22-11-2020 Sonntag

Kalt ist es gewor­den drau­ßen, die Anzeige auf dem Ther­mo­me­ter geht schon deut­lich Rich­tung Null. Wird viel­leicht doch lang­sam Zeit, die Hei­zung ein biß­chen höher zu stel­len. Oder ich bleib ein­fach den gan­zen Tag im kusche­lig war­men Bett liegen.

Nein, Quatsch, das kann ich gar nicht. In mei­nem Bett schlafe ich nur noch; die Zei­ten haben sich geän­dert, seit die Toch­ter aus dem Haus ist und ich das erste Mal in mei­nem Leben ein Zim­mer habe, das alleine dafür da ist. Lesen, Kaf­fee trin­ken, gemüt­lich rum­gam­meln mach ich doch lie­ber in auf­rech­ter, sprich: sit­zen­der Position.


Ges­tern abend hab ich noch lange gewer­kelt an einem neuen Farb­kleid für die Web­seite der Toch­ter, denn in sol­chen Zei­ten wie der #aktu­el­len­Si­tua­tion kann frau ja ein­fach auch mal was Neues pro­bie­ren, wenn ihr danach ist. Sie wünscht sich ein win­ter­li­ches Lay­out und ich glaub, das wird ziem­lich schön. Spaß macht es auf jeden Fall, daran zu “arbei­ten”.

Außer­dem war heute noch die Seite des Nach­barn dran, die ist auch bald wie­der frisch, ein biß­chen Twit­ter­ge­döns (mit dem Quer“denker”-Aufreger des Tages und wie­der sprin­gen alle über das Stöck­chen [ja, ich auch], was ja genau so beab­sich­tigt war), Lieb­lings­mu­sik in Dau­er­schleife und spä­ter gibts dann noch einen die­ser sehr spe­zi­el­len “Tatort|e” mit Ulrich Tukur, auf den ich mich freue.

Und so ins­ge­samt fange ich an, wie­der etwas zu entspannen.

21-11-2020 Ablenkung

Arbei­ten, Schrei­ben, Lesen, viel und laut Musik hören dabei. 

Ablen­ken davon, dass über mir gefühlt min­des­tens drölf­zi­ge­inhalb Kin­der schreien, brül­len, krei­schen und toben und im Kreis durch die Woh­nung ren­nen. Und davon, dass heute eine der Schwes­tern – um genau zu sein: die Schwes­ter – Geburts­tag hat und ich mich ent­ge­gen mei­ner ursprüng­li­chen Pla­nung ent­schie­den habe, ihr nicht zu schrei­ben, weil da von mei­ner Seite aus noch so viele unge­öff­nete Päck­chen in der Ver­gan­gen­heits­kiste sind, ich aber natür­lich trotz­dem die ganze Zeit an sie denke.

Falls du hier jemals wie­der lesen soll­test: Ich wün­sche dir trotz allem ein gutes neues Lebens­jahr, Glück, Zufrie­den­heit und Gesund­heit. Und nein, da ist nicht nur Zorn, aber der ist immer noch zu groß.

20-11-2020 Endlich wieder Frei-Tag

Manch­mal wünsch ich mir ein Gerät, das meine Träume als Film auf­zeich­net, so dass ich sie belie­big lange und oft noch­mal anschauen kann. Was da für komi­sches Zeug pas­siert, ist Stoff für eine mehr­tei­lige Mys­tery Serie.
Schade ist aber vor allem, dass die meis­ten Sze­nen ein paar Sekun­den nach dem Auf­wa­chen schon aus dem Gedächt­nis ver­flo­gen sind. Ich ver­mute, dass da so einige Lösun­gen von Pro­ble­men dabei waren oder Erin­ne­run­gen von frü­her, die sonst nur im Unter­be­wußt­sein gespei­chert sind. Wär schon span­nend, das mal in wachem Zustand zu sehen. Aber viel­leicht auch gru­se­lig, wer weiß.


