11-07-2022 i DO like mondays

Spä­ter Nach­mit­tag. Die Bal­kon­tür steht offen, mil­des Son­nen­licht bricht durch die satt­grü­nen Blät­ter der Pla­tane, leise Geräu­sche von drau­ßen: Kin­der­rufe, Fahr­rad­klin­geln, Wür­fel in einem Becher bei dem Päär­chen vom Bal­kon im Haus nebenan. (Sie sind in mei­nem Alter, viel­leicht etwas jün­ger, und sit­zen an jedem Schön­wet­ter­tag nach­mit­tags ein, zwei Stun­den drau­ßen. Nach über 20 Jah­ren Nach­bar­schaft fin­gen wir im letz­ten Som­mer an, uns freund­lich zuz­u­ni­cken, wenn wir uns sehen.)
Vor­sich­tige Bli­cke aus dem Schneckenhaus.

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Ich mag Mon­tage. Sie bedeu­ten, dass wie­der eine Woche hin­ter mir liegt, die ich (irgend­wie) über­stan­den habe. Alles ist frisch und neu, alles kann sein, alles ist mög­lich. Wie jeder Mor­gen, an dem ein neuer Tag mit neuen Chan­cen beginnt, nur in groß.
Vor allem aber sind Mon­tage so viel lei­ser als alle ande­ren Wochen­tage. Die meis­ten Men­schen sind bei ihrer Arbeit und nicht drau­ßen unter­wegs. Es ist viel weni­ger Ver­kehr auf den Stra­ßen. Und zwei der vie­len Restau­rants haben Ruhe­tag, darum müs­sen die Gäste in den ande­ren Knei­pen auch weni­ger laut brül­len.
Mon­tage sind wirk­lich gut.

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Ich hab immer noch ein paar Dinge im Kopf, mit denen ich mich beschäf­ti­gen könnte, jetzt wo Igor sich nach knapp zwei Wochen Bela­ge­rung end­lich wie­der Rich­tung Körb­chen auf­macht. Die­ses sinn­lose In-den-Tag-leben bekommt mir nicht, da fühle ich mich schnell selbst völ­lig sinn­los und über­flüs­sig. Ich brau­che etwas zu tun - ich brau­che einen Grund, über­haupt auf­zu­ste­hen. Und wenn der nicht von außen kommt, muss ich ihn eben wie­der selbst machen, auch wenn es manch­mal unend­lich müh­sam ist.
Mor­gen treffe ich mich mit A. (mei­ner “Spon­so­rin”) in Plan­ten & Blo­men zum Gehen, Sit­zen, Zeich­nen, Foto­gra­fie­ren, Schnacken. Das passt genau, denn alle Fotos aus den letz­ten Wochen sind ver­ar­bei­tet und ich brau­che drin­gend Nach­schub. Außer­dem will ich neue Post­kar­ten dar­aus machen - viel­leicht mal nicht nur digi­tal, son­dern irgend­wann auch dru­cken las­sen, ein­zeln oder als Kalen­der. Im Moment fehlt es am Geld für den Druck, aber das muss ja nicht sofort sein.
Mein eige­nes Logo (das ich u.a. auch für die Kar­ten brau­chen kann) liegt immer noch halb fer­tig im Ord­ner und war­tet auf eine zün­dende Idee. Letz­tens fiel mir ein, ich könnte mir ja eines der Wanna-Do’s von der Toch­ter neh­men — oder sie ein­fach gleich für mich zeich­nen las­sen. Jeden­falls will ich das wirk­lich gerne mal fer­tig haben.

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Auf dem heu­ti­gen Plan steht die übli­che Ergo­me­ter­tour, aber ich pro­kras­ti­niere das noch etwas und koche mir einen klei­nen Espresso mit dem neuen “Maschin­chen”. Nach ewi­gen Zei­ten des Ver­mis­sens hab ich mir neu­lich end­lich mal wie­der so eine kleine sil­berne Kanne gekauft, für den schnel­len Kaf­fee zwi­schen­durch oder am Abend. Dazu den ech­ten Espresso von Lavazza, den ganz fein gemah­le­nen, wäh­rend ich sonst ja die gan­zen Boh­nen kaufe, aber der passt da ein­fach bes­ser und ja, ich schiebe die Rad­fahr­pflicht ganz schön vor mir her, wäh­rend ich hier tippe, was mir so grade in den Sinn kommt.

