21-08-2023 Belanglos vor mich hin

Ich tu so vor mich hin, Post und Erle­di­gun­gen. Es ist alles ziem­lich belanglos.

Inge­borg Bach­mann an Max Frisch, 5.12.1962, Ueti­kon. Gefun­den bei Herrn Buddenbohm.

Ein schö­ner Satz. Trifft hier ja auch oft zu. Wie beru­hi­gend, dass das selbst bei einer gro­ßen Schrift­stel­le­rin der Fall war.

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Heute zum Bei­spiel. Lange geschla­fen (und unru­hig, dank Bau­lärm und grö­len­den Kids auf dem Spiel­platz), in Ruhe gefrüh­stückt, SoMe und Blogs gele­sen. Die Woh­nung gesaugt, weil es am Sams­tag viel zu heiß für jede Bewe­gung war. Ein wenig Dies & Das am Schreib­tisch. Auf dem Bal­kon im Halb­schat­ten der Pla­tane geses­sen und ein Kilo Äpfel geschält, geschnip­pelt und dann zu Mus gekocht, das es spä­ter zu Schupf­nu­deln gibt, die wie­derum die Erin­ne­rung an die Ferien bei den Paten­el­tern rund machen wer­den, die bei dem Duft der Äpfel auf­kam.
Alles eben ziem­lich belang­los, aber nicht ungut deswegen.

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Die Äpfel durfte ich am Frei­tag aus dem Gar­ten von I. mit­neh­men, als wir uns nach klei­nen Anlau­fruck­lern tat­säch­lich tra­fen — das erste Mal seit über den Dau­men gepeilt 15 oder mehr Jahren.

Das war schon eine rie­sige Über­ra­schung, als sie sich letz­tens bei mir mel­dete, nach­dem sie mehr zufäl­lig mei­nen Blog fand und aus­ge­rech­net als ers­tes den Bei­trag zu Flens­burg las, wo sie womög­lich auch viel­leicht die letz­ten ein, zwei Jahr­zehnte ver­brin­gen will.

Ken­nen gelernt hat­ten wir uns damals, als sie zu mir zum Flö­ten­un­ter­richt kam. Ziem­lich schnell wurde dar­aus Freund­schaft, aber im Laufe der Zeit änder­ten sich bei uns bei­den die Lebens­wege und wir ver­lo­ren uns irgend­wann aus den Augen. Jetzt, nach noch mehr Ände­run­gen, tref­fen wir uns in so eini­gen Punk­ten wie­der.
Am Frei­tag jeden­falls war es, als hät­ten wir uns erst vor kur­zem zuletzt gese­hen. Die Stun­den waren gefüllt damit, von den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu berich­ten und zusam­men die Ver­traut­heit von damals in die Gegen­wart zu tra­gen. Wir sind älter gewor­den, gelas­se­ner, rei­fer: das fühlt sich gut an. Wir wer­den sehen, was dar­aus wird.

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Ges­tern waren end­lich die Toch­ter und der Enkel mal wie­der zu Besuch; zuletzt hat­ten wir uns Mitte Juli vor ihrem Urlaub gese­hen. Da gab es Fotos zu zei­gen und viel zu erzäh­len und immer wie­der in den Arm zu neh­men und wie immer lädt das meine Bat­te­rien ein­fach am aller­bes­ten auf.

Die Toch­ter bestärkt mich in mei­nen Plä­nen, aus Ham­burg weg zu zie­hen. Nicht, weil sie mich los wer­den wollte, son­dern weil sie mir zustimmt in dem Gedan­ken, das zu tun, solange ich noch fit bin. Natür­lich wird es uns feh­len, uns spon­tan tref­fen zu kön­nen, aber zum einen kommt das gar nicht soo oft vor und zum ande­ren sehen wir uns dann zwar sel­te­ner, aber dafür län­ger am Stück. Je 2 Stun­den Zug­fahrt hin und zurück sind ja selbst an einem Tag kein Problem.

Viel­leicht wird es wirk­lich lang­sam Zeit, kon­kre­ter zu werden.

Aber jetzt erst­mal Schupf­nu­deln zum Abend­essen. Sie sind nicht so gut wie die hand­ge­mach­ten von der alten Tante Ger­trud, aber die waren ja auch uner­reich­bar gut, wie alles, was sie mit so viel Liebe (und But­ter :-)) gekocht hatte.

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Fast ver­ges­sen: 12 Jahre rauch­frei seit Frei­tag. Ich feiere es immer noch.

