24-09-2020 Leer geredet

Am Dienstag über eine Stunde mit der Tochter telefoniert, gestern 90 Minuten (und sogar noch mehr) Termin mit Frau R. vom Hilfe-Dings, heute 50 Minuten Therapie: ich bin leer geredet. Aber auf eine gute Weise. Und so langsam verdaut sich auch der Mist von Freitag.


In den letzten Therapiestunden kam ich drauf: auf manche Dinge hab ich eine ungute Sichtweise, die verbaut mir die positive Seite.

Zum Beispiel sehe ich bei ganz vielem nur die Kosten, aber nicht den Nutzen. Es kostet Kraft, mich gegen die Bewertung von dem Orthopäden abzugrenzen – aber die macht ja, dass ich nicht ins Loch falle. Es kostet so viel Überwindung, bei der Unfallfrau anzurufen, weil ich noch eine Info von ihr brauche – aber danach könnte ich endlich das Schmerzendgeld fordern, von dem ich so viel Nutzen hätte. Ich müsste dringend zur Friseurin, was viel Geld kostet, das ich eigentlich nicht habe – aber ich würde mich danach endlich wieder wohler fühlen.
Ich vermeide das Wort „kosten“, weil es für mich total negativ besetzt ist. Es zieht nur was ab, gibt aber nichts wieder: das ist meine uralte Haltung dazu. Ich sehe dann aber den Nutzen nicht und bleibe dadurch in dem negativen Modus.

Ein anderes Beispiel ist das, was ich gestern schrieb: dass der Berg immer nachwächst, dass ich nie oben ankomme, weil das Leben immer wieder was neues oben drauf packt. Ich schaue aber nur nach oben und nie nach unten, darum sehe ich nicht, was ich alles schon geschafft habe, geleistet habe, mir erarbeitet habe. Oder einfach, ohne Bewertung, wie weit ich schon gekommen bin. Ich sehe meine Erfolge nicht, nur das, was ich noch zu tun habe. So kann ich aber nie zufrieden sein.

Also werde ich wohl an meiner Sichtweise arbeiten, koste es, was es wolle.

(’schuldigung, das musste sein :-))

22-09-2020 Wut und leise Hoffnung

Das mit dem Schlaf und mir hat auch schon besser funktioniert. Jeden Morgen verlegen und mit Kopfschmerzen aufzuwachen, ist jedenfalls nicht wirklich toll.


Nach tagelangem Wälzen der Gedanken rund um den Arzttermin des Grauens schrieb ich gestern auf Twitter das:

Ich schaff es immer noch nicht, diese Gedanken aufzuschreiben. Wenn sie sich, was sie auch nach 5 Tagen noch tun, wieder in den Vordergrund drängen, werde ich immer noch sooo wütend. Vielleicht wäre es gut, alles raus zu lassen? Die Verletzung zu formulieren, damit ich sie dann wegpacken kann?


Gut ist aber, dass ich weiterhin nur am Rand vom Loch stehe und nicht wirklich abgerutscht bin.
Einer der Sätze, den ich dem A… am Freitag gerne gesagt hätte, lautet: „Wenn Sie fragen würden nach meinem Befinden (anstatt mich nur nach dem Anblick zu beurteilen), dann würde ich Ihnen zum Beispiel sagen, dass ich mich grade aus 8 Jahren zum Teil tiefster und dunkelster Depression heraus arbeite“ – und als ich diesen Satz dachte, spürte ich tatsächlich einen Anflug von Hoffnung auf die Möglichkeit (ganz vage nur! nicht beschwören, sonst verschwindet es wieder!), dass ich da wirklich eines Tages wieder raus komme. Dass die Löcher irgendwann vielleicht nicht mehr ganz so präsent rumliegen. Und dass ich, falls doch mal eins auftaucht, besser damit umgehen kann. Vielleicht.