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Kurios:
Vor eini­ger Zeit hab ich zufäl­lig bemerkt, dass sich, wenn ich auf der Seite liege, mein Ohr­läpp­chen nach innen umklappt. Ich fand schon immer, dass es bescheu­ert aus­sieht, aber seit­dem guck ich da stän­dig hin im Spie­gel und es stört echt. Ich klappe es darum jetzt immer wie­der zurück, sobald ich liege, aber ich fürchte, meine rest­li­che Zeit wird nicht rei­chen, bis es wie­der nor­mal aus­sieht. Ich werde damit leben müssen.

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Link des Tages:
“Eine Gruppe von 30 Men­schen kann in 3 Stun­den einen nen­nens­wer­ten Unter­schied machen, das kann man so fest­hal­ten. Wenn Sie jetzt also mit drei­ßig Men­schen bei Ihnen vor der Haus­tür anfan­gen wür­den - gleich würde es dort bes­ser aus­se­hen, das gehört auch dazu. Warum machen Sie es dann nicht, warum machen wir alle es nicht, es ist doch not­wen­dig?”
“Der Mensch an sich hat einige Eigen­schaf­ten, die sind gar nicht so unsym­pa­thisch. Er hat nur dum­mer­weise auch noch andere, die sich viel leich­ter beob­ach­ten las­sen.“
Maxi­mi­lian Bud­den­bohm über Gemein­schafts­ar­beit, die auch ohne Anführer:in funktioniert.

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Der Espresso ist aus­ge­trun­ken und ich will end­lich unter die Dusche, was ich aber erst “darf”, wenn ich meine 20 Minu­ten Trai­ning geschafft habe. Also los. 

PS: 24 Minu­ten, 10 km, SchweineHundÜber­win­dungsLevel 8/10

29-06-2022 Essen: Nahrung und Trost

Lau­rie, die fünf­und­drei­ßig­jäh­rige Che­fin einer Bostoner Hypo­the­ken­firma, hebt die Hand. »Ich hab kei­nen Hun­ger, aber ich hätte gern wel­chen. Ich will auf jeden Fall essen.«
»Warum?«, frage ich.
»Weil das Essen gut aus­sieht, und weil es hier direkt vor mir steht. Es ist der beste See­len­trös­ter, den es gibt. Was ist falsch daran, wenn man sich vom Essen wünscht, dass es einen trös­tet?«
»Über­haupt nichts«, erwi­dere ich. »Essen ist gut, und Trost ist gut. Aber wenn du kei­nen Hun­ger hast und Bal­sam für die Seele brauchst, lin­dert Essen den Schmerz nur vor­über­ge­hend. Warum gehst du das Unbe­ha­gen nicht direkt an?«
»Es ist zu schwie­rig, die Dinge direkt anzu­ge­hen, es tut zu weh, und der Schmerz wird nie ganz ver­schwin­den. Und wenn es sowieso end­los weh­tun wird, habe ich wenigs­tens das Essen«, erwi­dert sie.
»Du meinst also, das Beste, was du vom Leben bekom­men kannst, ist kalte Gemü­se­suppe?«
Als sie wei­ter­spricht, bebt ihre Stimme. »Es ist der ein­zig wirk­li­che Trost, den ich habe, und ich werde nicht auf ihn ver­zich­ten.«
Eine Träne läuft über ihre rechte Wange, bleibt an ihrer Ober­lippe hän­gen. Zustim­men­des Kopf­ni­cken. Eine Woge von Gemur­mel läuft durch den Kreis.

aus Geneen Roth: Essen ist nicht das Problem

Ich hab die­ses Buch schon seit ein paar Jah­ren lie­gen, bin aber nie wirk­lich über das Vor­wort - aus dem der oben zitierte Abschnitt stammt - hin­aus gekom­men. Zu groß ist die Angst, mich mit dem Thema Essen zu beschäf­ti­gen, denn es hat mit Liebe und Ver­lust, Ver­nach­läs­si­gung und dem gro­ßen Gefühl des Unge­liebt-Seins zu tun.
Den­noch sind zwei Sätze aus dem Zitat ganz fest in mei­nem Kopf hän­gen geblie­ben und jedes Mal, wenn ich an sie denke oder sie lese, hab ich die­sen Kloß im Hals. Weil sie so ver­dammt zutref­fen. Weil sie haar­ge­nau beschrei­ben, wie es mir ging damals. Damals: als ich anfing, mich mit Essen zu trösten.

