16-01-2022 Was sonst noch war

Am Don­ners­tag (13.01.) wurde ich wach vom Geräusch des Han­dys, dass eine SMS gekom­men ist. Mit hal­bem Auge geguckt: “Ter­min­er­in­ne­rung Ihres Job­cen­ters, Tele­fon­be­ra­tung am Frei­tag um 11:30 Uhr”. Ach du Schei­xxe. Sofort steigt Panik­ge­fühl auf und die Gedan­ken rasen. Was wol­len die von mir, wie schlimm wird das, muss ich mir jetzt doch noch eine Arbeit suchen, was kann ich sagen und was bes­ser nicht …
Durch­at­men. Duschen, anzie­hen, Kaf­fee kochen und dann zum Brief­kas­ten (wo ich seit letz­ter Woche nicht mehr war). Da ist auch die schrift­li­che Ein­la­dung. Ein neuer Sach­be­ar­bei­ter, den ich noch nie gese­hen habe, das ist nie gut. Er möchte mit mir über die “aktu­elle beruf­li­che und gesund­heit­li­che Situa­tion” reden und ob sich Ände­run­gen zum Zeit­punkt mei­ner Beren­tung erge­ben haben. Ich soll 30 Minu­ten für das Gespräch einplanen.

Da ich dafür im Prin­zip nichts vor­be­rei­ten kann außer wie gebe­ten meine Ren­ten­ver­si­che­rungs­num­mer bereit zu hal­ten und ich die in der Kiste “sor­tiere ich spä­ter” suchen muss, mache ich genau das und bei der Gele­gen­heit auch gleich das Schrei­ben an die GEZ fer­tig, das hier schon viel zu lange liegt und dann scanne ich noch die neue Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung für die ARGE — ähm, nee, Scan­nen geht nicht, im neuen PC ist kein Trei­ber dafür, also das auch noch eben erle­digt und dann wollte ich ja noch einen Test bei der Apo­theke machen las­sen, also buche ich den letz­ten Ter­min für Frei­tag um 15 Uhr, aber da wollte ich eigent­lich mit Frau R. tele­fo­nie­ren, also muss ich das noch ver­schie­ben und weil ich mich am Sams­tag mit Toch­ter & Enkel tref­fen will, muss ich ja auch noch die Bücher bestel­len, so dass ich die am Frei­tag vor oder nach dem Tes­ten abho­len kann und da könnte ich ja auch gleich noch den Wochen­ein­kauf dran hän­gen und zum Glück muss ich bei all­dem gar nicht über das JC-Gespräch nachdenken.

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Frei­tag (14.01.). Beim Wecker­klin­geln auf­ste­hen, duschen, Früh­stück rich­ten. Ich hab 1,5 Stun­den Zeit bis zum Gespräch. Ein Bröt­chen geht irgend­wie run­ter, aber jeder Blick auf die Uhr macht unruhiger.

Und dann war alles halb so wild. Ein sehr freund­li­cher Herr, der Stimme nach nicht mehr jung, der ein­fach abfragte: wie es Psy­che und Kör­per geht, ob sich was geän­dert hat, wie es mir mit der Pan­de­mie geht. Ich ant­wor­tete offen und ehr­lich, sagte auch, dass ich das erste Mal seit der Dia­gnose vor 10 Jah­ren das Gefühl habe, dass es mir wirk­lich bes­ser geht und ich sta­bi­ler bin, dass diese Sta­bi­li­tät aber immer noch sehr fra­gil ist. Dass, wenn er mir jetzt Druck machen müsste wegen arbei­ten und so, ich mir ziem­lich schnell wie­der eine neue Kli­nik suchen müsste. Hab ihm auch erzählt, dass ich ziem­lich Panik bekom­men habe nach der SMS. Dar­auf meinte er: “Ich bin nicht ange­tre­ten, um Ihnen Angst zu machen” und er schien es damit auch wirk­lich ernst zu mei­nen.
Am Ende emp­fahl er mir noch eine Ergo­the­ra­pie, die vom JC bezahlt wird (“aber nicht als Pflicht, nur als Ange­bot!”) und sagte klar, dass er notiert, dass ich wei­ter­hin nicht arbeits­fä­hig bin.
Uff.

Der Rest des Tages war dann okay, weil gut durch­ge­plant, aber mit reich­lich Kon­takt zu und Kom­mu­ni­ka­tion mit Men­schen und dann war es am Nach­mit­tag auch genug und aus der klei­nen Siesta wur­den 2 Stun­den Sofa­schlaf mit sehr wil­den Träumen.

