Wertschätzung oder: meinen die wirklich mich?

Sie sagen: Du hast dich sehr ver­än­dert in den letz­ten Wochen, man kann es sehen.
Sie sagen: Du bist weich gewor­den, du hast dich geöff­net.
Sie sagen: Du strahlst so viel Ruhe aus.
Frau Sp. sagt: Sie sind ein tol­ler Mensch, Sie haben der Gruppe gut getan.
Frau Sch. sagt: Sie haben der Gruppe so viel gege­ben, Sie sind eine wun­der­bare Frau, ich werde Sie ver­mis­sen.
Herr S. sagt: Was mach ich denn ohne Sie?
L. sagt: Ganz viele der Sätze, die ich auf­ge­schrie­ben habe, sind von dir.
D. sagt: Ich habe viel von dir gelernt.
M. sagt: Du hast so viele tolle Sachen gesagt und so viel bei­getra­gen, was uns wei­ter brachte.

Und ich stehe da, gucke sie an und frage mich: mei­nen die wirk­lich mich? Ich habe doch gar nichts getan. Ich war doch nur ich.

Werde ich die Wert­schät­zung hin­ter die­sen Sät­zen jemals anneh­men können?

Müde und erschöpft

Vor­ges­tern mor­gen, als der Wecker um 10 vor 7 klin­gelte, weil ich um sie­ben beim Ergo­me­ter­trai­ning sein sollte, saß ich auf dem Bett­rand und merkte plötz­lich sehr deut­lich, dass ich nicht mehr kann. Dass ich total erschöpft bin und grade keine Kraft mehr habe.

Mit Ankunft in der Kli­nik - nein, eigent­lich schon mit dem Anruf 5 Tage vor­her, dass ich kom­men kann, stieg mein Akti­vi­täts­le­vel von ca. 30 auf 180. Seit­dem gebe ich Voll­gas mit einem kom­plett durch­ge­tak­te­ten Ter­min­plan (Sport, Grup­pen, The­ra­pie und Essens­zei­ten) und einer für mich irr­wit­zig hohen Anzahl an frem­den Men­schen. Und dann gehe ich auch noch in Ver­län­ge­rung.
Natür­lich gibt es Pau­sen zwi­schen den ein­zel­nen Sachen (meis­tens jeden­falls, manch­mal reicht die Zeit auch grade eben zum duschen und umzie­hen) und am Wochen­ende ist frei bis auf die fes­ten Essens­zei­ten, aber da ich so lange vor­her im Ver­hält­nis so wenig getan hab und unter­wegs war, wun­dere ich mich eigent­lich, dass ich immer noch irgend­wie durch­halte und wei­ter mache. Aber ich bin jetzt wirk­lich müde und hart an mei­ner Grenze.

Eine Woche und zwei Tage habe ich noch hier. Natür­lich gebe ich nicht auf so kurz vor Schluss, aber ich werde das Pro­gramm eigen­mäch­tig etwas redu­zie­ren und auf jeden Fall die bei­den Ergo­me­ter­ter­mine am Mor­gen aus­fal­len las­sen. Die PMR steht schon nicht mehr auf dem Plan, die brau­che ich auch nicht mehr. In der MTT gibt es nur noch 5 Minu­ten Rad­fah­ren zum Auf­wär­men und danach nur Gerä­te­trai­ning. Ich brau­che die Kraft für die Grup­pen­the­ra­pien, weil die mir rich­tig gut tun. Da am Don­ners­tag zwei Men­schen aus der Ankom­mens­gruppe abrei­sen und wir dann nur noch zu zweit sind, wird es eben­falls ruhiger.

Und zuhause brauch ich erst­mal Urlaub.

Verlängerung! oder: Sechs Wochen sind nicht genug

Eigent­lich würde ich am kom­men­den Mitt­woch, also in 3 Tagen, nach Hause fah­ren, denn dann sind sechs Wochen vor­bei. Aber das wäre, als ob ich bei einer Serie die letz­ten bei­den Epi­so­den nicht mehr sehen könnte und nicht wüßte, ob es gut aus­geht oder nicht. Also hab ich das Ange­bot ange­nom­men und die Zeit in der Kli­nik um zwei Wochen ver­län­gert. Ich muss wis­sen, wie die Geschichte endet.
Und außer­dem muss ich noch eine Fahrt mit dem Schiff auf dem Kel­ler­see machen!

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DBT und die Ess-The­ra­pie sind in den The­men auf sechs Wochen aus­ge­rich­tet, da hab ich die Runde jeweils fast voll­endet und fange durch die Ver­län­ge­rung quasi wie­der von vorne an. Ich finde es aller­dings rich­tig gut, weil ich so die ers­ten Ein­hei­ten noch­mal unter neuem Blick­win­kel und mit dem bis jetzt Erlern­ten im Hin­ter­grund anschauen kann. Vor allem in der DBT, weil es da dann wie­der um die Emo­tio­nen geht. Mit Hilfe der ande­ren Module kann ich jetzt viel­leicht, hof­fent­lich, wirk­lich neue Metho­den fin­den, mit mei­nen nega­ti­ven Gefüh­len umzugehen.

