Planänderung

Vor lan­ger Zeit musste ich zwecks Kre­dit­wür­dig­keit eine Lebens­ver­si­che­rung abschlie­ßen; die wurde im Mai 2024 fäl­lig und aus­be­zahlt. Für die meis­ten Men­schen wäre der Betrag ver­mut­lich lächer­lich, für mich war es aber rela­tiv viel: knapp vier­tau­send Euro gab es. Einen klei­nen Teil hab ich als Pols­ter auf mei­nem Konto gelas­sen, für den grö­ße­ren Rest rich­tete ich ein Tages­geld­konto ein, damit das Geld nicht quasi aus Ver­se­hen ver­schwin­det.
Damals hab ich aus Spaß auf mei­nem sozia­len Medium gefragt, was ich damit machen soll. Drei Optio­nen stan­den zur Aus­wahl: Woh­nung reno­vie­ren, Urlaub machen oder für meine Beer­di­gung spa­ren. Die meis­ten rie­ten mir zum Urlaub, meine Sehn­sucht nach Por­tu­gal stimmte zu. Ich wollte ja noch nach Porto und von dort aus ein biß­chen rei­sen, viel­leicht ins Lan­des­in­nere am Douro ent­lang oder nach Nazaré zu den Rie­sen­wel­len. Noch ein letz­tes Mal rich­tig weg, zwei Wochen min­des­tens, mein gelieb­tes Land erle­ben, Fotos machen für die Erin­ne­rung - und die Toch­ter mit­neh­men, die ja auch bei mei­ner ers­ten Reise nach Por­tu­gal dabei war. Sie hat sofort zugesagt.

Dann kamen Fra­gen. Würde ich kör­per­lich über­haupt noch in der Lage sein für so etwas? Lau­fen, gucken, Men­schen, tau­send Ein­drü­cke? Wäre es das wert, so viel Geld aus­zu­ge­ben dafür? Gibt es viel­leicht noch andere, nähere Ziele, die ich noch nicht kenne? Nor­we­gen zum Bei­spiel, das die Toch­ter so liebt. Da könn­ten wir mit dem Schiff hin­fah­ren, da müsste ich nicht viel lau­fen, die Fahrt würde zur Reise gehö­ren. Das klang toll, wir woll­ten es ernst­haft in Betracht ziehen.

Dann kam das Leben. Vor­her schon der Graue Star und die OPs. Im Som­mer mein Sturz zuhause mit lan­ger Phy­sio danach. Immer wie­der die Über­le­gung, noch ein­mal in die Psy­cho­kli­nik zu gehen und dann die Zusage für Malente. Auch bei der Toch­ter lief es alles andere als gut, sie musste das Stu­dio auf­ge­ben und hatte weder finan­zi­el­len noch men­ta­len Spiel­raum für Urlaub. Und so scho­ben wir die Rei­se­ge­dan­ken immer wei­ter, bis sie ziem­lich klein in unbe­stimm­ter Zukunft lagen. Irgend­wann! Ja, irgend­wann fah­ren wir mal zusam­men weg.

Ges­tern, als ich hier die Bude putzte und end­lich mal wie­der die Sonne schien und Licht hin­ein ließ in alle dunk­len Ecken, guckte ich mich um und änderte spon­tan den Plan. Ich fahr nicht weg - ich mach meine Woh­nung schön. Urlaub ist toll, aber hier werde ich mein rest­li­ches Leben ver­brin­gen und Erin­ne­run­gen erset­zen kei­nen All­tag, keine kaput­ten Schränke und kei­nen unan­sehn­li­chen Fuß­bo­den.
Meine Woh­nung ist grund­sätz­lich toll, die Nachbar:innen sind Gold wert, die Lage sowieso und inzwi­schen kann ich hof­fent­lich auch mit der Umge­bung wie­der zurecht kom­men. Woan­ders werde ich sowas nie wie­der bekom­men, dar­über muss ich gar nicht nach­den­ken. Leben im Grü­nen wäre groß­ar­tig, liegt aber ein­fach nicht mehr im Bereich des Mach­ba­ren. Dann kann ich es mir genauso gut auch hier schön machen.

Jetzt gibt es spa­ßes­hal­ber einen Ikea Wunsch­zet­tel, der finan­zi­ell gar nicht so uto­pisch ist, wie ich befürch­tet hab. Wenn der Ver­mie­ter dazu noch einen neuen Herd und eine neue Spüle stif­tet (die beide zur Woh­nung gehö­ren und nach über 40 Jah­ren Gebrauch kaputt sind) und ich jeman­den finde, der den Fuß­bo­den neu macht und die Wände streicht, dann sieht das hier wie­der rich­tig gut aus. Da ich ja nicht anspruchs­voll, son­dern mit ein­fa­chen Din­gen zufrie­den bin, könnte das, was da auf dem Tages­geld­konto liegt, sogar rei­chen. Und viel­leicht ist auch irgend­wann eine Nacht oder zwei an der Nord­see noch drin. 

Doch, ich denke, das kann gut werden.

2 Kommentare

  1. Ich finde, dass das rich­tig rich­tig gut klingt und du dir damit eine große Freude machen kannst. Dau­men sind gedrückt. Du hät­test bestimmt schon viel län­ger Anspruch auf eine neue Spüle gehabt. Es gibt ja so Lis­ten, auf denen steht, was wann ersetzt wer­den darf. Dafür zahlst du schließ­lich Miete.

    1. Danke für die Dau­men und alles! <3
      (Jepp, hätte ich. Aber da muss mensch ja anru­fen und um was bit­ten und sich inner­lich vor­be­rei­ten auf eine Absage, die natür­lich nicht kommt, aber das weiß man ja nie und über­haupt und sowieso. Weißt Bescheid, oder?)

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