Vor­ges­tern hatte das Ele­fan­ten­junge von oben Geburts­tag, es ist jetzt 4. Das muss gefei­ert wer­den, auf­grund der Kon­takt­be­schrän­kung in der #aktu­el­len­Si­tua­tion in zwei Tei­len (Mitt­woch und Sams­tag). Das Gute dies­mal: der Vater hat vor­her Bescheid gesagt. Nach­dem ich von der Phy­sio und dem anschlie­ßen­den Wochen­ein­kauf nach Hause kam, tra­fen wir uns vor der Haus­tür. Er ver­sprach, dafür zu sor­gen, dass es ers­tens nicht allzu laut wird und zwei­tens zeit­lich begrenzt auf max. 3 Stun­den.
Das mit der Laut­stärke hat am Mitt­woch erst mäßig geklappt, aber nach 2,5 Stun­den war der Spuk wirk­lich vor­bei. Ich hoffe das Beste für mor­gen.
Nach­dem ich aber gehört habe, wie­viel Besuch vor­ges­tern da war, weiß ich zumin­dest, mit wem ich in den nächs­ten Wochen den direk­ten Kon­takt meide. Das war defi­ni­tiv mehr als eine andere Fami­lie (wie es zur Zeit nur erlaubt ist). Aber das müs­sen sie ja selbst wissen.


Ges­tern dann, wie immer am Don­ners­tag, The­ra­pie. Die gan­zen kon­tro­ver­sen, ambi­va­len­ten Gefühle und Gedan­ken aus­ge­spro­chen, die ich zu einem bestimm­ten Thema habe, über das noch geschrie­ben wer­den will. Am Ende der Stunde dann eine Ent­schei­dung dazu getrof­fen, mit der ich nicht glück­lich bin, die aber mei­nem Stand ent­spricht und darum doch wie­der gut ist.


Und heute ist end­lich mal wie­der ein Frei-Tag, wie ich ihn mag und brau­che. Keine Ter­mine, keine Men­schen, keine drän­gen­den Auf­ga­ben. Ich-Zeit.

Katja fragte heute mor­gen auf Twit­ter wie­der ein­mal: “Wenn du deine aktu­elle Stim­mung als Wet­ter­lage beschrei­ben soll­test, wel­ches Wet­ter herrscht dann gerade?” Meine Ant­wort: “Hei­ter mit ver­ein­zel­ten Wol­ken.” Und dann fiel mir ein Bild dazu ein:

Strand bei Westerland / Sylt. Viele Spuren von Menschen im Sand, die Menschen selbst sind nicht im Bild. Die Nordsee ist relativ ruhig, es gibt nur kleine Wellen. Am blauen Himmel weiche mittelkleine Wolken.
Sylt im Okto­ber 2010

Die vie­len Spu­ren im Sand ste­hen hier für die zu vie­len Begeg­nun­gen mit frem­den Men­schen in der letz­ten Zeit, der blaue Him­mel mit den wei­chen Wölk­chen jedoch für die ent­spannte Stim­mung des Frei-Tags. Und ins­ge­samt ist das doch ziem­lich gut.

17-11-2020 Traumnachklang

Eigent­lich wäre die Nacht ja gut gewe­sen, aber die­ser eine Traum hängt mir doch sehr nach den gan­zen Tag.
Die Vor­ge­schichte ist ver­schwom­men, mög­li­cher­weise bin ich vor etwas davon gerannt, viel­leicht aber auch ein­fach nur so durch die Gegend gelau­fen. Jeden­falls fiel ich plötz­lich in eine Art tie­fes Becken, das mit einem Gra­nu­lat gefüllt war, kleine Kügel­chen von viel­leicht 5 mm Durch­mes­ser, das Mate­rial erin­nere ich nicht. Ich fiel da mit den Füßen voran und tauchte schnell ein und unter und merkte dabei sofort, dass die Kügel­chen mich umschlie­ßen und je mehr ich mich bewege, um nach oben zu kom­men, desto mehr ver­sinke ich. Ich ver­suchte, noch ein­mal tief Luft zu holen, aber ich wußte im glei­chen Moment, dass es das war, dass ich jetzt und hier ster­ben werde und irgend­wie war es vol­ler Angst und selt­sam fried­lich zugleich.
Und dann tauch­ten von oben die Hände von J. auf und zogen an mir und ich wachte auf.


Und sonst:
Tref­fen mit Frau R. im Büro vom Hil­fe­Dings, ein­mal quer alles erzählt aus den letz­ten zwei Wochen und eine große psy­chi­sche Umar­mung von ihr bekom­men, auf dem Nach­hau­se­weg ein paar Klei­nig­kei­ten ein­ge­kauft, den letz­ten Weg lang­sam zu Fuß durch den lei­sen Regen gegan­gen, geatmet.