Die Kör­per­psy­cho­the­ra­pie geht ver­mut­lich ein­fach so wei­ter, aber weil mitt­ler­weile drei Men­schen aus unse­rer ADK-Gruppe abge­reist sind, kom­men jetzt drei Neue dazu und mit Sicher­heit wird das die Gruppe sehr ver­än­dern. Eine war am Don­ners­tag schon da, das passt ganz gut. Die bei­den ande­ren sind Män­ner und ich kann nur hof­fen, dass die The­ra­peu­tin das gut im Griff hat bzw. dass die bei­den ver­nünf­tig mit­ma­chen.
In der DBT-Gruppe sind sowieso immer min­des­tens 10 Leute, da fällt ein Wech­sel nicht so sehr auf und es geht hier ja auch nicht um die Ein­zelne und ihre Pro­bleme (außer als Bei­spiel), son­dern darum, die Metho­dik zu lernen.

Es bleibt und wird span­nend - und wei­ter­hin anstren­gend. Ich muss sehr auf­pas­sen, dass ich nicht zu viel noch ver­ste­hen, klä­ren, arbei­ten will bis dahin. Die zwei Wochen gehen am Ende schnell vor­bei, alles schaff ich sowieso nicht und ich will nicht total aus­ge­powert zuhause ankom­men. Die ers­ten wich­ti­gen Schritte und Wege hab ich aber auf jeden Fall gefunden.

***

So ganz neben­bei ist auch noch etwas ande­res pas­siert. Es gibt hier Men­schen (nicht nur aus mei­nen Grup­pen), zu denen ich guten Kon­takt gefun­den habe und die mich sehen, mögen und neh­men, wie ich bin. Ich habe mein Herz für sie geöff­net, obwohl ich es ursprüng­lich ja gar nicht wollte, um nicht spä­ter den Abschieds­schmerz aus­hal­ten zu müs­sen.
Hier ist es natür­lich ein­fach, ins Gespräch zu kom­men, weil wir eh am glei­chen Ort sind und bereits eine Gemein­sam­keit haben: wir alle sind hier, weil es einen schwer­wie­gen­den Grund gibt. Aus einem freund­li­chen “Moin” wird dann irgend­wann ein “hab einen guten Tag”, ein “wie geht es dir”, viel­leicht sogar ein “wol­len wir noch einen Kaf­fee zusam­men trin­ken?”
Oder Einer setzt sich ein­fach zu mir auf die Bank am See, weil er fin­det, dass ich trau­rig aus­sehe und dann sitzt man da eben eine Stunde oder mehr und ab da dann auch öfter mal beim Essen am glei­chen Tisch. (Gruß an J. an die­ser Stelle! ;-))
Mit ande­ren war ich neu­lich im Frei­zeit-Bas­tel­raum im Kel­ler. Eine strickte, ein paar mal­ten, zwei floch­ten Körbe, einer feilte an einem Stein. Wir unter­hiel­ten uns in Ruhe, lach­ten, wer­kel­ten vor uns hin - es war total gemüt­lich und herz­lich.
(Übri­gens hab ich meine ers­ten bei­den Acryl­bil­der gemalt! Sie sind unper­fekt und bei dem zwei­ten ist der Rand doof gewor­den, aber ich mag sie sehr.)

Ich stelle fest, dass ich mich doch sehr nach ande­ren Men­schen, nach Freund:innen sehne und dass ich das in Ham­burg sehr ver­misse. Ich ahne, dass das schwie­rig wird, wenn ich wie­der alleine zuhause bin. 

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Aber erst­mal werde ich die zusätz­li­chen zwei Wochen nut­zen. Ich arbeite, lerne, ent­de­cke immer wie­der Neues, ich lache und weine und packe die letzte Kiste Stück für Stück aus. Es ist gut. Ich bin dank­bar, dass ich hier den Ort dafür habe.

Übungstag

Wenn dir hier in der Psy­cho­kli­nik jemand schon mor­gens den Tag mit sei­nen dum­men Sprü­chen so ver­saut, dass du frei­wil­lig aufs geliebte Aqua­fit ver­zich­test, den Ärger dar­über aber ana­ly­sierst, wie du es erst grade in der DBT gelernt hast und dann erkennst, was eigent­lich dahin­ter steckt und darum in der nächs­ten Grup­pen­the­ra­pie in Trä­nen aus­brichst und danach von allem so müde bist, dass du den Sport am Nach­mit­tag auch noch absagst, dann nennt sich das “Übungs­tag”.

Hab ich den also auch hin­ter mir.

Verlängerung?