Und dann fallen mir wieder alle anderen Punkte auf der Liste ein, die mir noch bevor stehen und dann ist da leider nicht mehr viel von der Hoffnung übrig. Wie kann ich den Berg jemals bewältigen, wenn ich zwischendurch immer wieder ein paar Meter zurück rutsche? Oder wenn bei jedem Etappenziel wieder neue Sachen auf die Spitze drauf gepackt werden? Das macht so müde.

(Dabei will ich doch einfach nur hier sitzen und schreiben.)

20-09-2020 Am Rand entlang hangeln

Wie gestern. Lange geschlafen, aber keine Motivation, aufzustehen und in den Tag zu gehen. Was soll der auch schon bringen.

Und weiterhin kreist der Kopf um den Arztbesuch am Freitag. Ich muss sehr aufpassen, dass mich das nicht in Selbstzweifel stürzt und ich dadurch ins Loch kippe. Ich stehe dicht am Rand grade. Mir selbst zu glauben, dass ich nicht minderwertig bin, dass die Typen nur Vorurteile hatten, die mir in keinster Weise gerecht werden, dass nicht ich das Problem bin: das braucht grade richtig viel Überzeugungsarbeit und ich bin darin wirklich noch nicht gut.

(Ich schalte die Kommentare grade mal eine Weile ab, ich muss da alleine durch. Ich weiß, dass es euch gibt: die lieben Menschen, die an mich denken. Danke für euch. <3)

19-09-2020 Nachhall von gestern

Wenn du keine Lust hast, aufzustehen, weil die vergangene Woche anstrengend, doof und insgesamt viel zu viel war, dann schläfst du schonmal 12 Stunden mehr oder weniger am Stück. Denkst beim Umdrehen „ach, nö“ und pennst weiter. Und beim nächsten auch. Egal.


Der Kopf denkt immer noch über Sätze nach, die ich den beiden [hier beliebige Schimpfwörter einfügen] Ärzten hätte erwidern sollen können am liebsten erwidert hätte. Und er denkt auch immer noch darüber nach, ob ich irgendwas hätte anders machen können, damit sie mir anders begegnen. Hab ich bereits negative Strahlung ausgesandt dank meiner Vorbehalte? War ich irgendwie pampig in meinen Antworten? Oder hab ich ein „Ich bin klein“-Gefühl ausgestrahlt, weshalb sie sich dann extra über mich erheben mussten?
Aber nein, ich sehe nichts dergleichen in meinem Verhalten, jedenfalls nicht am Anfang. Irgendwann war ich genervt, weil ich keine vernünftige Antwort bekam und statt dessen immer mehr den Eindruck, dass die mich hier nicht haben WOLLEN. Das kam sicher rüber, aber sorry, da kann ich dann auch nichts machen. Mir lagen da noch so einige Ausdrücke auf der Zunge, die ich anstandshalber geschluckt habe.

Jedenfalls ist das grade alles großer Mist und ich hab keine Ahnung, wie es weiter geht mit dem Knie und all dem, was da dran hängt. Heute jedenfalls verweigere ich mich dem Leben. Ich bin müde.

18-09-2020 Eine Diagnose fürs Knie?

Früh ins Bett (vor Mitternacht!), spät eingeschlafen. War ja klar.

Um zehn hatte ich dann den letzten Termin diese Woche, einen der richtig stressigen Sorte: zum unbekannten, männlichen Orthopäden. Das ist die Sorte Ärzte (nicht gegendert), mit denen ich die zweitschlechtesten Erfahrungen gemacht hab, nur übertroffen von Zahnärzt:innen. Und auch dieser (Assistenz-) Arzt bestätigt zusammen mit seinem Chef alle Befürchtungen. Ich sehe beim Reinkommen ins Sprechzimmer fast sofort die Gedanken in ihren Köpfen: ältere Frau mit Übergewicht und Knieproblemen: selbst schuld an beidem. Und so werde ich dann auch behandelt.

