Und nochmal Schnee (nicht nur) in Hamburg. Diesmal nicht leicht und flockig und alles bedeckend, sondern mit Regen vermischt, so dass alles ganz schnell zu Matsch wird. PlusminusNull, zu warm und gleichzeitig zu kalt für schön, in welche Richtung auch immer. Der graue Himmel macht nichts besser und die Stimmung passt sich an.
PlusminusNull als Stimmung ist gar nichts. Nulllinie ohne große Ausschläge. Es ist weder gut noch schlecht, es ist irgendwie okay, aber auch nicht wirklich. Es ist auch kein richtiges depressives Loch, aber Freude geht anders.
Vorhin, als ich endlich und schon lange überfällig die Wohnung gesaugt und das Bad geputzt hab, dachte ich: es ist nicht so, dass ich während der Depression keine Lust zu irgendwas hab. Sondern so, dass alles, was sowieso schon doof ist, einfach noch viel schwerer fällt als sonst.
Jeder Mensch hat - davon geh ich aus - Tätigkeiten, die keinen Spaß machen, die einfach nur Pflicht und Notwendigkeit sind. Bei mir ist es vor allem die Putzerei und das Auf- oder Wegräumen von Zeug, das rumsteht und keinen festen Platz hat wie alles andere. Abwaschen z.B. stört mich überhaupt nicht. Egal, wie mies es mir geht: die Küche ist immer ordentlich, das Geschirr wird immer nach dem Essen abgewaschen. Wäsche waschen und aufhängen ist auch leicht, wegräumen schon weniger, aber der Wäscheständer stört ja eigentlich nicht. Einkaufen ist schwer und manchmal - so wie heute - schieb ich es dann eben noch einen Tag weg oder zwei oder drei. Solange ich Kaffee, eine Notfallpackung Brotbackmischung und genug Klopapier hab, geht es. Zur Not sind Pommes im TK-Fach oder ich nutze den Lieferdienst – Hauptsache, ich muss nicht durch das ganze Prozedere des Raus-Gehens *). Und die dreckige Wohnung sieht ja niemand ausser mir, weil ich an solchen Tagen sowieso niemanden hier haben wollte.
*) geduscht haben, Schlamperklamotten aus, anständige Klamotten an, nicht zu warm und nicht zu kalt, feste Schuhe, Schal, Jacke, Taschen einpacken, Fahrradkorb mitnehmen, warten, dass keiner im Treppenhaus ist …
Das klingt vielleicht nach einem leichten Umgang damit, aber das ist es nicht. An solchen Folgen merke ich, dass eben doch was nicht wirklich okay ist in mir. Wenn das Pendel von Null = irgendwie okay nach unten schwingt. Wenn es nicht mehr nur “keine Lust” ist, sondern wenn es schwer wird, wenn ein Gewicht auf meinem Rücken und meiner Brust liegt und mich an der Bewegung hindert. Wenn mein Körper eine Tonne wiegt und ich nicht vom Stuhl aufstehen kann, die Gedanken aber wie ein Karussell durch den Kopf wirbeln.
Nein, leicht ist das nicht und Spaß macht es keinen. Aber ich halte aus, bis es wärmer wird und backe frisches Brot. Das ist ja immerhin was.
Immerhin hast du das Blog aufgeräumt und optisch aufgehübscht (anders schön als vorher). Immerhin weißt du, was du brauchst und nicht magst. Immerhin kennst du dich sehr gut. Ein paar Immerhins, die gar nicht selbstverständlich sind.
Stimmt. (Du kennst mich so gut!)
Malente hat nicht nur mich, sondern auch meine Depression verändert. Ich lerne immer noch dazu.