20-01-2021 Der König ist tot, es lebe der König

Nun ja, er war mit Sicher­heit kein König und tot ist er auch nicht, aber weg ist er: der ver­mut­lich schlimmste Prä­si­dent der USA. Nicht ohne letz­tes Chaos und weit nach rechts füh­rende Spu­ren zu hin­ter­las­sen, aber den roten Knopf hat er sich dann doch nicht getraut zu drücken.

Jetzt also ein neuer Ver­such, ein neuer Anfang? Es klingt gut, was Joe Biden, der neue Prä­si­dent, in sei­ner Antritts­rede ver­sprach, aber Worte sind immer nur Worte, wenn keine Taten fol­gen und die müs­sen jetzt ganz schnell fol­gen. Immer­hin hat er sich da ein inter­es­san­tes Kabi­nett zusam­men gestellt mit vie­len Frauen, vie­len Natio­na­li­tä­ten, eini­gen rela­tiv jun­gen Minister:innen. Ich bin gespannt.

Und ich gestehe: ich habe die Über­tra­gung der Amts­ein­füh­rung im TV ange­schaut und da kul­ler­ten in ein paar Momen­ten auch mal Trän­chen vor Rüh­rung.
Trump hatte sich schon vor der Feier aus dem Staub gemacht, nur der ehe­ma­lige Vize­prä­si­dent saß dabei. Weit mehr Beach­tung aber beka­men Barack und Michelle Obama und ich weiß nicht, ob es nur mir so ging oder ob es wirk­lich so war, aber ich hatte den Ein­druck, dass da über allem ein ganz gro­ßes Auf­at­men zu spü­ren war. So, als wäre eben erst jetzt die wirk­li­che Nach­folge von Obama gewählt wor­den. Als könnte es jetzt end­lich wie­der zurück zur Nor­ma­li­tät gehen.

Der bewe­gendste Moment der Zere­mo­nie kam mit der jun­gen Poe­tin (und Akti­vis­tin gegen Ras­sis­mus und Poli­zei­ge­walt in den USA) Amanda Gor­man, die ein sehr aktu­el­les, von ihr geschrie­be­nes Gedicht vortrug.

Mr Pre­si­dent, Dr Biden, Madam Vice-Pre­si­dent, Mr Emhoff, Ame­ri­cans and the world.

When day comes we ask our­sel­ves where can we find light in this never-ending shade? The loss we carry asea we must wade. We’ve bra­ved the belly of the beast. We’ve lear­ned that quiet isn’t always peace. In the norms and noti­ons of what just is isn’t always jus­tice. And yet, the dawn is ours before we knew it. Somehow we do it. Somehow we’ve wea­the­red and wit­nessed a nation that isn’t bro­ken, but sim­ply unfi­nis­hed. We, the suc­ces­sors of a coun­try and a time where a skinny Black girl descen­ded from slaves and rai­sed by a sin­gle mother can dream of beco­m­ing pre­si­dent only to find herself reci­ting for one.

And yes, we are far from polis­hed, far from pris­tine, but that doesn’t mean we are stri­ving to form a union that is per­fect. We are stri­ving to forge our union with pur­pose. To com­pose a coun­try com­mit­ted to all cul­tures, colors, cha­rac­ters, and con­di­ti­ons of man. And so we lift our gazes not to what stands bet­ween us, but what stands before us. We close the divide because we know to put our future first, we must first put our dif­fe­ren­ces aside. We lay down our arms so we can reach out our arms to one ano­t­her. We seek harm to none and har­mony for all. Let the globe, if not­hing else, say this is true. That even as we grie­ved, we grew. That even as we hurt, we hoped. That even as we tired, we tried that will fore­ver be tied tog­e­ther vic­to­rious. Not because we will never again know defeat, but because we will never again sow divi­sion.

Scrip­ture tells us to envi­sion that ever­yone shall sit under their own vine and fig tree and no one shall make them afraid. If we’re to live up to her own time, then vic­tory won’t lie in the blade, but in all the brid­ges we’ve made. That is the pro­mise to glade, the hill we climb if only we dare. It’s because being Ame­ri­can is more than a pride we inherit. It’s the past we step into and how we repair it. We’ve seen a forest that would shat­ter our nation rather than share it. Would des­troy our coun­try if it meant delay­ing demo­cracy. This effort very nearly suc­cee­ded.

