Update zum Entzug

Update zum Entzug

Seit 3 Wochen bin ich ohne Citalopram. Die körperlichen Nebenwirkungen sind wohl vorbei, jedenfalls ist das Schwindelgefühl weg, der Magen wieder normal und das Knistern im Kopf nur noch selten vorhanden. Vermutlich hängt das also doch eher mit der Psyche zusammen, denn es taucht immer dann noch auf, wenn ich mich besonders angespannt oder unter Druck fühle. Gleichzeitig wird der Tinnitus lauter, was ja sowieso immer schon Anzeichen für Spannung ist. In den letzten Tagen versuche ich, darauf sehr acht zu geben und immer wieder Entspannungsübungen zu machen. Ja, liebe Schultern, das könnte regelmäßiger passieren, ich weiß.

Deutlich hat sich mein psychischer Zustand verändert: alles fühlt sich klarer an als vorher. Auch wenn es abgedroschen klingt – es ist tatsächlich so, als wäre ich in Watte gepackt gewesen und hätte einen Schleier über mir gehabt und beides ist jetzt weg. Ich bin näher dran an den Emotionen, an den Gedanken, an mir. Die Tränen fließen zwar dadurch auch schneller, aber das stört mich nicht: ich bin eh ’ne sentimentale Kuh *gg*.

Ich bin wirklich froh, dass ich jetzt weg bin von dem Zeug. Es hat geholfen am Anfang, als gar nichts mehr ging, keine Frage. Rückwirkend würde ich es wieder so machen. Aber jetzt ist es gut, ab jetzt geh ICH ALLEINE weiter.

Prokrastinationslevel 98,6

Prokrastinationslevel 98,6

… und wenn ich nicht schiebe, dann laufe ich weg, spiele Verstecken oder starre Löcher ins Leere.

Blöd, dass bei soviel „Aktivität“ am Ende nichts bleibt außer dem schlechten Gewissen.

[Fortsetzung von hier]

Zu wenig Zeit

Zu wenig Zeit

Ein sonniger Sommersonntagnachmittag, die Balkontür weit offen, aus meinen Lautsprechern klingt David Fray, der Ravel spielt.

Dabei wird mir bewußt, dass, selbst wenn ich in jeder meiner verbleibenden Minuten Musik hören würde, ich nicht mehr alles hören könnte, was ich noch nicht kenne. Noch nicht eingerechnet ist dabei, dass ich Musik weit mehr als nur einmal höre, wenn sie meine Seele tief berührt.

Ich sollte viel weniger Zeit ohne Musik verbringen.

Allein

Allein

In den letzten Tagen bin ich wieder sehr im Thema Depression, sicher auch dank des Entzugs. Ich lese Beiträge auf Twitter und in Blogs, schaue Videos, suche nach Infos.

Heute ein weiterer Film über Menschen mit Depressionen und deren Geschichte. Ich verstehe so vieles, kann es nachvollziehen, fühle mit. Im Hintergrund lauern, das war klar, die Tränen.

Eine junge Frau kämpft mit / gegen ihre Angst, wieder an den Arbeitsplatz zurück zu müssen. Sie probt den Weg dorthin, um die Panik in den Griff zu bekommen. Gibt kurz vor Erreichen des Ziels auf. Ihre Chefin hat es gesehen, kommt auf die Straße um ihr zu helfen, nimmt sie in den Arm.

Das ist der Moment, in dem meine Tränen überfließen.

Ich fühle mich so alleine, allein gelassen. Es gibt keine Hand, keine Schulter, keine Stütze – keinen Menschen in meinem Leben, der einfach da ist für mich. Der nicht helfen will, sondern trösten, zuhören, lachen, weinen, reden, schweigen. Da sein. Dem ich nicht zuviel bin mit meinem Schmerz, meinem Nicht Können, meinen Selbstzweifeln. Der mich mag, nicht „trotz“ und auch nicht „weil“, sondern nur „so“. Der nicht erwartet und nicht geben will um jeden Preis.

Wie schon mein Leben lang bin ich damit allein.