davor, als er noch neu und wit­zig im TV war, einen Aus­druck gebracht, den ich seit­dem nicht mehr ver­ges­sen hab. “Gesäß­glatt” war das Wort. “Scheiße” und “Arsch” gal­ten zu der Zeit noch als unan­stän­dig, aber anders ließ sich der Zustand der Wege in die­sem Win­ter vor tau­send Jah­ren nicht beschrei­ben.
Die­ser Aus­druck lässt sich auch abwan­deln und so würde ich mal behaup­ten, da drau­ßen ist es seit ein paar Tagen wirk­lich gesäß­kalt. Seit ges­tern schneit es auch wie­der, ganz lang­sam und bedäch­tig flie­gen große Flo­cken durch die Luft, mal hoch, mal seit­wärts, irgend­wann auch nach unten und blei­ben dann da und bil­den eine luf­tige, dau­nen­di­cke Decke auf Dächern, Autos, Wegen und allem, was da rum­steht und nicht recht­zei­tig ins Warme gebracht wurde. Schön sieht das aus. Und arschkalt.


Wie schon mehr­fach hier erwähnt, schlafe ich ja bei offe­nem Fens­ter, zu jeder Jah­res­zeit. Und ohne Kla­mot­ten. Eine Hei­zung gibts, aber die ist nie an.
Heute mor­gen hab ich mir mal den Spaß gemacht und vom ers­ten schnel­len Gang ins Bad das Ther­mo­me­ter mit zurück ins Schlaf­zim­mer genom­men und nach einer Weile dann auch unter meine Decke. Ver­dammt kalte 5° waren es da im Zim­mer - bei mir im kusche­li­gen Bett aber satte 20°. Ich bin also wirk­lich ein Heizkraftwerk.


Am Sams­tag kamen per Post die bei­den neuen Berech­ti­gungs­scheine für je 6 FFP2-Schutz­mas­ken zur Abho­lung in der Apo­theke. Ende letz­ten Jah­res gab es ja schon die ers­ten 3 kos­ten­lo­sen Mas­ken und im Prin­zip finde ich das ganz groß­ar­tig, weil eben von “oben” gesorgt wird. Mein Pro­blem ist nur, dass diese dicke­ren Mas­ken ein­fach nicht auf mein Gesicht bzw. unter die Brille pas­sen wol­len. Ich kann noch so sehr am Nasen­bü­gel drü­cken und schie­ben, die Glä­ser sind stän­dig beschla­gen und die Brille fällt mir regel­recht ent­ge­gen. Es nervt total, weil ich mich ande­rer­seits mit den bes­se­ren Mas­ken wirk­lich geschütz­ter fühle und sie gerne tra­gen würde.
Heute hat mir Frau R. den hei­ßen Tipp gege­ben, dass die Opti­ker wohl Ter­mine ver­ge­ben, auch online, zu denen man in den Laden kom­men kann. Ich hab dann jetzt einen für Don­ners­tag. Viel­leicht ist ja ein­fach die Brille so aus­ge­lei­ert, dass sie des­we­gen nicht hält. Ich hoffe es wirk­lich sehr.


Und sonst hab ich beim Rum­stö­bern in Gra­fik­sei­ten ges­tern wun­der­schöne Lay­outs für Web­sei­ten gese­hen und wie­der­mal bedau­ert, dass ich selbst nicht krea­tiv genug bin, mir sowas aus­zu­den­ken. Ande­rer­seits braucht es ja auch Men­schen, die so etwas umset­zen kön­nen und viel­leicht kann ich irgend­wann akzep­tie­ren und aner­ken­nen, dass das der Bereich ist, in dem ich ganz gut bin. Ich arbeite dran.


Musik! Das “Pra­gue Cello Quar­tet” spielt die Bohemian Rhap­sody. So toll!

07-01-2021 Mehr Geduld!