But while demo­cracy can be perio­di­cally delayed, it can never be per­ma­nently defea­ted. In this truth, in this faith we trust for while we have our eyes on the future, history has its eyes on us. This is the era of just redemp­tion. We fea­red it at its incep­tion. We did not feel pre­pa­red to be the heirs of such a ter­ri­fy­ing hour, but wit­hin it, we found the power to aut­hor a new chap­ter, to offer hope and laugh­ter to our­sel­ves so while once we asked, how could we pos­si­bly pre­vail over cata­stro­phe? Now we assert, how could cata­stro­phe pos­si­bly pre­vail over us?

We will not march back to what was, but move to what shall be a coun­try that is brui­sed, but whole, ben­evo­lent, but bold, fierce, and free. We will not be tur­ned around or inter­rup­ted by intimi­da­tion because we know our inac­tion and iner­tia will be the inheri­tance of the next genera­tion. Our blun­ders become their bur­dens. But one thing is cer­tain, if we merge mercy with might and might with right, then love beco­mes our legacy and change our children’s bir­th­right.

So let us leave behind a coun­try bet­ter than one we were left with. Every breath from my bronze-poun­ded chest we will raise this woun­ded world into a wond­rous one. We will rise from the gold-lim­bed hills of the west. We will rise from the wind-swept north-east where our foref­a­thers first rea­li­zed revo­lu­tion. We will rise from the Lake Rim cities of the mid­western sta­tes. We will rise from the sun-baked south. We will rebuild, recon­cile and reco­ver in every known nook of our nation, in every cor­ner cal­led our coun­try our people diverse and beau­ti­ful will emerge bat­te­red and beau­ti­ful.

When day comes, we step out of the shade aflame and unafraid. The new dawn blooms as we free it. For there is always light. If only we’re brave enough to see it. If only we’re brave enough to be it.

https://www.theguardian.com/us-news/2021/jan/20/amanda-gorman-poem-biden-inauguration-transcript?CMP=Share_iOSApp_Other

19-01-2021 Geht wieder

Das war dann wohl sowas wie Lager­kol­ler ges­tern: ein Zei­chen, dass ich schon viel zu lange hier alleine rum sitze. Heute geht’s dann auch wie­der, mehr oder weni­ger. Manch­mal hilft Jam­mern und Kla­gen eben doch, vor allem wenn dann noch ein gutes Tele­fon­ge­spräch mit einer lie­ben Ver­tre­tung vom Hil­fe­Dings dazu kommt und ein biß­chen “fri­sche” Luft sowie etwas Bewe­gung beim Wocheneinkauf. 


Ein klei­nes biß­chen Hoff­nung gibt mir die inter­na­tio­nale Bewe­gung “Zero Covid”, die den Gedan­ken des kom­plet­ten, har­ten Lock­downs inner­halb ganz Euro­pas in den letz­ten Tagen in die Öffent­lich­keit gebracht hat. Es wird hef­tig dis­ku­tiert, aber end­lich hat mal jemand wirk­lich laut aus­ge­spro­chen, was mMn als ein­zi­ges noch hilft. Ich fürchte nur, dass es den­noch nicht umge­setzt wird. Wir kön­nen eben kein Neuseeland.

18-01-2021 Es ist zum Heulen

Ich mag nicht mehr. Inzwi­schen ist auch mir nach jam­mern, heu­len, kla­gen, wütend sein. Diese Scheiß­si­tua­tion geht schon zu lange und es ist keine Bes­se­rung in Sicht, aber das kann es auch nicht, solange die Regie­rung wei­ter nur auf die wirt­schaft­li­che Lage fokus­siert ist, die Leerdenker:innen / Coronaleugner:innen unbe­hel­ligt und unge­schützt durch die Stra­ßen lau­fen dür­fen und viel zu viele Leute nur an sich selbst und ihre ach so schreck­lich ein­ge­schränkte Frei­heit den­ken. Ich kann es nicht mehr hören (lesen), ich hab die Nase voll.