Letz­ten Mitt­woch (am 02.Juli) erwähnte Frau A., meine Bezugs­the­ra­peu­tin hier, dass es ja die Mög­lich­keit einer Ver­län­ge­rung von zwei Wochen gäbe. Weil es am Ende der Stunde war und sie keine Zeit mehr hatte, wol­len wir es beim nächs­ten Tref­fen bespre­chen. Das ist über­mor­gen, am Don­ners­tag. Seit­dem über­lege ich hin und her.

Der Ver­stand sagt, nimm mit, was du krie­gen kannst. Das Herz hat Heim­weh. Der Kör­per sagt, da geht noch mehr. Und ich bin ein­fach nur unfass­bar müde von dem gan­zen Input, der seit inzwi­schen drei Wochen auf mich ein­pras­selt, auch wenn das alles wirk­lich rich­tig gut und hilf­reich ist. Aber ich hätte eben zwei Wochen mehr Zeit, um an mei­nem Thema zu arbei­ten und von allen Sei­ten anzu­gu­cken. Jetzt, wo ich sehe, worum es geht und wohin es geht *), wäre das bestimmt hilf­reich. Hier habe ich die rich­tige, ablen­kungs­freie Umge­bung dafür, zuhause hab ich nur mich, aber kein Feed­back. Ich wäre also eigent­lich echt blöd, würde ich das Ange­bot nicht annehmen.

Aber noch hab ich ja zwei Tage Zeit, mir den Kopf zu zerbrechen.

(Zu einer Mit­pa­ti­en­tin sagte ich: “ich hab ein biß­chen Angst, dass das nur so daher gesagt war und ich die Ver­län­ge­rung doch nicht bekomme.” Ihre Ant­wort: “Wenn du Angst hast, dass es nicht klappt, hast du dich doch eigent­lich schon ent­schie­den, oder?”)

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Es ist schon ein selt­sa­mes Leben hier, so abge­schirmt. Ich gehe durch die Flure, durch das Haus, als wäre ich schon immer hier und als wäre es völ­lig nor­mal, dass sich mein Lebens­be­reich auf das hier beschränkt. Ich treffe Men­schen, die ich nor­ma­ler­weise nie und nir­gends getrof­fen hätte. Ich höre Lebens­ge­schich­ten und erfahre von Befind­lich­kei­ten, mit denen ich sonst nichts zu tun hätte. Wir sit­zen in Schlab­ber­kla­mot­ten in den Grup­pen­räu­men und erzäh­len uns Dinge, die wir “drau­ßen” nie und nim­mer preis geben wür­den. Als wür­den wir uns schon ewig ken­nen und nicht in weni­gen Wochen auf Nim­mer­wie­der­se­hen aus­ein­an­der gehen. Das macht was mit einem und wenn ich mir vor­stelle, wie das von außen aus­se­hen muss, müsste ich anfan­gen, irre zu lachen.
(Halte ich das wirk­lich noch vier Wochen aus? Oder bin ich viel­leicht schon viel zu lange hier?)

***

*) Mein Thema, das sich hier immer mehr zeigt, ist, her­aus zu fin­den, wie ich mit Wut, Trotz und Zurück­wei­sung umge­hen kann, ohne mir und ande­ren zu scha­den. Wie ich das alte Kin­der­ge­fühl des Allein­ge­las­sen Wer­dens tren­nen kann von mir als Erwach­se­ner und damit die erlen­ten Mus­ter durch­bre­chen und neue Wege gehen. Wie ich meine für mich schäd­li­chen Gefühle und Bedürf­nisse regu­lie­ren und ändern kann und sie nicht mehr mit Essen jeder Art run­ter­schlu­cken muss.

Malenter Bergfest

“Berg­fest” bezeich­net den for­mel­len und als mar­kant wahr­ge­nom­me­nen Zeit­punkt der Mitte eines bestimm­ten Zeit­ab­schnitts. Im Unter­schied zu dem iden­tisch anwend­ba­ren, aber eher sach­lich-neu­tra­len Wort “Halb­zeit” ist “Berg­fest” viel­schich­ti­ger und besitzt eine wer­tende Kom­po­nente. Der betrach­tete Zeit­raum wird mit einer Berg­be­stei­gung ver­gli­chen. Das Sym­bol “Berg” deu­tet an, dass der bereits absol­vierte Abschnitt anstren­gend oder ander­wei­tig anspruchs­voll gewe­sen ist, und dass man den ver­blei­ben­den Abschnitt trotz glei­cher Länge mit even­tu­ell weni­ger Anstren­gung zu bewäl­ti­gen hofft.