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Ges­tern (15.01.) dann die beste, schönste und vor allem herz­stär­kende Aktion die­ser ziem­lich vol­len Woche: Toch­ter & Enkel kamen mit­tags mit dem Rad zu mir, zusam­men sind wir zum Wei­her gera­delt und dort mit viel quat­schen und ste­hen und gucken ein­mal rum gelau­fen. Die Sonne schien, es war mild, die Luft frisch und die Enten gesprä­chig. Am Ende gab es die Geschenke und wie erhofft leuch­tende Augen und das mit dem hin­fah­ren und rum­ge­hen wol­len wir ganz bald wie­der machen, das tut ein­fach gut.

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Nächste Woche gibt es wie­der ein paar Ter­mine (am Diens­tag die Alt­pa­pier­ak­tion mit Frau R., die wegen der Coro­na­war­nung ja ver­scho­ben wer­den musste, am Mitt­woch die Gruppe und ein The­ra­pie­ge­spräch und am Don­ners­tag den Wochen­ein­kauf) und in Vor­be­rei­tung dar­auf hab ich es heute so rich­tig ent­spannt lau­fen lassen.

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Auf Twit­ter fragt Mar­tin Gom­mel vom Kraut­re­por­ter und ich ant­worte, ohne groß zu über­le­gen und viel­leicht muss ich dar­über doch noch­mal nachdenken.

12-01-2022 Negativ ist positiv

Nach­dem die Impf­nach­wir­kun­gen aus­ge­stan­den sind und die Auf­re­gung über die rote Warn­mel­dung sich gelegt hat, schlaf ich wie­der gut. Ich bin schnell weg, träume wild, aber nicht bedeut­sam, über­höre fast die Spiel­platz­kids und wache von selbst auf. Das macht die Tage bes­ser und behält mehr Ener­gie für anderes.

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Ges­tern hab ich den Schnell­test als unnö­tig abge­tan: wenn ich mich ange­steckt hab, dann merk ich es schon. Aber weil ich mich so gerne am Sams­tag mit der Toch­ter und dem Enkel tref­fen möchte — hier lie­gen immer noch Geburts­tags- und Weih­nachts­ge­schenke und war­ten auf leuch­tende Augen beim Aus­pa­cken — hab ich mich heute doch über­wun­den, mir das Ding in die Nase zu schie­ben. War nicht so schlimm, wie ich dachte, aber viel­leicht war ich auch nicht weit genug drin? Jeden­falls ist das Ergeb­nis posi­tiv, weil der Test nega­tiv ist, aber das hatte ich mir eigent­lich sowieso gedacht. Lei­der liest man ja immer öfter von Test­ergeb­nis­sen, die nicht stim­men, also geh ich wohl am Frei­tag oder Sams­tag noch­mal in die Apo­theke und lass jeman­den ran, der*die das ohne Rück­sicht und rich­tig macht.

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Ansons­ten ist nichts los. Die neu gewählte Regie­rung ent­puppt sich als Luft­num­mer, auf Twit­ter wird gestrit­ten und gepö­belt wie immer, alte weiße Män­ner beschwe­ren sich, weil sie keine sexis­ti­schen Witze mehr machen dür­fen und Corona ist scheiße, aber das ist ja alles nichts Neues.
Ich bin dank­bar, dass ich in der “Qua­ran­täne” ein Dach über dem Kopf, eine funk­tio­nie­rende Hei­zung, genug Essen im Schrank und ver­läss­li­che vir­tu­elle Kon­takte habe. Nur die Mitt­wochs­gruppe hab ich ver­misst, aber sonst ist ja alles wie sonst auch.

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Im Foto­blog ist jetzt end­lich der Dezem­ber­spa­zier­gang auf dem Ohls­dor­fer Fried­hof zu sehen. Pas­send dazu gab es heute Abend auf N3 eine Sen­dung aus der Reihe “Expe­di­tio­nen ins Tier­reich” über Tiere und Natur in Ham­burg und ich freu mich schon jetzt wie doof auf Früh­ling und Som­mer und mit der Kamera da über­all unter­wegs zu sein.

10-01-2022 Beim Impfen angesteckt?

Schon lange hab ich mir ange­wöhnt, regel­mä­ßig auf die Coro­na­War­nApp zu schauen, manch­mal mehr­mals am Tag, aber eigent­lich immer ohne große Auf­merk­sam­keit, denn seit der ers­ten Mel­dung damals - wann war das? Letz­tes Jahr? Vor­letz­tes? - war ja immer alles grün. Bis heute. Knall­rot, nicht zu über­se­hen, so wie es soll. Ange­zeigt wird, dass ich “Begeg­nun­gen an 1 Tag mit erhöh­tem Risiko” hatte, und zwar letz­ten Don­ners­tag. Genau, das war der Tag der drit­ten Imp­fung. Cool, oder? Ja, ich freu mich auch.