16-11-2020

Neun Stun­den Schlaf und dann noch­mal zwei zum wach wer­den, früh­stü­cken und in den Tag kom­men find ich gut. Das ist der Vor­teil, wenn frau nix muss und keine Ter­mine hat.


Gut, einen Ter­min gab es schon, sozu­sa­gen: der Wei­ter­be­wil­li­gungs­an­trag für H4 musste end­lich gestellt wer­den. Seit der #aktu­el­len­Si­tua­tion, also seit so viele Selb­stän­dige und Klein­un­ter­neh­mer finan­zi­elle Hilfe über Hart­zIV bekom­men, hat sich sogar das Job­cen­ter mal ein biß­chen in Rich­tung 21. Jhdt. bewegt und das Pro­ze­dere etwas ver­ein­facht. Und - oh Wun­der! - es geht jetzt sogar online.
Dass vor­her tele­fo­nisch im Ser­vice Cen­ter ein Zugang (bestehend aus Benut­zer­name und Pass­wort) bean­tragt wer­den muss, der dann – wegen Daten­schutz! – per Post in zwei getrenn­ten Brie­fen kommt, die natür­lich zusam­men in mei­nem Brief­kas­ten lan­den – aber der Daten­schutz! Soo wich­tig!!! – nach­dem sie am Abend ver­mut­lich von der:m sel­ben Mitarbeiter:in ein­ge­tü­tet wur­den … ach, Schwamm drü­ber.
Nein, wirk­lich, das funk­tio­niert ganz her­vor­ra­gend. Ich muss nur drei­mal bestä­ti­gen, dass nie­mand sonst in mei­nem Haus­halt wohnt und Geld ver­dient, danach darf ich sogar Doku­mente hoch­la­den und alles noch­mal kon­trol­lie­ren und schwupps, ist der Antrag gestellt und eine Bestä­ti­gung im Post­ein­gang. Isses nicht schön?


Und so ver­klei­nert sich die Liste der zu erle­di­gen­den Dinge und der ein­zu­hal­ten­den Ter­mine peu á peu. Jetzt noch drei­mal Phy­sio­the­ra­pie, dann hab ich auch das hin­ter mir. Dann hab ich wie­der nur 2 Ter­mine in der Woche (diens­tags mit Frau R. vom Hil­fe­Dings und danach i.d.R. den Wochen­ein­kauf und don­ners­tags The­ra­pie) und kann den Rest der Woche für mich selbst pla­nen.
Es gibt genug zu tun: die Toch­ter braucht unbe­dingt den Shop auf ihrer Web­seite, wenn sie schon nicht arbei­ten darf, das wird sicher ein grö­ße­res Pro­jekt. Und dann sind da noch all die Bücher und Blogs und Job­sa­chen zu lesen und so vie­les, das auf­ge­schrie­ben wer­den will und die gan­zen The­ra­pie­sa­chen zu ver­ar­bei­ten … die Zeit wird wie­der nicht rei­chen für alles. Und dann muss man ja auch noch müde sein dür­fen dazwi­schen.
(Und so ein blö­der Antrag will außer­dem gestellt wer­den, aber an den mag ich grade nicht den­ken. Immer­hin hab ich drei Jahre Zeit dafür, theoretisch.)