Aber ich hab mich bei der armen D. schon ausgeheult, ich hab keine Lust, das nochmal aufzuschreiben und mich erneut aufzuregen. Nur das: vermutlich ist das im Knie keine Bändersache, sondern eher der Meniskus. Die Bänder wären nämlich innerhalb dieser 9 Wochen seit dem Unfall schon geheilt. Und ich soll zu dem anderen Orthopäden von neulich zurück, weil der hat mich ja schließlich schon behandelt und die Röntgenbilder liegen da ja auch. Tja nun.

Heute allerdings mach ich gar nix mehr außer die Gedanken an diesen Vormittag wegzudrücken, die Schmerzen im Knie, die dank der Untersuchung (tut das hier – aua! – und das – auuuua! – und wie ist es – Volltreffer! Vielen Dank auch) heute viel heftiger sind, auch und mich einfach eine Weile bedauern, weil das eben auch mal sein muss. So.

16-09-2020 Bitte warten, die Batterie wird geladen

Unruhig geschlafen, seltsam geträumt, im Stockdusteren wach, weiter geschlafen, seltsam geträumt, kurz vor der ersten Schreikindertruppe wach und aufgestanden.

Wie erwartet gibt es da nur noch ganz wenige Löffel für heute. Der Körper fühlt sich an wie mindestens 103, alles an mir ist müde, der Tinnitus piepst in höchsten Tönen über alle anderen Geräusche weg. Der Versuch, am frühen Nachmittag nochmal zu schlafen, scheitert an meinem eigenen Schnarchen und dem Kindergeschrei draußen, das mich abwechselnd alle 5 Minuten weckt. Ich sitze also wie ein ausgelatschter Turnschuh rum, gucke Löcher in die Luft, tippe ein paar Wörter an die Freundin, suche irgendwas zum Ablenken und telefoniere dann 2,5 Stunden mit der besten Tochter der Welt und bin wieder da mit halb aufgeladener Batterie. Was Liebe, Verstehen, Vertrauen und Gespräche eben bewirken.

Bereit für die nächsten beiden Tage.

15-09-2020 Keine Löffel mehr

Wie zu erwarten war, hab ich unruhig geschlafen. „Nur ja nicht den Wecker überhören und was wird der Tag wohl bringen“-Unruhe. Aber von Eros hab ich geträumt … 😊


Die Müdigkeit wegduschen. Und dann passiert heute tatsächlich das, wovor ich seit Jahren Angst habe: beim Raustreten aus der Dusche rutsche ich auf dem feuchten Boden aus und lande rückwärts wieder in der Dusche. Mit *aaauuuutsch* komplett zusammengeklapptem Knie. Zum Glück ist alles andere heil geblieben – und zum Glück hat niemand gesehen, wie ich mich danach mühsamst in die Senkrechte manövriert hab.


Dann alle Termine abgearbeitet. Natürlich war ich überall zu früh, aber lieber hol ich mir noch einen Kaffee und sitze im Schatten auf der Bank, als abgehetzt und verschwitzt irgendwo anzukommen.


Termin 1: Orthopädie am Schlump. Kurze Warteschlange an der Anmeldung. Ausdruck der Patientenkartei in Empfang genommen. (Eine DIN A4 Seite. Die natürlich auf keinen Fall per Post geschickt werden konnte, weil die 80 Cent ja nicht im Budget drin sind. Wenn das Jede:r wollte, was käme da für ein Verlust zusammen! Nicht auszudenken.) Draußen gelesen und erstmal herzlich-bitter gelacht: Wenn Ärzt:innen nicht zuhören, was die Patient:innen sagen, dann wird in der Kurzzusammenfassung des Unfallgeschehens aus einem kleinen Lieferwagen schonmal ein LKW und mein Rad fällt ganz weg. Wenigstens hat er mein Gewicht nicht nochmal erwähnt. Ich hoffe, der neue Orthopäde ist besser.