Es gibt zwar noch die Mög­lich­keit, dass es jemand aus dem Haus ist, aber irgend­wie glaub ich daran dies­mal nicht so wirk­lich. Sehr wahr­schein­li­cher ist, dass jemand aus der War­te­schlange beim Imp­fen zu dem Zeit­punkt schon posi­tiv war.
(Ich wün­sche dem*derjenigen sehr, dass er*sie bereits wenigs­tens ein­mal geimpft war und es milde ver­läuft.)
Und auch wenn ich am Don­ners­tag ja bereits beide Imp­fun­gen hatte, mach ich mir natür­lich jetzt Gedan­ken. Nach dem heu­ti­gen Erkennt­nis­stand beträgt die Inku­ba­ti­ons­zeit 3 bis 4 Tage. Wenn, dann müsste es erst mor­gen oder so los gehen. Aller­dings ähneln meine Sym­ptome, die seit Don­ners­tag­abend auf­tra­ten, denen der Omi­kron­va­ri­ante: erst Fie­ber, Kopf- und Glie­der­schmer­zen, Müdig­keit, Appe­tit­lo­sig­keit und nächt­li­che Schweiß­aus­brü­che, seit ges­tern dazu die Lymph­kno­ten­schwel­lung und seit heute Abend etwas Schnup­fen und Hals­krat­zen. Am Frei­tag und Sams­tag taten außer­dem meine Ohr­läpp­chen weh, das fand ich sehr merk­wür­dig. Aber das waren viel­leicht die Mikro­chips, die sich ihren rich­ti­gen Platz gesucht haben *ggg*

Ja, ich mach Scherze, dabei ist mir nicht so rich­tig danach zumute. Natür­lich bin ich zwei­mal geimpft, aber die zweite ist immer­hin fast ein hal­bes Jahr her und inzwi­schen gibt es neue Vari­an­ten. Ohne die War­nApp hätte ich alle Anzei­chen auf die Imp­fung gescho­ben, aber jetzt bin ich doch etwas ver­un­si­chert. Ich ver­traue schon dar­auf, dass es kei­nen schwe­ren Ver­lauf gibt, wenn es mich jetzt oder irgend­wann anders erwi­schen sollte - dafür hab ich mich schließ­lich 3x imp­fen las­sen -, aber ich reiß mich da auch nicht drum. (Ande­rer­seits hätte ich es dann hin­ter mir. Vielleicht.)

Kon­kret heißt es jetzt, dass ich mor­gen einen der Selbst­tests nutze, die A. mir vor lan­ger Zeit geschickt hatte und dann seh ich, wie es wei­ter geht. Sicher­heits­hal­ber werde ich aber den Ter­min mit Frau R. am Diens­tag und die Mitt­wochs­gruppe absa­gen und die Toch­ter zum Ein­kau­fen schi­cken (und sie dann nicht in den Arm neh­men dür­fen, was mich grade echt zum wei­nen bringt, weil ich sie eh schon so ver­misse). Und viel­leicht ist ja auch alles ganz harmlos.

Ach, das ist alles so ein scheiß­ver­damm­ter Mist.

08-01-2022 Nachwirkung

Da ich ja nun alle drei Impf­stoffe tes­ten durfte, kann ich deut­lich sagen: Moderna knallt am bes­ten. Naja, also bei mir wenigstens.

Direkt nach­dem ich im vori­gen Bei­trag schrieb, dass nicht­mal die Ein­stich­stelle weh tut, mel­dete sich genau diese und stieg inner­halb von 5 Minu­ten von “ach guck, da hat sie also gepiekt” auf “scheiße, gehört das so?”. Kurz danach ging es dann wei­ter mit etwas Fie­ber, Glie­der­schmer­zen und hef­ti­ger Müdig­keit, so dass ich schon vor Mit­ter­nacht im Bett lag. Da hab ich dann auch zum größ­ten Teil den gest­ri­gen Tag ver­bracht und das ganze weg­ge­schla­fen. Heute geht es schon bes­ser, die Glie­der tun eher vom vie­len Lie­gen weh, aber ich bin noch ziem­lich mad­de­lig, hab Hun­ger, aber kei­nen Appe­tit und der Kaf­fee schmeckt nicht beson­ders, was ja eigent­lich das Schlimmste ist.

Aber ich bin 1000 x lie­ber 2 Tage von der Imp­fung krank als von Corona selbst. Und jetzt geh ich wie­der ins Bett und schlaf den Rest weg.