Die Toch­ter hat end­lich je eine Hälfte des ver­spro­che­nen Zuschus­ses für Novem­ber und Dezem­ber bekom­men, darf das Geld aber nur für beruf­li­che Sachen aus­ge­ben (also nicht für Lebens­mit­tel oder so), obwohl sie ihren Beruf im Moment nicht aus­üben darf. Hart­zIV darf sie jetzt bean­tra­gen, für Januar ist es aber schon zu spät und rück­wir­kend gibts nichts. Den Som­mer über hat sie geschuf­tet bis über den Rand der Kraft, das half ein biß­chen, aber das kleine Pols­ter ist jetzt weg. Zu den finan­zi­el­len Sor­gen kommt der Enkel, der zuhause ler­nen soll, dem die Freund:innen feh­len und der mit sei­nem ADS lang­sam am Rad dreht. Und ich sehe das und kann nicht helfen. 

Ges­tern war schöns­tes Sonn­tags­wet­ter mit Kälte, Sonne, blauem Him­mel - und natür­lich sind mas­sen­weise Men­schen unter­wegs. Ich weiß nicht, wie es an Als­ter und Elbe aus­sah, weil ich mich nicht traue, da hin zu fah­ren, aber ich nehme an, dass es auch da voll war. Ich will da auch mal wie­der hin. Ich will hier raus, ich hab seit Mona­ten nichts gese­hen, ich mag nicht mehr ein­ge­sperrt sein. Aber ich hab Angst, dass da, wo ich hin­gehe, schon zu viele andere sind, die sich um nichts küm­mern und ein­fach los gehen. Kön­nen die denn nicht mal zuhause blei­ben, so dass ich und andere in mei­ner Situa­tion raus kön­nen? Müs­sen immer die ver­zich­ten, die ver­nünf­tig sind?

Es reißt mir lang­sam den Boden weg. Ich will nicht mehr.

16-01-2021 Nicht-Tage

Es sind so Nicht-Tage grade.
Ich gehe zu spät ins Bett, ich schlafe so lange ich will und kann, stehe irgend­wann auf, es ist eigent­lich egal, es war­tet ja nichts auf mich. Drau­ßen ein stum­mes Ein­heits­grau, von drin­nen bli­cke ich auf ein schma­les Stück Haus gegen­über mit weni­gen erleuch­te­ten Fens­tern und hab noch nicht­mal eine Ahnung, wer da eigent­lich lebt. Es pas­siert nichts, ich fühle mich wie abge­schot­tet von allem, ver­spüre aber auch kei­nen Impuls, daran etwas zu ändern. Die Tage und Nächte flie­ßen ein­fach inein­an­der und ver­schwin­den, ohne eine Spur zu hinterlassen.


Am Mitt­woch ist meine (ange­hei­ra­tete und wie­der geschie­dene) Tante gestor­ben, mit Mitte 80 nach einem Schlag­an­fall. Sie selbst kannte ich kaum, nur mit mei­nem Cou­sin hatte ich frü­her mal eine Weile engen Kon­takt. Heute ist die Trau­er­feier für sie und bei dem Gedan­ken daran frage ich mich, wer eigent­lich zu mei­ner Beer­di­gung kom­men würde außer mei­ner Toch­ter und ein oder zwei Schwes­tern, wenn ich jetzt ster­ben würde. Da ist ja nie­mand und das nicht wegen Corona, son­dern weil ich “in echt” ein­fach keine Kon­takte mehr in Ham­burg habe. Dann muss ich doch auch nicht über­le­gen, wel­che Musik gespielt wer­den soll, wenn ich unter die Erde komm, das ist doch dann eigent­lich auch völ­lig egal. Jeden­falls, solange es keine Flö­ten­mu­sik ist. Viel­leicht sollte ich aber auch ein­fach neue Freund:innen finden.

12-01-2021 Die “es wäre schön, wenn …”-Liste

Gute Vor­sätze zum neuen Jahr gibt es bei mir schon ewig nicht mehr. Mit dem Rau­chen auf­hö­ren, abneh­men, jetzt aber end­lich den rich­ti­gen Mann fin­den — das hat eh nie geklappt. Auch Wün­sche ans Uni­ver­sum oder 12 ver­brannte Zet­tel und einer bleibt und erfüllt sich waren nicht so meins. Warum sollte sich auch etwas ändern in mir, nur weil die Jah­res­zahl neu ist?