Termin 2: Diabetespraxis. Wie immer sind alle super nett. Das ist wirklich inzwischen die einzige Ärztin, zu der ich gerne gehe. Sie nimmt sich Zeit, ist zugewandt, hört zu. Sie weiß, dass ich depressiv bin und geht auch drauf ein, obwohl es ja überhaupt nicht ihr Fachgebiet ist. Aber meine psychische Verfassung hat Einfluß auf meine körperliche und z.B. ja auch aufs Essen, insofern ist es für sie auch wichtig.
Jedenfalls hab ich das (zu hohe – ich weiß es ja) Gewicht immerhin gehalten seit dem Frühjahr, aber der Blutdruck und vor allem der HBA Wert waren noch nie so hoch wie heute. Darum heißt es nun, zusätzlich zu den Tabletten auch noch zu spritzen. Schön mitten rein in die Bauchfalte (ist ja genug von da), einmal am Tag eine Dosis. Ich hab vorhin beschlossen, dass ich damit morgen anfange. Nicht noch mehr Stress heute.

Termin 3: Treffen mit Frau R., wie immer im Park. Da können wir – mit Abstand natürlich – ohne Maske sitzen und in Ruhe reden. Und das tun wir dann auch, die vollen zur Verfügung stehenden eineinhalb Stunden (und ich glaube, sogar noch mehr). Sie tun wirklich gut, diese Gespräche irgendwo zwischen Beratung, Hilfestellung und etwas, das manchmal schon fast in Richtung Therapie geht. Ich fühle mich wirklich gesehen und angenommen – und ja, liebe Frau R., ich mag Sie auch richtig gerne! 😉

Termin 4: ein halber Wocheneinkauf bei Aldi und dann mit vollen Taschen mit der Bahn nach Hause. Auspacken, duschen, schlafen.


Und jetzt sind alle Löffel verbraucht – nicht nur die von heute, sondern auch schon fast alle von morgen. Ich bin so erschöpft, dass ich kurz vorm Weinen bin, einfach so, ohne Anlass. Meine Füße tun weh, ich schlurfe wie eine uralte Frau durch die Wohnung, die Energieanzeige leuchtet dunkelrot. Aber ich hab den Tag durchgehalten und alles erledigt, und das bei annähernd 30°.
Ja, das hab ich gut gemacht.


Und für später oder morgen freu ich mich sehr drauf, den Podcast mit Vanessa und Christian zu hören, auch wenn das Thema – Panikattacken und die Angst vor der Angst – nicht unbedingt einfach und schön ist.

14-09-2020 don’t panic

Immer noch und immer wieder gehe ich zu spät ins Bett. Immer noch und immer wieder ist da die Sorge, dass ich nicht einschlafen kann oder nach zehn Minuten wieder hellwach bin. Darum warte ich, bis ich so richtig hundemüde bin – dann schlafe ich zwar halbwegs schnell ein, bin aber fast jeden Morgen erstmal wie gerädert. Weil es einfach zu spät war.

Heute morgen, nach dem ersten Gang ins Bad, war es mir zu früh zum Aufstehen, also bin ich wieder ins Bett. Danach war es dann fast Nachmittag. Das ist genauso scheixxe wie zu spät ins Bett zu gehen. Ich sollte daran arbeiten.


Ich sollte eventuell auch daran arbeiten, warum ich eigentlich immer noch und immer wieder vom verdammten letzten Job träume. Was will mir das sagen, dass ich wieder und wieder betonen muss, dass ich da nicht mehr arbeite, dass ich mir die Schikane nicht mehr gefallen lasse, dass die Chefs keine Macht mehr über mich haben? Wo ist die positive Seite an etwas, das mich sogar im Traum so viel Kraft kostet?


Diese Woche stehen Termine an: Dienstag Diabetespraxis und Treffen mit Frau R., Donnerstag Therapie, Freitag Orthopadie. Irgendwann vor Freitag sollte ich praktischerweise zum anderen Orthopäden fahren und die Unterlagen abholen, damit ich die am Freitag mitnehmen kann. Und theoretisch bräuchte ich von der Hausärztin eine Überweisung zur Diabetologin morgen. Außerdem muss ich irgendwann noch den Wocheneinkauf erledigen.