Quelle: Wiki­pe­dia

Seit 21 Tagen bin ich in der Kli­nik, heute ist also Berg­fest (sofern es nicht spä­ter noch eine Ver­län­ge­rung gibt). In die­ser Zeit habe ich unge­fähr 200 mal “Moin” und 150 mal “Hallo” gesagt, mich 60 mal bedankt, wenn jemand die Tür auf­ge­hal­ten hat und 60 mal “gerne” gesagt, wenn sich jemand bei mir dafür bedankt hat, min­des­tens 10 mal erwähnt, dass ich Sport hasse, trotz­dem 15 mal Sport gemacht (Aqua und MTT), 1 mal geweint, unzäh­lige Male gelacht, mit etwa 20 Men­schen mehr als 5 Sätze gere­det (“unter­hal­ten” nennt man das wohl), 62 aus­ge­wo­gene, meis­tens leckere Mahl­zei­ten bekom­men, 1 große und viele kleine Wäschen gewa­schen, eine noch zu zäh­lende Anzahl Vögel gehört, die ich bis jetzt nur vom Namen kannte, 7 oder 8 mal die Katze gestrei­chelt und bin täg­lich min­des­tens 2- 3000 Schritte gelaufen.

Jetzt grade bin ich müde und hab Sehn­sucht nach Zuhause, aber ich weiß, dass das nor­mal ist und vor­bei geht. Der Wochen­plan steht fest, ich kenne mich aus, fühle mich wohl und freue mich trotz Heim­weh auf die nächs­ten drei Wochen. Und viel­leicht finde ich in die­ser Zeit ja noch raus, wie ich den Schwei­ne­hund dau­er­haft ver­trei­ben kann, der da so gemüt­lich vor mei­nem hei­mi­schen Ergo­me­ter liegt.

Wei­ter geht’s.

Neue Impulse

Ursprüng­lich hatte ich mir vor­ge­nom­men, jeden Tag zu blog­gen von all dem, was hier in der Kli­nik so pas­siert, aber inzwi­schen ist mein Plan so gut gefüllt, dass ich ent­we­der keine Zeit hab oder abends ein­fach nur müde bin.

Zu dem Pro­gramm, von dem ich im vor­letz­ten Bei­trag schrieb, sind noch zwei Ein­hei­ten Ergo­me­ter­trai­ning in der Gruppe (mor­gens um 7 Uhr! VOR dem Früh­stück!!) und zwei­mal pro Woche DBT (Dia­lek­tisch-Beha­vi­orale The­ra­pie) dazu gekom­men. Dafür gibt es lei­der kein wei­te­res Ein­zel­ge­spräch mit der Ernäh­rungs­the­ra­peu­tin.
Mitt­woch und Frei­tag sind rela­tiv ent­spannt, weil da bis auf DBT keine The­ra­pie­sa­chen sind. Mon­tag, Diens­tag und Don­ners­tag drängt es sich dafür, da wird die Psy­che ordent­lich ange­regt - oder stra­pa­ziert? “Gefor­dert” trifft es ganz gut.
Außer­halb vom Was­ser finde ich Sport immer noch doof, aber das ist was ganz ande­res, als wenn wir über uns selbst, über Ver­gan­ge­nes und Schmerz­haf­tes aus unse­rem Leben reden und nach­den­ken. Aber das ganze Adi­po­si­tas­kon­zept, in das ich jetzt ein­ge­bun­den bin, ist sehr gut durch­dacht und auf­ein­an­der abge­stimmt. Die Mischung aus the­ra­peu­ti­schen und sport­li­chen Ter­mi­nen passt, es gibt Erho­lungs­pha­sen und Zeit zum nach­den­ken oder ganz ande­res zu tun.

***

Sehr gut finde ich die DBT. Man­ches davon kenne ich aus ande­ren Kli­ni­ken schon, aber in einer neuen Gruppe ent­ste­hen ja immer neue Dinge. (Ich werde noch aus­führ­lich dar­über schrei­ben.)
Span­nend war, dass der Psy­cho­loge, der das lei­tet, mich am Ende fragte, was ich beruf­lich mache. Auf meine Ant­wort, dass ich Musik­päd­ago­gin war, sagte er nur “Ja.” Auf Rück­frage meinte er, ich sei ana­ly­tisch, genau und auf den Punkt, darum passte das in seine Vor­stel­lung. Ich gestehe: es hat mir gut getan und mich gefreut. Und ich bin gespannt, wie es wei­ter geht.

***

Und dann war da letz­ten Don­ners­tag noch das Ein­zel­ge­spräch mit der Ernäh­rungs­the­ra­peu­tin, bei dem das erste Mal auch Trä­nen lie­fen.
Sie fragte nach der Fami­lie, wie ich auf­wuchs, wie ich mich fühlte. Nach wich­ti­gen Ereig­nis­sen, Lebens­um­stän­den, Ver­än­de­run­gen, was das mit mir machte, wie es mir ging an den ein­zel­nen Sta­tio­nen. Immer wie­der dabei die Frage nach dem Essen, ob es schwie­rige Pha­sen gab und warum, wann ich anfing zuzu­neh­men und was da in mei­nem Leben pas­siert war.
Sie fühlte mit, fragte nach, gab mir Zeit (und Taschen­tü­cher und einen Knet­ball) und am Ende eine feste Umarmung.