Aber nach­dem ich Mitte Dezem­ber 2020 so erle­digt war und alle Ent­schei­dun­gen auf “nächs­tes Jahr” ver­scho­ben hab und die­ses nächste Jahr nun da ist, könnte ich ja mal eine kleine Liste machen, was denn da so alles zu ent­schei­den wäre.
Und damit die Punkte auf die­ser Liste nicht im Nir­gendwo ver­schwin­den oder so lange pro­kras­ti­niert wer­den, bis sie sich von selbst ver­zie­hen, gebe ich mei­ner lie­ben Frau R. vom Hil­fe­Dings die Erlaub­nis, mich nicht nur zu unter­stüt­zen (das macht sie sowieso), son­dern mich auch ab und zu sanft anzu­schub­sen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich anschub­sen hasse, so rich­tig. Aber es nützt ja nix, man­ches muss dann eben doch gemacht wer­den - vor allem, wenn es mir gut gehen soll. Um nichts und nie­mand ande­res geht es dabei. Ich werde die Punkte auch nicht zeit­lich defi­nie­ren, denn das ist Unsinn. Es braucht so lange, wie es braucht.

Und das ist sie also, die ulti­ma­tive und ein­zige “es wäre echt toll, wenn ich das schaf­fen würde”-Liste - ohne Prio­ri­tä­ten, Rang­folge, Zeitangabe:

  • Schmer­zens­geld - ja oder nein?
  • Umzie­hen oder renovieren?
  • Anschaf­fun­gen: Matratze, Brille
  • Ärz­tin­nen: neue suchen (All­ge­mein, Ortho­pä­die, Haut) und Ter­mine machen (Augen, Zahn)
  • Zurück zur Mitt­wochs­gruppe oder was auch immer beim Hil­fe­Dings statt­fin­den kann in der #aktu­el­len­Si­tua­tion
  • Bewe­gung: Ergo­me­ter für zuhause, Rad fah­ren drau­ßen, Physioübungen
  • Schrei­ben: Tage­buch­blog, Lyrik (alte The­men vom Fra­pa­lymo?), Briefe

Das sieht viel­leicht nicht nach viel aus, aber für mich ist es mit enor­mer Arbeit - innen und außen - ver­bun­den. Ich bin keine “Mache­rin”, ich spu­cke nicht in die Hände und lege los. Lie­ber denke ich und teile mit und dann macht jemand ande­res. Und ein paar Punkte sind mit gro­ßen the­ra­peu­ti­schen The­men ver­knüpft, da müs­sen Ängste erforscht, benannt und über­wun­den wer­den. Aber ich ver­mute, dass es sich lohnt. 

Uff.

11-01-2021 Dies und Das

Wenn der Kühl­schrank leer ist und die Milch für den Kaf­fee alle, dann muss ich eben doch raus in die feind­li­che Welt. Je län­ger ich zuhause bin, desto schlim­mer wird es damit. So viele Men­schen, so viel Ver­kehr, so laut. Lock­down? Haha.
Aber ich hab’s mal wie­der über­lebt. Bis nächste Woche.


Chris­tian hat eine neue Rubrik in sei­nem Blog: er beant­wor­tet alle Fra­gen, die man:frau ihm immer schon­mal stel­len wollte. Da hab ich ges­tern die Gele­gen­heit ergrif­fen und ihn gefragt, wie er eigent­lich die Bil­der inner­halb eines Bei­trags so breit bekommt, weil er näm­lich das glei­che Wor­d­Press Theme benutzt wie ich hier und bei mir funk­tio­niert das immer nicht. Er hat das auch super erklärt, mit Screen­shot und allem, aber das geht lei­der trotz­dem nicht.

Dann liegt es wohl doch daran, dass er die PRO-Ver­sion benutzt und ich hab jetzt viel­leicht einen klei­nen Wunsch, auf den ich spa­ren kann.
Trotz­dem herz­li­chen Dank, lie­ber Christian!


Aber bei der Gele­gen­heit kann ich ja mal fest­hal­ten, dass vor ein paar Tagen so komi­sches wei­ßes Zeug vom Him­mel fiel, was aller­dings nicht lange lie­gen blieb.