16-08-2023 Ich werde alt

Neu­lich irgend­wann, ein Dia­log im Inneren:

- So viel Ener­gie, wie ich brau­che! So müde, wie ich immer bin! Ist ja echt nicht schön.
- Naja, ich bin ja mit bald 64 inzwi­schen auch schon ein biß­chen älter.
- Ja, aber doch nicht _so_ alt. Wenn ich mir andere Mittsechziger:innen angu­cke, wie fit da viele sind.
- Die sind dann viel­leicht auch nicht krank.
- Daran bin ich ja auch nicht ganz unschul­dig. Hätte ich halt mal frü­her was gemacht.
- Ja, schon, kör­per­lich auf jeden Fall. Aber da kommt ja noch die Depres­sion dazu und die HSP Geschichte und bei­des hab ich ja schon sehr lange, ohne dass es eine Dia­gnose gab oder über­haupt jemand das in Betracht gezo­gen hat. Ich musste eben damit zurecht kom­men, aber ich hab dafür sicher auch für vie­les eini­ges an Ener­gie mehr auf­wen­den müs­sen und wenn dann nichts da ist, was die Ener­gie zurück bringt, dann ist man eben mit 63 nicht mehr so fit wie andere.
- Ja, das ist wohl so. Dann muss ich ler­nen, das zu akzep­tie­ren.
- Ich will mich nicht mehr ver­ur­tei­len für das, was ich nicht (mehr) kann, son­dern mich freuen über alles, was (noch) geht. Ich will gut zu mir sein, lie­be­voll und für­sorg­lich. Mich anneh­men, mit allem - auch dem alten, müden Kör­per. Dane­ben gibt es ja wei­ter­hin vie­les, bei dem das Alter keine Rolle spielt. Außer­dem hab ich jetzt Zeit. Dann geh ich eben 10 Minu­ten frü­her los oder mach lang­sa­mer, das stört ja nie­man­den. Und wenn ich mal wie­der eine Weile über­le­gen muss, wie jemand/etwas heißt oder wann was war und was ich in der Küche grade noch­mal wollte, dann komm ich doch irgend­wann drauf und das ist die Haupt­sa­che. Solange ich wach bin und inter­es­siert und mich nicht abstump­fen lasse, ist doch eigent­lich alles gut.
- Ich sollte trotz­dem ver­su­chen, Sport zu machen den Ver­fall etwas auf­zu­hal­ten.
- Ist ja gut, ich hab es verstanden.

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Bestands­auf­nahme, von unten nach oben:

Rech­ter Fuß: chro­ni­sche Seh­nen­schei­den­ent­zün­dung (seit Februar 2013)
Beide Füße: per­ma­nen­tes Krib­beln (links seit ca. 2021 oder 2022, rechts seit 2023)
Lin­kes Knie: ange­ris­se­ner Menis­kus nach Fahr­rad­un­fall (Juli 2020), even­tu­ell inzwi­schen ver­heilt
Beide Knie: Leichte Arthrose
Linke Hand: per­ma­nente leichte Taub­heit im klei­nen und im Ring­fin­ger
Unte­rer Rücken: Schmer­zen beim Ste­hen und Gehen
Wir­bel­säule: 2-fache Sko­liose seit Jugend (herz­li­chen Dank an meine erste Flö­ten­leh­re­rin, die nie meine schiefe Hal­tung kor­ri­giert hat)
Schul­tern und Nacken: ver­spannt bis in alle Ewig­keit (gefühlt schon immer)
Kopf: in letz­ter Zeit wie­der häu­fi­ger Kopf­schmer­zen, meis­tens nur auf der lin­ken Seite; Dreh­schwin­del
Augen, beide: “Mou­ches volan­tes” oder auch Glas­kör­per­trü­bung (seit mind. 10 Jah­ren)
Ohren: per­ma­nen­ter Tin­ni­tus (seit ca. 2008)
Über­ge­wicht: ja
Dia­be­tes Typ II (seit 2015), erhöhte Cholesterinwerte

Man­ches ist nicht stän­dig spür­bar, die Schmer­zen in den Knien und im Rücken vor allem beim Gehen und Trep­pen­stei­gen; vie­les andere dage­gen ist eben immer vor­han­den. Ich drü­cke weg, so gut es geht, aber wenn der Schmerz mal wie­der plötz­lich in irgend­wel­che Glied­ma­ßen fährt oder der Tin­ni­tus extrem laut brüllt und der Kopf sticht, dann wünsch ich mir ganz drin­gend ein “Repair Cen­ter” für Kör­per­teile. Und dass ich mich frü­her um mich hätte küm­mern kön­nen, aber das ist ja müßig.

Wenn ich die Liste angu­cke, ver­steh ich, warum ich mich manch­mal furcht­bar alt fühle. Aber immer­hin bin ich noch da - meine Mut­ter hat ihren 63sten Geburts­tag nicht mehr erlebt.

07-08-2023 Hundewetter, Ausgabe “Igor”

Ange­sichts der welt­wei­ten Kli­ma­lage trau ich mich eigent­lich nicht, über das Wet­ter zu jam­mern, aber das jetzt grade ist echt Mist. Zwei- oder drei­mal gab es seit Som­mer­an­fang ein paar Tage, so extrem heiß, dass es kaum aus­zu­hal­ten war. In der rest­li­chen Zeit aber Schwei­zer-Woll­so­cken-Kälte, Dau­er­re­gen, Sturm, wenig Sonne. Es ist nicht wirk­lich kalt, zum Glück, aber Som­mer­ge­fühle kom­men nicht auf. Dabei hätte ich die nach dem lan­gen Win­ter wirk­lich gebraucht. (Ja, das ist ego­is­tisch, ich weiß.)