Beim Gedanken daran, wie ich das koordiniere, kriege ich Panik. Atemnot, Herzrasen, im Kopf ist das reine Chaos, ich will nur weg hier. Das ist nicht nachvollziehbar für „normale“ Menschen, auch mein früheres Ich hätte darüber gelacht und dann einen Plan gemacht. Heute komm ich nicht mal bis dahin, einen Plan zu machen. Heute krieg ich eine Krise, wenn ich mehr als zwei feste Punkte / Termine an einem Tag habe, selbst wenn ich die Dinge selbst nicht als schlimm empfinde.

Ich hasse das, abgrundtief. Mich so unfähig, so panisch zu erleben. In der Panik fest zu stecken, obwohl ich genug Skills habe, damit umzugehen. Aber Atemübungen und das Beamen an den inneren sicheren Ort helfen nur für den Moment – sobald ich wieder überlege, was ich wann wie machen soll, kommt die Panik wieder.


So sieht das aus in meinem Kopf:
Morgen um 11:45 muss ich in der Diabetespraxis sein. Ich fahre mit der U-Bahn zur Hoheluftbrücke und geh den Rest zu Fuß. Muss also um 11:16 los, nee, warte, lieber um 11:11, dann hab ich mehr Zeit zum Laufen. Eigentlich könnte ich vorher am Schlump raus – da muss ich eh umsteigen – und kurz beim Orthopäden die Unterlagen holen. Wieviel Zeit brauch ich da? Vielleicht muss ich warten. Wenn ich eine halbe Stunde einplane, reicht mir das? Und was, wenn es lange dauert? Dann muss ich entweder hetzen oder ich gehe wieder und muss nochmal extra hinfahren. Gut, aber eine dreiviertel Stunde müsste doch reichen. Also um 10:26 zuhause weg. Dann hab ich immer noch keine Überweisung, weil ich doofe Nuss nicht rechtzeitig dran gedacht hab (oder einfach den Gedanken an die Hausärztin ausgeblendet, weil ich da nicht hin will). Aber die Überweisung kann ich auch nächste Woche holen und zur Diabetologin schicken. Oder hinbringen. Okay. Der Termin morgen dauert ca. eine halbe Stunde, wenn sie mich nicht wieder vergessen oder sich die vorherigen Termine alle rausgeschoben haben. Ich muss spätestens um 13:00 Uhr aus der Praxis raus sein, damit ich um 13:30 im Park zum Treffen mit Frau R. sein kann. Danach wäre eigentlich der Wocheneinkauf dran, weil die Milch nicht mehr lange reicht. Dafür bräuchte ich aber das Fahrrad, weil ich das nicht alles tragen kann. Nehm ich das also mit in die Bahn, steige eine Station später wieder aus, schließe das Rad dort an und fahre dann mit der Bahn weiter? Oder fahre ich mit der Bahn nach dem Treffen mit Frau R. nach Hause, schnapp mir das Rad, fahre mit der Bahn wieder zurück, kaufe ein und schiebe dann nach Hause?
Und nach all diesen Gedanken fällt mir wieder ein: wäre mein Knie nicht lädiert, würde ich einfach alles mit dem Rad machen. Es ist alles nicht weit auseinander, selbst zur am weitesten entfernten Diabetespraxis brauche ich nur 15 – 20 Minuten. Es wäre alles nicht so ein riesiges logistisches Problem.
Ach, und es soll übrigens nochmal heiß werden morgen. 29° im Schatten sind angesagt. Super, ich freu mich so.