Diese Woche will ich auch tes­ten, wel­che Dosis von dem neuen Dia­be­tes­me­di­ka­ment ich am bes­ten ver­trage. Die kleine Menge (0.6 mg) zum Ein­stieg war okay, aber nach­dem ich dann wie ver­ord­net ver­dop­pelt hab, schlu­gen die Neben­wir­kun­gen mas­siv zu. Seit Wochen hab ich fast täg­lich zu tun mit Übel­keit, Magen-Darm­ver­stim­mung, stän­di­gem Bläh­bauch, Durch­fall, sogar Erbre­chen, obwohl ich da eigent­lich eine ein­ge­baute Sperre hab.
Das Medi­ka­ment *) wird anschei­nend auch Nicht-Diabetiker:innen zum Abneh­men ver­ord­net, weil der Wirk­stoff “[…] den Weg der Nah­rung durch den Magen ver­lang­samt und das Sät­ti­gungs­ge­fühl eher kommt und län­ger anhält.” Ich würde ja eher sagen: wenn dir dau­ernd schlecht ist von dem Zeug, dann ver­geht dir die Lust am essen. Dann über­legst du bei jeder Mahl­zeit, ob sie wirk­lich nötig ist, ob du sie viel­leicht in 2 Stun­den wie­der los wirst oder die Zeit gleich auf dem Klo ver­bringst. Nur wollte ich mir eigent­lich kein neues Ess-Trauma aneig­nen, son­dern das alte end­lich mal los wer­den und dar­über dann lang­sam abneh­men.
Doof ist halt, dass die beab­sich­tigte Wir­kung ein­ge­tre­ten ist und meine BZ Werte ziem­lich schnell deut­lich nach unten gin­gen. Und ja, abge­nom­men hab ich auch. Darum werd ich die Dosis diese Woche erst­mal wie­der redu­zie­ren auf die Anfangs­menge und mal gucken, wie es mir damit geht. Wenn das funk­tio­niert, muss ich mit der Ärz­tin reden. Die­ses stän­dige Unwohl­sein muss ich jeden­falls nicht auf Dauer haben, das macht nur gran­tig und schlecht gelaunt.

*) “Vic­toza” heißt es, falls jemand sowas wis­sen will.


Und jetzt geneh­mige ich mir noch eine Scheibe von dem fri­schen Brot, das ich vor­hin geba­cken hab und das so ver­dammt gut von der Küche her riecht - und das ich vor allem immer ver­trage. Das sollte ich viel öfter machen.

15-11-2020 Faulenzertag

Lange geschla­fen. Romane geträumt, meis­tens nett. 

Stun­den­lang am Schreib­tisch geses­sen bei offe­ner Bal­kon­tür: die Sonne wärmt auf milde 15 Grad, nach raus gehen ist mir nicht. Meine Pla­tane lässt jetzt doch immer mehr Blät­ter los, aber sie leuch­tet in die­sem Licht immer noch so schön golden.

Rum­ge­surft. Beim Ver­such, Sterne von Hand zu zeich­nen, kläg­lich geschei­tert, darum nach Brushes für Pho­to­shop gesucht (wo sind all meine alten geblie­ben? Lie­gen die noch auf dem alten PC?).
Biß­chen dies, biß­chen das, gekocht, geges­sen, Tat­ort geguckt. Chro­nis­tin­nen­pflicht erfüllt. Mor­gen gehts weiter.

14-11-2020 Dauermüde

Schon wie­der fast eine Woche nur gedacht, aber nicht geschrie­ben. Wie war das mit dem Tagebuchbloggen?

Pas­send dazu, was ich neu­lich fand:

Wie es mir geht
Das ist leich­ter geseufzt
als beschrie­ben.

(Mascha Kaléko, aus “Sei klug und halte dich an Wun­der - Gedan­ken über das Leben”)


Der Satz, den ich in die­sem Jahr am häu­figs­ten geschrie­ben habe, ist ver­mut­lich die­ser: “Ich bin müde”.
Ob sich das ändert, wenn die noch anste­hen­den Auf­ga­ben und Ter­mine erle­digt sind? Oder kommt dann wie­der irgend­was Neues dazu, was ich mir jetzt noch gar nicht vor­stel­len kann?
Die “all­ge­meine Situa­tion” macht es ja nicht bes­ser und die wird noch lange anhal­ten ver­mut­lich. Inzwi­schen ver­su­che ich mich dar­auf ein­zu­stel­len, dass wir min­des­tens ein Jahr oder mehr mit MNS, Abstand und Vor­sicht drau­ßen unter­wegs sein wer­den - sofern wir über­haupt drau­ßen sein kön­nen und wol­len. Der Gegen­satz zwi­schen mei­nem rela­tiv abge­schot­te­ten Drin­nen-Sein und dem zwi­schen­durch Raus-Müs­sen und dabei wie­der direkt wahr­neh­men, was da ist, ist anstren­gend. Die Angst vor dem Virus und das Miss­trauen frem­den Men­schen gegen­über ebenso.
Theo­re­tisch hätte ich nichts gegen eine wochen­lange Qua­ran­täne ein­zu­wen­den, aber dann muss natür­lich jemand für mich ein­kau­fen und das wird ver­mut­lich meine Toch­ter sein und das heißt, dass sie raus muss, was ich auch nicht gut fände.
Tja, dann muss ich wohl doch end­lich die Bewer­bung für die Psy­cho­kli­nik abschicken …