Mein wil­der Bal­kon ist inzwi­schen vom Wind zer­fled­dert und nicht mehr wirk­lich schön. Die vier anfangs so gut wach­sen­den Toma­ten haben ins­ge­samt weni­ger als 20 Früchte, von denen grade mal zwei ganz lang­sam rot wer­den. Dafür ste­hen die bei­den gro­ßen Töpfe ganz schön im Weg. Der Ole­an­der blüht noch toll, wirft aber nach und nach alle Blät­ter ab. Selbst wenn mal die Sonne für einen Moment scheint und es drau­ßen viel­leicht sogar halb­wegs ruhig ist, mag ich da nicht gerne sit­zen. Das hatte ich mir im Früh­jahr auch anders vorgestellt.

Kann sein, dass ich zim­per­lich bin, aber wenn für den gan­zen Tag Schiet­wet­ter ange­sagt ist, mag ich nicht wirk­lich was unter­neh­men und schon gar nicht wei­ter weg. Für die Regen­ja­cke ist es zu warm, mit Schirm fehlt mir eine Hand zum foto­gra­fie­ren, patsch­nass mag ich auch nicht wer­den und irgend­wel­che Museen oder Aus­stel­lun­gen, nur um raus zu kom­men, sind ein­fach nicht meins. Wenn ich es nicht sowieso für die wöchent­li­chen Fahr­ten bräuchte, wäre es fast schade um das Deutsch­land­ti­cket und den Ärger, den ich des­we­gen mit dem HVV hatte.
Lei­der hab ich z.Zt. auch keine Ter­mine von außen, die mich zwin­gen wür­den, raus zu gehen. Meine Bezugs­frau beim Hilfe-Dings hat vier Wochen Urlaub, die Mitt­wochs­gruppe fiel zwi­schen­durch aus, The­ra­pie ist ja eh nur ein­mal im Monat … 

So eine ter­min­freie Zeit ist zwi­schen­durch durch­aus gut, aber sie darf für mich nicht zu lange dau­ern, sonst zieh ich mich zu sehr ins Schne­cken­haus zurück. Dann rede ich nicht mehr, mag nicht mehr schrei­ben / for­mu­lie­ren und höre auch auf zu den­ken, weil alles ins Leere geht. Ich schlafe viel zu spät und viel zu lang, bin dau­er­müde und völ­lig lustlos. 

Und dann sitz ich hier und fang wie­der an zu träu­men. Gucke Woh­nungs­an­zei­gen durch, die Google Map immer dane­ben, stelle mir vor, wie es wohl woan­ders wäre. Ob ich in einer ande­ren Stadt mehr raus gehen würde als hier? Oder viel­leicht auch nur am Anfang, bis es ver­traut ist? Ich sehne mich nach gemüt­li­chem Gehen, Schauen, Ent­de­cken. Ich bin schon viel zu lange hier, in mei­nem ewig glei­chen Sumpf. Es ist bequem, aber auch lang­wei­lig und ich hab nicht genug Lebens­en­er­gie, um alles alleine und nur aus mir selbst zu holen.

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Mein schwar­zer Hund Igor fin­det das dage­gen übri­gens rich­tig gut. Für ihn sind das beste Vor­aus­set­zun­gen, damit er aus sei­ner Ecke gekro­chen kommt und es sich neben mir gemüt­lich macht. Ich muss grade ziem­lich auf­pas­sen, dass es nicht in die fal­sche Rich­tung kippt. Zum Glück hab ich mor­gen The­ra­pie und über­mor­gen macht das Hilfe-Ding einen Aus­flug in den Wild­park und nein, Igor, du darfst wirk­lich nicht mit.

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5 Wochen seit ich den Reha-Antrag abge­schickt hab. Wie lange das wohl dau­ert, bis ich Nach­richt bekomme?

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Ach, und was ich beim träu­men und stö­bern sah: die untere Woh­nung in dem blauen Haus in FL kann man:frau sogar mie­ten. *hach*

02-08-2023 Balkonbesuch

(Pos­ting zur anhal­ten­den Erin­ne­rung von Mast­o­don hier­her geholt und um einige Zei­chen ergänzt.)

Als Eine, die in der zumeist asphal­tier­ten Groß­stadt lebt, bin ich froh um die Natur, die ich hier von mei­nem Arbeits­zim­mer aus sehe. Die bald 50-jäh­rige Pla­tane vor unse­rem Haus ist gesund und ver­deckt mit ihrem kräf­ti­gen Grün den gan­zen Som­mer über bis in den Herbst hin­ein das Haus gegen­über. Nicht so oft, aber immer mal wie­der sehe und höre ich Vögel, die darin sit­zen. Die Wild­blu­men, die Kräu­ter und die Was­ser­schale auf mei­nem Mini-Bal­kon locken jedes Jahr viele Insek­ten an.
Im Hin­ter­hof ist natür­lich mehr los, aber ich freu mich, dass das auch an der Stras­sen­seite mög­lich ist.

