Von alten und neuen Mustern

Ich denke, dass fast alles, was wir als Erwachsene (unbewußt) tun, auf Mustern beruht, die wir als Kinder in unserem Lebensumfeld gelernt haben. Ob wir sie Muster nennen oder Glaubenssätze oder ganz anders, ist nicht wichtig dabei.
Es sind die Erkenntnisse, die wir aus negativen und positiven Erlebnissen ziehen: „wenn das oder das passiert, verhalte ich mich am besten so und so“ oder umgedreht: „damit das oder das nicht passieren kann, verhalte ich mich so und so“. Selbst wenn wir uns damit schaden, ist es einfacher, an den Mustern fest zu halten: weil sie vertraut sind, weil wir wissen, was passiert. Weil alles Neue oft erstmal auch Angst macht.
Um die Muster ändern, neu malen zu können – oder um uns dafür zu entscheiden, sie beizubehalten, weil sie richtig sind – müssen wir sie erkennen und von allen Seiten begucken. Wie sind sie entstanden, wie haben sie sich verfestigt, an was hindern sie mich bis heute? Aber auch – und das fällt mir besonders schwer – wo haben sie mir eventuell Schutz gegeben bis jetzt?

Von meiner Mutter z.B. habe ich gelernt, nicht zu sehr zu lieben, denn der*die andere geht ja doch wieder. Das habe ich unbewußt aufgesogen und in meinen eigenen Beziehungen zu meinem eigenen festen Muster verwebt. Es hindert mich zwar bis heute daran, mich auf Menschen wirklich einzulassen oder ihnen zu vertrauen, aber es schützt mich natürlich auch vor Enttäuschung.

Die Frage ist: brauche ich das Muster heute noch? Gibt es die „Bedrohung“ noch oder ist es eine selbsterfüllende Prophezeiung?
Wenn ich mich gar nicht erst auf andere Menschen einlasse oder sie aufgrund meiner Muster von mir wegstoße (wie ich das leider immer wieder mache), werde ich nie erfahren, ob sie nicht vielleicht doch von sich aus geblieben wären.
Wenn ich angstmachende Situationen immer vermeide, werde ich nie wissen, ob die Angst begründet war oder ob ich nicht doch in der Lage bin, sie zu überwinden.

Einige andere meiner Glaubenssätze gehören zusammen: „Stell dich nicht in den Mittelpunkt!“ – „Du bist selbst Schuld, wenn du nichts bekommst / etwas nicht geklappt hat“ – „Mach du nicht auch noch Probleme!“ – „Kinder mit ’nem Willen kriegen was auf die Brillen!“
Was aus ihnen folgt, ist ein neuer Glaubenssatz: „Ich bin nicht wichtig, ich stehe für niemanden an erster Stelle, ich bin immer nur 2te, 3te, 4te… Wahl.“ und die Überzeugung, dass ich es nicht wert bin und nicht verdient habe, geliebt zu werden.

Diese alten Muster sind so verdammt überzeugend und sie kämpfen so hartnäckig in mir ums Überleben, dass es wahnsinnig viel Kraft kostet, sie aus mir zu entfernen. Ich wünschte, sie würden sich einfach mit regelmäßiger Meditation oder ein paar Stunden Ergotherapie übermalen lassen. Ich wünschte so sehr, ich könnte sie einfach ausknipsen und die neuen Gedanken annehmen, von denen ich weiß, dass sie richtig und besser sind für mich. Aber so ungeübt wie ich im Malen bin, so ungeübt bin ich auch immer noch darin, mich zu akzeptieren und wohlwollend anzunehmen in all meiner Unzulänglichkeit. Die neuen Muster sind immer noch nur im Kopf und finden schwer den Weg nach draußen in mein Leben.

Vielleicht hilft (mir) das Schreiben darüber.

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