“Mad­de­lig” ist übri­gens platt­deutsch und bedeu­tet müde, kaputt, schlaff sein. Habt ihr wie­der was gelernt hier 😉

06-01-2022 Dreifach gepimpt

Weit­aus ner­vi­ger als die Kita­kids sind aller­dings diese ver­fluch­ten Laub­blä­ser und die Typen, die sie mit so unend­lich viel Freude im Hin­ter­hof nut­zen, so ca. alle vier Wochen. Das klingt so, wie ich mir eine Horde Besof­fe­ner vor­stelle, die mit ihren tie­fer geleg­ten Man­tas Stra­ßen­ren­nen fah­ren und vor dem Start eine halbe Ewig­keit lang die Moto­ren auf­heu­len las­sen. Wumm wumm wuuuummm. Grau­sam. Und so unsin­nig und falsch, weil durch die Laub­blä­ser nur alles durch­ein­an­der gebracht und der Lebens­raum von Tie­ren und Pflan­zen zer­stört wird.
Heute mor­gen in aller Frühe war ich jeden­falls kurz davor, ziem­lich unflä­tig aus dem Fens­ter zu brül­len. Statt des­sen hab ich es zu gemacht und bin 3 Stun­den spä­ter mit Kopf­schmer­zen auf­ge­wacht. Tol­ler Start in den Tag, wirklich.

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Aber zum Glück stand heute nur eins auf dem Plan: die dritte Imp­fung gegen Corona. 💉💉💉
Nach­dem ich immer öfter gele­sen hatte, dass der “Boos­ter” doch gerne schon nach weni­ger als den frü­her emp­foh­le­nen 6 Mona­ten erfol­gen soll, hab ich mir vor­ge­nom­men, das gleich Anfang des neuen Jah­res zu erle­di­gen. In der Eims­büt­tel­gruppe auf fb las ich dann am Diens­tag von einer Impf­pra­xis nicht so weit weg von mir und hab spon­tan einen Ter­min für heute nach­mit­tag gebucht.
Und dann war ich so auf­ge­regt und hib­be­lig, dass ich viel zu früh fer­tig war. Es stellte sich aller­dings her­aus, dass das genau rich­tig war: die Schlange der War­ten­den war doch rela­tiv lang und es dau­erte eine gute halbe Stunde, bis ich dran war. Aber dann war es nur ein Pieks und ein Pflas­ter und jetzt bin ich gespannt, wann Bill Gates Kon­takt auf­nimmt und ob ich irgend­wann im Dun­keln leuch­ten werde oder was soll es da noch­mal für selt­same Neben­wir­kun­gen geben? Nein, im Ernst: mir gehts prima, bis jetzt (5 Stun­den spä­ter) tut noch nicht mal die Impf­stelle weh, wie es beide Male vor­her der Fall war. Ich bin ein­fach froh, mit jeder Auf­fri­schung wei­te­ren Schutz vor die­ser unbe­re­chen­ba­ren Krank­heit zu bekommen.

04-01-2022 Keine Vorsätze

Die Fei­er­tage sind vor­bei, ich werde wie­der von Kita­kin­der­ge­brüll auf dem Hin­ter­hof­spiel­platz geweckt. So schön. 

An die­ser Stelle mal wie­der: doch, ich mag Kin­der. Wirk­lich. Also so grund­sätz­lich. Ich weiß, ich schreibe hier oft, dass ich genervt bin von ihnen. Aber ich meine auch nicht alle damit. In die­ser spe­zi­el­len Kita­gruppe sind es ver­mut­lich auch nur 3 oder 4 Kids, die so laut krei­schen und der Rest spielt ein­fach nur. Und eigent­lich ner­ven mich auch viel mehr die Erwach­se­nen, die dabei ste­hen und die Kin­der ein­fach machen las­sen. Ich finde auch, dass Kin­der sich aus­to­ben und Lärm machen dür­fen sol­len, aber genauso wich­tig finde ich, dass sie Regeln des Mit­ein­an­ders ler­nen. Respekt, Rück­sicht, Tei­len. Wie weit kann ich mich nach mei­nem Bedürf­nis aus­le­ben und wo über­schreite ich die Gren­zen mei­ner Mit­men­schen. Wie laut kann ich sein, so dass die ande­ren auch noch gehört wer­den. Muss ich immer die*der Erste sein oder sollte ich den ande­ren mal den Vor­tritt las­sen. Sowas. Das kön­nen auch 3-Jäh­rige schon ler­nen, wenn man es rich­tig macht. Aber dafür sind eben die Erzieher*innen und natür­lich die Eltern zustän­dig und wenn die nichts machen, wach­sen da grade die Mobber*innen und Ellenbogenkämpfer*innen von mor­gen ran. Das nervt mich.
Ja, und auch, dass ich nicht aus­schla­fen kann dewegen.

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Meine Bezugs­frau vom Hil­fe­Dings hatte fast 4 Wochen Urlaub, wir haben uns also echt lange nicht gese­hen. Da sich in Ham­burg aber grade die neue Corona-Vari­ante Omi­kron rasant ver­brei­tet, gibt es die Bitte von oben, so weit wie mög­lich auf direkte Tref­fen zu ver­zich­ten. Wir haben also “nur” tele­fo­niert heute, aber weil wir uns inzwi­schen so gut ken­nen und ver­ste­hen, hab ich damit kein Problem.

