#frapalymo 2017

#frapalymo 2017

30 Tage, 30 Gedichte, no excuses.

Ob ich da mal mitmachen sollte? Trau ich mir das zu? Ich trau mir das zu, ich mach da mit!

Another Me

Another Me

Mein anderes Ich reist an fremde Orte, lernt Cello spielen, vertraut auf Bauchgefühle und hält sich nicht an überholte Regeln. Es lächelt still vergnügt und ist sich seines Seins wohl bewusst.

… während dieses Ich zweifelt und hadert und Angst hat vor jedem Schritt und dabei trauert, weil das andere Ich zwar spürbar ist, aber so unendlich weit entfernt scheint.

Eigentlich wollte ich nur diesen kurzen Gedanken hier lassen, den ich gestern beim Sonne-und-Farben-tanken im Park hatte. Jetzt, beim Schreiben, wird mir bewußt, dass es mich in meiner Erinnerung schon immer als zwei Ichs gibt: eine, die ich bin und eine, die ich sein könnte und gerne wäre. Und wieder einmal zerreißt es mich innerlich.

Warum habe ich nie an mich glauben können? Warum war ich es mir selbst nie wert, meine Träume zu verwirklichen? Warum habe ich so oft in meinem Leben nur reagiert, statt zu agieren?

Jeden Verlust, jeden Fehlschlag, jeden Vertrauensbruch, jedes Hintenan-gestellt-werden… habe ich hingenommen in dem Gefühl, es stünde mir nicht anders zu. So habe ich es gelernt, meine ganze Kindheit und Jugend durch.
Du willst etwas? Keine Zeit, kein Geld, erst kommen die anderen. Dir wurde was genommen? Stell dich nicht so an. Deine beste Freundin hat sich eine andere gesucht? Dann hast du wohl nicht genügt. Dein Freund hat dich verlassen? Das kann nur an dir gelegen haben. Du willst gar nicht Musik studieren, wie wir es seit Jahren für dich geplant haben? Das ist ein Privileg, respektiere das gefälligst! Du hast einen anderen Traum? Vergiss es, das schaffst du eh nie!

Wie kann ich jetzt noch lernen, mir zu glauben? Wie kann ich jetzt noch mein anderes Ich werden?

Tage nach Nächten mit Träumen

Tage nach Nächten mit Träumen

Tage nach Nächten mit Träumen vom Ex sind schwer auszuhalten, wei sie mir jedes Mal bewußt machen, was in meinem Leben so sehr fehlt.

Aber immerhin bin ich der Beweis dafür, dass ein Mensch auch ohne Liebe *) leben kann. Ist ja auch was. / Ironie off.

 


*) Partnerschaftliche Liebe, nicht die von Kindern, Schwestern, Freund*innen. Die ist wichtig, aber nicht zu vergleichen, wie wir ja alle wissen.

#SepteMeer 07

#SepteMeer 07

Manchmal, nachts,
wenn der Wind sich dreht
von Ost nach West
und wenn er sich
ein kleines bißchen Mühe gibt –
wenn dann alles still ist und dunkel
und ich die Augen schließe,
kann ich auch in der großen Stadt
das Meer riechen.

 


Mein 7. Beitrag zum Bingecreating auf Twitter im September 2017 mit @e13Kiki. Alle anderen gibt es >hier<

Trost

Trost

Seit Jahren jongliere ich schon mit Worten und Ausreden und Erklärungen rum, warum ich diese vielen zusätzlichen Kilos auf mich drauf gepackt habe. „Es war das einzige, was ich kontrollieren konnte.“ – „Es war ein Schutzwall um meine Gefühle, um mich.“ – „Es hielt die Menschen von mir fern.“ Usw. usw.
Und dann gerate ich heute auf zufälligen (?) Wegen an die Leseprobe eines Buches *) und *bäm* da steht es und trifft mich wie ein Hammer:

»Du meinst also, das Beste, was du vom Leben bekommen kannst, ist kalte Gemüsesuppe?«
Als sie weiterspricht, bebt ihre Stimme. »Es ist der einzig wirkliche Trost, den ich habe, und ich werde nicht auf ihn verzichten.«

Es geht um Trost, einfach immer. Früher und jetzt – letztendlich läuft es immer auf Trost hinaus. Ja, auch Anerekennung, Liebe, Unterstützung, Partnerschaft… fehlt mir, aber das allumfassende Gefühl, das meinen Mangel am besten beschreibt, ist der Wunsch nach Trost.

Ich möchte getröstet werden: für alles, was ich erleben musste, ohne es zu verstehen. Für alles, was ich entbehren musste. Für all die Momente, in denen ich alleine gelassen wurde, zureckstecken musste, übersehen und überhört wurde. Für jeden Moment, in dem ich physisch und psychisch verletzt wurde.
Ich möchte getröstet werden. Gehalten, umsorgt, geliebt. Ich brauche keine guten Ratschläge, es reicht, wenn jemand mich hält und mir sagt, dass alles gut wird.

Dass die Erdnussflips und Sahnetorten mich nicht trösten, auch wenn der Geschmack eine Erinnerung daran auslöst, wie sich Trost womöglich anfühlen könnte, ist mir bewußt. Aber es ist im Moment (scheinbar) der einzige Trost, den ich habe. Außer, ich lerne, mich selbst zu trösten.

Denn was im Trost enthalten ist, ist Zuversicht. Dass ich es schaffen werde, dass ich wieder ins Leben komme, dass ich meine Ängste überwinden kann, dass ich irgendwann mal essen kann, weil ich einfach nur Hunger habe.

Solange ich aber dem Essen die Schuld an meinem Übel gebe, solange ich bei jedem Bissen entweder ein schlechtes Gewissen habe oder ihn trotzig in mich reinstopfe, tröste ich mich nicht, sondern verlagere das eigentliche Problem weiter und bin noch dazu schlecht zu mir. Damit bleibe ich im alten Muster, weit entfernt von Trost und Zuversicht.

Und da sind wir wieder: bei den alten Mustern (Wegen, Gedanken), die so hartnäckig ums Überleben kämpfen. Es spielt keine Rolle, dass ich mir selbst damit schade. Sie sind gewohnt und damit einfacher.
Der erste – alte – Gedanke, der kommt, ist dieser: habe ich überhaupt ein Recht auf Trost? Habe ich wirklich so sehr gelitten, dass ich getröstet werden muss? Haben die anderen nicht viel mehr gelitten als ich? Die kommen doch auch damit klar, warum kann ich das nicht?
Aber das ist ein anderes Kapitel.

 


*) Geneen Roth: Essen ist nicht das Problem

Alles so schwarz hier

Alles so schwarz hier

Ich habe gestern mal wieder Fotos ausgesucht, mit denen ich meine Beiträge hier bebildern könnte, wenn ich wollte. Irgendwann fiel mir auf, dass ich unbewußt nur dunkle, traurige, einsame und nachdenkliche Motive gewählt habe.

Schreibe ich wirklich so wenig bunt und fröhlich, obwohl es das in meinem Alltag doch genauso gibt wie die andere Seite?

Ich sollte mehr von diesen hellen Schätzen aufbewahren und sie nicht einfach davonziehen lassen. Zu einer anderen Zeit könnte ich sie brauchen.

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