Ges­tern Abend war ich ganz beson­ders glück­lich über einen über­aus sel­te­nen Besuch.
Bei weit offe­ner Bal­kon­tür hörte ich ziem­lich nah etwas zwit­schern. Als ich auf­blickte, sah ich ein Dom­pfaff-Männ­chen, das auf mei­nem Bal­kon erst am Bam­bus­stab der Toma­ten rum­klet­terte, von da direkt in den fast ver­blüh­ten Laven­del hüpfte, der auf dem Tisch steht, und sofort anfing zu knab­bern. Wie froh war ich, dass ich erst kürz­lich aus einem spon­ta­nen Gedan­ken her­aus die Kamera griff­be­reit neben mich gelegt hatte!

Das kleine Kerl­chen ließ sich über­haupt nicht stö­ren, nicht mal, als ich auf­stand und immer näher kam. Er guckte mich an mit sei­nen Knopf­au­gen, pickte dann wie­der an den Blü­ten, guckte, drehte sich hin und her, turnte an dem Minz­zweig, der sich in den Laven­del ver­irrt hat, und genoß sicht­lich sein Abend­essen. Und dann kam auch noch seine Gefähr­tin dazu, setzte sich neben ihn und war genauso wenig scheu wie er. Ich durfte sogar mit auf den Bal­kon kom­men und sie ganz nah sehen.
Das ganze dau­erte über 20 Minu­ten. Ich schaute, foto­gra­fierte, ging einen Schritt wei­ter, schaute, foto­gra­fierte, ging noch näher, schaute … und hielt wahr­schein­lich die meiste Zeit die Luft an. Ich bewegte mich so vor­sich­tig wie mög­lich, aber die Laven­del­blü­ten schie­nen ihnen viel wich­ti­ger zu sein als ich. Die Luft roch schwer danach - ob sie womög­lich ein wenig berauscht waren davon?
Irgend­eine Bewe­gung von mir war dann aber doch zu viel und erst flog er, dann sie in die Pla­tane. Dort saßen sie noch eine Weile, bevor sie ganz ver­schwan­den. Und ich hatte den Rest des Tages ein glück­li­ches Grin­sen im Gesicht.

Die Fotos sind nur schnell aus der Hand gemacht, mit Tele­ob­jek­tiv, aber ohne Sta­tiv oder irgend­wel­che Hilfs­mit­tel. Darum und weil es schon däm­merte, sind sie nicht 100% scharf (Pho­to­shop hat ein biß­chen nach­ge­bes­sert), aber in die­sem Fall stört mich das nicht. Irgend­wann guck ich sie wie­der an und freu mich über die­sen wun­der­schö­nen Moment, der mei­ner Seele so gut getan hat.

30-07-2023 Neulich in Flensburg

Anfang Juli waren wir mit der Mitt­wochs­gruppe im Spei­cher­stadt­mu­seum und anschlie­ßend gemüt­lich Kaf­fee trin­ken. Weil das län­ger dau­erte als eine nor­male Runde, fiel die Gruppe in der Woche dar­auf aus. Ziem­lich spon­tan haben wir uns zu dritt zusam­men getan und sind statt des­sen ein­fach mal eben nach Flens­burg gefah­ren - mit Deutsch­land- und Län­der­ti­cket kein Pro­blem. Ich wollte da ja sowieso schon ganz lange mal hin: zum gucken, aber auch ein biß­chen mit der Frage im Hin­ter­kopf, ob es sich da leben las­sen könnte alter­na­tiv zu Hamburg.

So tra­fen wir - C., G. und ich - uns also am Mitt­woch, den 12.07. um vier­tel vor zehn im Zug. Der Plan war, in Flens­burg vom Bahn­hof aus mit dem Bus zum ZOB zu fah­ren und ab da zu Fuß die Innen­stadt zu erkun­den: erst ein gan­zes Stück am Was­ser ent­lang bis zum Muse­ums­ha­fen, dann quer bis zum alten Stadt­tor und dort durch die Fuß­gän­ger­zone zurück bis zum Bahn­hof. Als wir aus dem Bahn­hof kamen, stand da grade ein Bus, der wollte auch zum ZOB, akzep­tierte aber das Schles­wig-Hol­stein-Ticket von C. nicht und wollte auch drin­gend jetzt los. Wir schau­ten uns nur kurz an, lie­ßen ihn fah­ren und mach­ten uns zu Fuß auf den Weg. (Ich liebe es, wenn Kom­mu­ni­ka­tion so ein­fach funktioniert!)

Dadurch kehrte sich aller­dings die Rei­hen­folge unse­rer Tour um, was sich im Nach­hin­ein aber als gold­rich­tig her­aus stellte. C. und G. woll­ten sowieso am aller­liebs­ten Schau­fens­ter gucken und waren damit mehr als glück­lich und beschäf­tigt. Ich hab es ja nicht so mit Kon­sum und Ein­kau­fen und so, darum hab ich mich auf unge­fähr ein Drit­tel der Läden beschränkt mit dem Gucken (Bücher, Schreib­wa­ren, Geschirr und sowas darf dann schon sein) und in der rest­li­chen Zeit foto­gra­fiert. Zwi­schen­durch gab es kleine und grö­ßere Pau­sen auf Bän­ken, auf ande­ren Bän­ken und eine in einem Café mit lecke­rem Kaf­fee & Kuchen (und einem Klo).
Erstaun­li­cher­weise war ich abso­lut nicht genervt davon, dass ich oft auf die Bei­den gewar­tet hab, was sonst eigent­lich schnell der Fall ist. Die Stim­mung war ein­fach so gut, das Wet­ter ent­ge­gen aller Vor­aus­sa­gen mit fast durch­gän­gig Sonne und nur ganz kur­zen Tröp­fel­ein­hei­ten per­fekt, das Lauf­tempo auf unser aller Bedürf­nisse - sprich: auf gemüt­li­che Lang­sam­keit redu­ziert und natür­lich sind wir uns inzwi­schen so ver­traut, dass wir total ent­spannt mit­ein­an­der sein können.