Ges­tern wollte ich eigent­lich nur kurz die Wäsche abneh­men und das Geschirr weg­räu­men, um danach zu staub­saugen. Sams­tags­be­schäf­ti­gung – unge­liebt, aber not­wen­dig in Abstän­den. Und dann räumte ich nicht nur Geschirr, son­dern auch das Gestell weg und holte das Putz­mit­tel und wenn ich das schon in der Hand hatte, könnte ich ja auch noch hier und da und die Fens­ter­bänke hat­ten es echt drin­gend nötig und der Schreib­tisch ja auch und über­haupt gab es da ja noch diese Papier­sta­pel zum Auf­räu­men. Zum Glück konnte ich mich kurz vorm Fens­ter put­zen stop­pen, das wäre sonst womög­lich noch aus­ge­ar­tet.
Jeden­falls war am Ende eini­ges sau­be­rer und ordent­li­cher als vor­her und ich war am spä­ten Nach­mit­tag frisch geduscht und hatte ein flau­schi­ges, frisch bezo­ge­nes Bett, in das ich mich nachts irgend­wann kuschelte. Und zum Glück hatte ich auch die etwas dickere Sei­den­de­cke ein­ge­zo­gen, denn der Sturm tobte nur so ums Haus und ins Fens­ter und es war eisekalt. So kalt, dass ich mir sogar irgend­wann eine Wärm­fla­sche holte, weil die Füße ein­fach nicht warm wer­den woll­ten.
Lei­der ist das aber zu kalt für Schnee, den dür­fen sich andere anschauen mit dem müs­sen sich andere rumärgern.

Über allem Put­zen war ich dann so müde, dass ich den Abend auf dem Sofa ver­bracht habe, obwohl ich eigent­lich hier schrei­ben wollte. Aber mich drängt ja nichts.
Das scheint mein Man­tra für 2021 zu werden.


Am Don­ners­tag hatte ich in der The­ra­pie erzählt, was ich hier vor­her geschrie­ben hatte. Dass ich Igor ver­misse und dass da die­ses graue Loch ist, das ich nicht fül­len kann. Dass mir die Kraft und die Freude feh­len und die Ener­gie, die doch jetzt eigent­lich da sein müsste – jetzt, wo ich so viel bes­ser mit der Stimme in mei­nem Kopf umge­hen kann.

“Das ist jetzt aber grade nicht die Zeit, um viel Ener­gie und Farbe zu erwar­ten”, sagt die The­ra­peu­tin dazu. Weil es auf­grund der #aktu­el­len­Si­tua­tion sowieso schwer ist, weil wir alle müde und gefrus­tet sind und nicht wis­sen, wie es wei­ter geht. Weil das eben zu allem per­sön­li­chen noch dazu kommt. “Seien Sie gedul­dig, geben Sie sich Zeit”, meint sie. Und natür­lich hat sie Recht damit, ich dachte es am Mor­gen schon: ich bin wie­der viel zu unge­dul­dig mit mir.

Ich hab so lange mit der Stimme gelebt - selbst wenn ich jetzt schon bes­ser damit umge­hen kann, ist sie ja nicht auf ein­mal kom­plett weg. Jedes Mal, wenn sie sich mel­det, muss ich inner­lich aktiv etwas dage­gen set­zen. Das will geübt wer­den, das geht nicht von jetzt auf gleich und immer.
Wenn ich einen kom­pli­zier­ten Bein­bruch habe, der mich lange Zeit lahm legt, kann ich auch kei­nen Mara­thon lau­fen, sobald der Gips ab ist. Ich muss mit Baby­schrit­ten lau­fen ler­nen. Ich muss hin­fal­len und wie­der auf­ste­hen und mir bewußt wer­den über meine neuen Fähig­kei­ten und sie so lange wie­der­ho­len, bis ich von alleine gehen kann.

Die Erkennt­nis macht auch dies­mal kein Grau weg, aber das Grau fühlt sich wenigs­tens freund­li­cher und wei­cher an. Das ist doch auch schon was.


Einer, dem die #aktu­el­le­Si­tua­tion auch zu schaf­fen macht, ist mein ver­ehr­ter Herr Bud­den­bohm. Der kann das aber in schö­nere Worte fassen.

Ich durch­schaue mich in beschei­de­ner Weis­heit selbst, ich erkenne immer­hin, dass das nur eine Über­sprungs­hand­lung ist. Es ist die Ver­mei­dung der gro­ßen Leere. Ich beschließe, die Leere aus­zu­hal­ten. Weg mit all den Sucht­mit­teln, die Bücher weg, die Musik weg, die Scho­ko­lade weg, die Nüss­chen weg.