Fazit des Gesprächs: mein Pro­blem liegt wie ver­mu­tet in der Kind­heit und es mani­fes­tiert sich immer und fast aus­schließ­lich in der war­men Mahl­zeit. Früh­stück und Abend­essen waren frü­her (zumin­dest in mei­ner Erin­ne­rung, aber um die geht es ja) unpro­ble­ma­tisch und sind es auch heute noch. Ich bekomme bei die­sen Mahl­zei­ten aus­rei­chend Nah­rung, ich denke wenig dar­über nach, mein Gefühl ist posi­tiv und ich merke gut, wenn ich satt bin.
Die Mit­tags­mahl­zeit jedoch, also das, was ich täg­lich koche und was täg­lich vari­iert, trig­gert immer wie­der, oft auch unbe­wußt. Immer noch habe ich Angst, dass es nicht genug gibt und dass ich hun­gern muss. Immer noch koche und esse ich zu viel aus Angst, dass nichts für mich übrig bleibt und dass es danach nichts mehr gibt. Und immer noch ist da ganz tief innen die Anspan­nung prä­sent, ob der Vater heute gut oder schlecht gelaunt ist, ob man was sagen darf oder gleich eine Ohr­feige bekommt, ob man auf­es­sen darf (auch wenn es oft nicht schmeckte) oder vor­her ins Bett geschickt wird, ob man auf­es­sen muss und dazu stun­den­lang alleine in der Küche sitzt und/ oder den Rest am Abend kalt wie­der vor sich ste­hen hat.
Die warme Mahl­zeit bestand aus Angst und diese Angst liegt mir immer noch im Magen. Aber ich brau­che sie heute nicht mehr. Ich bestimme selbst, was es zu essen gibt. Ich darf spü­ren, dass ich satt bin und dann auf­hö­ren zu essen, weil das Essen nicht ver­schwin­det dadurch. Ich muss keine Reste auf­es­sen, wenn ich nicht mehr mag. Nie­mand tut mir Gewalt an, aus wel­chem Grund auch immer und schon gar nicht beim oder wegen dem Essen. Ich kann mir Zeit las­sen und bewußt genie­ßen, weil mir schmeckt, was ich koche. Ich muss kei­nen Quark mehr essen, nie wie­der. Und kei­nen Broc­coli, nur weil er gesund ist. Ich darf Hun­ger haben, weil mein Kör­per mir dadurch sagt, dass und was er braucht. Ich darf Appe­tit haben und mit Appe­tit essen, bis ich satt bin. Ich muss mich nicht voll stop­fen, es gibt wie­der Nah­rung, wenn mein Kör­per sie braucht und den Bedarf mel­det. Und Nach­tisch ist erlaubt, genauso wie Erd­nuss­flips, solange ich Maß halte.

Übri­gens: Essen ist eine Tätig­keit und ver­dient die glei­che Auf­merk­sam­keit wie alles andere, das ich den Tag über mache.

***

Bei der ers­ten Visite nach einer Woche fragte der Ober­arzt, wie es mir ginge. “Gut”, sagte ich, “rich­tig gut”. Dar­auf­hin er: “Das kann eigent­lich nicht sein, sonst wären Sie ja nicht hier.”

Doch, es geht mir wirk­lich gut. Alleine schon, dass ich mich um fast nichts küm­mern muss, ist eine Wohl­tat. Dass ich nicht pla­nen, ein­kau­fen und kochen muss und dann noch über­le­gen, ob das alles auch ver­nünf­tig ist. Ich kann alles essen, was ange­bo­ten wird, weil eben alles aus­ge­wo­gen ist und mir gibt, was ich brau­che. Nichts von dem, was wir bekom­men, ist unge­sund. Auch der täg­li­che Nach­tisch und der Sonn­tags­ku­chen sind ein­gerch­net und dür­fen mit gutem Gefühl geges­sen werden.

Ich genieße auch, dass ich mich nicht stän­dig “rich­tig” anzie­hen muss - Leg­gins und T-Shirt sind völ­lig nor­mal. Außer­dem sind die Wege kurz: zum MTT gehe ich in Sport­klei­dung und zum Schwim­men in Bade­an­zug, Bade­man­tel und Flip-Flops, weil ich danach sowieso in mei­nem Bade­zim­mer dusche. Ich laufe aber im Ver­gleich zu sonst rela­tiv viel, denn mein Zim­mer ist weit im lin­ken Flü­gel des Gebäu­des, ca. 250 Schritte vom Spei­se­saal ent­fernt. Nur für die Ter­mine im 4. oder im 5. Stock nehme ich den Auf­zug, ansons­ten gehe ich zu Fuß die Treppe run­ter und rauf. Mei­nem Knie tut es gut und erstaun­li­cher­weise meckert der rechte Fuß über­haupt nicht. Und nächste Woche darf ich wie­der auf die Waage und bin mega gespannt. Es fühlt sich nach knapp 2 kg an, die ich ver­lo­ren habe, eben auch durch die vie­len Wege durch’s Haus.