Vom Bahn­hof aus sind wir also zuerst ein gan­zes Stück an gro­ßen Stra­ßen längs gelau­fen, bis wir end­lich am Süd­er­markt anka­men. Da war tat­säch­lich grade Markt, nicht sehr groß, aber bunt und mit vie­len regio­na­len Stän­den - und zu C.’s gro­ßer Freude auch einer mit Fisch­bröt­chen. Wir saßen eine ganze Weile am Rand im Schat­ten und schau­ten dem bun­ten Trei­ben zu.

Ab hier ging es dann fast schnur­ge­rade den Holm ent­lang — wobei das mit dem “grade” eigent­lich nicht stimmt, denn es war eher ein Zick-Zack-Weg von einem Geschäft zum nächs­ten bzw. einer Haus­fas­sade zur ande­ren, immer hin und her von rechts nach links nach rechts. Dazwi­schen gab es idyl­li­sche sog. “Kauf­manns­höfe” zu gucken, man­che breit und öffent­lich, z.T. mit Cafés, andere ganz schmal und intim. 

Die his­to­ri­schen Häu­ser am Holm, in der Gro­ßen Straße und der Nor­der­straße sind ein­fach wun­der­schön. Lie­be­voll restau­rierte und instand gehal­tene Kapi­täns- und Kauf­manns­häu­ser säu­men den Weg vom Süder- bis zum Nor­der­markt. Den Anfang mar­kiert die St. Niko­lai­kir­che, das Ende die St. Mari­en­kir­che, beide mit den hohen Tür­men weit zu sehen, dazwi­schen steht auf hal­bem Weg die däni­sche Hei­lig­geist­kir­che.
Die Stra­ßen sind breit genug, so dass man nicht dau­ernd über fremde Füße stol­pert (in der Hoch­sai­son wird sich das aber ver­mut­lich ändern), an der schat­ti­gen Seite ste­hen viele Bänke und es gibt reich­lich Cafés und Restau­rants. Fahr­rad fah­ren ist in der Fuß­gän­ger­zone übri­gens nur von 22:00 bis 10:00 erlaubt! Bei den weni­gen, die sich nicht daran hal­ten, merkt man auch schnell, dass das sinn­voll ist.
In fast jedem Haus sind Shops, natür­lich über­wie­gend von den übli­chen Ket­ten, die man in jeder Stadt fin­det. Es gibt aber auch kleine, inha­ber­ge­führte und beson­dere Läden mit Din­gen, die in Flens­burg oder in der Region her­ge­stellt wer­den. Auch wenn das Ange­bot rie­sig ist und fast über­wäl­tigt, hat eine zen­trale Ein­kaufs­straße natür­lich den Vor­teil, dass man eben wirk­lich alles dort ein­kau­fen kann und nicht in diverse Stadt­teile fah­ren muss. 

Unsere gute Stim­mung wurde mit Sicher­heit auch von der all­ge­mei­nen Atmo­sphäre in Flens­burg beein­flußt. Ich hab in Deutsch­land sel­ten eine Stadt erlebt, in der man als Fremde nett ange­lä­chelt wird und zwar nicht nur ein­mal, son­dern immer wie­der, schein­bar völ­lig grund­los. Naja, viel­leicht waren wir drei “Gra­zien” auch ein lus­ti­ger Anblick und strahl­ten unsere gute Laune nach außen, aber die Freund­lich­keit der Men­schen auf der Straße war wirk­lich beson­ders. Es wird gesagt, dass das auch daran liegt, dass Flens­burg ganz nah an Däne­mark liegt und sogar eine eigene däni­sche Gemeinde hat. Und wer das Wort “hyg­ge­lig” kennt, kann sich viel­leicht vor­stel­len, wel­che Wir­kung das auf eine Stadt und ihre Bewohner:innen haben kann.

Ursprüng­lich hat­ten wir über­legt, auf der Nor­der­straße bis zum Ende am Nor­der­tor zu gehen, aber auf dem letz­ten Stück war so gut wie nichts mehr los. Vor allem wurde uns bewußt, dass wir mitt­ler­weile schon seit vier Stun­den unter­wegs waren (plus eine Stunde Kaf­fee­pause) und den gan­zen Weg ja auch irgend­wie wie­der zurück müs­sen, aber auf jeden Fall auch noch ans Was­ser wol­len. Die nächste Quer­straße führte uns also nach rechts und direkt zum klei­nen Muse­ums­ha­fen.
Dort ste­hend geht der Blick erst über die Förde auf das gegen­über­lie­gende Ufer mit den vie­len Segel­boo­ten, die dort im Hafen lie­gen und auf den Stadt­teil Jür­gensby, dann nach rechts zur Hafen­spitze und auf die Alt­stadt. Das alles ist so hübsch wie auf Post­kar­ten, nur in echt. Ein biß­chen wie Ham­burg, nur kleiner. 