Was sonst noch war diese Woche:
Das Diens­tagstref­fen mit Frau R. vom Hil­fe­Dings kurz­fris­tig abge­sagt, weil mir bei der Aus­sicht auf die bevor­ste­hen­den Ter­mine schon wie­der alles zu viel ist. Nach­mit­tags nur eben zur Phy­sio und zum Wochen­ein­kauf in den Super­markt.
Am Mitt­woch 4 Stun­den Arbeit an der Web­seite eines Bekann­ten und mich dabei wie­der­mal über mich selbst geär­gert, weil ich immer viel zu diplo­ma­tisch bin, nur um ja nie­man­dem auf die Füße zu tre­ten und dann rumeier mit Wor­ten und am Ende nie­mals das raus­kommt, was mich zufrie­den machen würde. Noch so ein The­ra­pie­thema -
- und genau das war es auch am Don­ners­tag. Mit über­ra­schend pro­vo­ka­ti­ven Bemer­kun­gen und Fra­gen von Frau S., die aber immer mir ent­spre­chend sind und mich wei­ter brin­gen im Thema (oder zumin­dest zum Nach­den­ken) — und zu einem sehr vehe­men­ten, aus dem Bauch her­aus geant­wor­te­ten “Nein” auf die Frage “… und wenn Sie ihr ein­fach ver­zei­hen?”. Da war­tet noch viel Arbeit.
Am Frei­tag wär ich gerne ein­fach im Bett geblie­ben, aber am Nach­mit­tag ist da noch ein Phy­sio­ter­min und auch wenn es nervt, weiß ich ja, dass es gut tut. Da gab es dann einen Moment, da hätte ich fast los­ge­heult: ich sollte mit einem Fuß am Rand von einem ca. 25 cm hohen Hocker ste­hen, dann etwas ins Knie gehen, so dass der andere Fuß mit der Spitze auf den Boden kommt. Das ganze Gewicht liegt dabei auf dem ste­hen­den Bein. Mit dem rech­ten Bein war es kein Pro­blem, aber beim lin­ken blo­ckierte der Kopf und sen­dete leuch­tend rote Alarm­si­gnale. Es wollte mich par­tout nicht alleine tra­gen und dann noch gebeugt wer­den, keine Chance. Tja, auch hier war­tet noch Arbeit.
Am Abend war ich dann nur noch müde. So sehr, dass ich zwei­mal vor der Glotze ein­schlief und dar­auf­hin vor Mit­ter­nacht (!!!) ins Bett ging. Kaum lag der Kopf auf dem Kis­sen, fing er an zu den­ken und die nötige Mail an den Bekann­ten mit der Web­seite zu for­mu­lie­ren. Die Träume waren sehr merk­wür­dig, vol­ler Kon­flikte mit Schwes­tern und frü­he­ren Lehrer_innen, die ich nicht auf­lö­sen konnte.


Heute saß ich dann 3 Stun­den an der besag­ten Mail, hab for­mu­liert und umfor­mu­liert, gescho­ben, gelöscht, geschrie­ben, ver­wor­fen .… bis ich irgend­wann auf­stand, um mir einen fri­schen Kaf­fee zu kochen und mir selbst ver­ord­nete, end­lich ein­fach klar und deut­lich zu schrei­ben und nicht diplo­ma­tisch und eierig. “Sag, was du willst, sonst ver­steht dich nie­mand.” Und siehe da, es funk­tio­nierte. Er hat schlicht und ein­fach akzep­tiert, was ich geschrie­ben hab. Ohne Drum­rum, ohne Feil­schen, ohne alles. Uff.

(Komm mir jetzt bloß nie­mand mit dem blö­den Spruch “Siehste, geht doch”!)


Und jetzt bin ich leer. Und müde.

08-11-2020 Sonntag, draußen

Letzte Nacht noch viel auf Twit­ter gele­sen zu den zwei The­men des Tages (USA Wahl­er­geb­nis und die “Leerdenker”-Demo in Leip­zig), trotz­dem gemüt­lich geschla­fen im frisch bezo­ge­nen Bett und irgend­was net­tes geträumt. Wie jeden Sonn­tag von der Klein­fa­mi­lie oben zu früh geweckt worden.