Noch viel wich­ti­ger ist aber, dass ich viel über mich lerne, nicht nur in Bezug auf Essen, und dass ich bei allem so sehr bei mir bin wie lange nicht mehr. Hier ent­ste­hen durch die vie­len neuen Impulse so viele neue Gedan­ken und Erkennt­nisse, mit denen ich wei­ter arbei­ten kann und die mich voran brin­gen. Eine die­ser Erkennt­nisse ist:

Ich will nicht mehr lei­den. Ich will wie­der gut leben.

Der Traum von den Flips

Ich hab es getan. Hab mir ges­tern eine Tüte Erd­nuss­flips gekauft und sie kom­plett leer gefuttert. 

Seit letz­ten Diens­tag abends die kurz­fris­tige Ent­war­nung wegen des Schwie­ger­freun­des und damit die große Erleich­te­rung kam, hatte ich einen Jie­per auf Flips. Aber anstatt sie mir zu kau­fen, hab ich in den Grup­pen dar­über gespro­chen und mich damit ent­las­tet. Hab es als Zei­chen gese­hen, dass ich am Mitt­woch eine sehr kurz­fris­tige Plan­än­de­rung im Post­fach hatte und ab sofort in der DBT-Gruppe bin, die ja u.a. die Regu­la­tion von Emo­tio­nen, Ängs­ten, Bedürf­nis­sen zum Thema hat. Ich konnte den Gedan­ken an den Geruch und den Geschmack weg schie­ben und ver­ges­sen. Und dann hab ich es doch getan. Danach hatte ich nicht nur ein schlech­tes Gefühl, son­dern auch Bauch­schmer­zen. Und in der Nacht einen Traum.

Da waren zwei Kin­der, viel­leicht 6 Jahre alt, ein Mäd­chen und ein Junge. Ich (als Erwach­sene) sollte sie ins Bett brin­gen. Das Mäd­chen war ein­fach: sie kuschelte erst mit mir, wäh­rend ich ihr eine Geschichte vor­las, dann sich selbst in ihr Bett und war schnell ein­ge­schla­fen.
Der Junge war sehr leb­haft und wollte noch spie­len, ließ sich dann aber doch ins Bett legen. Da stellte ich dann fest, dass er viel klei­ner war als das Mäd­chen und dass sein Bett eher ein Glas­ge­fäß war, ähn­lich wie ein Aqua­rium, und voll mit Wür­mern, lange und kurze, dicke und dünne. Die kro­chen da rum und bis­sen den Jun­gen, wäh­rend der sie eben­falls gebis­sen und auch geges­sen hat. Das Bett/ Gefäß wurde mit der Zeit immer grö­ßer, bis es wie ein rie­si­ges dunk­les Loch im Stein­bo­den war. Zudem kamen immer mehr und immer grö­ßere Tiere dazu, die wusel­ten da über­all rum. Irgend­wann hatte ich ein selt­sa­mes Gerät in der Hand, ähn­lich wie ein Staub­sauger­rohr, in das ich die Tiere mit dem Mund ein­sau­gen konnte. Es waren so viele Tiere, dass ich kaum hin­ter­her kam. Als das Rohr voll war, pus­tete ich kräf­tig hin­ein, die Tiere schos­sen in den Him­mel und bil­de­ten einen Feu­er­ball. Von irgend­wo­her kamen dann Kampf­flug­zeuge und schos­sen mit Rake­ten auf den Ball, da zer­barst er in kleinste Teile und ver­schwand. Ich war sehr erleich­tert - und wachte auf.

Viel­leicht “brauchte” ich die blö­den Flips noch ein­mal, um zu erken­nen, dass ich sie eigent­lich nicht brau­che. Denn Flips selbst geben keine Erleich­te­rung, machen nicht satt, sind ver­dammt unge­sund und hel­fen bei abso­lut gar nichts. Gegen eine Hand­voll alle paar Monate ist sicher nichts ein­zu­wen­den, aber es gibt die Din­ger nicht in Mini­por­tio­nen zu kau­fen, also werde ich zukünf­tig auch vor die­sem Regal ste­hen und mich inner­lich ver­ab­schie­den. Zumin­dest werd ich es ver­su­chen und mir alle Mühe geben. Weg mit dem Scheiß, ganz weit weg.