Nach einer letz­ten Pause gin­gen wir am Was­ser ent­lang zurück, geno­ßen die letzte Sonne und die milde Wärme. Die Füße waren müde gelau­fen und wir beschlo­ßen darum, von hier mit dem Bus zum Bahn­hof zu fah­ren. Den Zug um 18:15 wür­den wir nicht mehr schaf­fen, der nächste fuhr eine Stunde spä­ter; also über­brück­ten wir die War­te­zeit in einem Café und waren dann recht­zei­tig um kurz vor sie­ben am Bahn­hof. Bevor wir zum Gleis hoch gin­gen, wollte G. noch schnell eine rau­chen - ist ja genug Zeit, dach­ten wir. Dass die Bahn mal eben den Fahr­plan geän­dert hat und der Zug nach Ham­burg schon um 19:06 abfuhr, merk­ten wir lei­der erst beim Blick auf des­sen Rück­lich­ter.
Tja, da stan­den wir nun und muss­ten eine wei­tere Stunde irgend­wie rum­brin­gen. In die Stadt zurück lohnte sich nicht, am Bahn­hof gibt es nichts außer den Bän­ken am Gleis. Aber jam­mern und meckern hilft ja auch nicht, also lies­sen wir uns unsere gute Laune nicht ver­der­ben und quatsch­ten ein­fach wei­ter. Der nächste Zug war dann auch schon 20 Minu­ten vor der Abfahrt bereit, so dass wir in aller Ruhe einen Platz suchen konn­ten. Die Rück­fahrt war ent­spannt wie alles an die­sem Tag, die Sonne ging nor­disch-gemäch­lich unter, wir waren glück­lich, müde und albern und gute zwei Stun­den spä­ter end­lich zu Hause.
Ein schö­nes Erleb­nis gab es noch an der U-Bahn, die grade los­fah­ren wollte, als ich die Treppe run­ter kam: ich dachte, ich hätte sie jetzt eh ver­passt und ging in aller Ruhe wei­ter, da öff­nete sich neben mir die Tür und ich konnte noch schnell ein­stei­gen. Herz­li­chen Dank an den Fah­rer, der mich gese­hen hatte!

Auf die­ser Karte kann, wer mag, unsere kleine Tour ansehen.

Und ich muss jetzt nach­den­ken. Ob das wohl eine Stadt zum woh­nen und leben wäre für den Rest mei­ner Zeit? Dazu aber irgend­wann mehr in einem extra Text.

24-07-2023 Abschied von Twitter

Viel­leicht ist das jetzt der Moment, wo es reicht. Eigent­lich mag ich schon lange nicht mehr an die­sem Ort sein, an dem mit Elon Musk ein Ein­zel­ner meint, alles bestim­men zu kön­nen - zumal der ja poli­tisch und gesell­schaft­lich gese­hen auf einer für mich völ­lig fal­schen Seite steht.
Lange Zeit wollte ich den­noch blei­ben, aus ver­schie­de­nen Grün­den; ich schrieb im Okto­ber schon ein­mal dar­über, mochte mich dem Thema aber eigent­lich nie stel­len und hab den Bei­trag darum erst heute (nach­träg­lich) veröffentlicht.

An ers­ter Stelle steht natür­lich meine “bekloppte” Bubble, die ich nicht ver­lie­ren will. Die ich mor­gens beim Früh­stück lese, die ich schon so lange begleite, der ich mich zuge­hö­rig fühle und die mir immer wie­der Mut macht und Auf­trieb gibt, wenn es bei mir mal wie­der dun­kel ist. Auch wenn ich so gut wie nie­man­den live kenne und viele nichts von mir wis­sen, sind es doch die, die mir am Her­zen lie­gen und ohne die ich nicht sein möchte. 

Extrem wich­tig sind für mich aber auch all die klu­gen Men­schen aus Poli­tik, Wis­sen­schaft, Gesell­schaft & Kul­tur, von denen ich so viel gelernt habe und die aus­drü­cken, was ich denke. Hier lese ich, was in der Welt geschieht und hier bekomme ich alle Infos, die ich brau­che, um mir eine Mei­nung zu bil­den. Vor allem des­we­gen werde ich mei­nen Twit­ter­ac­count vor­erst nicht löschen.