“Wenn es sowieso end­los weh­tun wird, habe ich wenigs­tens das Essen. […] Es ist der ein­zig wirk­li­che Trost, den ich habe.”

Ich will das alles so gerne auf­ar­bei­ten und irgend­wann über­win­den und hin­ter mir las­sen. Mor­gen ist die monat­li­che The­ra­pie­stunde und ich werde anfan­gen, dar­über zu reden. Und viel­leicht kann ich dann auch hier dar­über schreiben.

24-06-2022 Still hier [here]

(Mit­ten rein. Nicht nach­den­ken, schon gar nicht recht­fer­ti­gen, vor nie­man­dem. Es ist, wie es ist, und manch­mal ist es auch nicht. So einfach.)

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Je weni­ger ich rede, desto mehr ver­stumme ich. Je mehr ich ver­stumme, desto ein­sa­mer bin ich. Je ein­sa­mer ich bin, desto weni­ger rede ich.

Ja, es ist still hier im Moment. But I’m still here.

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Ins­ge­samt und so von oben gese­hen, geht es mir nicht schlecht in den letz­ten Wochen. Ich hatte sehr net­ten Wochen­end­be­such vom Lieb­lings­nef­fen, war das erste Mal seit Corona wie­der in einem Restau­rant, traf mich mit mei­ner “Spon­so­rin” im Café auf Enten­wer­der, hab mei­nen Bal­kon schön gemacht, fahre mit dem 9-Euro-Ticket zu schö­nen Orten in Ham­burg, gehe so oft wie mög­lich zur Mitt­wochs­gruppe, schreibe fast jeden Tag mit Freun­din D., trai­niere fast regel­mä­ßig auf dem neuen Ergo­me­ter und ver­su­che wei­ter­hin, mich irgend­wie mit die­sem Rent­ner­da­sein anzu­freun­den. Man­che Tage sind müh­sa­mer als andere und müs­sen eben über­lebt wer­den, aber von Igor sehe und höre ich nur sel­ten was.
Trotz­dem fehlt so viel zu einem zufrie­de­nen Leben. Moti­va­tion, Kon­zen­tra­tion, Aus­dauer, rich­tige Auf­ga­ben, aber vor allem Lei­den­schaft. Die Ideen sind da, aber nur im Kopf: sie wol­len nicht in die Tat. Ich fange vie­les an und lege es schnell wie­der weg, weil das oben auf­ge­zählte nicht da ist. Das macht alles anstren­gend, frus­trie­rend, lang­wie­rig und ermü­det schnell, was dann natür­lich auch wie­der aus­bremst.
Ich seh die Tür nicht, die aus dem Kreis­lauf raus führt.

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Seit eini­ger Zeit immer wie­der der Gedanke: ich bin jetzt so alt, wie meine Mut­ter war, als sie die Schlag­an­fälle hatte, die 3 Monate spä­ter zu ihrem Tod führ­ten.
Wie ging es ihr, wie hat sie sich gefühlt? War sie zufrie­den, was hatte sie für Pläne, wie jung oder alt hat sie sich emp­fun­den - kör­per­lich, aber vor allem geis­tig und see­lisch? Wir haben so viel Ähn­lich­keit in so vie­len Din­gen und ich kann mir beim bes­ten Wil­len nicht vor­stel­len, jetzt schon zu ster­ben. Ja, das macht mir Angst. Was kann, was muss ich anders machen als sie?

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Nach­dem ich die Spende für den Ergo­me­ter bean­tragt habe und das Ding jetzt wirk­lich bei mir steht, sind die The­men Gewicht und Ernäh­rung wie­der ganz vor­nean. Ich würde gerne noch­mal The­ra­pie dazu machen, wie­der von vorne, aber dies­mal den Focus anders set­zen. Warum hab ich ange­fan­gen, zu viel zu essen? Was bedeu­tete Essen in der Kind­heit und spä­ter, nach­dem M. mich ver­las­sen hat? Was hat Essen mit Für­sorge, näh­ren und wach­sen zu tun und was mit Strafe, Rück­zug, Schutz und unsicht­bar machen?
Das Thema ist zu groß für mich alleine.