In Bewegung

Über eine Woche bin ich hier, jetzt kommt end­lich Bewe­gung in den Plan. Meine sehr nette, sehr ver­peilte The­ra­peu­tin hat mich näm­lich aus lau­ter Ver­peilt­heit nicht beim Adi­po­si­tas­kon­zept (ADK) ein­sor­tiert, son­dern nur bei Ein­zel­grup­pen und -the­ra­pien, die aber nicht so wirk­lich auf­ein­an­der abge­stimmt sind. Das hat sie beim Ein­zel am Diens­tag fest­ge­stellt. Als Folge hatte ich am Mitt­woch Abend einen neuen Ter­min­plan im Post­fach, der kom­plett anders war. Keine Kör­per­psy­cho­the­ra­pie mehr drauf, son­dern eine “Gruppe Adi­po­si­tas­kon­zept”, aber ohne jede Erklä­rung. Keine MTT, son­dern “Bewe­gungs­bad”. Eine Ein­füh­rung in was­wei­ßich, zu der ich feste Schuhe und wet­ter­ge­rechte Klei­dung tra­gen soll, was bedeu­tet, dass es raus geht, was bedeu­tet, dass ich lau­fen soll, obwohl ich wirk­lich an allen Stel­len gesagt habe, dass das wegen mei­nem Fuß nicht in Frage kommt. Und dann stand da noch eine “Ess­gruppe” auf dem Plan, die sich in der Lehr­kü­che trifft, aber ich will doch nicht kochen ler­nen, ich will raus­fin­den, warum ich immer wie­der vor allem zu viel esse. Dass der Fer­tig­kram und die Erd­nuss­flips unge­sund sind, weiß ich schon selbst und die Ernäh­rungs­py­ra­mide kann ich aus­wen­dig. (Und anschei­nend ist das ein Rez­thema bei mir, stelle ich grade beim Schrei­ben fest …)

Ich war jeden­falls beim Lesen so genervt und fast panisch, weil ich bei allem das Gefühl hatte, dass es falsch ist, dass B., die dabei war, mich zur Pflege schleifte. Da hab ich es ange­spro­chen und man ver­sprach, sich zu küm­mern und ich solle am nächs­ten Mor­gen noch­mal ins Sta­ti­ons­zim­mer kom­men. Das hab ich natür­lich gemacht, aber außer eine Nach­richt an meine The­ra­peu­tin zu schrei­ben, konn­ten sie auch nichts machen. Nach­dem sie sich nicht gemel­det hat und die Zeit ver­ging, hab ich dann beschlos­sen, den neuen Plan eben abzu­ar­bei­ten. Was blieb mir übrig?
Also bin ich ins Bewe­gungs­bad run­ter, wo schon ein paar Men­schen im Was­ser waren. Dann kam die Phy­sio­frau und ver­teilte Han­teln und es stellte sich in den nächs­ten 30 Minu­ten raus, dass das nicht anders als die Aqua­gym­nas­tik ist - nur dass ich das jetzt zwei­mal pro Woche habe. Ist okay, ich mag Was­ser.
Vor der Lehr­kü­che, wo die Ess­gruppe ja statt fin­den sollte, traf ich die Gruppe aus dem Bad wie­der. Die haben mich dann beru­higt, dass nicht gekocht, son­dern gere­det wird. Außer­dem wurde mir auch klar, dass das jetzt “meine” Gruppe ist, mit der ich das Adi­po­si­tas­kon­zept durch­laufe. So lang­sam ergab der neue Plan einen Sinn, erst recht, als wir alle nach dem Essen erneut zusam­men kamen - dies­mal im gro­ßen Grup­pen­raum im UG zur *tadaa* Kör­per­psy­cho­the­ra­pie. Sie haben es mir also nicht weg genom­men, son­dern mich nur in die rich­tige Gruppe zu einer ande­ren Zeit mit einer ande­ren Bezeich­nung gepackt. Große Erleich­te­rung!
Auch der Ter­min mit dem fes­ten Schuh­werk löste sich in Wohl­ge­fal­len auf: da war ich näm­lich quasi aus Ver­se­hen in die Nor­dic Wal­king Gruppe gerutscht, weil die eben zum Kon­zept gehört. Ich mach jetzt in die­ser Zeit ein­fach MTT, das ist genauso gut.
Zwi­schen­durch war ich dann im Sta­ti­ons­zim­mer und hab “Ent­war­nung gege­ben” und mich für meine Panik ent­schul­digt (was natür­lich über­haupt nicht nötig war).

***

Heute mor­gen ging es für die ADK-Gruppe noch vor dem Früh­stück um 7 Uhr zum Ergo­me­ter­trai­ning. Wie schon damals in 2018 macht es mit meh­re­ren zusam­men fast ein biß­chen Spaß lässt es sich mit meh­re­ren zusam­men etwas leich­ter ertra­gen.
Danach hoch in den zwei­ten Stock, wie­der run­ter, weil ich mei­nen Schlüs­sel ver­ges­sen hab, wie­der die Trep­pen hoch, ins Zim­mer, schnell duschen, run­ter zum Früh­stück, zurück ins Zim­mer und war­ten auf die Zim­mer­vi­site der Pflege. Die Pati­en­ten­be­grü­ßung hab ich geschwänzt, weil es sonst zur Visite beim Ober­arzt kanpp gewor­den wäre. Von da aus noch­mal ins Zim­mer + Sport­kla­mot­ten anzie­hen, dann wie­der ganz run­ter zur Mucki­bude, wo ich noch­mal aufs Rad durfte für einen Herz­kreis­lauf­test. Danach wie­der ins Zim­mer, duschen, zum Mit­tag­essen, wie­der ins Zim­mer. Und da freu ich mich jetzt auf einen Mit­tags­schlaf, bevor als krö­nen­der Abschluß und Geschenk der Woche in knapp 2 Stun­den der Medi-Stream auf mich war­tet. Den kann ich heute sowas von gebrauchen.

