Und draußen wartet das Leben

Ich bin schon wie­der so müde, so unfass­bar müde und ener­gie­los. Die Tage sind zer­brech­li­che Kon­strukte: funk­ti­ons­fä­hig bis gut, wenn alles nach Plan läuft, aber sofort aus den Fugen, sobald etwas außer­plan­mä­ßi­ges von außen kommt. Eine Sache kann ich dann meis­tens doch irgend­wie hän­deln, wenn ich den Panik­mo­ment hin­ter mir habe - sobald es zwei oder mehr Dinge sind, um die ich mich küm­mern muss, möchte ich mich nur noch verkriechen.

Das Blöde am Allein­sein ist, dass ich auch alles alleine machen musst, ob ich es kann oder nicht. Und die­ses blöde Leben nimmt dar­auf keine Rück­sicht. Es klopft ein­fach an die Haus­tür mei­nes Ichs, ver­langt Auf­merk­sam­keit, geht nicht von alleine wie­der weg. Es war­tet drau­ßen, ich kann es sehen durch die Rit­zen in den Bret­tern, mit denen ich das Fens­ter zuge­na­gelt habe, damit mich drin­nen kei­ner sieht.

Aber mit die­ser ein­ge­schränk­ten Sicht sehe ich eben auch nicht das ganze Drau­ßen. Ich weiß nicht, ob das Pro­blem bären­groß ist oder doch nur käfer­k­lein. Ich weiß nicht, ob noch was hin­ter­her kommt oder ob das eine schon alles ist. Ich weiß auch nicht, ob es da drau­ßen nicht doch irgendwo Hilfe für mich gibt.
Weil ich seit frü­hes­ter Kind­heit gelernt habe, immer mit dem Schlimms­ten zu rech­nen, reagiere ich ent­spre­chend. Vor lau­ter Angst ist alles über­groß und mäch­tig und ich bin nur ein klei­nes Kind, das sich nicht weh­ren kann und auch gar nicht wüßte, wie.

Und wäh­rend das Leben schon ganz behut­sam die Haus­tür zu mei­nem Ich auf­macht und mich ein­lädt, mit ihm zusam­men das Drau­ßen anzu­schauen, bin ich nur damit beschäf­tigt, die ollen Bret­ter vor den Fens­tern abzu­rei­ßen und wie­der dran zu nageln und abzu­rei­ßen und dran zu nageln und kann gar nicht sehen, was da drau­ßen eigent­lich wartet.

Der Plan für mor­gen sieht nach der heu­ti­gen The­ra­pie­stunde also vor, dass ich mein ängst­li­ches klei­nes Kind an die Hand nehme, mit ihr zusam­men zu der Stelle fahre, an der das aktu­elle Pro­blem ange­gan­gen wer­den muss und ihr (und mir) damit zeige, wie wir etwas auf erwach­sene Art lösen kön­nen. Damit sie es lernt und ich viel­leicht irgend­wann meine Panik und meine nega­ti­ven Erwar­tun­gen able­gen kann.

Gute gedank­li­che Beglei­tung nehm ich gerne an…

2 Kommentare

  1. Ach, du Liebe – wieso nur kommt mir das alles so bekannt vor? Die Bil­der mit den zuge­na­gel­ten Fens­tern finde ich sehr tref­fend: Zuna­geln. Weg­ma­chen. Da capo al … fine?
    Ich bin gespannt, wie es dir geht, wenn du zum Ort des Gesche­hens gehst. Viel­leicht genau jetzt. Ich schi­cke dir Kraft­wün­sche und hoffe, dass alles gut geht. Ich denke an dich.

    (Du kannst mir gerne schrei­ben, wenn du Mut oder Unter­stüt­zung oder ein­fach ein offe­nes Ohr und Herz brauchst.)

    1. Hab Dank, wie immer! Für das Ohr, den Bei­stand, deine Gedanken.
      Mail wäre grade ein Ort zuviel, aber ich hab das im Kopf! <3

      Heute mor­gen hab ich mir bei 7Mind eine kurze Medi­ta­tion zur Stress­ab­wehr raus gesucht. Der “Trick” ist, in einem sol­chen Moment, wenn du merkst, dass du außer dich gerätst, laut oder inner­lich zu sagen “NICHT JETZT”. Zusam­men mit ein paar bewuß­ten, tie­fen Atem­zü­gen hilft es, den Stress abzu­weh­ren und nicht an sich ran zu lassen.
      Ich saß also im Bus und dachte vor mich hin: Nicht jetzt. Jetzt keine Panik und keine schlim­men Gedan­ken. Alles kommt, wie es kommt. Ich bin erwach­sen, ich kann das.
      Für dies­mal hat es geholfen.

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