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Aber Fotos. Fotos machen geht.

11-05-2022 Wie Blei

Wenn ich nur wüßte, woher sie kommt. Diese Müdig­keit, die wirk­lich - ich muss das Sprich­wort gar nicht neu erfin­den - wie Blei über mir liegt. Die hin­ter den Augen beginnt und sie zudrückt, die dann wei­ter wan­dert über die Ohren und den Hin­ter­kopf, auf die Schul­tern, den Rücken hin­un­ter, mich wie in einen dunk­len Man­tel ein­hüllt. Die jeg­li­che Kon­zen­tra­tion ver­hin­dert und nur ins Bett will und schla­fen, als hätte ich das nicht in der Nacht getan. Diese Müdig­keit, die mich dazu bringt, zuhause zu blei­ben, anstatt in die Mitt­wochs­gruppe zu gehen, die mir eigent­lich Kraft gibt. Die nicht wie Igor ist, ihn aber gerne aus der Ecke holt und dann noch schlim­mer wird.

Wenn ich wüßte, woher diese elende Müdig­keit kommt, ich könnte viel­leicht was dage­gen unternehmen.

08-05-2022 70er Nostalgie

Okay geschla­fen. Die Träume wer­den wie­der ruhi­ger: letzte Nacht hab ich mich immer­hin nur noch ein­mal in einer ver­meint­lich bekann­ten Stadt verlaufen.

Kaf­fee und Crois­sants (diese knack-und­back-Din­ger, ich sollte mir lang­sam mal mer­ken, dass die nicht schme­cken), Inter­net­runde, offene Bal­kon­tür, aus­halt­bare Geräu­sche von draußen. 

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Die Rank­pf­länz­chen haben die erste Nacht ohne Abde­ckung gut über­stan­den und wach­sen sicht­bar. Nächste Woche will ich ein paar bunte Pflan­zen für die Käs­ten an der brei­ten Seite holen und viel­leicht schaff ich es auch zum Bau­markt, das wär gut. Mit den neuen Möbeln von den Kin­dern, die vor­aus­sicht­lich Ende der Woche kom­men, wäre der Bal­kon dann (theo­re­tisch) auch zu nutzen.

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Aus irgend­ei­ner Ecke in mei­nen Gehirn­win­dun­gen sprang mir eine Melo­die ins Ohr und als ich danach bei Spo­tify suchte, fand ich noch ganz viel ande­res aus mei­nen gelieb­ten 70ern und jetzt gibts in mei­ner Biblio­thek noch eine Play­list. Die musste ich heute zeit­wei­lig sehr laut stel­len, damit man drau­ßen nicht hören konnte, dass ich aus vol­lem Hals und Her­zen mit­singe und hachja, das war schon ne geile Zeit damals trotz allem Schmerz und Herz­weh und beschis­se­ner Schule und Fami­lie, also viel­leicht doch nicht so geil, aber wenigs­tens die Musik war toll.

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Außer­dem hab ich die Fotos von Frei­tag gesich­tet und die ers­ten bear­bei­tet und hoch­ge­la­den, spon­tan einen saule­cke­ren Apfel­ku­chen geba­cken, Rest­nu­deln gebra­ten, einen Tat­ort zum nach­den­ken geguckt und dabei viel an den Enkel gedacht, der ja auch Einer ist, für den unser Sys­tem nicht gemacht ist. Zum wie­der run­ter­kom­men jetzt noch ein biß­chen Inter­net und viel­leicht eine Folge von irgend­ei­ner belang­lo­sen Serie und dann ist diese Woche auch wie­der geschafft.

07-05-2022 Gestern und heute

Ges­tern war ich so müde, dass ich total ver­ges­sen hab zu schrei­ben. Sowas.

Ich mach das mal kurz.
Aus­ge­schla­fen, gefrüh­stückt, mit der Bezugs­frau vom Hil­fe­Dings tele­fo­niert, gele­sen und gein­ter­net­tet, hin­ge­legt und 5 Minu­ten spä­ter wie­der auf­ge­stan­den, weil ich eigent­lich nicht müde war, einen Salat gemacht und beim essen Videos über Bild­be­ar­bei­tung geguckt (da gibts noch soooo viele Sachen, die ich nicht kenne!) und wie vor­ge­nom­men um kurz vor 18 Uhr mit dem Rad und natür­lich der Kamera ins Klein­gar­ten­ge­lände gefah­ren. Beste Ent­schei­dung überhaupt!