Inzwi­schen gab es aber so viele Ände­run­gen an Funk­tio­nen und Optik, die ein­zig dem Spiel­trieb und Ver­dienst des Besit­zers die­nen (wobei der Ver­dienst, so ein Pech, lei­der wohl aus­bleibt, weil sehr viele Unter­neh­men nicht mehr auf Twit­ter wer­ben wol­len) und ein­fach ner­ven. Der neu­este Streich ist die Umbe­nen­nung von “Twit­ter” in “X”. Ein Thread von Linda Yac­ca­rino (Nach­fol­ge­rin von Elon Musk als Chief Exe­cu­tive Offi­cer von X Corp., dem Anbie­ter von Twit­ter) ver­heißt wei­tere Ent­wick­lun­gen in eine Rich­tung, die ich nicht mehr mit­ma­chen will. 

Darum ist es jetzt wohl an der Zeit, mir die­sen ande­ren Ort doch so gut wie mög­lich ein­zu­rich­ten. Seit letz­tem Okto­ber (doch schon) April 2022 hab ich dort einen Account, hab mich umge­se­hen und aus­pro­biert, eine Hand­voll Men­schen von Twit­ter gefun­den und dem Ding immer wie­der neue Chan­cen gege­ben. Ich mag da immer noch eini­ges nicht, aber es gibt wenigs­tens nicht ganz so vie­les da, das ich aus­blen­den muss, um mich nicht per­ma­nent auf­zu­re­gen.
Kürz­lich hab ich eine App für den Desk­top gefun­den, die es mir etwas leich­ter macht, weil sie das Mam­mut mit Hilfe eines Elches optisch in einen Vogel ver­wan­delt. Ich bin ein visu­el­ler Mensch, ich brau­che sowas.

Damit ver­än­dert sich jetzt ganz lang­sam auch mein Gefühl zu dem neuen “Fedi­verse” — die trot­zige Abwehr­hal­tung weicht der Neu­gier. Ganz im Sinn von Open Soft­ware mache ich für mich dar­aus einen Ort, an dem ich mich wohl fühle, der viel­leicht ein neues Zuhause wird. Ich nehme mir die Frei­heit, bestimmte Begriffe zu erset­zen mit eige­nen. Ich like, wenn ich etwas mag. Ich re-poste, was mir wich­tig ist. Auch dort werde ich in mei­nem klei­nen Tante-Emma-Laden ste­hen und Pri­va­tes und Poli­ti­sches schrei­ben und tei­len. Nach und nach richte ich mich ein zwi­schen Lis­ten, Fil­tern, Vor­lie­ben und neuen Räu­men. Ich bin glück­lich über Jede*n, die*den ich dort aus mei­ner Fami­lie wie­der treffe und inzwi­schen auch gespannt auf neue Gesich­ter. Und viel­leicht gewöhne ich mich ja all­mäh­lich sogar an ein paar die­ser komi­schen Aus­drü­cke und finde raus, wie das da funktioniert.

23-07-2023 Dies und Das

(Es ist doch auch Tage­buch. MEIN Tage­buch. Es ist nicht wich­tig, ob es jemand liest - es ist nur wich­tig, dass ich es schreibe.)

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Manch­mal fällt mir ein, dass ich inzwi­schen näher an der 80 als an der 40 bin und dann fühl ich mich ganz schön alt. Mein Kör­per nickt dann an mit ver­schie­de­nen schmer­zen­den Stellen.

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Vor lan­ger Zeit schrieb M. eine Notiz für mich.

Wer am Ende war­tet:
nur die, die du sein sollst

und ich frage mich, ob da noch ein­mal eine gra­vie­rende Wen­dung kommt oder ob ich jetzt schon ange­kom­men bin und wenn ja, ob ich denn damit schon ein­ver­stan­den bin? Bin ich, obwohl doch anders als der­zeit gedacht, die gewor­den, die ich sein sollte?

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In mei­nem Her­zen sehne ich mich nach nichts mehr als nach Zwei­sam­keit, Gebor­gen­heit, Für­sorge. Nach einem Zuhause. Meine Seele aber ist eine Ere­mi­tin und eine Vaga­bundin, die nach einer Weile wei­ter wan­dern muss, wenn sie nicht fin­det, wonach das Herz sucht.
Das ist die Ambi­va­lenz, die mich schon mein gan­zes Leben begleitet.

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Was schön ist in die­sem Jahr: die Wild­nis auf mei­nem Bal­kon. Zum Sit­zen bleibt nur wenig Platz, aber auch vom Schreib­tisch aus genieße ich den Blick in meine grüne Oase.

Und: der Reha-Antrag ist weg. Dau­men dür­fen gedrückt werden.

30-05-2023 Training für den alten Körper

Das ist der posi­tive Trotz, den ich in mei­nem Bei­trag ges­tern meinte.

“Trai­ning für mei­nen Som­mer­kör­per? Scheiße, nein! Ich trai­niere für mei­nen alten Frau­en­kör­per. Dichte Kno­chen. Starke Mus­keln. Ein gesun­des Herz. Gute Balance. Funk­tio­nale Unab­hän­gig­keit.

Ich bin noch nicht bereit, die­sen Kör­per auf­zu­ge­ben. Ein paar Jahre werd ich ihn noch brauchen.