10-01-2021 Viel im Kopf

Ich mag das ja sehr, wenn ich im mol­lig war­men Bett liege und von drau­ßen kommt diese win­ter­kalte Luft ins Zim­mer. Ich kann nur wach nicht gut lie­gen blei­ben, da fehlt alles mög­li­che. Eine Rücken­stütze, um lesen zu kön­nen. Eine Abstell­flä­che für den Kaf­fee. Über­haupt eine gemüt­li­chere Atmo­sphäre im Zim­mer, das ich seit dem Aus­zug der Toch­ter ja nur zum Schla­fen nutze. Ich könnte da mal drü­ber nach­den­ken, wenn ich sowieso an der Ent­schei­dung bin, ob ich umziehe oder lie­ber reno­viere. Falls es das zweite wird, hab ich da schon ein paar Ideen im Kopf.
(Farbe! Ein schö­nes Meer­blau an die Wand. Viel­leicht ein Strei­fen Tapete oder andere Farbe. Vor­hänge in dun­kel­blau. Bil­der und einen Tep­pich vors Bett. Und viel­leicht dreh ich das Bett ein­fach um 90°?)


Auf Twit­ter bit­tet Einer darum, für die Schwie­rig­kei­ten, mit der #aktu­el­len­Si­tua­tion umzu­ge­hen, nicht den Begriff “Corona-Depres­sion” zu ver­wen­den und wird von allen Sei­ten ange­grif­fen, selbst von ande­ren depres­si­ven Men­schen. Dabei geht es nicht darum, jeman­dem eine psy­chi­sche Krank­heit klein zu reden oder abzu­spre­chen, aber es ist nun­mal nicht jede Ver­stim­mung eine Depres­sion und das muss wirk­lich drin­gend in alle Köpfe rein.
Oder wie ein Ande­rer schreibt: 

“Genauso wie Schlapp­heit an dunk­len Win­ter­ta­gen keine „Win­ter-Depres­sion“ ist, ist Antriebs­lo­sig­keit wegen Aus­gangs­be­schrän­kun­gen keine „Corona-Depres­sion“. Indem durch Begriffe wie Win­ter-/Co­rona-Depres­sion jetzt auch tat­säch­lich all­täg­li­che oder sai­so­nale Ver­stim­mun­gen als Depres­sion gela­belt wer­den, macht es das Men­schen mit Depres­sio­nen nur schwe­rer, auf Akzep­tanz in der Bevöl­ke­rung zu sto­ßen. Denn: ich werde auch dann noch meine Depres­sion haben, wenn Corona irgend­wann vor­bei ist und Men­schen, die jetzt von ihrer „Corona-Depres­sion“ reden, wie­der shop­pen und ins Kino gehen kön­nen, also „alles wie­der gut“ ist.”

Ich hab schon im Früh­jahr geschrie­ben, dass ich mich ärgere, weil wir schon seit Jah­ren laut sind und dar­über berich­ten, dass an allen Ecken und Enden Therapeut:innen und Kli­nik­plätze feh­len und das kei­nen inter­es­siert und dass immer noch so viele Leute den­ken, dass eine Depres­sion mit Scho­ko­lade geheilt wer­den kann und wir uns ja nur mal ein biß­chen zusam­men rei­ßen müss­ten, aber jetzt ist es plötz­lich völ­lig okay, depres­siv zu sein ange­sichts der Pan­de­mie und der Über­for­de­rung und weil ja die sozia­len Kon­takte ein­ge­schränkt wer­den sol­len und da muss man doch was tun!
Das ist, als ob du in einer lan­gen Schlange an der ein­zi­gen offe­nen Kasse war­test, obwohl du nicht mehr ste­hen kannst und aufs Klo musst oder Platz­angst hast und der hin­ter dir immer näher rückt und dann macht eine neue Kasse auf und da ren­nen sofort die hin, die als aller­letzte in der Reihe stan­den und tun so, als hät­ten sie jedes Recht der Welt dazu und du bist wie­der der Depp.
Ich ver­stehe gut, dass die Situa­tion für ganz viele Men­schen schwie­rig ist, aber diese Über­for­de­rung und die Ängste jetzt alle ein­fach “Depres­sion” zu nen­nen, ist für alle Sei­ten falsch. 