Wie das da grade riecht! Obst­bäume und Büsche ste­hen in vol­ler Blüte, dazu geht der Flie­der auf, die Luft ist ein ein­zi­ges Süß­wa­ren­pa­ra­dies. Weiß nicht, wie oft ich ein­fach nur da stand auf dem Weg mit geschlo­ße­nen Augen und tiiiiiieeeeef ein­ge­at­met hab.
Und natür­lich ist es eine Pracht, das alles anzu­schauen. Die Far­ben der Blü­ten inmit­ten des fri­schen Grüns … die Natur explo­diert wirk­lich - und für die­sen einen Abend wenigs­tens war ich dabei! 

In den nächs­ten Tagen wer­den dann wie­der Fotos sor­tiert und aus­ge­sucht und bear­bei­tet (bei mir heißt das i.d.R. ein wenig mit Gra­dati­ons­kur­ven und Ton­wert­kor­rek­tur zu spie­len und meine Signa­tur ein­zu­fü­gen): über hun­dert sind es schon wie­der gewor­den in den ein­ein­halb Stun­den, die ich unter­wegs war. Die sind nicht alle gut und es sind immer auch viele vom glei­chen Motiv, aber das spielt bei der digi­ta­len Kamera ja keine Rolle. Ich bin jeden­falls sehr sehr glück­lich über den klei­nen Ausflug.

Abends gab es dann noch eine TK-Pizza, Let’s Dance, Ärger (s.u.), Sofa­schlaf und ins Bett.

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Den Tag heute konnte ich dafür erst­mal in die Tonne kloppen.

Ges­tern dachte ich schon: ich hätte nicht schrei­ben sol­len, dass es mit dem Lärm noch aus­halt­bar ist und hof­fent­lich nicht so schlimm wird. Beim nach Hause kom­men sah ich näm­lich, wie das Café rechts von mir den Außen­be­reich bis auf die Straße ver­grö­ßerte. Es war auch schon gut was los. Im Hip­ster­re­stau­rant waren irgend­wann alle Tische besetzt, beim Bur­ger anschei­nend auch und bei den Alkis in der Eck­kneipe sowieso. Das alles ver­an­lasste mich zu ent­spre­chen­den Tweets.

Ich hab dann irgend­wann die Bal­kon­tür zu gemacht; zum Glück wurde es so kühl, dass ich nicht das Gefühl hatte, etwas zu ver­pas­sen.
Heute mit­tag nach dem Auf­ste­hen wurde ich von der jetzt wohl wie­der übli­chen Geräusch­ku­lisse emp­fan­gen und war sofort schlecht gelaunt. Ich hab zwar noch ver­sucht, mir mein Früh­stück nicht ver­der­ben zu las­sen, aber irgend­wann war ich nur noch krib­be­lig und genervt und hab zum abre­agie­ren dann die Bude geputzt. Danach gings halb­wegs wieder.

Die gute Nach­richt des Tages kam von der Toch­ter: sie brin­gen nächste Woche ihre Bal­kon­mö­bel von zuhause ins Stu­dio und ich bekomme dafür den klei­nen Holz­tisch mit zwei Stüh­len von dort und das passt natür­lich ganz her­vor­ra­gend, weil mei­ner ja grade aus­ein­an­der fällt.

Und so fin­det der Tag doch noch ein gutes Ende und das ist ja auch was.

05-05-2022 Freier Donnerstag

Um kurz nach eins heute Nacht, wäh­rend ich grade gemüt­lich noch eine Seri­en­folge auf Net­flix guckte, ver­ab­schie­dete sich das Inter­net und ver­wei­gerte hart­nä­ckig den Dienst. Ich nahm das als Zei­chen, mal etwas frü­her ins Bett zu gehen und konnte tat­säch­lich auch gut und schnell ein­schla­fen. Träume: siehe die letz­ten bei­den Nächte.