Nächste Woche kommt sie aller­dings aus­nahms­weise zu mir nach Hause, denn ich hab mich über­wun­den und sie um kon­krete, prak­ti­sche Hilfe gebe­ten.
Seit viel zu lan­ger Zeit sam­melt sich in mei­ner Woh­nung das Alt­pa­pier. Im Schränk­chen im Flur ste­hen immer noch uralte Zeit­schrif­ten. In der Küche gibt es inzwi­schen drei große Papier­tü­ten, in die ich die Schach­teln von Corn Flakes, Pizza, Fer­tig­es­sen, Zei­tun­gen, Kar­tons … so Zeug eben stopfe, bis sie fast plat­zen. In mei­nem Schlaf­zim­mer steht seit 2 Jah­ren eine blaue Ikea-Tasche voll mit Alt­pa­pier. Fast jeden Tag denke ich bei dem Anblick, dass ich doch jedes­mal, wenn ich raus gehe, ein Teil mit­neh­men könnte, dann wäre in ein paar Wochen alles weg. [Ich gehe nicht oft raus, “ein paar Wochen” ist schon rich­tig.] Aber ich mach es nicht. Ich gucke dran vor­bei, ich mach die Tür zum Schlaf­zim­mer zu, ich ver­dränge es. Dabei ist der nächste Alt­pa­pier­con­tai­ner nur 50 m ent­fernt.
Aber jetzt. Der erste Schritt war, mir ein­zu­ge­ste­hen, dass ich ein Pro­blem habe und es nicht alleine schaffe. Der zweite, mir zu erlau­ben, Frau R. um Hilfe zu bit­ten und der dritte, es auch zu tun. Der vierte und letzte wird sein, dass wir nächste Woche zusam­men zum Con­tai­ner gehen.

Das ist der Anfang. Sollte ich es tat­säch­lich schaf­fen, eine neue Woh­nung zu fin­den, muss ich hier gründ­lich auf­räu­men und aus­mis­ten. Davor graut mir soooo sehr. Denn die Sache mit dem Alt­pa­pier ist ein Sym­ptom. Dafür, dass ich keine Ände­run­gen will. Ich will, dass alles so bleibt. Ich will nichts los las­sen müs­sen, nichts neu ler­nen müs­sen. Ich hasse Neues, auch wenn ich ahne, dass es spä­ter schön ist.
Ich hab pani­sche Angst vor Ver­än­de­rung, weil mein Inne­res weiß, dass da nichts Gutes draus ent­steht. Ich hab Angst, dass ich nicht zurecht komme mit neuen Bedin­gun­gen, Gege­ben­hei­ten, Men­schen. Ich hab mir selbst so oft bewie­sen, dass das nicht so ist, aber die Angst bleibt und ist jedes Mal da. Ich will ja auch eigent­lich gar nicht umzie­hen, weil ich ja nicht weiß, wo ich lande und wie das wird und ob ich damit klar komme.
Ich hab auch eine nicht zu erklä­rende Angst vor Anstren­gung. Davor, dass nach dem ers­ten Schritt wei­tere kom­men und ich dafür keine Kraft mehr habe. Ich sitze wie das Kanin­chen vor sol­chen Sachen und denke nur “ich will das nicht ich will das nicht ich will das nicht”. Ich bin nicht mehr ratio­nal in dem Moment. 

Diese Ängste kenne ich seit frü­her Kind­heit, aber ich konnte das nie jeman­dem sagen. Wenn ich es doch gewagt habe, dann hieß es “stell dich doch nicht so an” (mein Lieb­lings­spruch) oder auch “so schwer ist das doch gar nicht”. Gerne gehört auch “du musst es nur ein­fach machen” oder “du musst es nur genug wol­len”. Da hat aber nie jemand nach­ge­fragt, warum ich eigent­lich Angst hab. Da hat nie­mand gesagt “ich ver­stehe dich und wir machen das zusam­men”. Ich war nicht nur mit dem alleine, was ich tun sollte, son­dern auch mit mei­ner Angst davor. Meine per­sön­li­chen Befind­lich­kei­ten wur­den sel­ten beach­tet, nicht ernst genom­men, es war keine Zeit dafür, kein Raum. Und über keine ein­zige der schwie­ri­gen Ver­än­de­run­gen in der Fami­lie (Schei­dung, Krank­hei­ten, Tod) wurde gere­det. Ist es ver­wun­der­lich, dass ich diese Ängste immer noch in mei­nem Ruck­sack trage?