Ich setze mich ent­schlos­sen aufs Sofa, ich bin ein­fach nur, so geht das auch. Ich sitze und atme tief, ich schlafe sofort ein. Das ist näm­lich die Wahr­heit, denke ich mir danach, also nach dem exten­ded Nicker­chen, im Grunde ist diese unfass­bare Müdig­keit die ein­zige Wahr­heit im Moment und den Groove suche ich nur noch, um mich nach sei­nem Rhyth­mus durch den Tag zu trei­ben wie einen lah­men Gaul, der schon lange nicht mehr will.

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2021/02/04/der-groove/

02-02-2021 Missing Igor

Heute Nacht hab ich geträumt, dass ich (in einem Klas­sen­zim­mer oder einem Grup­pen­raum in der Psy­cho­kli­nik? Sowas in die­ser Art) mit einer Gruppe Men­schen zusam­men saß, die mir sehr ver­traut waren; mit einem davon war ich zusam­men oder so, das ist nur noch vage im Kopf.
Was aber nach dem Auf­wa­chen noch da war und den gan­zen Tag im Gefühl blieb: wir haben uns im Traum immer wie­der umarmt und ich dachte dabei (im Traum), dass ich das (in echt) am aller­meis­ten ver­misse in der #aktu­el­len­Si­tua­tion. Berührt zu wer­den, gehal­ten zu wer­den. Die ganz gro­ßen Umar­mun­gen genauso wie die klei­nen absicht­li­chen und zufäl­li­gen Berüh­run­gen. Haut an Haut. Die Ver­bin­dung zu einem Men­schen nicht nur füh­len, son­dern auch kör­per­lich spü­ren. Es fehlt so, so sehr. 


Ich ver­su­che, psy­chisch wenigs­tens auf mei­ner Nor­mal­null-Linie zu blei­ben. Mich nicht allzu sehr von allem nach unten zie­hen zu las­sen, nicht zu lange trau­rig zu sein, mich nicht auf das Nega­tive zu fokus­sie­ren. Ich gebe mir Mühe, freund­lich und gut zu mir zu sein. Aber es wird nicht hel­ler in mir.
Ich sehe die Fort­schritte in der The­ra­pie. Ich lerne, die neu­es­ten Erkennt­nisse anzu­wen­den und vie­les anders zu den­ken. Das tut gut, weil damit der Selbst­hass weni­ger wird. Aber es wird nicht hel­ler in mir.
Ich dachte, ich könnte ohne die Stimme in mei­nem Kopf wie­der stär­ker wer­den, selbst­si­che­rer, zufrie­de­ner. Ich dachte, ich könnte jetzt end­lich mit gutem Gefühl tun, was ich mag, was mich aus­füllt. Aber ich hab nicht plötz­lich wie­der mehr Kraft und es wird nicht hel­ler in mir.

Da, wo die Stimme bis­her so über­laut über allem stand, ent­steht grade ein gro­ßes Loch. Die Stimme wird lei­ser, die Zwei­fel weni­ger, die Wut lässt lang­sam nach — aber da kommt nichts ande­res statt des­sen. Da ist trotz­dem nicht auf ein­mal alles gut. Ich weiß nicht, ob ich das erwar­tet hatte, aber es wird mir grade bewußt. Es ist, als wäre ich zwar eine etwas bes­sere Ver­sion von mir, aber in farb­lo­sem Grau. 

Und plötz­lich ver­misse ich Igor. Weil ich, wenn er da war, wenigs­tens etwas gefühlt habe. Weil die Angst, der Zwei­fel, der Selbst­hass stark waren, Kraft hat­ten, auch wenn sie mich damit nach unten gedrückt haben. Weil da Tiefe war, bis in den dun­kels­ten Abgrund. Und weil ich immer das Gefühl hatte, dass diese Tiefe mich zu einem Teil aus­macht. Weil in dem Schwarz und dem Weiß - das es ja auch immer wie­der gab - ein unge­heu­rer Kon­trast war, wäh­rend das jet­zige Grau ein­fach nur ver­wa­schen und kon­tur­los ist.
Und ganz neben­bei: weil ich in die­sen Zei­ten Gedichte schrei­ben konnte, wie sie auf mei­ner ande­ren Seite zu lesen sind. Auch das ver­misse ich sehr.

Denn jetzt ist da ein Loch, aber noch nichts, womit ich es fül­len kann.


Out in this no man’s land I’m try­ing to be me
Out in this no man’s land I’m dying to be free
If only I could change

HAEVN - No Mans Land

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