Und dann hab ich aus­ge­nutzt, dass heute schon wie­der nichts auf dem Plan stand und hab mich nach dem kur­zen Klo-Wach gegen halb acht gemüt­lich wie­der in mein Bett geku­schelt und nach dem zwei­ten gegen elf auch noch­mal und am Ende geschla­fen bis zwan­zig nach zwölf. 

Als hätte er es geahnt, klin­gelte 5 Minu­ten, nach­dem ich auf­ge­stan­den (aber noch nicht ange­zo­gen) war, mein Lieb­lings­pa­ket­bote von Her­mes - ich konnte mich grade noch in Leg­gins und Shirt schmei­ßen - und brachte die bestell­ten vier Som­mer­s­hirts, die *juhu* tat­säch­lich alle gefal­len und pas­sen und so hab ich jetzt end­lich wie­der mehr als zwei Shirts zum Anzie­hen für wenn ich raus gehe. Ich bin ja nun­mal kein modi­scher Mensch und Kla­mot­ten sind mir rela­tiv egal, darum trag ich die weni­gen so lange, bis sie echt aus­ein­an­der fal­len, weil sie halt dau­ernd gewa­schen werden.

Danach kam der beste Teil des Tages: Bal­kon­tür auf, Kaf­fee und auf­ge­ba­ckene Crois­sants, bar­fuß, Vogel­ge­zwit­scher, das Inter­net war wie­der da und ich hatte bewußt frei, so wie ich es mir ges­tern vor­ge­nom­men hab. 

Der Unter­schied zu “ich hab so viel zu tun, aber keine Kraft für nichts und mach darum auch nichts” bzw. “ich hab nichts zu tun, dabei müsste ich doch eigent­lich, aber mir fehlt die Moti­va­tion” ist der, dass ich mir an den als “frei” erklär­ten Tagen wirk­lich erlaube, nur das zu tun, wozu ich Lust habe. An sol­chen Tagen geht es mir gut, bin ich im Rei­nen, kann es genie­ßen - und bin trotz­dem oft nicht unbe­dingt unpro­duk­tiv.
Ich lerne also dar­aus: wenn ich mich unter Druck setze, schaff ich sel­ten was, wenn ich aber gut zu mir bin und es lau­fen lasse, gelingt mir viel mehr und es geht mir bes­ser. Da mal drü­ber nachdenken.

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Heute Abend sind das erste Mal in die­sem Jahr meh­rere Tische vor dem Hip­ster­re­stau­rant schräg gegen­über und auch in der Bur­ger­kneipe besetzt; dazu saß vor­hin an der Ecke vor dem Kla­mot­ten­la­den eine fröh­li­che Runde und 3 der jun­gen Leute aus der Metal-WG gegen­über hat­ten Stühle vor die Tür gestellt. Alles zusam­men ergab das für eine ganze Weile einen rela­tiv lau­ten Stimm- und Klang­tep­pich und auch jetzt ist immer wie­der lau­tes Reden und Lachen zu hören.
Die Men­schen sit­zen wie­der drau­ßen und ich bekomme eine Vor­ah­nung, wie es wer­den könnte über den Som­mer. Viel­leicht wird es nicht so schlimm wie im letz­ten Jahr: weil es wie­der normal(er) ist, in Knei­pen und Restau­rants zu gehen und darum nicht mehr so exzes­siv genutzt wer­den muss. Und weil man wie­der rei­sen kann, was letz­tes Jahr ja nicht ein­fach mög­lich war. Viel­leicht ent­zerrt sich die­ses Jahr alles ein biß­chen. Ich kann es nur hof­fen - auch wenn das Pro­jekt #Lärm­schutz lang­sam wächst.