(Puh. Das war nicht geplant, aber da wollte wohl was raus. Nun steht es da, ich lass das mal so.)

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Was ich schrei­ben wollte - darum auch der Titel die­ses Bei­trags - war, dass meine Bezugs­frau für das Hil­fe­Dings bzw. die Behörde wie­der einen Hil­fe­plan für das neue Jahr erstel­len muss und mich bat, meine eige­nen SMART-Ziele zu for­mu­lie­ren. Das ist zwar nicht das Glei­che wie die berühm­ten und von mir schon lange ver­wei­ger­ten “Guten Vor­sätze” zum Jah­res­wech­sel, aber es ist sowas wie ein Plan und der kann ja eigent­lich nicht scha­den. Ich halte den hier mal fest, zum Nach­gu­cken spä­ter oder so.

SMART: Spe­ci­fic Mea­sura­ble Achiev­a­ble Rea­son­able Time-bound

SMART-Ziele für 2022

  • Erar­bei­ten einer All­tags­struk­tur mit Hilfe eines Wochenplans
  • Teil­nahme an wei­te­ren Grup­pen­an­ge­bo­ten vom Hil­fe­Dings (Schwim­men, Früh­stück, evtl. Foto), um mehr soziale Kon­takte zu bekom­men und zu pflegen
  • Psy­chi­sche Sta­bi­li­tät fes­ti­gen durch Gesprä­che mit der Bezugs­frau und bei Bedarf mit der Therapeutin
  • Phy­si­sche Gesund­heit (Bewe­gung → Antrag auf Ergo­me­ter; Ortho­pä­die, Zähne, Gyn)
  • Woh­nungs­su­che und hof­fent­lich Umzug

Sieht okay aus, finde ich. Und was nicht geht, wird wei­ter ver­sucht oder geändert.

02-01-2022 Jahresendfragen mit Verspätung

Die miese Stim­mung der letz­ten Tage war nicht dazu ange­tan, die inzwi­schen zur Tra­di­tion gewor­de­nen Fra­gen zum Jah­res­ende adäquat zu beant­wor­ten. Viel­leicht geht es ja heute.

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15 Fragen für einen persönlichen Jahresrückblick

(Dis­c­lai­mer: Die Fra­gen sind teil­weise durch die bekann­ten Fra­ge­bö­gen von Max Frisch und Mar­cel Proust inspi­riert. Ich hab sie irgend­wann mal in der Zeit­schrift Stern ent­deckt und befand sie für gut.)

1. Wofür bist du dankbar?

Immer wie­der die Gele­gen­heit zu bekom­men und immer noch die Fähig­keit zu haben, Neues zu lernen.

2. Was war in diesem Jahr deine Lieblingsbeschäftigung?

Lieb­lings­be­schäf­ti­gung: Foto­gra­fie­ren, Schrei­ben, Lesen.
Haupt­be­schäf­ti­gung: die unzäh­li­gen Ver­su­che, trotz Ärger, Ver­zweif­lung, Unver­ständ­nis und manch­mal blan­ker Wut den Glau­ben an das Gute (im Men­schen) nicht zu verlieren.

3. Was war dein größter Fehler? 

Dass ich mich letz­tes Jahr gegen einen Umzug ent­schie­den habe. Aber da konnte ich ja noch nicht ahnen, wie furcht­bar die Situa­tion durch die Wie­der­öff­nung nach dem “Lock­down” wer­den würde. Und es ist auch nicht gesagt, dass ich dann jetzt schon woan­ders wäre.

4. Wann warst du glücklich?

○ Wenn es still war um mich herum. Mit Musik. (Das ist kein Wider­spruch!)
○ Wenn ich mit Toch­ter und Enkel zusam­men war (lei­der viel zu sel­ten).
○ Als ich mich mit mei­ner lie­ben Freun­din D. und ihrem Liebs­ten getrof­fen habe.
○ Wenn ich es geschafft habe, gegen den Wil­len von Igor raus zu gehen.

5. Warum hast du das nicht öfter gemacht?

Corona und Igor waren dagegen.

6. Was hat sich verändert?

Ich bin immer öfter okay damit, dass mein Leben so ist, wie es ist. Dass es anders ist als erträumt und auch nicht mehr so wer­den wird. Je bes­ser ich das akzep­tie­ren und anneh­men kann, desto mehr ver­schwin­det Igor in sei­ner Ecke.

7. Worauf bist du stolz?

Siehe Ant­wort auf Frage 6. Das war harte Arbeit, dahin zu kommen.