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Der Wochen­plan sieht jetzt also so aus:
2x Aqua­gym­nas­tik (40 min), 2x MTT (so lange wie ich schaffe), 1x the­ra­peu­ti­sche Ess­gruppe (90 min), 2x Kör­per­psy­cho­the­ra­pie (90 min), 1x Ein­zel­the­ra­pie (50 min), 1x PMR (30 min) und 1x Medi-Stream. Nächste Woche steht auch ein Ein­zel mit Ernäh­rungs­the­ra­pie drauf, aber ich weiß nicht, ob das regel­mä­ßig ist. Dazwi­schen kom­men noch Visite, Blut­ab­nahme, Wie­gen, medi­zi­ni­sche Sprech­stunde und am Wochen­ende 1x Prä­senz­kon­takt in der Pflege. Damit kann ich arbeiten. 

Malente Tag 6 und 7

Mon­tag­mor­gen: juhu, end­lich ein Wochen­plan mit Ter­mi­nen im Post­fach!
Tja. Ein­zi­ger Ter­min am Mon­tag: Aqua­gym­nas­tik um 09:00 Uhr. Ansons­ten nur Mahl­zei­ten, wie gehabt in der frü­hen Gruppe.

Aber Aquasport ist super, macht rich­tig Spaß, for­dert diverse Kör­per­re­gio­nen und Mus­keln und das alles ohne Schmer­zen, weil das Gewicht ja kaum zu mer­ken ist. Schade, dass es nur ein­mal in der Woche ist. Gut, dass das Schwimm­bad abends offen hat und viel­leicht geh ich da heute Abend hin.

Ansons­ten hab ich gele­sen, in der Sonne geses­sen, geschla­fen, mei­nen Gedan­ken zuge­hört und nach dem Abend­brot mit B. (aus unse­rer Gruppe) auf der Bank im Gar­ten geses­sen und gere­det. Das ist alles nett und schön, aber darum bin ich nicht hier und ich merke, dass die viele freie Zeit mir nicht wirk­lich gut tut. 

Eigent­lich sollte heute (Diens­tag) vor­mit­tag die erste Ein­zel­the­ra­pie sein und nach dem Mit­tag eine Runde PMR, aber dann wurde das Ein­zel auf den Nach­mit­tag ver­scho­ben und zwi­schen Früh­stück und Mit­tag­essen war wie­der Leer­lauf. Um allein an mei­nem Thema zu arbei­ten, fehlt mir noch Input, das geht ja diese Woche alles erst los.
Ja, ich bin unge­dul­dig, ich hab nicht viel Zeit hier, 6 Wochen sind schnell vor­bei. Natür­lich ist mir klar, dass ich hier nie­mals das kom­plette Thema bear­bei­ten kann, aber ich will wenigs­tens den Anfang haben und an eine Stelle kom­men, von der aus ich (womög­lich auch) alleine wei­ter gehen kann.

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Und jetzt grade komme ich aus dem Ein­zel­ge­spräch und obwohl ich den Anfang der Geschichte (mei­ner Kind­heit) schon öfter erzählt hab, bin ich doch wie­der emo­tio­nal erschöpft davon. Es ist eine Sache, zu wis­sen was war, aber eine andere, alles aus­zu­spre­chen jeman­dem gegen­über, die das noch nie gehört hat. Und es ist noch­mal was ganz ande­res, wenn dabei auf ein­mal neue Gedan­ken und Erkennt­nisse kom­men. Und wenn ich genau weiß, dass ich an die­ser Stelle nicht wie sonst auf­hö­ren werde zu reden, son­dern dies­mal wei­ter gehen will. Dahin, wo es wirk­lich trifft und wahr­schein­lich weh tut. Denn wenn ich das nicht mache, geht es nie vorbei.

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TW Selbst­schä­di­gen­des Ver­hal­ten (SSV):
(Ich habe seit län­ge­rem eine Stelle auf der Stirn, ver­mut­lich hab ich mich an irgend­ei­ner Schrank­tür ange­hauen. Eine Ärz­tin hier hat sie sich ange­schaut und mir Salbe und Pflas­ter ver­bo­ten, damit Schorf ent­steht, der irgend­wann von selbst abfällt. Damit er das kann, darf ich aber mei­nem Drang zum Knib­beln nicht nach­ge­ben und genau jetzt, nach dem Ein­zel, möchte ich nichts lie­ber machen als so lange dran zu zie­hen und krat­zen, bis alles ab ist. Ich geh mal eine Runde an den See, viel­leicht hilft es.)

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