Kei­mende Rank­pflanze, ver­mut­lich Prunkwinde

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Nach über 2 Jah­ren Pan­de­mie spüre auch ich ganz lang­sam wie­der das Bedürf­nis nach “Nor­ma­li­tät”. Nicht nach Leicht­sinn und mas­ken­lo­sem Ein­kauf, aber danach, dass mich mehr oder sogar viele Men­schen auf einem Hau­fen nicht mehr so stö­ren. Ich hab auch mal wie­der Lust, irgendwo drau­ßen zu essen, abends durch son­nen­warme Stra­ßen zu schlen­dern, am Was­ser zu sit­zen - egal, wer da sonst noch so ist. Die Vor­sicht ver­bie­tet mir das alles noch, aber die Sehn­sucht danach macht sich leise bemerk­bar.
Das Ver­rückte ist, dass ich noch nie so oft eine Warn­mel­dung in der Corona App hatte wie in den letz­ten paar Wochen. Mal grün, mal rot, aber schon fast durch­gän­gig. Darum bleibt meine Maske selbst­ver­ständ­lich auf, wo immer ich mit Frem­den in Kon­takt oder Reich­weite bin. Die stört mich auch gar nicht wei­ter, daran hab ich mich total gewöhnt. Es ist vor allem das Bedürf­nis, keine Angst mehr zu haben. Nicht immer vol­ler Anspan­nung in Bus & Bahn zu sit­zen oder ande­ren Men­schen aus­zu­wei­chen. Ich möchte gerne wie­der ent­spannt irgendwo sein, in eine Kneipe gehen oder ins Kon­zert, durch Ikea lat­schen und da auch einen Kaf­fee trin­ken … Sowas eben. 

Es wird nicht wie­der nor­mal wie frü­her, dazu hat sich in zu vie­len Berei­chen der Gesell­schaft zuviel ver­än­dert, aber wir kön­nen eine neue Nor­ma­li­tät bauen, in der wir geschützt mit­ein­an­der leben kön­nen. Das wäre wirk­lich schön, auch und grade für so Einsiedler*innen und HSP wie mich. Ich hoffe weiter.

04-05-2022 Etwas mehr

Auch diese Nacht bin ich durch Traum­la­by­rin­the geirrt, musste Auf­ga­ben lösen, die ich nicht lesen konnte, weil die Brille fehlte, die im 5. Stock oben lag, in dem ich aber nie ankam, weil alles drun­ter und drü­ber ging.
Was rumort da nur wie­der in mir?

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Aber ich war recht­zei­tig auf, um in Ruhe zu früh­stü­cken, bevor ich zur Mitt­wochs­gruppe fuhr. Eine der bei­den Betreue­rin­nen war krank und die nette, sehr red­se­lige C. war auch nicht da, dafür aber meine Lieb­lings­frau H. end­lich mal wie­der. Wir haben Fra­gen-Kar­ten *) gezo­gen (deren Namen ich ver­ges­sen habe, mir zu notie­ren), jede drei, und sie abwech­selnd reihum beant­wor­tet. Dabei erga­ben sich schöne Gesprä­che, leb­hafte Dis­kus­sio­nen und ein schö­ner Aus­tausch. Doch, hat gut getan. Soziale Kon­takte sind eben doch wichtig.

*) “Wo fühlst du dich zuhause?” “Was ist das wich­tigste, das du in dei­nem Leben geschafft hast?” “Was ist deine Hoff­nung?” “Was kannst du genie­ßen?” So in der Art.

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Danach Wochen­ein­kauf (der immer teu­rer wird, ich muss jetzt echt über­le­gen, woran ich spa­ren kann), Kaf­fee mit Apfel­ta­sche (das könnte ich spa­ren, gönne ich aber eh nur sel­ten), Sofa­siesta, Insta­gram und Twit­ter, Schrei­ben mit D., Kar­tof­fel­rösti mit Apfel­mus, dazu online TV. Fer­tig.
Alles in Allem ein ziem­lich okayer Tag. Nur dass mein lin­kes Knie seit letz­ter Woche doll weh tut und das rechte seit ges­tern auch, find ich mal so rich­tig scheisse.

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Im Brief­kas­ten war wie­der ein­mal Post von mei­ner guten Seele A., die mich seit über 2 Jah­ren unre­gel­mä­ßig mit einem klei­nen Geld­be­trag über­rascht. Der ist aus­drück­lich für was Schö­nes gedacht, was ich mir sonst nicht leis­ten würde. Oft lan­dete er beim Fri­seur, letz­tes Jahr gab es die Jah­res­karte für die Bücher­halle, dies­mal gibt es eine Monats­karte für den HVV incl. eines Tref­fens mit A. irgend­wann dem­nächst.
Sie hat mir ver­bo­ten, mit ihr zu schimp­fen, also ver­trau ich inzwi­schen dar­auf, dass sie nur was schickt, wenn sie es wirk­lich kann und freue mich sehr.