Und irgend­was ande­res war noch, was mich ärgert, aber ich habs ver­ges­sen. War es der oran­gene Typ aus den USA, der das Weiße Haus unbe­dingt noch mit Dreck bewer­fen muss, bevor er da raus­ge­schmis­sen wird? Oder die Bul­len, die alle Coro­nal­eug­ner-Mär­sche wohl­wol­lend beglei­ten, aber wenn Linke auf die Straße gehen, sofort mit aller Gewalt drauf hauen müs­sen wie heute wie­der­mal in Ber­lin? Oder waren es die gan­zen wei­ßen alten Män­ner und Frauen, die sich dar­über lus­tig machen, dass der Duden jetzt in sei­ner Online-Aus­gabe gen­dert (warum eigent­lich nur da?) und wir doch echt bes­se­res zu tun hät­ten, als die Frauen end­lich über­all sicht­bar zu machen? Oder dass in mei­nem eigent­lich gelieb­ten sozia­len Medium an so vie­len Stel­len ein sehr rau­her Ton herrscht und ich wie­der­mal oft keine Lust mehr hab, über­haupt noch zu lesen oder zu schrei­ben dort?


Ich bin grade sehr müde, merke ich. Da pas­siert viel in mir drin, womit ich mich beschäf­ti­gen möchte und das ist gut so. Aber dann guck ich wie­der raus aus mei­nem Schne­cken­häus­chen und sehe die Welt bren­nen und möchte mich wei­nend wie­der ver­zie­hen und weiß doch, dass das auch irgend­wie nicht gut wäre. Es strengt an.

(Nein, lie­ber Igor, geh zurück auf dei­nen Platz, ich komm schon klar.)


Ich hätte gerne wie­der einen Ergo­me­ter für zuhause. Mein Rücken tut weh und meine Füße mögen so gar nicht gehen, aber ich brau­che Bewe­gung, ich roste kom­plett ein. Das zuhause-blei­ben macht das alles nicht bes­ser, im Gegen­teil.
Yoga wäre bestimmt toll und heil­sam und bes­tens geeig­net wegen Acht­sam­keit und so. Ich hab das noch nie gemacht, darum will ich das nicht alleine anfan­gen. Aber ich stell es mir schön vor, das gleich mor­gens zu machen und damit in den Tag zu star­ten und super geer­det zu sein und hups, hab ich da grade so Insta­gram-mäßige Bil­der vor Augen?
Wie auch immer, es gibt ja sowieso 1000 Gründe *), warum das nicht geht bei mir oder schwie­rig ist oder so. Ich muss was ande­res fin­den oder einen ande­ren Weg.

*) Zum Bei­spiel: Ich schlafe nackt, d.h., ich muss nach dem Auf­ste­hen erst aufs Klo, mir dann was anzie­hen fürs Yoga, mich danach aber wie­der aus­zie­hen für die Dusche und dann wie­der anzie­hen. Mein Inne­res sagt “nein” und “viel zu kom­pli­ziert” und “ich brauch sowieso vor jeder Akti­vi­tät erst­mal einen Kaf­fee!”, ziem­lich vehe­ment. So funk­tio­niert das also nicht. Ist so.
Außer­dem: Übun­gen im Lie­gen gehen gar nicht. Ich kann nicht gut auf dem Rücken lie­gen und schon gar nicht auf dem Boden und mein Bett ist zu weich dafür und über­haupt sind “Turn­übun­gen” im Lie­gen zum weg­lau­fen. Irgend­was muss da im Sport­un­ter­richt frü­her pas­siert sein, ich kriege Panik schon beim dran den­ken. In Malente hatte ich eine Panik­at­ta­cke mit Heul­krampf in der Tür zur Sport­halle, aus - für mich - hei­te­rem Him­mel. Keine Ahnung, was das ist.
Und obwohl ich mich immer gerne bewegt habe, hab ich eine ganz schlimme inner­li­che Abwehr / Abscheu gegen “Übun­gen”. Ich kann das nicht alleine, es geht nicht, auch wenn ich ver­stehe, dass es mir gut tun würde. Es schei­tert nicht am Wol­len.
Stell ich mich an? Nein. Etwas in mir blo­ckiert, es wird einen Grund geben, den muss ich finden.


Gele­sen: “Keine Zeit für Hel­den” bei Sol­mi­nore: Mal ein ande­rer Blick auf die Pandemie.

