Winterblues?

Für das eng­li­sche Wort “grumpy” gibt es ziem­lich viele deut­sche Ent­spre­chun­gen, z.B.: mür­risch, gran­tig, gries­grä­mig, muf­fe­lig, brum­mig, grum­me­lig, ver­drieß­lich, miss­mu­tig, knur­rig, übel­lau­nig, knat­schig, unleid­lich, unwirsch. Alle tref­fen zur Zeit auf mich zu.

Wäre ich nicht schon längst aus der menstru­ie­ren­den Zeit raus, würde ich den­ken, ich hätte PMS, denn so fühlt es sich an. Alles und jedes stört mich, Dinge und Men­schen, Gerü­che und Geräu­sche, das Drin­nen inzwi­schen fast so sehr wie das Drau­ßen. Ich finde an kaum etwas Freude, leben ist nur Pflicht, den­ken macht unglück­lich und noch schlech­tere Laune.

Aber anstatt die­sen Zustand ein­fach zu akzep­tie­ren und anzu­neh­men, so wie ich es doch gelernt habe, schieb ich ihn weg, lass ihn nicht zu. Ich muss doch nichts, was soll denn das, das darf nicht sein, ich sollte zufrie­den sein, ich kann doch machen, was ich will. Aber in mir drin drängt etwas. Es drän­gelt und quän­gelt und treibt und redet mir ein, dass ich was tun muss – aber es jam­mert, wenn ich dann wirk­lich was muss (Grup­pen, Tref­fen, Arzt­ter­mine …) und es macht alles madig, was ich tun möchte. Oh, und da ist ja auch diese alte Stimme wie­der, die mir ein­re­det, dass ich eh nur höchs­tens Mit­tel­maß bin und unwich­tig und nie­man­den inter­es­siert, wie es mir geht. Wie soll ich denn dage­gen ankom­men? Wie kann ich damit umge­hen, wenn irgend­wie nichts hilft?

Und ich weiß immer noch nicht, woran es liegt, woher die­ser Zustand, diese (Ver)Stimmung kommt. Ist es doch ein­fach nur der Win­ter­blues? Seit (gefühlt) Wochen haben wir hier kein Blau am Him­mel, keine Sonne, nur mat­schi­ges Grau, dre­ckige Schnee­reste und Kälte. Ich sehne mich so sehr wie noch sel­ten nach Wärme, Licht, Vogel­stim­men, bun­ten Blü­ten, Früh­lings­duft, milde Luft auf der Haut.
Statt des­sen grabe ich mich ein zuhause, möchte eigent­lich immer noch nie­man­den sehen, vor allem nicht weg gehen müs­sen um zu reden, nicht erst noch umständ­lich for­mu­lie­ren und schrei­ben müs­sen um zu kom­mu­ni­zie­ren. Möchte schla­fen in mei­ner Höhle, bis es vor­bei ist. 

***

Immer, ein­fach immer, muss ich alles alleine machen. Ich meine nicht die “gro­ßen” Sachen wie Arbeit und Kind frü­her oder jetzt Behör­den­kram und so, son­dern die täg­li­chen Klei­nig­kei­ten. Kaf­fee kochen, Früh­stück machen, ein­kau­fen, abwa­schen, Haus­halt, Wäsche und all das. Schon viel zu lange ist da nie­mand mehr, der mit­macht, der teilt, der da ist. Da sitzt nie­mand neben mir, den ich mal eben anspre­chen kann, dem ich meine Gedan­ken und Gefühle mit­tei­len kann und der mir dann auch noch antwortet.

Ich hab Freund:innen und meine Fami­lie, ich bin nicht wirk­lich allein. Aber manch­mal sehr einsam. 

***

Lying to mys­elf I can make it on my own
Making it alone is lonely
Twis­ting and I’m tur­ning
Oh I’m cras­hing and I’m bur­ning
So reach out your hand to me
Come down
Res­cue my heart I’ll drown
Wit­hout you
Come down
And res­cue my heart I’m deep under­ground
I can’t dig my way out
So come down
(Res­cue my heart)
(Res­cue my heart)
[…]