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Über einen Tweet, der mir in die TL geriet, fand ich eine mir bis­her unbe­kannte Ver­sion eines mei­ner Lieb­lings­songs: “A Whiter Shade Of Pale”, gesun­gen von Annie Lennox. Nor­ma­ler­weise mag ich nur Ori­gi­nale, aber das hier ist eine Aus­nahme. Wun­der­schön! Ihre Stimme: wie Samt mit klei­nen Widerhaken. 

03-05-2022 Wieder nichts

Wie­der mal bin ich gefühlt in allen Träu­men der letz­ten Nacht in einer frem­den Stadt umher geirrt und fand weder zurück zum Aus­gangs­punkt noch raus aus dem Laby­rinth von Gas­sen, Häu­sern und Gär­ten, dabei wollte ich doch eigent­lich nur den Hund zusam­men mit mei­nem Ex-Freund bei der Tier­arzt­pra­xis abge­ben. Und die Men­schen, mit denen ich da war, fand ich auch nicht wie­der, sie waren ein­fach gegangen.

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Ein wei­te­rer Tag mit Nichts. Frau R. und ihre Kolleg*innen vom Hil­fe­Dings hat­ten Klau­sur­tag, darum fiel der wöchent­li­che Anruf aus. Was ande­res war nicht geplant. An sol­chen Tagen ist die Moti­va­tion, über­haupt auf­zu­ste­hen, nur gering vor­han­den. Was mich nach zu lan­gem Schlaf irgend­wann doch aus dem Bett treibt schiebt, sind die Kopf­schmer­zen vom zu lan­gen Lie­gen und die Aus­sicht auf Kaf­fee. Und da ich mich ungerne wie­der hin­lege, wenn ich mal so rich­tig auf­ge­stan­den bin, bleib ich eben auf. 

Das Nichts von heute:
Kaf­fee gekocht, Bröt­chen in den Ofen, eine Ladung Wäsche ange­stellt, mit Kaf­fee an den Rech­ner. Die Kla­mot­ten­be­stel­lung von letz­ter Nacht wirk­lich abge­schickt. Twit­ter, Insta­gram und Blo­grunde mit Früh­stück. Wäsche auf­ge­hängt. Wei­ter gele­sen im Inter­net, u.a. auf Mastodon, wo so einige hin­ge­wan­dert sind nach der Ankün­di­gung der Twit­ter­über­nahme durch Elon Musk. Fest­ge­stellt, dass das immer noch nicht meins ist. Geschrie­ben mit Freun­din D., gekocht, beim Essen TV geguckt. Dem Schlaf­be­dürf­nis danach nicht nach­ge­ge­ben. Noch­mal TV und SoMe (u.a. Eims­büt­tel­gruppe auf fb), was soll ich sonst tun? Gleich gibts ein spä­tes Abend­brot, ver­mut­lich irgend­was auf Net­flix und dann geht es hof­fent­lich nicht so spät ins Bett, damit ich es mor­gen in die Mitt­wochs­gruppe schaffe, weil ich so drin­gend irgend­wel­che sozia­len Inter­ak­tio­nen brau­che, damit ich hier nicht zusam­men mit Igor im schwar­zen Loch verschwinde.

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Mein Kopf ist voll mit Gedan­ken, aber bis die im Ver­stand ange­kom­men sind und z.B. auf­ge­schrie­ben wer­den kön­nen, sind sie im Müdig­keits­loch gelan­det. Ich möchte eigent­lich nur schla­fen, min­des­tens 3 Wochen oder bis zum Herbst. Nicht den­ken, nicht ent­schei­den, nicht han­deln. Aber ja, ich sitze das aus, wie immer. Die Erfah­rung zeigt, dass so eine Phase irgend­wann vor­bei geht. Bestimmt auch dies­mal wieder.

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Beim Anblick der Fotos auf Insta­gram gedacht: da drau­ßen explo­diert grade die Natur und ich bin nicht dabei. Warum schaffe ich es nicht? Warum hole ich mir keine Fahr­karte und such mir ein Ziel und zieh ein­fach los mit der Kamera? Warum kleb ich immer mit mei­nem Arsch am Schreib­tisch­stuhl fest?
(Kann mich da mal jemand los machen und mit mir zusam­men gehen?)

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