Das Virus zwingt zur Feig­heit. Wer feige ist, ist gut; wer sich selbst schützt, schützt andere. Feig­heit ist die neue Leit­tu­gend, das neue Hel­den­tum. Aber was für alberne Hel­den bringt es her­vor? Todes­ver­ach­tung heißt unter den Regeln, die das Virus auf­stellt, Men­schen­ver­ach­tung, und wer mutig ist, ret­tet nicht, son­dern gefähr­det andere. Wir wür­den uns gerne mutig als Teil der Lösung ver­ste­hen, dabei müs­sen wir ler­nen, uns als Teil des Pro­blems zu sehen. Das läuft kon­trär zu all unse­ren Lieb­lings­er­zäh­lun­gen, ist lang­wei­lig und empö­rend, ver­spot­tet die Intui­tion und kehrt alle Werte, die wir rund um Gefahr und Gefähr­lich­keit errich­tet haben, um. Wir sind keine Hel­den, wir sind selbst die Gefahr. Wir selbst sind das Böse, seine Trä­ger, seine Knechte.

https://askionkataskion.wordpress.com/2021/01/07/keine-zeit-fuer-helden/

08-01-2021 Was will sie mir sagen?

Stell die Musik an, Ulrike. Es tut dir gut.


Zu spät ins Bett, viel zu spät wie­der auf, da ist der halbe Tag vor­bei und ich hab es nicht mit­ge­kriegt. Das ist nicht gut, auch nicht, dass ich dann zu wenig Tages­licht bekomme. Irgend­ein Rhyth­mus muss dann doch sein, am bes­ten einer, der das Auf­ste­hen und eine bestimmte Uhr­zeit zum anleh­nen hat.


Komi­sche Träume, vom Imp­fen gegen die Seu­che in der vol­len Pra­xis der HÄ und ich hab keine Maske auf. Von Land­schaf­ten, die gleich­zei­tig ver­traut und fremd sind. Von mei­nem Kind als Kind, die ein­fach nie macht, was ich ihr sage. Auf­ge­wacht, weil ich in real laut mit ihr geschimpft hab.


Vor­ges­tern hatte ich die Mail an die The­ra­peu­tin schon halb geschrie­ben und dann dachte ich, Quatsch, du gehst da hin. Der Schnup­fen ist nach 2einhalb Tagen sowieso meis­tens wie­der weg und noch­mal 2 Wochen nach der lan­gen Weih­nachts­pause kann ich nicht war­ten. Wie rich­tig das war.


So nach und nach wer­den die Gedan­ken zu Erk­ent­nis­sen und zu Wahr­hei­ten, die ich leben kann.
Ich möchte immer noch am aller­drin­gens­ten frei sein. Frei zu den­ken, zu sagen, zu leben, zu füh­len, wie ich das für rich­tig halte. Und nie­mand hat das Recht, das zu bewer­ten oder mir Vor­schrif­ten zu machen, weil das viel­leicht in deren Sicht nicht passt. Solange ich nie­man­den ver­letze mit mei­nem Ver­hal­ten, ist alles gut.
Ich darf Feh­ler machen. Ich muss nicht ver­zei­hen. Ich muss mich nicht recht­fer­ti­gen für meine Gedan­ken und Gefühle. Ich muss mich auch nicht ver­glei­chen mit ande­ren, denn kein Leben ist mit einem ande­ren zu ver­glei­chen, selbst wenn wel­che aus der glei­chen Fami­lie kom­men und darum glei­che Erleb­nisse hatten. 

Wenn die alte Stimme sagt “stell dich nicht so an”, dann weil es ver­mut­lich einen Grund gibt, dass ich mich “anstelle”. Weil sich anzu­stel­len bedeu­tet, etwas nicht zu wol­len, was jemand ande­res für mich will oder umge­dreht. Weil sich anzu­stel­len bedeu­tet, etwas nicht ein­fach hin­zu­neh­men. Weil sich anzu­stel­len bedeu­tet, dass ich da jeman­dem Mühe mache, obwohl ich viel­leicht jedes Recht dazu hatte und habe.
Diese alte Stimme war dazu da, mich klein zu hal­ten, meine Bedürf­nisse klein zu reden, mich zu kon­trol­lie­ren. Weil ich unbe­quem war, weil ich auch gese­hen wer­den wollte, weil meine Wut über Unge­rech­tig­kei­ten schwer aus­zu­hal­ten war.
Wenn sie jetzt also wie­der ein­mal ver­sucht, mich klein zu reden, dann sollte ich genauer hin­schauen. Gibt es da über­haupt noch jeman­den, für den ich unbe­quem bin? Oder bin ich es viel­leicht selbst, weil es “leich­ter” ist, mich klein zu machen, als auf­recht neue Wege zu gehen? Oder ist da irgend­eine Wut in mir, die ich nicht aus­spre­chen kann und darum lie­ber gleich unter­drü­cke? Was fällt mir grade schwer und warum kann ich mir das nicht erlauben?