Beim Früh­stück beschlos­sen, dass ich raus muss an die Luft, in die Sonne. Ange­zo­gen, Tablet in die Tasche, zur U-Bahn und zwei Sta­tio­nen Rich­tung Nor­den bis Hagen­deel gefah­ren. Von dort die paar Schritte in den Park, der klein und über­schau­bar und rela­tiv leer ist. Es riecht nach nas­sen Blät­tern, die Sonne strahlt durch die bun­ten Bäume, eine Fami­lie lässt trotz Wind­stille einen Dra­chen in die Höhe stei­gen, Hunde bel­len in der Ferne …
Ein­at­men. Gucken. Los lassen. 

Dem Knie gehts gut, darum laufe ich wei­ter oder viel­mehr an der Strasse zurück nach Hagen­beck. Lei­der sind da unzäh­lige Spaziergänger_innen und Jogger_innen unter­wegs, der Fuß­weg ist schmal, nie­mand – außer mir dann irgend­wann – trägt Maske. Ich ver­su­che mir vor­zu­stel­len, wie es aus­sähe, wenn die Aero­sole eines jeden Men­schen far­big wären und lasse es schnell wie­der, weil das Bild in mei­nem Kopf ziem­lich gru­se­lig ist. Ich wei­che also aus, so gut es geht. Wechsle immer wie­der die Stra­ßen­seite, mache noch eine Pause auf der Bank vorm Tier­park, koste den Drau­ßen-Moment aus.


Mit der Bahn die eine Sta­tion zurück nach Hause, Siesta (wie ich es ab jetzt nur noch nen­nen werde, weil das ein­fach so viel schö­ner klingt als eine schnöde “Pause”) mit fri­schem Kaf­fee und Leb­ku­chen, biß­chen Net­flix, dann schnel­les Essen und der wohl letzte Ver­such, der TV-Sen­dung “Voice of Ger­many” irgend­was abzu­ge­win­nen, aber ich bin inzwi­schen zu alt für den Kram, es lang­weilt nur noch. Also wei­ter Net­flix, Fotos für Insta­gram, zwi­schen­durch Twit­ter und die Mail für den Nach­barn wegen sei­ner Web­seite wan­dert dann eben noch­mal eine To-Do-Liste weiter.


Und zwi­schen allem immer wie­der der Gedanke an meine Mom, die heute vor 32 Jah­ren meinte, dass sie sich nun von allen ver­ab­schie­det hat und darum gehen darf. Ich ver­misse sie in eini­gen Momen­ten, aber es ist okay.

07-11-2020 Gut und Böse

Viel zu lange geschla­fen. Abso­lut keine Lust, auf­zu­ste­hen und mich dem Leben zu stel­len. Und dann wars eben schon 2 Uhr am Nach­mit­tag und so kann frau einen Tag auch rum bringen.


Die beste Nach­richt kam erst grade eben: der Psy­cho­path aus dem Wei­ßen Haus ist abge­wählt. Lei­der nur sehr knapp, das heißt, dass es wei­ter­hin da drü­ben (und über­all) unfass­bar viele gibt, die ihn gut fin­den oder denen egal ist, was er tut.
Aber was immer jetzt kommt und selbst wenn es nicht viel ist, es wird bes­ser sein als alles in den letz­ten 4 Jah­ren. Und es gibt eine groß­ar­tige Vizepräsidentin!


Aber die Idio­ten sind wirk­lich über­all und heute schon wie­der als kom­ple­xer Hau­fen in Leip­zig unter­wegs, um gemein­sam mit Ver­schwö­rungs­dumm­köp­fen, Iden­ti­tä­ren, Nazis und ande­ren ganz rechts außen Ste­hen­den “gegen Corona” zu demons­trie­ren. Ich hoffe dies­mal nicht, dass sie alle krank wer­den: weil ich den Ärz­tin­nen und Pfle­ge­kräf­ten nicht wün­sche, dass sie sol­che Pati­en­ten behan­deln müssen.

Und jetzt mach ich die Welt aus, weil mein Magen das sonst nicht mehr aus­hält. Der spinnt eh schon die ganze Zeit rum.