Aber immerhin stelle ich jetzt durch das Aufschreiben fest, dass nur der morgige Tag Probleme macht. Und vielleicht reicht die Milch ja noch einen Tag länger, dann kann ich alles entzerren. Dann hab ich zwar diese Woche an jedem Tag etwas vor, aber — nein, das fühlt sich auch nicht gut an. Ich werde den Mittwoch brauchen, um mich vom Dienstag zu erholen, damit ich für Freitag noch genug Kraft habe (Arzt! Neuer, unbekannter, männlicher Arzt! Das reicht für eine ganze Panik alleine). Das ist wie: ich muss mit 3 schweren Taschen die Treppen rauf, jedes für sich ist Anstrengung. Nehm ich lieber alle Taschen auf einmal und muss dafür nur einmal gehen oder gehe ich zweimal und muss dafür nicht so schwer tragen?

Ja, so ist das hier. Möchte jemand tauschen?


Aber damit der heutige Tag nicht schon für die Panik vergeudet ist, stell ich mir jetzt das neue Album „Encounter“ von Igor Levit an, häng die Wäsche auf und bearbeite die Draußen-Fotos von Freitag weiter.

13-09-2020 Sonntag

Geschlafen, relativ lange und gut, trotz Elefantenkind. Einen ganzen Fantasyroman geträumt, aber fragt mich nicht, worum es ging.


Mit dem ersten Kaffee auf dem Balkon in der Sonne und den Bienen beim Ringelblumen-Nektarrausch zugucken. Und einer Wespe, die mit den unglaublichsten Verrenkungen versuchte, sich den Hintern zu putzen. Ich hab aber nur leise gelacht, um sie nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen.


Beim Frühstück die neuesten Nachrichten aus Moira gelesen und wieder einmal geschämt für diese ignoranten Politiker:innen, die sich einen Scheiß um Menschen kümmern.
Dass die Grünen bei der Wahl in NRW wirklich gut abgeschnitten haben, tröstet wenig darüber hinweg, dass die Mehrheit diesen unerträglichen CDU Mann A. Laschet behalten will. Von allem anderen, was überall passiert, wo alte weiße Männer das Sagen haben, red ich lieber nicht.


Dann Fotos sortiert und angefangen zu bearbeiten, in der Sonne gesessen, Pizza gebacken, Brot gebacken, Serie („Sløborn“) im ZDF weiter geguckt, die abklingenden Schmerzen im Körper dankend zur Kenntnis genommen.


Kommende Woche stehen einige Termine an; ich mach wohl besser mal eine Liste, damit ich nicht in Stress komme.

12-09-2020 Twittersperre oder: Ich war in diesem Draußen

Seit Montag trage ich wiedermal so eine dumme Erkältung mit mir rum, die eigentlich nicht wirklich schlimm ist, dank Schnupfennase aber Matsch im Kopf macht. Keine Energie für gar nix, dauernd müde, nicht denken, lesen oder gar schreiben mögen. Ich kann inzwischen ganz gut umgehen mit Tagen, die ich mit „Unproduktivem“ verbringe oder solchen, an denen ich halt einfach keine Kraft mehr habe, aber dieser Zustand zwischen krank und gesund ist nochmal anders: wenn ich eigentlich will, aber nicht kann. Dann werd ich schnell genervt von allem und bring erst recht nichts hin.

Ziemlich blöd ist es auch, wenn ich aufgrund der speziellen Zeiten dann lieber das Hilfe-Dings und die Therapie absage, um einerseits meine – was sind das? Bazillen? Viren? – nicht weiter zu geben (man:frau weiß ja nie …), andererseits aber auch nicht mit all den idiotischen Nasenpimmeln und MNS-Verweiger:innen zusammen in Bahn & Bus zu sitzen. Auch wenn die Therapiestunden grade sehr anstrengend sind, bringen sie mich doch jedesmal weiter und tun mir einfach gut. Darauf zu verzichten, ist Mist und trägt nicht zur Besserung der Stimmung bei.