29-05-2023 Gedanken, einzelne

So schade, dass ich den Trotz, den ich auf­bringe, wenn ich etwas tun soll, was ich nicht will, nicht umdre­hen und für mich ver­wen­den kann.
Zum Bei­spiel in Bezug auf das Gewicht: “mir doch egal, was die Fol­gen sind, ich ess den Rest jetzt auf” vs. “scheixx auf die Gelüste, ich ess das jetzt nicht”. Oder beim Ergo­me­ter, bei der Ins-Bett-geh-Zeit, beim Schrei­ben der Begrün­dung für den Reha-Antrag.

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Ich würde so gerne posi­tiv den­ken. Das Gute als die Nor­ma­li­tät sehen. Aber wenn die Zahl der okayen und schlech­ten Tage über­wiegt, dann sind die guten eben immer nur die Aus­nahme und rei­chen nicht aus, um die Sicht dau­er­haft umzu­dre­hen. So lange das so ist, werde ich immer eher und schnel­ler im Gra­ben lan­den als auf Berge zu stei­gen.
Das Gute ist, dass ich inzwi­schen dar­auf ver­trauen kann, dass ich aus dem Gra­ben wie­der raus finde.

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Wie kann ich meine Ver­gan­gen­heit hin­ter mir las­sen, wenn ich jede Nacht davon träume? Wie kann ich den Einen los las­sen, wenn er sich dau­ernd in meine Träume schleicht und mir dort gibt, für was er im Leben nicht bereit war?
Ich weine wie­der viel zu oft beim Aufwachen.

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Anstatt mit dem Ver­gan­ge­nen abzu­schlie­ßen, ver­gesse ich immer schnel­ler in der Gegen­wart. Grade noch hatte ich einen Gedan­ken im Kopf per­fekt aus­for­mu­liert - kaum will ich ihn auf­schrei­ben, ist er fort­ge­flo­gen. Wenn ich Dinge nicht sofort erle­dige, sind sie ver­ges­sen. In mei­nem Kalen­der ste­hen inzwi­schen Erin­ne­run­gen daran, dass ich etwas tun will.
Werde ich alt? Oder habe ich in mei­nem Leben schon so viel gedacht, dass jetzt kein Platz mehr ist in mei­nem Kopf?

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Ich wün­sche mir eine KI, die die Gedan­ken aus mei­nem Kopf direkt hier in den Blog überträgt.

23-05-2023 Überwindung

Min­des­tens zwei Monate war ich nicht mehr auf dem Ergo­me­ter. Über­groß der Wider­wil­len, das Gefühl, dass es doch sowieso nicht hilft. Dazu der Hass auf alles, was mit Sport & Leis­tung zu tun hat und natür­lich auf mei­nen Kör­per mit dem ver­damm­ten Gewicht und den Schmer­zen. Grade die­sem Kör­per würde das Trai­ning gut tun, aber dann muss ich mich auch mit ihm beschäf­ti­gen und das ver­su­che ich ja zu ver­mei­den. Katze - Schwanz und so. Ja, ist scheisse, weiß ich.

Ges­tern nach­mit­tag hab ich mich drauf gesetzt. Ich dachte noch, dass die Bat­te­rien bestimmt leer sein wür­den, aber es funk­tio­nierte alles und der Com­pu­ter in dem Ding hat mich wie­der erkannt.
Ich hatte mir vor­ge­nom­men, ohne Stress und Geschwin­dig­keit zu fah­ren, ein­fach so. Als wäre ich drau­ßen in der Natur unter­wegs. Hände weg vom Puls­mes­ser, auf keine der Anzei­gen für Stre­cke und Tempo ach­ten, nur ruhig und regel­mä­ßig tre­ten. 15 Minu­ten hab ich geschafft, dann war die Pizza fer­tig. Und naja, es war in Ord­nung. Ich will nicht so weit gehen zu sagen, dass es Spaß gemacht hat, aber es war okay.
Klar, ohne Anstren­gung nützt es dem Kör­per nicht wirk­lich was, aber viel­leicht hilft es, über­haupt wie­der auf das Rad zu stei­gen, wenn ich es so lang­sam angehe. Und viel­leicht wer­den die Schmer­zen in den Knien damit schon ein biß­chen weniger.

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Danach dann die übli­che Unter­hal­tung zwi­schen mir und der Stimme in mei­nem Kopf.

Ich: Hey, das war doch ganz okay.
Stimme: Jaja. War ja auch nicht viel. Und du hast über­haupt nicht geschwitzt! So bringt das doch nix.
Ich: Aber zum Wie­der­ein­stieg war es gut! Ich bin jeden­falls stolz auf mich, dass ich es gemacht hab.
Stimme: Stolz??? 5 km in 15 Minu­ten sind echt kein Grund, stolz zu sein! Und warte mal ab, wie lange du es dies­mal durch­hälst oder eben auch nicht. Wenn du irgend­wann viel­leicht mal 10 kg abge­nom­men hast, kannst du stolz sein, aber vor­her doch nicht.
Ich: …
Stimme: Du weißt, dass ich Recht habe!
Ich: …
Stimme: …
Ich: Weißte was, Stimme, ich war auf dem blö­den Gerät, ich bin gefah­ren, also bin ich stolz auf mich und darf das auch. Ver­piss dich doch ein­fach.
Stimme: *grum­mel* Aber …
Ich: Geh weg!

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