06-11-2020 Corona im Haus

Ich bin genervt von mir selbst. Eigent­lich hatte ich mir für heute mal wie­der - wenn schon alle Ter­mine weg sind - einen rich­ti­gen Frei-Tag vor­ge­nom­men. So wie im Som­mer oft: lange schla­fen, gemüt­lich früh­stü­cken, Musik hören, trei­ben las­sen. Nichts muss, alles darf.
Und eigent­lich dachte ich auch, dass ich die Auf­re­gung der Woche mal bewußt wahr­neh­men und dann genauso bewußt los las­sen kann, damit es wei­ter geht mit allem, was zu tun ist. Der Kopf will aber nicht, der drückt das weg mit “das war doch nichts schlim­mes, mach doch kein Ding draus” und zählt mir dann auf, was alles auf der Liste steht. So kann ich nicht ent­span­nen, nicht los las­sen, mich aber auch nicht moti­vie­ren, wirk­lich was von der Liste zu tun. Also pro­kras­ti­niere ich ohne Ende, lese viel zu viele ner­vige Nach­rich­ten, pho­to­shoppe Fotos, gucke Koch­vi­deos - und bin unzu­frie­den und genervt und geän­dert hat sich nichts.


Ich möchte weg von allem. Keine Nach­rich­ten, keine Pro­bleme, nicht immer so viel neues oben drauf, wo das alte unten noch gar nicht fer­tig ist. Ich fühle mich gehetzt und bewe­gungs­un­fä­hig gleichzeitig.


Meine Nach­ba­rin hat Corona. Lang­sam dringt es in mein Bewußt­sein. Jetzt ist es nichts mehr, was nur in die­sem Inter­net und irgendwo da drau­ßen vor­kommt. Mir war immer klar, dass das Virus und seine Aus­wir­kun­gen real sind, aber es gab bis jetzt immer eine Grenze zwi­schen mir und dem Schreck­li­chen, es war nur theo­re­tisch für mich. Wenn ich es nicht mehr ertra­gen konnte, hab ich die Nach­rich­ten aus­ge­stellt.
Jetzt hat es Eine getrof­fen, die ich zwar nicht gut, aber doch kenne. Es ist nicht nur die Cou­sine von der Toch­ter der Freun­din der Kol­le­gin. Es ist ins Haus ein­ge­drun­gen, nah an mei­nen schüt­zen­den Ort, nur eine Wand ist zwi­schen uns. Ja, das macht mir Angst.
Es ist ähn­lich wie mein Gefühl beim Fahr­rad fah­ren nach dem Unfall: ich sitze ange­spannt auf dem Rad, ich habe meine Augen stän­dig über­all, um nur ja nie­man­den zu über­se­hen, der_die mir wie­der in die Quere kom­men könnte. Das macht unsi­cher, ich habe wirk­lich Angst zu fal­len. Das Selbst­ver­ständ­nis ist weg, so wie das nur theo­re­ti­sche an Corona weg ist. Es ist schwer, zur Nor­ma­li­tät zu gehen und so zu tun, als wäre da nichts. Maske auf und wei­ter machen. Aber es kann jeder­zeit jede_n tref­fen, weil keine_r weiß, was oder wer kommt. Die Eine, die nicht nach hin­ten schaut und die Auto­tür auf­macht. Der Eine, der in der U-Bahn direkt hin­ter mir sitzt und denkt, der Hus­ten sei eine nor­male Erkäl­tung. Die Jog­ge­rin, die ges­tern auf der gehei­men Party war und heute die Aero­sole in einer lan­gen Bahn hin­ter sich zieht und du läufst mit­ten rein, ohne es zu wis­sen.
Ich bin emo­tio­nal noch rela­tiv gelas­sen, weil ich die Nach­ba­rin kaum kenne (sie wohnt erst seit dem Früh­jahr hier und war bis­her meis­tens weg). Aber ich will nicht erle­ben müs­sen, dass es eine_n von mei­nen Liebs­ten erwischt. Ja, das Ding macht mir Angst.


Ich möchte weg von allem. Keine Nach­rich­ten, keine Pro­bleme, keine Krank­hei­ten. Nicht noch mehr oben­drauf, solange ich noch dabei bin, die alten Sachen aus­zu­mis­ten. Es ist zu viel.

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