8. Wer waren in diesem Jahr die 3 wichtigsten Menschen für dich?

Wie in den Jah­ren vor­her:
♥ die Toch­ter für Herz und Seele (auch wenn wir uns in einem für mich über­aus wich­ti­gen Thema uneins sind und ich darum manch­mal vor Sorge nicht weiß, wohin: sie ist und bleibt die, die mir am nächs­ten und am wich­tigs­ten ist)
♥ die The­ra­peu­tin & die Bezugs­frau vom Hil­fe­Dings für die Gesund­heit und Sta­bi­li­tät
♥ die Freun­din D. für alles zusammen

9. Wissen diese Menschen das?

Ja.

10. Mit wem hättest du gern mehr Zeit verbracht?

Mit Toch­ter und Enkel. Mit Freund*innen.

11. Und mit wem weniger?

Mit all den rück­sichts­lo­sen lau­ten ego­is­ti­schen Arsch­lö­chern da drau­ßen, die mir den Som­mer ver­gif­tet haben und den ver­nünf­ti­gen Men­schen das Leben unnö­tig schwer machen.

12. Was hast du zum ersten Mal gemacht?

Halb­wegs gute Fotos mit einer digi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­mera und sie auch noch öffent­lich in die­sem Inter­net gezeigt.

13. Magst du dein Leben?

Geht so.

14. Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du in diesem Jahr gelernt hast?

♦ Dass ich inzwi­schen so viel in der The­ra­pie gelernt habe, um alleine aus Löchern zu fin­den.
♦ Dass ich Kon­takt mit mei­nen Schwes­tern haben und mich gleich­zei­tig abgren­zen kann von den alten Fami­li­en­mus­tern.
♦ Dass es mir gut gehen darf und ich trotz­dem nichts muss.

15. Mit welchem Satz lässt sich dein Jahr zusammenfassen?

Ist diese Scheiß­pan­de­mie bald vorbei?

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Seit dem 25. August 2017 trage ich jeden Abend in meine App ein, wie die Tages­stim­mung war. Vor ein paar Tagen hab ich ent­deckt, dass es eine Jah­res­zu­sam­men­fas­sung gibt (ja, ich bin Schnell­mer­ke­rin, sagte ich an ande­rer Stelle schon ein­mal). Ich kann ja mit Zah­len nix anfan­gen, aber sol­che Sta­tis­ti­ken sind doch inter­es­sant. Und immer­hin zeigt sich dabei, dass die­ses Jahr nicht ganz so mies war wie das davor, denn es gab zwar mehr “mise­ra­ble” Tage, aber dafür auch ein paar, die ich “super” fand. Trotz­dem: die­ses “deine längste fröh­li­che Zeit ging 7 Tage” ist schon echt hart. Da könnte ich viel­leicht mal dran arbeiten.

31-12-2021

Was für ein Scheisstag.

Ich war spät im Bett, wollte schön aus­schla­fen, weil ich ges­tern alles wich­tige erle­digt und den Tag für mich hatte. Wollte gemüt­lich früh­stü­cken mit auf­ge­frisch­ten Crois­sants und dem lecke­ren Kaf­fee von A., dabei die rund­herum geblogg­ten Jah­res­rück­bli­cke lesen und mei­nen eige­nen schrei­ben. Meine “bestofnine2021” Bil­der für Insta­gram zusam­men­stel­len. Was schö­nes zu essen machen und dann in guter Stim­mung der sinn- und hirn­lo­sen Böl­le­rei trotzen.

Nunja. Ich hatte Crois­sants und guten Kaf­fee zum Frühstück.

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Zum Glück brannte noch nichts, aber der Gestank der ver­kohl­ten Kar­tof­feln hängt auch nach Stun­den noch in der Woh­nung. Aber dank dem Kli­ma­wan­del sind die Tem­pe­ra­tu­ren ja wie­der hoch gegan­gen und es ist wenigs­tens nicht eisekalt.

Ich hab dann die ande­ren rest­li­chen Kar­tof­feln gekocht (und recht­zei­tig vom Herd genom­men) und dar­aus spie­ßer­deut­schen Salat gemacht. Es fehlte zwar die Brühe, die ich in einer Anwand­lung neu­lich weg­ge­wor­fen hatte, weil der kleine Rest eh schon total zusam­men klumpte, aber was solls. Sowieso hätte ich mir am bes­ten das ganze Essen gespart, weil es ver­sal­zen war und zu viel Mayo am Salat und die Würst­chen eigent­lich eklig und mein gestör­tes Ess­ver­hal­ten mal wie­der so rich­tig schon gekickt hat. “Das muss jetzt geges­sen wer­den, du woll­test es doch so, aber es ist doch so lecker und hier wird gefäl­ligst auf­ge­ges­sen, was auf dem Tel­ler liegt.” Ja, danke aber auch. Das war wie­der einer der Momente, in denen ich gerne kot­zen kön­nen würde, aber ich kann es halt nicht und selbst wenn, könnte ich mit den kaput­ten Knien gar nicht vorm Klo hocken und jetzt ist mir eben schlecht. Selbst schuld.