Igor hat sei­nen Platz gefun­den: der liegt die meiste Zeit im Neben­zim­mer in sei­nem Körb­chen und schläft. Er sieht mich und ich weiß, dass er da ist, aber ich brau­che ihn nur noch sel­ten. Für die alte Stimme wird sich da auch irgend­wann ein Eck­chen fin­den las­sen, denke ich.

06-01-2021 Alles irgendwie doof

Letzte Nacht schon wie­der so ein Traum, dass ich sterbe. Ich weiß es, ich nehme es ein­fach hin und an. Dies­mal war es ein rie­si­ger Beton­pfahl, der umkippte und ich stand genau dar­un­ter. Ich wußte, dass ich da nicht mehr recht­zei­tig weg komme, dass es das jetzt war. Ich atmete noch ein­mal tief ein und dachte an mein Kind und dass ich sie liebe - und wachte auf.
Das ist im Traum zu real, ich will das nicht. Und das hängt sich an den wei­te­ren Tag und macht alles irgend­wie unschön und angespannt.


Seit zwei Tagen bin ich wie­der halb krank, der Kopf ist schnup­fen­dicht und tut weh, der Kreis­lauf möchte bitte aufs Sofa und der Gedanke an Drau­ßen ist sowieso im Ange­sicht der #aktu­el­len­Si­tua­tion ein­fach nur gru­se­lig. Das Tref­fen mit Frau R. ges­tern hab ich dann abge­sagt und das fühlte sich okay an. Heute wollte ich den Wochen­ein­kauf machen, aber dann fing es an zu schneien und alles ist nass und kalt und ich bin echt jam­me­rig, aber so rich­tig.
Jetzt steht die Frage im Raum, ob ich mor­gen zur The­ra­pie fahre oder nicht und wie ich das dann regeln kann, weil es zum absa­gen eigent­lich zu spät ist. Ande­rer­seits darf sie beim Lock­down wie­der Tele­fon­ter­mine abrech­nen und ich denke, das wäre sehr ver­nünf­tig, jetzt gleich eine Mail zu schrei­ben und drauf zu hof­fen, dass das so kurz­fris­tig mach­bar ist. Denn ande­rer­seits will ich ja auch nie­man­dem mei­nen blö­den Schnup­fen wei­ter geben.
(Woran ich noch merke, dass ich irgend­wie krank bin: dass ich mich nicht ent­schei­den kann.)


Die gute Nach­richt des Tages: der “Clown” aus den USA ist dann wohl Geschichte. Hof­fent­lich ohne schlim­mere Aus­wir­kun­gen, das scheint im Moment etwas unklar.

Die schlechte Nach­richt: die Maß­nah­men zur Pan­de­mie­be­wäl­ti­gung sind wei­ter­hin kom­plett unsin­nig und bestimmt von den Macht­fan­ta­sien der Minis­ter­prä­si­den­ten der ein­zel­nen Län­der und die Medien kämp­fen anschei­nend darum, wer den dümms­ten Arti­kel schreibt. So krie­gen wir das nie in den Griff.
Sascha Lobo regt sich mit bes­se­ren Wor­ten dar­über auf.

Ich hab lange aus­ge­hal­ten, weil es mich ja nie soo doll betrof­fen hat, aber ich merke, dass ich müde und immer generv­ter werde ange­sichts des­sen, was über­all läuft oder viel­mehr schief läuft. Die sol­len 4 oder 6 Wochen alles dicht machen, alles run­ter fah­ren, den kom­plet­ten Lock­down für alle, bis nie­mand mehr jeman­den anste­cken kann. So wie es jetzt ist, dau­ert das noch Jahre und am Ende ist alles kaputt: Mensch und Wirt­schaft. Aber was weiß ich denn schon …

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