Am Donnerstag war ich dann statt zur Therapie nur schnell zum Einkaufen, diesmal mit der Bahn und zu Fuß statt mit dem Rad, weil das mit dem Knie eben immer noch nicht geht. Dafür mag der Rücken nicht, dass ich die schweren Taschen dann nach Hause schleppe. Irgendwas ist ja immer. Aber wenigstens war ich mal eine Weile weg.


Gestern vormittag geh ich dann wie immer mit dem ersten Kaffee auf Twitter, will was liken und kriege statt dessen eine Nachricht: mein Account ist gesperrt. Zeitgleich eine Mail im Postfach:

„Hallo Ulrike E.,
dein Account, @fantasiafragile, wurde wegen eines Verstoßes gegen die Twitter Regeln gesperrt. Insbesondere wegen Verstoß gegen unsere Regeln über Missbrauch und Belästigung.
Du darfst dich nicht an der zielgerichteten Belästigung von Nutzern beteiligen oder andere dazu ermutigen. Jemand anderem körperlichen Schaden zu wünschen oder Hoffnungen in dieser Richtung zu äußern, zählen zu einem solchen Verhalten dazu.“

Das ist der beanstandete Tweet – gepostet am 28.08., dem Tag der unsäglichen „Anti-Corona-Demo“ in Berlin (der Link ging zu einem Tweet von „Endstation rechts):

Ich mach sowas sonst nicht, aber diesmal wünsche ich mir, dass da ein paar Leute mit Corona dabei sind. Vielleicht lernen dann ein paar andere was.

Auch wenn ich natürlich weiterhin hinter dem Tweet stehe, hab ich ihn gelöscht, damit ich weiter schreiben kann. Inzwischen hab ich auch gesehen, wer mich gemeldet hat und dass der anscheinend zu einer großen Blase rechter Accounts gehört, die nichts anderes machen, als den lieben langen Tag die Sozialen Medien nach solchen Posts zu durchforsten und sie dann zu melden.
Aber der ganze rechtsradikale Rotz bleibt natürlich stehen. Kennen wir ja.


Dann also kein Twitter. Vielleicht könnte ich mich ja mal in dieses Draußen wagen? Immerhin ist herrliches Frühherbstwetter, ich hab eine Fahrkarte und Zeit – warum nicht? Kaffee in der Thermosflasche mit, was zu essen, das Tablet für Fotos, Buch und Musik, eine Jacke für den Abend und auf gehts zu Planten & Blomen. Da komm ich gut hin, da kenn ich mich aus, und wenn es doof sein sollte, bin ich auch schnell wieder weg.

4 Stunden und 232 Fotos später: jo, war gut. Bißchen viele Menschen, aber an einem Freitagnachmittag bei Sonne nicht verwunderlich. Trotzdem nicht so viele wie früher und wie befürchtet. Dass die Musik am Pavillon schon gegen halb fünf los ging und nicht wie im Programm angekündigt um sechs, fand ich ziemlich blöd, weil die halt sehr laut waren. Da liegt der Rosengarten, in den ich so gerne gehe, einfach ungünstig nah dran. Auch die Bahn dahinter hatte ich nicht ganz so penetrant und laut in Erinnerung. Aber gut, es ist eben ein Park mitten in der Stadt, die blendet sich ja nicht einfach aus in dem ganzen Grün. Es war trotzdem gut, dass ich da war. Und dass ich die Wasserspiele um 16 Uhr nur so halb mitbekommen hab, war auch nicht schlimm, da sie ja zwei Stunden später nochmal statt fanden. Da waren auch viel weniger Leute da und ich hatte einen Sitzplatz, freie Sicht und Igor Levit auf den Ohren.
Ja, vielleicht sollte ich das wieder öfter machen, dieses Rausgehen.

Der Nachteil ist: ich kann mich die nächsten zwei Tage nur unter Schmerzen bewegen. Linkes Knie, rechter Fuß, Rücken – alles ruft nach Ruhe. Ich kenn das ja schon, aber es ist jedes Mal wieder blöd. Aber ich muss ja nix.

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