Das mit den Kar­tof­feln pas­sierte übri­gens, weil ich völ­lig ver­tieft war in Pho­to­shop, um noch mehr Bil­der des Jah­res zusam­men zu stel­len und im Nach­hin­ein weiß ich über­haupt nicht, warum ich das so drin­gend wollte, denn eigent­lich inter­es­siert es kaum jeman­den und ja, ver­dammt, ich mach das auch um gese­hen zu wer­den und Reak­tio­nen Aner­ken­nung zu bekom­men und nicht nur für mich, was dach­tet ihr denn. Und wenn ich lese, was ich hier schreibe, fühle ich mich erst recht wie­der klein, unbe­deu­tend und erbärmlich.

Und die Böl­le­rei da drau­ßen geht so auf die Ner­ven, auch wenn es dank des Ver­bo­tes weni­ger als sonst ist. Aber seit dem frü­hen Abend knallt es immer wie­der irgendwo, mal eine halbe Stunde lang, dann wie­der unre­gel­mä­ßig, was eigent­lich viel schlim­mer ist, weil ich nie weiß, wann was kommt und dadurch dau­ernd ange­spannt bin. Schul­tern, Arme, Rücken tun außen weh, aber innen ist es nicht bes­ser.
(Wo ist die­ses “innen”? Wo sitzt die Hoch­sen­si­bi­li­tät? Dar­über müsste ich auch mal genauer nachdenken.)

Über die Tat­sa­che, dass ich seit gefühlt immer schon an die­sem Abend alleine zuhause bin und das ein­fach nur zum Heu­len ist, schreib ich lie­ber nicht. Es ändert ja nichts.

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Nach ein­ein­halb Stun­den Sofa­schlaf mit rich­tig mie­sen Träu­men sitze ich jetzt hier, höre Bran­ford Mar­sa­lis, hab mir Tee mit einer Prise Leb­ku­chen­ge­würz gekocht, bemühe mich, ans Atmen zu den­ken, wappne mich inner­lich, weil der Krach in 10 Minu­ten rich­tig los geht — und hoffe dar­auf, dass das neue Jahr bes­ser star­tet als der letzte Tag im alten. Und den tra­di­tio­nel­len Jah­res­ab­schluss­fra­ge­bo­gen gibt es dann eben morgen.

27-12-2021 Schneckenhausig

Bestimmt hab ich das schon­mal geschrie­ben irgend­wann: ich hätte gerne ein Gerät, das meine nächt­li­chen Träume auf­nimmt, so rich­tig mit beweg­tem Bild und Ton, damit ich mir das spä­ter noch­mal angu­cken kann, weil nach dem Auf­wa­chen immer nur noch ein­zelne Sequen­zen im Gedächt­nis sind, das Gefühl sich aber den gan­zen Tag lang an mich klam­mert und dann würde ich ein­fach gerne wis­sen, warum das so ist.

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Mit sol­chen schwie­ri­gen Tagen wie den ver­gan­ge­nen zurecht zu kom­men, ohne in ein Loch zu fal­len, ist anstren­gend. Ich merke, wie jetzt, da sie annä­hernd vor­bei sind, auch die Anspan­nung geht und die Erschöp­fung kommt. Da ist es ganz gut, so ein Schne­cken­haus als Rück­zugs­ort zu haben. Es ist wie “Decke über den Kopf”, nur mit mehr Platz - jeden­falls, solange Igor nicht mit rein will. 

Aber es ist alles okay, trotz­dem. Ich muss ja nix, außer auf mich acht zu geben.

25-12-2021 Fast vorbei

Ich schrieb es letz­tes Jahr schon: 3 Tage für so ein Fest ist ganz schön lang. Das hat sich bestimmt jemand mit einer gro­ßen, weit ver­streu­ten Ver­wandt­schaft aus­ge­dacht, damit die sich alle gegen­sei­tig besu­chen kön­nen.
Zum Glück ist es jetzt fast vor­bei. Den einen Tag schaff ich auch noch, zumal er ja eigent­lich nur ein Sonn­tag ist.

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Die Foto­blog­seite ist jetzt end­lich in die Welt gebracht. Fühlt sich gut an. Ich pack dafür mal eine Glück­s­perle von einer Schach­tel in die andere.

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Ges­tern hörte ich in einem Film im Hin­ter­grund Musik, die ich gut kannte und nach einem Moment nach­den­ken auch zuord­nen konnte. Das war dann heute meine Beglei­tung, wäh­rend die Web­seite den letz­ten Schliff bekam und ist es nicht ein­fach nur groß­ar­tig, dass es da was gibt, das vom ers­ten Moment an glück­lich macht?

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